Das ungewissere Leben
von Peter Bernd
Das ungewissere Leben
von Peter Bernd, leitender Priester im Pastoralraum

Mahnmal für die Weisse Rose: Nachbildung von Flugblättern vor der Ludwig-Maximilians-Universität in München (Foto: Amrei-Mari/Creative Commons)
Im Sommer war ich mit Freunden in meiner ersten Heimat am Mittelrhein unterwegs. Ausflugsziele gibt es in den malerischen Tälern von Rhein und Mosel mit den Burgen und steilen Rebhängen unzählige. Leider waren wie überall die Theater- und Konzerthäuser in Sommerruhe, das Kinoprogramm war lau und mau. Aber es gab eine Ausnahme: Auf einer kleinen Sommertour durch eine Handvoll Städte glänzte ein junges Team mit Energie und Stimme mit dem Musical «Die weisse Rose» von Vera Bolten und Alex Melcher und erinnerte nicht nur hautnah an den studentischen Widerstand gegen das Naziregime 1942/43, sondern markierte einen kompromisslosen Einspruch gegen den wiedererstarkenden Faschismus in Deutschland und weltweit. Es wird von den Flugblättern erzählt und den Parolen, die sie nachts auf die Wände in München pinselten, von den Kontakten, die sie in andere Städte aufbauten, von Verhören und Hinrichtung. «Ein junges Team hat […] Bewegendes geschaffen, das sogar Hoffnung stiftet und von der Kraft der Wahrheit erzählt», schreibt die Abendzeitung München.
Wir hatten Karten für die letzte Vorstellung in Köln und gingen anschliessend durch die mittourende Ausstellung mit Fotos und Texten. Schon in der Schulzeit und danach immer wieder war die «Weisse Rose» Thema für mich. Ich habe Gedenkorte gesehen, und im nahegelegenen Saarland tragen Schulen, Strassen und Plätze den Namen von Willi Graf, der in Saarbrücken aufgewachsen ist. Er war Mitglied im katholischen Schülerbund Neudeutschland, heute «Katholische Studierende Jugend», und schloss sich 1934 dem «Grauen Orden» an, einem gegen die Hitler-Diktatur stehenden, verbotenen katholischen Jugendbund. Willi Graf weigerte sich stets, allen Drohungen zum Trotz, der Hitlerjugend beizutreten. 1938 wurde er wegen «bündischer Umtriebe» verurteilt und inhaftiert. Später war er Teil der Weissen Rose.
Er war wie die anderen vom Christentum geprägt und hatte gelernt, sich auszutauschen und kritisch wahrzunehmen, was um einen herum geschah und immer lauter wurde. Auch sein Chirstsein entwand sich den Dogmen und hohlen Formeln. Am 6. Juni 1942 schreibt Willi Graf in einem Brief an seiner Schwester Anneliese: «Die Art und Erziehung, wie wir in der Religion aufwuchsen, sind denkbar schlecht und voller Unmöglichkeiten. Innerlich war dieses ganze Gebäude hohl und voller Risse. […] Ich behaupte, dass dies gar nicht das eigentliche Christentum war, was wir all die Jahr zu sehen bekamen und das uns zur Nachahmung empfohlen wurde. In Wirklichkeit ist Christentum ein viel schwereres und ungewisseres Leben, das voller Anstrengung ist und immer wieder neue Überwindung kostet, um es zu vollziehen.» – An einem der letzten Sonntage wurde in den katholischen Kirchen das Evangelium gelesen, in dem Jesus zu seinen Jünger:innen sagt: «Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren, wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden» (Mt 16,24f.).
Da ist mir das Musicalerlebnis aus dem Sommer eingefallen und der Satz von Willi Graf. Dieses Sich-Verleugnen und Sein-Kreuz-auf-sich-Nehmen meint kein Wegducken und hat nichts mit bürgerlicher Moral zu tun. Sondern: Es zielt auf das «ungewissere Leben». Und das bedeutet, dass man etwas drangeben muss, dass Widerstand und Mut zum klaren Wort gefordert sein werden. Aber es ist echteres, wahreres, liebevolleres, sinnvolleres und solidarischeres Leben. Als Christ:in in der Nachfolge nicht eines überhöhten und dogmatisch verkehrten Christus, aber des ungewisseren Lebens, das das Leben des Messias Jesus war.
3. September 2026 | Peter Bernd, leitender Priester im Pastoralraum
Grüner Güggel
Wie die Pfarrei Schöftland Ressourcen schont
Grüner Güggel – wie die Pfarrei Schöftland Ressourcen schont
von Erwin Koch, Mitglied der Ortskirchenpflege und des Umweltteams

Dank energetischer Sanierung konnte der Energieaufwand der Kirche Hl. Familie in Schöftland um rund 40 Prozent gesenkt werden.
Dieser Sommer hat uns den Klimawandel wieder einmal vor Augen geführt. Was können wir als Kirche für die Nachhaltigkeit tun? Eine Antwort darauf ist der «Grüne Güggel», dem die Pfarreien des Pastoralraums Region Aarau angehören.
Der Grüne Güggel wurde in Deutschland ins Leben gerufen und heisst dort Grüner Gockel oder Grüner Hahn. 2015 wurde er in der Schweiz heimisch unter dem Namen Grüner Güggel. Es ist ein Umweltmanagementsystem, das sich u.a. zum Ziel gesetzt hat, Ressourcen in den Bereichen Energie, Wasserverbrauch, Lebensmittel sowie Papier zu sparen und Biodiversität zu erhöhen. Weiter sind auch die Gesundheit und die Sicherheit von Mitarbeitenden, ob interne oder externe, im Blick.
Der Grüne Güggel hilft Kirchen und kirchlichen Institutionen, ihre Umweltauswirkungen systematisch zu erfassen und nach Möglichkeit zu minimieren oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Dabei muss man nicht perfekt sein: Die Kirchgemeinde legt für sich kurz-, mittel- und langfristige Ziele fest und verbessert sich von Jahr zu Jahr. Wie dies abläuft, wird hier am Beispiel Schöftland aufgezeigt.
Nach einem Startkonvoi wurde im kleinen Rahmen festgelegt, wer sich im Umweltteam engagiert: Einige Personen waren von Anfang an definiert, z.B. die Gemeindeleitung und der Sakristan sowie Vertreterinnen und Vertreter der Ortskirchenpflege, der Katechese und des Pfarreirats. Dazu konnten zwei Personen aus der Pfarrei gewonnen werden, die sich sehr gut im Bereich der Biodiversität und des Naturschutzes auskennen. An den ersten Workshops waren weiter Vertreterinnen und Vertreter des Kirchenchors, des Frauenbunds, der Kirchenmusik, der Ministranten und der Lektorinnen und Lektoren anwesend. Aus den unterschiedlichsten Vorschlägen wurden Ziele und Vorgaben definiert und im Umweltprogramm festgehalten. Nach und nach wurden kleinere oder grössere Ziele erreicht:
- Nach der energetischen Sanierung sank der Energieaufwand für das Heizen um rund 40 %. Das entspricht bei einer Ölheizung einer Einsparung von zirka 6000 Liter Heizöl pro Jahr.
- Der Stromverbrauch konnte durch die Umrüstung auf LED-Leuchten massiv gesenkt werden.
- Sämtliche Grünflächen ums Pfarreizentrum Schöftland wurden 2024 in einer Grüner-Güggel-Aktion durch Pfarreiangehörige mit einheimischen Pflanzen bepflanzt.
- Plastikgeschirr ist nicht mehr zugelassen oder nur in Ausnahmefällen.
- Nach Möglichkeit keine PET-Flaschen verwenden (keine Regel ohne Ausnahme).
- Der anfallende Abfall wird getrennt in Papier, Plastik, Glas, Grünabfall, Blech und Restabfall.
- Unkraut auf Gehwegen und Plätzen wird neu mittels Heisswasser bekämpft. Dadurch wird kein Gift eingesetzt.
Einige Ziele sind auch nach Jahren noch nicht erreicht – aufgrund hoher Kosten oder schwerer Umsetzbarkeit. Vieles ist in kleineren und grösseren Schritten gelungen. Es hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, von Anfang an sämtliche Mitarbeitenden, Freiwilligen und Gruppierungen mit ins Boot zu nehmen sowie transparent und offen zu informieren. Auch an Gottesdiensten und im Pfarrblatt wurde über den Grünen Güggel geredet und geschrieben. Dadurch wurde die Akzeptanz erhöht.
Damit der Grüne Güggel auch weiterhin am Leben bleibt, braucht es Personen, die vorangehen und weitermachen. Um das Bewusstsein wachzuhalten, feiern wir jedes Jahr ein Fest für den Grünen Güggel, zu dem auch die Nachbarschaft eingeladen ist. In diesem Rahmen werden jeweils die aktuellen Zahlen vorgestellt: das nächste Mal am Samstag, 22. August, um 18.30 Uhr, in der katholischen Kirche Kölliken.
10. August 2026 | Erwin Koch, Ortskirchenpflege Schöftland
Tiere in der Bibel
Samstag, 5. Juni 2027
Tiere in der Bibel
Samstag, 5. Juni 2027, Zoo Zürich

Während dem Besuch im Zoo Zürich schauen die Teilnehmer*innen genauer auf die Bedeutung von Tieren in der Bibel. Tiere wie Löwen, Lämmer, Tauben und Kamele, die in der Bibel erwähnt werden, können im Zoo beobachtet werden. So lernen die Teilnehmer*innen mehr über das Verhalten und die Eigenschaften dieser Tiere. Das Ziel ist, besser zu verstehen, was Tiere in der Bibel bedeuten und wie Natur und Glaube zusammenhängen.
Treffpunkt Samstag, 5. Juni 2027, 8.30 Uhr, Bahnhof Aarau, unter der Bahnhofsuhr
Programm
- 8.45 Uhr Abfahrt mit Zug und Tram zum Zoo Zürich
- Rätseltour durch den Zoo
- Mittagsverpflegung aus dem Rucksack
- 16.08 Uhr Abfahrt ab Zoo Zürich
- 17.05 Uhr Ankunft in Aarau
Teilnehmer Jugendliche ab der 6. Klasse
Leitung Yvonne Zwyssig
Kosten kostenlos
Anmeldung bis Mittwoch, 2. Juni 2027
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Regionales Jugendtreffen
Samstag, 3. April 2027, in Entfelden
Regionales Jugendtreffen
Samstag, 3. April 2027, in Entfelden

Ein Abend im Zeichen von ?
Das Thema des Jugendtreffens folgt
Für Jugendliche der Oberstufe
Ort Pfarreizentrum Entfelden
Zeit 18.30–21.00 Uhr
Leitung Regio-Team
Kosten kostenlos
Keine Anmeldung erforderlich.
Rätseltour im Kloster Wettingen
Samstag, 29. Mai 2027
Rätseltour «Die verborgene Botschaft» im Kloster Wettingen
Samstag, 29. Mai 2027

© Foto: Museum Aargau
Details folgen.
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Schneetag in Engelberg
Sonntag, 28. Februar 2027
Schneetag in Engelberg
Sonntag, 28. Februar 2027

Ein perfekter Tag im Schnee, mit Skifahren, Boarden oder Schlitteln.
Wir fahren gemeinsam mit dem Car nach Engelberg. Dort verbringen wir einen ganzen Tag im Schnee (kein Ski-Kurs). Inklusive Mittagessen und Tageskarte.
Das ist inbegriffen
- Busfahrt nach Engelberg und zurück
- Tageskarte
- Schlittenmiete
- Spaghetti-Plausch
Programm
- 7.00 Uhr: Abfahrt ab Aarau, Feerstrasse 4, auf Höhe der Katholischen Kirche, Lageplan ›
- 7.15 Uhr: Abfahrt ab Schöftland bei der Katholischen Kirche, Lageplan ›
- 8.45 Uhr: Ankunft in Engelberg
- 8.45–12.00 Uhr: Skifahren, Snowboarden, Schlitteln oder Funpark
- 12.00–13.00 Uhr: Spaghetti-Plausch
- 13.00–16.15 Uhr: Skifahren, Snowboarden, Schlitteln oder Funpark
- 16.30 Uhr: Abfahrt ab Engelberg
- ca. 18.00 Uhr: Ankunft in Schöftland
- ca. 18.15 Uhr: Ankunft in Aarau
Teilnehmer Jugendliche der 6. bis 9. Klasse und junge Erwachsene
Leitung Yvonne Zwyssig und weitere erwachsene Begleitpersonen
Ort Engelberg
Kosten CHF 50.–, der Rest wird aus dem Jugendfonds bezahlt
Anmeldung erforderlich bis Mittwoch, 14. Februar 2027. Ohne Anmeldung ist keine Teilnahme möglich.
Hinweis Witterungsbedingt kann die Schlittelpiste geschlossen sein.
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Regionales Jugendtreffen
Freitag, 23. Oktober 2026, in Schöftland
Regionales Jugendtreffen
Freitag, 23. Oktober 2026, in Schöftland

Musikalischer Workshop mit Boris Lanz und Gruppenspiele
Boris Lanz ist gemäss Eigendefinition «ein Tüftler im Pensionsalter und immer noch fasziniert vom Klang der Materie. Vierzig Jahre Erfahrung als Kursleiter im experimentellen Instrumentenbau und in Musikimprovisation. Tätig in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen. Engagiert in Projektwochen an Schulen und Teambildungsworkshops.» Wer mehr wissen will, besucht seine Website.
Für Jugendliche der Oberstufe
Ort Pfarreizentrum Schöftland
Zeit 18.30–21.00 Uhr
Treffpunkte
- Pfarrei Schöftland: Treffpunkt um 18.30 Uhr in der Kirche Schöftland, Ende 21.00 Uhr
- Pfarrei Entfelden: Treffpunkt um 17.50 Uhr an der Tramstation Oberentfelden Uerkenbrücke
- Pfarrei Buchs-Rohr: Treffpunkt um 17.30 Uhr beim Bahnhof Buchs
- Pfarrei Suhr-Gränichen: Treffpunkt um 17.30 Uhr beim Bahnhof Suhr
Rückfahrt Schöftland Nordweg ab 20.58 Uhr
Leitung Regio-Team
Kosten kostenlos
Keine Anmeldung erforderlich.
Wahlen-2026
Wahlen 2026 – Anmeldung zum Fototermin
Liebe Pfarreileitende, liebe Mitglieder der Ortskirchenpflegen und der Synode, liebe Kandidatinnen und Kandidaten
Die Stimmberechtigten der Kreiskirchgemeinde Aarau werden zusammen mit den Wahlzetteln und dem Stimmrechtsausweis einen Faltflyer erhalten, in dem die Pfarreileitungen sowie die Mitglieder der Ortskirchenpflegen und der Synode portraitiert werden.
Dieses Portrait besteht aus
- einem Brustbild,
- dem Namen, dem Jahrgang und dem Wohnort sowie
- einem persönlichen Motivationstext.
Beispiel der Wahlunterlagen 2022 aus Entfelden
Damit die Wahlunterlagen einheitlich produziert werden können, bitten wir:
- um einen kurzen persönlichen Text, in dem ihr in ein, zwei Sätzen beschreibt, was euch zu einer Wahl oder zu einer Wiederwahl motiviert,
- um euer Erscheinen an einem der Fototermine, damit die Portraitaufnahmen erstellt werden können.
Danke für eure Anmeldung mittels untenstehendem Formular bis Montag, 10. August 2026.
Für Rückfragen wendet euch bitte an Dani Schranz, Kommunikationsbeauftragter des Pastoralraums Region Aarau per E-Mail.
Anmeldung zum Fototermin
«Könnten Sie mir etwas Geld geben?»
Passant:innenhilfe im Pastoralraum Region Aarau
«Könnten Sie mir etwas Geld geben?»
Passanten- und Passant:innenhilfe im Pastoralraum Region Aarau

Sozialarbeiterin Heidi Emmenegger (rechts) im Beratungsgespräch im Offenen Pfarrhaus in Aarau.
Kennen Sie diese Frage? Sie sind in der Stadt unterwegs und werden angesprochen. Plötzlich sind Sie in ihrem christlichen Verhalten direkt angesprochen. Vielleicht haben Sie diese Situationen schon öfter erlebt, vielleicht haben Sie schon ein «Konzept», wie Sie dann reagieren. Oder sind Sie in jeder neuen Situation wieder neu im Konflikt, ob Sie etwas geben oder nicht. Wir sollen doch Arme unterstützen, hat Jesus nicht auch so gehandelt?!? Oder Sie fühlen sich bedrängt und reagieren ungeduldig. Und danach fühlen Sie sich unwohl … hätte ich doch etwas geben sollen?
All diese Gefühle und Reaktionen sind zuerst einmal normal.
Auch wir als Seelsorgende oder Sozialarbeitende kennen diese Reaktionen. Auch wir stehen nicht selten in einem Dilemma. Menschen spenden Geld, sei es direkt oder über das «Antoniusopfer», damit die Kirche sich für Menschen einsetzt, deren Mittel zum Leben nicht reichen. Wie setzen wir dieses Geld ein?
Kennen Sie die Erzählung vom Barmherzigen Samariter im Neuen Testament? Jesus antwortet damit auf die Frage, wer ist mein Nächster. Entscheidend für unser Thema ist, dass hier Hilfe umgehend, konkret, nachhaltig ist – also durchaus überlegt und in gewisser Weise auch konzeptionell.
Wir als Kirchen wollen helfen! Wir sollen es auch. Und wir wollen es so gerecht, professionell und sinnvoll tun, wie möglich. Ziel ist es, dass es dem Menschen dient, oder wie es im Konzept lautet:
«Die Passanten- und Passant:innenhilfe ist ein niederschwelliges Unterstützungsangebot des Pastoralraums Aarau. Sie ermöglicht Menschen in akuten Notlagen eine rasche und unbürokratische Unterstützung. Sie versteht sich als Zeichen gelebter Solidarität und als konkrete Unterstützung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen.»
Die Hilfe ist ein «Ort der Begegnung. Hilfesuchende werden offen, respektvoll und wertschätzend» empfangen. Gleichzeitig wird aber auch an die Sicherheit der Mitarbeitenden gedacht und an die unterschiedlichen, auch menschlichen Situationen, die entstehen können. Grundlage bleibt immer, Menschen ernstnehmen, auch und gerade in ihrer Not, die nicht selten auch Druck erzeugt.
Weil wir aber nicht unbegrenzt Geld haben und vor allem die Menschen unterstützen wollen, die keine sonstige Unterstützung bekommen – also durch die «Maschen fallen» –, braucht es ein klares Konzept, auch um ungerechtes Verteilen so weit wie möglich zu verhindern. In der Pfarrei Aarau, die aufgrund ihrer Lage und Bedeutung oft besucht wird, werden die Menschen unterstützt, die sonst keine staatliche finanzielle Unterstützung bekommen. Das sind aktuell:
- Menschen ohne gültigen Ausweis
- Ausreisepflichtige Asylsuchende, die keine Nothilfe erhalten
- Menschen mit L-Ausweis ohne aktuelles Einkommen
- Obdach- bzw. wohnungslose Menschen aus dem In- und Ausland
- Fahrende/Jenische/Sinti und Roma aus dem In- und Ausland, die keinen festen Wohnsitz haben und keine Sozialhilfe beziehen
Es wird zwischen «Ordentlicher und weiterführenden Passant:innenhilfe» unterschieden. Denn «die Unterstützung ist niederschwellig und ersetzt keine längerfristige Sozialberatung, Sozialhilfe oder spezialisierte Fachberatung.» Deshalb kommt daneben auch die Triage ins Spiel – das Unterstützen bei der Suche, welche Stellen, staatlich oder kirchlich, weiterhelfen können.
Und trotz allem bleibt es uns schmerzlich bewusst, dass es am Ende immer Situationen geben wird, in denen wir spüren, dass diese Art von Hilfen die eigentlichen Ursachen von Not, Flucht und Armut nicht verändern können. Deshalb engagieren wir uns auch gesellschaftlich, in Netzwerken, in Kontakt zu den staatlichen Stellen und Verantwortlichen – denn Kirchen sind Teil der Gesellschaft, in der gerade ihre Unterstützung von Menschen in Not einen hohen Stellenwert hat.
Wenn Sie das nächste Mal in eine Situation kommen, wo Sie angesprochen werden, können Sie sich zum Beispiel an den «10 Tipps und Infos im Umgang mit bettelnden Menschen» der Caritas Deutschland orientieren. Oder Sie verweisen auf unsere Pfarrämter.
So oder so, wenn Sie dem Menschen begegnen, begegnen Sie ihm als Mitmensch. Nehmen Sie ihn ernst. Oder wie der 10. Tipp heisst: «Für jeden Menschen gilt: Keiner lebt ohne Grund auf der Strasse, keiner bettelt freiwillig. Die Gründe können für mich nachvollziehbar sein oder nicht, es gibt sie aber. Und dahinter steckt in fast allen Fällen Not.»
29. Juli 2026 | Burghard Förster, Pfarreileiter in Aarau
Feminismus und die katholische Kirche
Spannungsfeld und Chance
Feminismus und die katholische Kirche – Spannungsfeld und Chance
von Brigitta Minich

Das Verhältnis zwischen Feminismus und der katholischen Kirche wird häufig als konfliktgeladen wahrgenommen. Von zwei Seiten zu schreiben, setzt bereits Verallgemeinerungen voraus, die eh nie hilfreich sind. Tatsächlich lassen sich aber Fragen erkennen, bei denen die Positionen weit auseinanderliegen. Gleichzeitig verbindet beide mehr, als auf den ersten Blick sichtbar ist: das Eintreten für die Würde des Menschen, für Gerechtigkeit, Schutz der Schwachen und der Natur.
Feminismus ist keine einheitliche Bewegung. Er umfasst unterschiedliche Strömungen, die sich für gleiche Rechte, gleiche Chancen und die Überwindung von Diskriminierung einsetzen. Im Kern geht es um die Überzeugung, dass alle Menschen die gleiche Würde besitzen und ihre Fähigkeiten unabhängig von Geschlechterzuschreibungen entfalten können.
Die katholische Kirche bekennt sich eindeutig zur gleichen Würde von allen Menschen. Die biblische Aussage, dass der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist, bildet dafür die Grundlage. Viele Menschen haben die Geschichte und das Leben der Kirche geprägt und prägen sie bis heute.
Dennoch bleiben Fragen offen. Menschen wünschen sich mehr Mitverantwortung in Leitungsaufgaben und eine stärkere Beteiligung an Entscheidungsprozessen. Besonders die Frage nach der Weihe von Frauen oder verheirateten Männern wird kontrovers diskutiert. Während das kirchliche Lehramt daran festhält, dass das Weihesakrament (zölibatären) Männern vorbehalten ist (ausser dem ständigen Diakonat, er ist verheirateten Männern offen), empfinden viele Gläubige diese Position als schwer nachvollziehbar. Andere sehen darin eine Treue zur kirchlichen Tradition und zur Gestalt des priesterlichen Dienstes, wie sie sich im Laufe der Geschichte entwickelt hat.
Diese unterschiedlichen Sichtweisen führen nicht selten zu Spannungen. Doch Kirche lebt seit ihren Anfängen von der Auseinandersetzung um den richtigen Weg. Synoden, Konzilien und geistliche Gespräche zeigen, dass Fragen offen ausgesprochen und gemeinsam bedacht werden dürfen. Entscheidend ist dabei, einander mit Respekt zuzuhören und die gemeinsame Suche nach dem Wirken der Heiligen Geistkraft nicht aufzugeben.
Mit Papst Franziskus wurden Frauen erstmals in verantwortliche Leitungspositionen innerhalb der römischen Kurie berufen und mit beratenden sowie leitenden Aufgaben betraut. Diese Entwicklungen zeigen, dass Veränderungen möglich sind, auch wenn sie (noch) nicht alle Erwartungen erfüllen.
Feminismus stellt die Kirche zugleich vor wichtige Fragen: Werden alle Menschen ausreichend gehört? Werden ihre Begabungen genutzt? Gibt es Strukturen, die einer Erneuerung bedürfen? Umgekehrt kann die Kirche den gesellschaftlichen Diskurs bereichern, indem sie die unveräusserliche Würde jedes Menschen, den Schutz des Lebens, Solidarität und die Bedeutung tragfähiger Beziehungen und Verbundenheit in den Mittelpunkt stellt.
Ein fruchtbarer Dialog braucht weder gegenseitige Abwertung noch vorschnelle Urteile. Er lebt von der Bereitschaft, die Erfahrungen anderer ernst zu nehmen und unterschiedliche Überzeugungen auszuhalten. Wo Menschen einander mit Achtung begegnen, kann Vertrauen wachsen – auch dort, wo nicht alle Fragen sofort beantwortet werden.
Die Zukunft der Kirche wird wesentlich davon abhängen, ob Menschen ihre Berufung miteinander leben und Verantwortung übernehmen. Nicht Gegeneinander, sondern Miteinander entspricht dem Evangelium. Wenn Glaube, Gerechtigkeit und Verbundenheit zusammenwirken, ist die Kirche ein glaubwürdiges Zeichen der Hoffnung für unsere Welt, weil das Reich Gottes so wächst.
20. Juli 2026 | Brigitta Minich, Pfarreileiterin in Suhr-Gränichen
Sommerferien – Zeit für eine Ruhepause
von Viktoria Vonarburg
Sommer – Zeit für eine Ruhepause
von Viktoria Vonarburg

Die Sommerferien beginnen gerade. Es wird merklich ruhiger, Liegengebliebenes kann aufgearbeitet, zurückgestellte Freizeit nachgeholt werden. Manch einer und eine von uns verreist auch für ein paar Tage oder Wochen. Die bewusste Distanz zum Alltag hilft dabei, abzuschalten. Und wir werden beschenkt mit neuen Eindrücken, Begegnungen, und so weiter.
In den letzten Jahren mussten wir miterleben, wie der Umgangston im Grossen in der Weltpolitik und auch im Kleinen in unserem erlebten Alltag rauer geworden ist: Fronten verhärten sich, Positionen werden extremer, Diskussionen hitziger, Wortgefechte lautstarker. Aufgestaute Emotionen entladen sich in einem lauteren Tonfall, als man eigentlich wählen möchte.
Vielleicht spiegelt sich darin auch die sich immer schneller drehende Welt: Geschäfte, über die zu befinden ist, werden immer komplexer, es wird von einem Termin zum nächsten gehetzt, unterschiedlichste Ansprüche sind unter einen Hut zu bringen, und es gibt nur selten Momente des Innehaltens.
Im Sommer mit seinen langen Tagen und der Feriendistanz zum Alltag werden wir für einen Augenblick aus der Hektik dieses Alltags herausgeführt. Wir können entspannen, abschalten und durchatmen – einfach sein, ohne leisten oder etwas erreichen zu müssen, ohne zu planen. Da fällt viel Druck ab – Sommerpause als Gegenprogramm zum Alltag.
Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie in diesem entspannten Umfeld der Ferien mal ganz andere Seiten an uns zum Vorschein kommen können. Menschen, die im Alltag schüchtern sind, fangen in der Ferne plötzlich mit wildfremden Personen Gespräche an. An anderen Orten sind wir abenteuerlustiger als zu Hause. Wir probieren Neues aus, sei es an Aktivitäten oder kulinarisch. Und wenn etwas schiefläuft, reagiert so manch einer und eine viel gelassener. Spontaneität und Kreativität mit unvorhergesehenen Situationen nehmen zu. Wir erleben eine Leichtigkeit des Seins. Diese ungewohnten Erfahrungen erweitern den Horizont und bereichern den Alltag.
Viele von uns – ich eingeschlossen – nehmen uns vor, die wiedergewonnene Leichtigkeit in den Alltag mit hineinzunehmen. Manchmal gelingt dies besser und länger. Manchmal holt uns der Alltag schneller wieder ein. Ich wünsche uns allen, dass wir diese Lebensfülle in den kommenden Wochen erfahren dürfen und dass wir sie uns erhalten können – persönlich, als Kirche und als Gesellschaft.
Dazu möge uns Gottes Segen begleiten:
Gott begleite uns, wenn wir aus den Urlaubstagen wieder im Gewohnten ankommen.
Als Schöpfer schenke er uns im Alltag die Wunder des Neuanfangs.
Als Jesus Christus gehe er mit uns, wenn der Alltag beschwerlich wird.
Als Heiliger Geist setze er beharrlich die Freiheit des Sommers in unseren Alltag.
Amen
6. Juli 2026 | Viktoria Vonarburg, Pfarreileiterin in Schöftland
Wo nachhaltige Hilfe greift
Kirchlich Regionaler Sozialdienst Aarau
Wo nachhaltige Hilfe greift
Kirchlich Regionaler Sozialdienst Aarau

Das Team des KRSD Aarau (von links): Marilena Stadler, Vorpraktikantin Soziale Arbeit, Rabea Widmer, Standortleiterin, Anna Parini-Schmid, Sozialarbeiterin. Es fehlt Sara Cerutti, Sozialarbeiterin.
Der Kirchlich Regionale Sozialdienst (KRSD) Aarau blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück: Teamwechsel, neue Projekte und eine gesicherte Finanzierung prägten 2025. Nach drei Jahren Kontinuität im Team gab es 2025 erstmals wieder einen personellen Wechsel: Standortleiterin Sarah Lohr verliess den Sozialdienst, um eine neue Herausforderung an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) anzunehmen. Per Januar 2026 übernahm Rabea Widmer die Standortleitung in Aarau. Der KRSD dankt Sarah Lohr herzlich für ihr langjähriges Engagement.
Eine besonders erfreuliche Nachricht: Die Kirchgemeinden des Pastoralraums Region Aarau haben dem KRSD Aarau die Finanzierung für die kommenden vier Jahre erneut zugesichert. Diese Kontinuität ist in Zeiten rücklläufiger Steuererträge keine Selbstverständlichkeit. Sie ermöglicht es dem Team, verlässlich und vorausschauend für seine Klientinnen und Klienten da zu sein.
Im vergangenen Jahr begleitete der KRSD 296 Dossiers und führte 333 Kurzzeitberatungen durch. Die Klientel ist vielfältig: 38 Prozent sind Familien, ein Viertel Alleinstehende. Viele Menschen kommen aus schwierigen Einkommenssituationen – je 27 Prozent sind Working Poor oder beziehen Sozialhilfe. 72 Prozent der Beratungen finden auf Deutsch statt, daneben wird auch auf Spanisch, Portugiesisch, Englisch, Italienisch und weiteren Sprachen beraten. Der Weg zum KRSD führt häufig über private Empfehlungen (29 Prozent) oder das Internet (21 Prozent). 36 Jugendliche liessen sich im Berichtsjahr beraten, vorwiegend zu persönlichen, familiären und finanziellen Fragen.
Im Bereich der administrativen Unterstützung erhalten Ratsuchende kostenlose Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, beim Verfassen von Briefen oder bei der Vereinbarung von Terminen. Neu findet dieses Angebot im Café Paula im Offenen Pfarrhaus der Pfarrei Peter und Paul in Aarau statt. Bis zu fünf Freiwillige engagieren sich pro Woche; insgesamt kamen rund 400 Kontakte zustande. Die Unterstützung wird mehrsprachig angeboten, auf Deutsch, Englisch, Ukrainisch, Tamilisch, Spanisch, Portugiesisch und Italienisch.
In den Nähateliers in Aarau, Baden, Brugg und Wohlen kommen Frauen zusammen, um gemeinsam zu nähen und soziale Kontakte zu pflegen. 2025 zählten die Ateliers 820 Besuche; 35 Freiwillige leisteten insgesamt 1639 Stunden. Für Frauen mit sogenannter «KulturLegi ist das Material kostenlos. Anna Parini baute im Berichtsjahr das Nähatelier in Brugg auf und erweiterte damit das Angebot im Kanton. Gesucht werden weiterhin Freiwillige für das Atelier in Wohlen.
Gemeinsam mit rund 20 Konfirmandinnen und Konfirmanden gestaltete das KRSD-Team die Aktion «Eine Million Sterne» – neu in Zusammenarbeit mit der reformierten Kirche Aarau. Die Jugendlichen setzten sich im Vorfeld vertieft mit dem Thema Armut auseinander, entzündeten Kerzen und bewirteten Gäste mit Punsch und Kuchen. Die stimmungsvolle Veranstaltung zog zahlreiche Besucherinnen und Besucher an und schuf Raum für Begegnungen und gemeinsame Hoffnungszeichen.
Der KRSD lebt von seinem Netzwerk aus Freiwilligen, Kirchgemeinden, Stiftungen und Partnerorganisationen. Wer sich engagieren oder spenden möchte, findet alle Informationen auf der Webiste des KRSD Aargau oder meldet sich telefonisch unter 062 837 06 16.
22. Juni 2026 | Dani Schranz
Buchs-Rohr Anmeldung Oberstufe 2026–2027
Anmeldung Oberstufenprojekte 2026–2027
Hier findest du alle Projekte, die du auswählen kannst. Such dir einfach bis Freitag, 7. August, mindestens drei aus, die dich interessieren oder auf die du Lust hast.
Wichtig: Deine Anmeldung ist verbindlich.
Danke!
Yvonne Zwyssig
E-Mail
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Buchs-Rohr Anmeldung Kirchenjahr 2026–2027
Anmeldung Kirchenjahr 2026–2027
Wähle bitte aus dem Programm 2 bis 3 diakonische Projekte und 2 Anlässe aus, bei denen du mitwirken möchtest, die dich interessieren oder auf die du Lust hast.
Wichtig: Mit deiner Anmeldung meldest du dich verbindlich an.
Danke!
Yvonne Zwyssig
E-Mail
Anmelden
Bücher, die zum Nachdenken anregen
von Viktoria Vonarburg
Bücher, die zum Nachdenken anregen
von Viktoria Vonarburg, Pfarreileiterin in Schöftland

Hartmut Rosa ist ein deutscher Soziologe und Politikwissenschaftler. Er lehrt als Professor für allgemeine und theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und ist Direktor des Max-Weber-Kollegs der Universität Erfurt.
In den vergangenen Jahren haben mich u.a. die Bücher Unverfügbarkeit und Beschleunigung und Entfremdung des renommierten Soziologen Hartmut Rosa mit ihren Gegenwartsanalysen tief beeindruckt. Viele Menschen sind zusehends überfordert. Aufgrund des Transzendenzverlusts der postmodernen, säkularen Gesellschaft werden Sinn und Erfüllung hier gesucht.
Alle Möglichkeiten sind auszuschöpfen: Heute ein Konzertbesuch in London, morgen ein Abstecher nach Rom auf einen Kaffee und dann noch kurz auf eine Shoppingtour nach New York übers Wochenende. In dieses eine Leben werden alle möglichen Leben gepackt. Die eigene Reichweite wird immer mehr ausgeweitet, sei es durch Verkehrsmittel wie Flugzeuge oder durch digitale Bibliotheken und Musikplattformen mit einer unendlichen Anzahl an hinterlegten Titeln. Stress ist vorprogrammiert.
Um dem entgegenzuwirken, müssen wir uns in Achtsamkeit üben. Doch auch hier spielt Leistung mit hinein. Alles und jede*r stehen permanent unter einem Optimierungszwang. Kein Aspekt unseres Lebens ist davon ausgenommen: Die Wirtschaft muss wachsen, im Job muss man weiterkommen, der eigene Körper ist zu optimieren, notfalls auch mittels plastischer Chirurgie. Wer nicht mitkommt, bleibt auf der Strecke. Antreiber hinter dieser Bewegung sei nicht der Drang nach immer mehr, sondern die Angst vor dem Weniger.
Um wieder Sicherheit zu erlangen, wird nach Kontrolle gestrebt. Sogar Wetterphänomene wie Regen und Schneefall werden künstlich manipuliert. Zugleich geht unser Bezug zu unserer Mit- und Umwelt (und auch zu uns selbst) dadurch zusehends verloren. Denn der Versuch, sich die Welt verfügbar zu machen, zerstört die Beziehung, die Resonanz zwischen uns und dem, was uns begegnet.
Beziehung basiert gemäss Rosa nämlich wesentlich auf Unverfügbarkeit. Das habe ich z.B. in Assisi erlebt: In einem Jahr herrschte dort eine grosse Ruhe. Das war nun meine Vorstellung und Erwartung an diesen Ort. Im Jahr darauf war die Stimmung dagegen angespannt, ein unruhiges Gewusel um mich herum, das mich die Stille des Ortes nicht hat erleben lassen. Wir wissen nie, wann und wie wir von etwas oder jemandem berührt werden.
In seinem neuesten Buch Situation und Konstellation entfaltet Rosa einen weiteren Aspekt: Unsere Wirkmächtigkeit wird zusehends durch Reglementierungen eingeschränkt. Mir fällt das im ÖV auf: Früher hielt der Bus für ältere Personen beim Einkaufsladen. Der Fahrer erlebte sein Tun als wirksam. Am Abend konnte er erfüllt und zufrieden die Schicht beenden, er hatte Menschen eine Freude gemacht und ihnen geholfen. Heute gibt es strenge Vorgaben, es darf nicht mehr einfach angehalten werden: Nur noch bei der offiziellen Haltestelle dürfen Personen ein- und aussteigen. Die Selbstwirksamkeit ging verloren.
Bisher habe ich erst das Vorwort gelesen und doch sind schon viele Gedanken davon ausgelöst worden. Nun freue ich mich schon auf die weitere Lektüre. Das muss jedoch vorerst noch warten, bis ich mehr Zeit habe und mich ganz darauf einlassen kann. Denn Rosas Bücher sind für mich immer auch ein Resonanzgeschehen. Mit welchem Ausgang wohl diesmal?
11. Juni 2026 | Viktoria Vonarburg
Gemeinsam zur ökologischen Vielfalt
rund um die Pfarrei Peter und Paul Aarau
Gemeinsam zur ökologischen Vielfalt
Umgestaltung der Umgebung der Pfarrei Peter und Paul Aarau
Vierzehn Standorte für die ökologische Umgestaltung des Aussenraums wurden 2022 von der Pfarrei Peter und Paul Aarau in Zusammenarbeit mit dem Naturama Aargau definiert. Vor Kurzem fand mit dem Teilprojekt «Asphaltknacker» an der Westfassade der Kirche der vorläufige Abschluss der Umsetzung statt. Auf einem Spaziergang rund um Kirche und Pfarrhaus stechen die Veränderungen jetzt im Frühling besonders ins Auge. Immer wieder bleiben Passant*innen stehen, um die Blütenpracht der einheimischen Stauden zu bewundern oder ein Foto zu machen. Auch die alten asiatischen Zierbäume passen ins Bild. Der Ästhetik willen wurden sie bewusst belassen.

Blühende Vielfalt an der Poststrasse.
Eine Pfarrei ist ein lebendiges Gebilde, geprägt von verschiedensten Menschen in verschiedensten Funktionen. Das grosse Umgestaltungsprojekt zeigt auf eindrückliche Weise, dass genau diese Vielfalt an Menschen zum Erfolg führen kann.
Erste Initiativen gehen zurück auf das Projektteam Biodiversität, welches sich aus dem Prozess zum Nachhaltigkeitslabel «Grüner Güggel» ergeben hatte: Heidi Emmenegger (pfarreiliche Sozialarbeit) und Viktor Schmid (Pfarreimitglied und Freiwilliger) haben beide einen «grünen» Hintergrund. Sie auf einem Bio-Bauernhof im Fricktal aufgewachsen, er mit jahrelanger Tätigkeit im Amt für Landwirtschaft des Kantons, sahen schnell das Potenzial der brachen Flächen auf dem Areal.

Die Rabatte vor der ökologischen Umgestaltung.
Sowohl die Pfarreileitung, das Pfarreiteam, wie auch verschiedenste pfarreiliche Gruppen und Freiwillige unterstützten die neuen Ideen sowohl ideell wie auch ganz praktisch. Die pfarreilichen Jugendverbände Jubla und Pfadi bauten Kleinstrukturen, wie ein Insektenhotel oder einen Igelhaufen und legten einen Ruderalstreifen an, der inzwischen wunderbar blüht. Freiwillige mit Fluchthintergrund bauten einen Steinhaufen mit Sand im Untergrund: ein Zuhause für Reptilien. Mehr als zehn Stammgäste des Offenen Pfarrhauses halfen mit bei der Vorbereitung der Rabatte Poststrasse und beim Setzen von mehreren hundert einheimischen Stauden. Geplant wurde dieses grösste Teilprojekt von der Firma Dinkel Garten AG, welche in den letzten Jahren eine geschätzte und verlässliche Partnerin wurde. In naher Zusammenarbeit mit den Gartenfachpersonen wurde eine weitere Freiwilligengruppe darin geschult, die nun anfallenden Pflegemassnahmen regelmässig umzusetzen: jäten, Pflanzen zurückschneiden und wässern, falls notwendig.
Die anfallenden Kosten konnte und musste die Pfarrei nur zu einem kleinen Teil selbst tragen. Die Ausgaben wurden grösstenteils durch Stiftungen und Organisationen mit Nachhaltigkeitszielen gedeckt. Auch der Kanton Aargau und die Stadt Aarau sehen das Engagement und beteiligten sich mit grosszügigen Kostenübernahmen.
Ganz im Sinne des Prozesslabels «Grüner Güggel» plant das Projektteam bereits weitere Massnahmen zum Schutz der Umwelt und damit zum Erhalt der Schöpfung. Im Vertrauen darauf, dass auch zukünftige Projekte von vielen Menschen mitgetragen werden.
Einladung
Am Freitag, dem 29. Mai, um 18.00 Uhr feiern wir gemeinsam mit Info, Rundgang und Apéro die Einweihung der Naturmodule. Alle an ökologischer Vielfalt Interessierten sind herzlich eingeladen!
Anmeldung bitte per E-Mail an Heidi Emmenegger
8. Mai 2026 | Heidi Emmenegger
Sommer-Tageslager 2026 «Unter dem Himmelszelt»
Montag, 6. Juli - Freitag 10. Juli 2026
Sommer-Tageslager 2026 «Unter dem Himmelszelt»
Montag, 6. Juli bis Freitag 10. Juli 2026

Liebe Eltern und Erziehungsberechtigte, liebe Kinder
Unter dem Himmelszelt: eine Woche lang jeden Tag gemeinsam unterwegs sein. Wir laden auch dieses Jahr in den Sommerferien ein zum Tageslager vom Montag, 6 Juli, bis Freitag, 10. Juli 2026.
Gemeinsam mit den Kindern machen wir uns jeden Tag auf, Neues zu entdecken.
Wichtige Informationen
- Das Tageslager findet von Montag, 6. Juli bis Freitag, 10. Juli statt.
- Treffpunkt ist üblicherweise am Morgen um 09.00 Uhr im Kath. Pfarreizentrum in Schöftland (Birkenweg 8, 5040 Schöftland) und der Abschluss jeweils um ca. 17.00 Uhr.
- Eingeladen sind alle Kinder von der 1. Klasse (Schuljahr 26/27) bis zur sechsten Primarklasse.
- Jugendliche dürfen gerne mitleiten.
- Für das Mittagessen und das «Zvieri» ist jeweils gesorgt.
- Die Kosten übernimmt die Kath. Pfarrei Schöftland.
Es ist schön, wenn die Kinder die ganze Woche dabei sein können. Es ist aber auch möglich, dass sich die Kinder nur für einzelne Tage anmelden.
Das detaillierte Programm sowie die Packliste für den jeweiligen Tag erhalten Sie nach der Anmeldung.
Bei Anliegen oder Fragen dürfen Sie sich gerne an uns wenden.
Kontakt
Astrid Baumgartner Tel. 077 411 92 39
Wir freuen uns auf ein tolles Lager mit euch.
Viktoria Vonarburg, Trix De Faveri, Gaby Zihlmann, Mirjam Dörfer, Bruna Matter, Melanie Häfeli, Astrid Baumgartner, Leo Bruzzone, Andrea Bruzzone und Francesco De Faveri
Anmeldung
Die Anmeldefrist ist abgelaufen.
Einladung zum Themenabend
mit Dr. Urs Eigenmann, Donnerstag, 21. Mai in Schöftland
«Ist Eucharistie noch zeitgemäss?»
Einladung zum Themenabend mit dem Theologen Dr. Urs Eigenmann

Dr. Urs Eigenmann Bildquelle: Intitut für Theologie und Politik, Münster
Die Frage spielt mit einer Doppeldeutigkeit. Es gibt die schnelle, selbstgewisse Antwort: Ja oder Nein. «Ja», sagen die einen – und verbinden damit katholische Identität, dogmatische Lehre, Geheimnis und Wandlung in einer magischen Vorstellungswelt. «Nein», sagen die anderen: «Mit dem kirchlichen ‹Hokuspokus› kann ich nichts anfangen.»
Der Theologe Urs Eigenmann geht einen anderen Weg. Er verortet die Eucharistie biblisch und beschreibt sie als subversive Symbolhandlung – jenseits einer idolatrie-verdächtigen Verehrung eines «Allerheiligsten». Für ihn ist sie ein symbolisches Tun der Gemeinde, das erinnernd, hinweisend und vorausschauend in Gesellschaft und Welt hineinspricht – und so zu befreiendem, «transformierendem» Handeln anstiftet. Kurz: Die Eucharistie «nimmt symbolisch eine Welt vorweg, in der alle Menschen Platz und das Leben in Fülle haben» (U. Eigenmann, Fünf Thesen zur Eucharistie). So wird die Frage «Ist Eucharistie noch zeitgemäss?» erneut mit «Ja» beantwortet – aber ganz anders.
Der Themenabend verspricht, spannend zu werden. Kommen Sie mit Offenheit, Fragen und Ideen – zum Zuhören oder Diskutieren.
Donnerstag, 21. Mai 2026, 19–21.30 Uhr, Pfarreizentrum Schöftland, Birkenweg 8. Alle interessierten Menschen sind willkommen. Anschliessend Apéro. Eintritt, Kollekte. Eine Veranstaltung des Pastoralraums Region Aarau.
Räume sehen und Räume gestalten
Pastoralraum-Konferenz in Entfelden
Räume sehen und Räume gestalten
Pastoralraum-Konferenz vom 22. April 2026 in Entfelden

Der Spielplatz «St. Martins Arche» der Pfarrei Entfelden ist ein gelungenes Beispiel eines gestalteten Sozialraums. Er ermöglicht Begegnung von Jung und Alt – mit oder ohne kirchlichen Bezug. Bild: Dani Schranz
Zweimal im Jahr kommen die Mitarbeitenden der fünf Pfarreien des Pastoralraums Region Aarau zur sogenannten Pastoralraum-Konferenz zusammen. Dieser Austausch ist mehr als ein reiner Informationsanlass. Er soll die Mitarbeitenden zusammenführen, inspirieren und den Blick weiten. Am 22. April trafen sich rund 35 Personen in Entfelden – Seelsorgende, Katechetinnen, sozialdiakonisch Mitarbeitende, Sakristane, Pfarreileitungen, Missionare und Mitarbeitende der Fachstellen – zu einem Halbtag unter dem Titel: «Räume wahrnehmen – Sozialraum entwickeln – Ideen entwickeln».
Als Referenten eingeladen waren Isabelle Schreier und Urs Bisang der Fachstelle Jugend und junge Erwachsene der Landeskirche Aargau.
Mit dem Stift beginnen
Der Einstieg war spielerisch. Die Teilnehmenden jeder Pfarrei griffen zum Filzstift. In je einer Minute pro Thema wurden sechs Ansichten der eigenen Kirche skizziert: Altar und Altarraum, Kirchenraum und Bänke, Aussenansicht der Kirche, Kirchturm und ein persönlich bedeutsamer Ort. Keine Kunstwerke waren gefragt, sondern Wahrnehmung: Was sehe ich wirklich, wenn ich den mir vertrauten Raum anschaue?
Die kleine Übung legte den Grundstein für die eigentliche Fragestellung des Tages: Wie gehen wir mit unseren Räumen um? Wen wollen wir einladen? Wem möchten wir dort begegnen?
Was ein Sozialraum ist
Im Mittelpunkt des Vormittags stand ein Begriff, der auf den ersten Blick etwas theoretisch klingt, in der Praxis aber schnell konkret wird: der Sozialraum. Gemeint ist damit kein physischer Raum im architektonischen Sinn, sondern ein Ort, der wiederholt aufgesucht wird und der Begegnung ermöglicht – auch ungeplant, von selbst. Das kann eine Bushaltestelle sein, ein Schulhof, ein Quartierplatz. Oder eben: ein Kirchenraum oder ein Kirchenvorplatz.
Die Fachstelle Jugend und junge Erwachsene der Landeskirche hat in den letzten Jahren untersucht, wie kirchliche Räume neu gedacht werden könnten – mit einem besonderen Augenmerk auf Bedürfnisse von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Fünf Qualitäten machen nach Ansicht der Referenten einen Raum zum gelebten Sozialraum: Er lädt ein, ohne auszuschliessen (Inklusion). Er lässt sich nach eigenen Bedürfnissen nutzen (Aneignung). Er bringt Menschen in Kontakt (soziale Interaktion). Er stärkt das Miteinander (sozialer Zusammenhalt). Und er ermöglicht Selbstwirksamkeit – das Gefühl, als Subjekt etwas gestalten und bewirken zu können (Empowerment).
Ein Raum sendet Signale aus. Möblierung, Ausrichtung und Gestaltung können einladend wirken oder ausgrenzen. Den Nutzen einer Cafeteria muss man niemandem erklären. Zwei Stühle auf dem Trottoir laden zum Innehalten und Ausruhen ein.
Isabelle Schreier präsentierte konkrete Projekte aus dem Kanton Aargau und eines aus Frankfurt am Main als Referenzobjekte. Was sie gefunden hat, sind gelungene Beispiele erschaffener Sozialräume, die gezielt Jugendliche und junge Erwachsene ansprechen.
In Laufenburg pflanzten Firmanden Bäume auf der Plattform vor der Stadtkirche St. Johann, später kamen Sitzmöglichkeiten dazu. Für die teilnehmenden Jugendlichen wurde so ein Ort mit Identifikation und «meinem Bäumchen» erschaffen. Heute wird der Platz für Freizeittätigkeiten und gelegentlich auch für liturgische Feiern genutzt.
In Suhr schraubten Ministrantinnen und Ministranten Bänkchen aus Paletten zusammen – beweglich, frei aufstellbar, von allen nutzbar. Wer den Platz seither besucht, trifft auf Jugendliche und Senioren gleichermassen. Ein Geocaching-Projekt brachte zudem in neun Monaten über 300 Menschen an den Ort, viele davon ohne bisherigen Kirchenbezug.
In Rheinfelden steht ein ausgebauter Bauwagen für Kinder aus dem Quartier. Und in Siggenthal zeigt ein Jugendraum mit Bar, Aufenthalts- und Diskobereich, was möglich ist, wenn Räume konsequent auf die Ansprüche eine Gruppe ausgerichtet werden.
Die Räume entdecken
Nach der theoretischen Einführung gingen die Teilnehmenden im Pfarreizentrum Entfelden in Gruppen zu Fuss auf Erkundung, mit konkreten Fragestellungen: Wo zieht es mich hin? Was macht diesen Raum interessant? Und was wäre ein erster realistischer Schritt, ihn sozialräumlich weiterzuentwickeln?
Die Ergebnisse wurden anschliessend im Plenum im 40-Sekunden-Format präsentiert – als sogenannter Elevator-Pitch. Die Ideen, die dabei entstanden, zeigen, wie viel Potenzial in den bestehenden Räumen steckt. Vielleicht eine Yoga-Ecke im Aussenbereich? Ein Pétanque-Platz oder ein Ort zum Sternebeobachten? Oder gar ein sozialdiakonisches Notschlafstellenprojekt im Kirchenraum? Ein Gruppenraum, komplett leergeräumt, mit grossem Tisch und offener Tür – als mehrgenerationelles Arbeits- und Begegnungscafé?
Vieles ist möglich
Das Fazit des Tages ist ermutigend: Vieles ist bereits vorhanden. Das Potenzial ist aber noch gross. Und der erste Schritt ist oft kleiner, als man denkt. Ein Bänkchen, ein schattenspendender Baum, ein offener Raum.
Wissen wurde geteilt, Ideen wurden geweckt, und die Mitarbeitenden aus den fünf Pfarreien haben gemeinsam über das nachgedacht, was sie täglich umgibt: ihre Räume und die Menschen, denen sie dort begegnen – oder begegnen könnten.
22. April 2026 | Dani Schranz
Welchen Pluralismus verträgt die Gesellschaft? Und wie viel davon?
von Dr. Samuel Behloul, Pastoralraum-Leiter
Welchen Pluralismus verträgt die Gesellschaft? Und wie viel davon?
Dr. Samuel Behloul, Pastoralraum-Leiter

Die neuartige Unübersichtlichkeit und Kompliziertheit des Lebens verstärkt die Suche nach Verbindlichkeit, Klarheit und Beheimatung.
Bild: Samuel Behloul
Wenn man die Tatsache bedenkt, dass der aktuelle gesellschaftliche Pluralismus eine logische Konsequenz aus dem gesetzlich garantierten Recht auf ein selbstbestimmtes Leben ist, dann dürfte die Antwort auf die Titelfrage eindeutig ausfallen: beliebig viel.
Und dennoch gehört der Pluralismus, diese eigentliche Signatur unserer demokratisch und säkular verfassten westlichen Gesellschaften, zu dem vielleicht umstrittensten Sachverhalt öffentlicher Debatten. Während die einen darin das unaufhaltsame Schrumpfen bisheriger kultureller und religiöser Gemeinsamkeiten wahrnehmen, sehen die anderen im Pluralismus ein historisch einmaliges Potenzial zu mehr Innovationskraft für die Wirtschaft und für die kulturelle Bereicherung. Beide Sichtweisen sind ernst zu nehmen.
Der US-amerikanische Literaturwissenschaftler Stanley Fisch weist auf einen grundsätzlichen Widerspruch westlich liberaler Gesellschaften in ihrem Umgang mit dem Pluralismus hin. Er benennt das Problem mit dem Begriff «Boutique Multikulturalismus». Damit ist eine rein konsum- und erlebnisorientierte Fokussierung auf kulinarische, kulturelle und ästhetische Aspekte des Pluralismus gemeint. Bildhaft ausgedrückt: Heute Abend essen wir beim Chinesen, morgen beim Inder oder Türken, am Freitagabend nehmen wir am Tag der offenen Moschee teil, und am Samstagabend besuchen wir ein World Music Festival mit Afro- oder Latinoelementen. So weit, so gut. Wenn es hingegen um die unterschiedlichen moralischen, kulturellen oder religiösen Werte der «konsumierten» Gemeinschaften geht, dann erhält der Pluralismus eine bedrohliche Note.
Einen besonders umstrittenen Teilaspekt des Pluralismus stellt die religiöse Vielfalt dar und die Frage nach dem Umgang mit ihr. Man kann sie inzwischen weder rückgängig machen noch irgendwie wegmissionieren und schon gar nicht verbieten. Die von der Politik eingeforderte Verpflichtung aller zu Gesetz und Verfassung dürfte selbstredend sein, und sie funktioniert auch grösstenteils in unserem Land.
Aus der Perspektive der etablierten Kirchen und des eigenen Glaubens erhält die Frage nach dem Umgang mit religiösem Pluralismus eine etwas andere Gewichtung. Schon Martin Luther scheint es bewusst gewesen zu sein, dass in der Begegnung von unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen derart «Endgültigkeits-Ansprüche» aufeinanderprallen, dass man sie weder durch abstrakte Harmonisierungsversuche noch mit dem Teilverzicht auf die eigene Glaubenswahrheit irgendwie umschiffen kann. Für Luther bleibt eine latente Spannung zwischen der Verpflichtung zum Wahrheitsanspruch der eigenen und dem Toleranzgebot gegenüber anderen Überzeugungen. Er bringt es so zum Ausdruck: Fides nihil, caritas omnia tolerat, d.h. «Der Glaube duldet nichts, die Liebe duldet alles». Eine zugegebenermassen sehr pointierte Formulierung. Und sie kann auch missverstanden werden.
Aus ihr lese ich aber zwei Grundvoraussetzungen für einen Umgang mit anderen Religionen und Weltanschauungen aus der Perspektive des eigenen Glaubens heraus: Verankerung im eigenen Glauben und Liebesgebot im Umgang mit Andersgläubigen und Andersdenkenden. Eine solche Basiskultur im Umgang mit religiöser Vielfalt und dem Pluralismus generell ist unumgänglich. Denn je pluraler eine Gesellschaft, desto anfälliger wird sie für Verlustängste und Untergangsszenarien. Und parallel dazu verstärkt die neuartige Unübersichtlichkeit und Kompliziertheit des Lebens die Suche nach Verbindlichkeit, Klarheit und Beheimatung.
Wie viel und welchen Pluralismus erträgt die Gesellschaft? Diese so schwergewichtige Frage ist zunächst eine – ebenso schwergewichtige – «An-Frage» an uns selbst: an das eigene Verhältnis zum christlichen Glauben.
13. April 2026 | Dr. Samuel Behloul, Pfarreileiter St. Martin Entfelden, Pastoralraum-Leiter
«Das Ende des Alterns?»
von Dr. Samuel Behloul, Pastoralraum-Leiter
Das Ende des Alterns?
Dr. Samuel Behloul, Pastoralraum-Leiter

Alter, Gebrechlichkeit und sogar der Tod scheinen nicht mehr in den sich rasant entwickelnden neuen Longevity-Betrieb zu passen.
Auf dem Bild: ein 98-jähriger Mann aus Lenzburg beim Fünfweiher. © Chris Iseli Fotografie
Seit 25 Jahren läuft in den USA eine besondere Wette. Der Wetteinsatz ist riesig: eine Milliarde Dollar. Der Altersforscher Steven Austad wettete 2001 um eine halbe Milliarde US-Dollar gegen einen Forscherkollegen, dass der erste Mensch, der 150 Jahre alt wird, schon geboren sei. Vor zehn Jahren verdoppelten die beiden den Wetteinsatz. Der Einsatz soll je nach Wettausgang an einen Nachkommen der beiden Wettkontrahenten ausbezahlt werden.
Bislang ein eher unterfinanzierter Bereich der Biotechnologieforschung entwickelt sich derzeit rund um longevity, also um Langlebigkeit, offenbar ein eigener Industriezweig mit Milliardeninvestitionen. Mit seinen teuren medizinischen Therapien gegen das Altern könnte der Longevity-Markt Schätzung zufolge in den nächsten fünf Jahren bis auf 50 Milliarden US-Dollar wachsen. Das ist sogar mehr als der aktuelle Jahresumsatz des weltführenden Film-Streamingdienstes Netflix.
Zu welchem Erfolg und in welchem Zeitraum die Langlebigkeits-Therapien führen sollen, lässt sich im Moment nicht abschätzen. Eines ist aber jetzt schon offensichtlich: Die Jagd nach Langlebigkeit oder gar nach der Umkehrung der Alterung ist inzwischen zu weit mehr als einer reinen Forschungsangelegenheit geworden. Sie wird immer mehr zu einer Spielwiese für Superreiche. Das berühmteste Beispiel ist der Multimillionär Bryan Johnson. Getreu seinem eigenen Lebensmotto «Don’t die» (Nicht sterben) nimmt er am Tag ca. 100 verschiedene Pillen, Präparate und Nahrungsergänzungsmittel zu sich und gibt dafür zwei Millionen US-Dollar im Jahr aus. Und seit 2023 findet jährlich in Gstaad die sogenannte Longevity Investors Conference statt. Die Teilnehmenden müssen 4500 Franken für ein Konferenzticket hinblättern und 1 Million Franken frei verfügbares Vermögen mitbringen, das sie in das Langlebigkeits-Geschäft investieren können.
Während nun das Altern in biomedizinischer Hinsicht noch als ein natürlicher biologischer Prozess angesehen wird, bezeichnet die Longevity-Branche das Altern bereits als eine Krankheit. Nicht die Krankheiten seien das eigentliche Problem, sondern der Alterungsprozess, der ihnen zugrunde liegt. Und dieser soll wie jede andere Krankheit behandelt werden. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung wirft die Longevity-Forschung tiefgreifende ethische Fragen auf. Wird sie nur für die Wohlhabenden verfügbar sein und bestehende soziale Ungleichheiten in einer neuen Dimension verschärfen? Oder werden die Menschen, die am Alter(n) nicht leiden, sondern diesen Prozess als eine Lebensphase sehen, die auch positive Seiten mit sich bringt, von der Gesundheitsbranche diskriminiert und als verantwortungslos angesehen, nur weil sie keine Anti-Aging-Massnahmen in Anspruch nehmen? Alter, Gebrechlichkeit und – je nach Machbarkeits- und Allmachtsfantasie – sogar der Tod scheinen nicht mehr ganz in den sich rasant entwickelnden neuen Longevity-Betrieb zu passen.
Das bevorstehende Osterfest wartet hingegen mit einer alle Menschen verbindenden Erzählung auf: die Brüchigkeit und die Endlichkeit gehören zu jedem Menschenleben. Erst die Anerkennung dieser Tatsache macht unser Leben so kostbar. Und die Osterbotschaft verleiht ihm eine Ewigkeits-Perspektive, von der wir zwar (noch) nicht wissen, wie sie ist, glauben aber, dass sie ist.
Ich wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest und lade Sie zugleich zu zwei Vortragsabenden zum Thema «Faszination Langlebigkeit» in der Pfarrei St. Martin Entfelden ein:
- «Die Kunst, 100 zu werden», Prof. Dr. Sabina Misoch, 23. April, 19 Uhr.
- «Altern – Programm, Zufall oder Schicksal?», Dr. med. Sasha Dunst, 5. Mai, 18.30 Uhr
30. März 2026 | Dr. Samuel Behloul, Pastoralraum-Leiter
«Welcher Gott ...»
Das neue Buch von Urs Eigenmann
Welcher Gott für welche Gesellschaft und Welt?
Das Konzil von Nizäa und die Zerrissenheit des Christentums – das neue Buch von Urs Eigenmann

Urs Eigenmann (*1946 in Bern) studierte Philosophie und Theologie in Luzern und in Münster. Er wurde 1973 zum Priester geweiht und promovierte 1984 mit einer Dissertation über Hélder Câmara. Eigenmann hat zahlreiche theologische Werke veröffentlicht. Von 1986 bis 1991 war er Sprecher der Sendung Wort zum Sonntag im Schweizer Fernsehen.
Nizäa und Konstantinopel und Vatikanum II: Konzilien widersprechen sich
Das Vatikanum II fordert, dass die Heilige Schrift die Seele der Theologie sein muss (Optatam totius 16). Für Joseph Ratzinger hat das «revolutionierende Bedeutung.» Weshalb? Bereits im 2. Jahrhundert hat Justin der Märtyrer (gest. 165) das Christentum als philosophische Lehre (miss)verstanden. Er fragte nicht mehr nach dem Jesus von Nazaret und dessen Reich-Gottes-Zeugnis. Stattdessen sah er in ihm den Logos Gottes und spekulierte darüber, ob dieser von einer Jungfrau geboren worden sei und ob er schon immer existiert habe. Justin gab das historisch-praxisbezogene Denken der Bibel auf und ersetzte es durch ein philosophisch-spekulatives, das fragte, ob Christus Mensch oder Gott oder beides zugleich sei. Das Konzil von Nizäa lehrte 325 die Göttlichkeit Jesu und das Konzil von Konstantinopel bekannte 381 die Dreifaltigkeit Gottes, die keine Grundlage in der Bibel hat. Die Seele der Theologie der ersten Konzilien ist nicht die Bibel. Bis heute ist die Forderung des Vatikanum II in der röm.-kath. Kirche nicht rezipiert worden, ausser in Teilen der lateinamerikanischen Befreiungstheologie und von den Päpsten Franziskus und Leo XIV.
Die Vorstellungen von Gott haben Folgen für die Gestaltung der Welt
Auf welchen Gott man sich beruft, hat Folgen für die Gestaltung der Welt. Der Gott der Bibel ist der Gott der Armen und Unterdrückten, der das Elend seines Volkes sieht, es befreien will und damit Mose beauftragt hat (Ex 3,7-10). Im Namen dieses Gottes hat Jesus das Reich Gottes bezeugt (vgl. Mk 1,15). Mit ihm ist eine Gesellschaft und Welt verbunden, die sich am Wohl der Geringsten orientiert (vgl. Mt 25,40) und alle Formen von Gewalt ablehnt.
Der Gott der ersten zwei Konzilien ist der Gott der Reichen und Mächtigen, in dessen Namen Gewalt ausgeübt und getötet werden kann. 385 wurden in Trier die ersten Christen auf Anordnung von Christen ermordet. Später haben die heiliggesprochenen Kirchenlehrer Bernhard von Clairvaux und Robert Bellarmin das Töten von Ungläubigen bzw. von Häretikern befürwortet. In Lateinamerika kamen als Folge einer Bulle von Papst Alexander VI. aus dem Jahr 1492 Dutzende von Millionen im Zuge der Missionierung durch die Spanier zu Tode.
Alle christlichen Kirchen sind zerrissen
Seit den ersten zwei Konzilien gibt es zum einen das prophetisch-messianische Christentum, das dem befreienden Gott des Exodus und des Reiches als dem Gott der Armen und Unterdrückten verpflichtet ist. Und es gibt die imperial-götzendienstverträgliche Christenheit, die den Gott der Reichen und Mächtigen vertritt und alle irdischen Verhältnisse rechtfertigen kann.
Diese Unterscheidung gilt für alle Kirchen. In der röm.-kath. Kirche vertraten die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus gegensätzliche Positionen in Bezug auf das Reich Gottes. Benedikt XVI. verteufelte es, für Franziskus ist es zentral: «Evangelisieren bedeutet, das Reich Gottes in der Welt gegenwärtig machen» (EG 176).
In den Kirchen der Orthodoxie unterstützt Patriarch Kyrill Putin im Krieg gegen die Ukraine. Patriarch Bartholomäus kritisiert ihn deswegen und fordert ihn zum Rücktritt auf. In den USA beruft sich Donald Trump mit der Bibel in der Hand auf das Christentum für seine rassistische und imperiale Politik, weswegen ihm die Bischöfin Mariann Edgar Budde ins Gewissen geredet hat.
14. März 2026 | Text: Urs Eigenmann – auf Einladung von Peter Bernd, Leitender Priester im Pastoralraum
Das Buch von Urs Eigenmann ist 2026 in der Edition Exodus erschienen und im Fachhandel erhältlich.
Mitgestalten statt zuschauen
Gesamterneuerungswahlen vom 29. November 2026
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Gesamterneuerungswahlen vom 29. November 2026

Stefan Pöder ist Präsident der Ortskirchenpflege in Entfelden und der Kreiskirchenpflege Aarau
Im November finden in allen Ortskirchgemeinden der Kreiskirchgemeinde Aarau Erneuerungswahlen statt. Am Abstimmungssonntag vom 29. November wählen Sie die Mitglieder der Ortskirchenpflegen und der Synode, dem Parlament der Landeskirche, und Sie bestätigen die Wiederwahl der fünf Pfarreileitungen im Pastoralraum. Die neu- oder wiedergewählten Behördenmitglieder werden für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt. Wenn Ihnen das kirchliche Wirken am Herzen liegt und Sie einen Teil Ihrer Freizeit für ein Amt in einer Behörde aufwenden möchten, bietet sich nun die Möglichkeit, sich für ein Engagement in Ihrer Ortskirchgemeinde zur Verfügung zu stellen.
Stefan Pöder kennt die behördliche Tätigkeit aus dem Effeff. Er präsidiert die Ortskirchenpflege in Entfelden und hat vor einem Jahr das Präsidium der Kreiskirchenpflege Aarau übernommen. Nach acht Jahren Behördentätigkeit stellt er sich nicht mehr zur Wiederwahl – «Sesselkleber» wolle er keiner werden, betont er im Gespräch, bei welchem er Einblick gibt in eine Tätigkeit, die weit mehr ist als ein blosses Ehrenamt.
Die Organisationsstruktur
Die Kirchgemeinde Aarau ist als Kreiskirchgemeinde organisiert – im Gegensatz zu Kirchgemeinden ähnlicher Grösse wie Brugg oder Lenzburg. Das bedeutet: Die Kreiskirchenpflege (KKP) übernimmt die leitende Funktion auf Ebene der Kreiskirchgemeinde Aarau, während die fünf dezentralen Ortskirchenpflegen (OKP) in Aarau, Buchs-Rohr, Entfelden, Schöftland und Suhr-Gränichen die lokalen Verwaltungsaufgaben wahrnehmen und ein eigenes Pauschalbudget verwalten. Jede OKP besteht aus fünf bis neun Mitgliedern. Eine Person aus jeder OKP wird zudem in die Kreiskirchenpflege entsandt.
Die KKP ist verantwortlich für die Geschäftsführung der Kreiskirchgemeinde insgesamt – von der Budget- und Finanzplanung über die Personaladministration bis hin zur Ressortverantwortung für Bereiche wie Liegenschaften, Aktuariat oder ICT. Stefan Pöder versteht seine Rolle dabei als Dienstleister. «Man ist ein bisschen wie ein Bibliothekar: Man sorgt dafür, dass alles, was die Bibliotheksbenutzenden brauchen, auch das ist, und bleibt dabei meist im Hintergrund.»
Was das Amt bedeutet
Ein Amt in der Kirchenpflege ist ein Nebenamt mit einem gewissen Zeitaufwand. Pöder empfiehlt, für ein Ressort in der Ortskirchenpflege monatlich rund fünf Stunden plus Sitzungszeit einzuplanen. Wenn zusätzlich ein Amt eines Ressortverantwortlichen der Kreiskirchenpflege übernommen wird, kann das insgesamt bis zu 20 Stunden pro Monat in Anspruch nehmen. Die Entschädigung als Mitglied einer Ortskirchenpflege beträgt pauschal 2000 Franken pro Jahr für ein Ressort, die zusätzliche Entschädigung als Mitglied der Kreiskirchenpflege beträgt pauschal 3000 Franken pro Jahr – Summen, die Stefan Pöder als «eher bescheiden», aber angesichts eines sorgfältigen Umgangs mit Steuergeldern als «angemessen» beurteilt.
Wichtig für einen guten Start ist laut Pöder vor allem Führungserfahrung. Wer sich in Dossiers einarbeiten, Entscheide nachvollziehen und Verantwortung übernehmen kann, bringt die besten Voraussetzungen mit. Genauso entscheidend sei die persönliche Motivation: «Man muss bereit sein, auch mit Widerständen umzugehen. Das gehört dazu.»
Herausforderungen
Pöder verhehlt nicht, dass die Tätigkeit auch anspruchsvolle Seiten hat. In einer Kreiskirchgemeinde mit fünf dezentralen Einheiten ist die Vereinheitlichung von Verwaltungspraktiken eine permanente Aufgabe. Wenn Abläufe strukturiert oder gesetzliche Vorgaben umgesetzt werden müssen – sei es beim Personalrecht, bei Finanzregeln oder bei Sicherheitsvorschriften –, stösst man nicht selten auf Skepsis oder gar Widerstand. Hinzu kommt das permanente Feilschen um Ressourcen und Budget, das in einer dezentral organisierten Struktur besonders zeitintensiv ist. «Man muss einen langen Atem haben», sagt Pöder. Doch genau das macht die Tätigkeit auch interessant: Sie verlangt strategisches Denken, Beharrlichkeit und die Fähigkeit, unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen.
Die schönen Seiten
Nebst den Herausforderungen betont Pöder auch das Positive: Die Arbeit in der Ortskirchenpflege erlebt er als sehr einvernehmlich. Hier steht die direkte Unterstützung des Pfarreilebens im Vordergrund – die Begleitung von ehrenamtlichen Einsätzen, die Nähe zur Gemeinschaft, das konkrete Wirken vor Ort. «Dort, wo man in direktem Kontakt mit den Menschen ist, macht dieses Amt am meisten Freude», sagt Pöder.
Ihr Engagement ist gefragt
Die Erneuerungswahlen im November sind eine Einladung, Verantwortung zu übernehmen und die Kirchgemeinde aktiv mitzugestalten. Ob in einer Ortskirchenpflege oder als Mitglied der Synode – es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich einzubringen, je nach verfügbarer Zeit und persönlichen Stärken. Wenn Sie Interesse haben oder mehr erfahren möchten, nehmen Sie Kontakt mit Ihrer Ortskirchenpflege auf. Die Kontakte finden Sie auf den Pfarrei-Seiten.
2. März 2026 | Dani Schranz
Die drei unterschiedlichen Formen des Bösen
Maimonides und Leibniz als jüdisch-christliche Symbiose – von Viktoria Vonarburg
Die drei unterschiedlichen Formen des Bösen – Maimonides und Leibniz als jüdisch-christliche Symbiose
von Viktoria Vonarburg, Pfarreileiterin in Schöftland

Gottfried Wilhelm Leibniz, deutscher Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschafter (links) und Maimonides, jüdischer Philosoph, Arzt und Gelehrter
Der jüdische Universalgelehrte Maimonides bzw. Rambam (1135/38–1204) stellte in seinem Werk Führer der Verwirrten (Moreh haNevukhim, MN) drei Arten des Bösen heraus. Diese Dreiteilung war wegweisend für die neuzeitliche Diskussion rund um das Böse: Denn Leibniz übernahm diese mit eigenen Akzentsetzungen in seinem 1710 erschienen Essay de Théodicée, ohne allerdings zu vermerken, dass sie auf den jüdischen Denker zurückgeht. Durch Leibniz fand sie breiten Eingang in die westliche Theodizee-Debatte. Die alte christliche Zweiteilung in natürliches und moralisches Übel wurde entscheidend erweitert.
Schauen wir uns zunächst die Grundlagen an, wie Leibniz sie bei Maimonides vorfand.
Das Böse bei Maimonides
Maimonides setzt sich im dritten Buch des MN mit dem Bösen auseinander. Bevor er eine Klassifizierung in unterschiedliche Formen vornimmt, widmet er sich der Frage, was das Böse überhaupt ist und woher es kommt: Das Böse ist eine Privation, also die Abwesenheit von etwas. Es hat nicht in sich eine Existenz, sondern ist parasitär. Es braucht einen Wirt, an dem es als Mangel auftreten kann. Maimonides bestimmt die Materie, die von Gott gut geschaffen wurde, als Wirt des Bösen: An der Materie kann ein Mangel auftreten. Der Rambam greift hier auf Plotin und Aristoteles zurück. Zentral ist das Anliegen, die biblische Aussage zu retten, dass alles, was Gott geschaffen hat, sehr gut ist (vgl. Gen 1,31). In der Überzeugung, dass das Böse keine eigene Existenz hat, sondern alles Geschaffene gut ist und das Böse nur als Mangel daran auftritt, stimmt Maimonides mit der christlichen Theologie überein (vgl. z. B. Augustinus und Thomas von Aquin). Letzterer verwendet für diese indirekte Erschaffung des Bösen im selben Atemzug mit der direkten Erschaffung des Guten den Begriff per accidens. Als Beispiel verweist der Rambam auf das Licht: Dieses wurde aktiv erschaffen. Gleichzeitig ist damit aber auch die Dunkelheit, der Schatten als Abwesenheit des Lichts «mitgeschaffen». Tätigt man nämlich den Lichtschalter, wird das zuvor vorhandene Licht wieder weggenommen. In diesem Sinne lässt sich für Maimonides sagen, dass Gott zusammen mit der materiellen Welt auch das Böse erschaffen hat, das als Privation an der Materie auftreten kann.
Nach diesen grundsätzlichen Überlegungen widmet sich Maimonides in den Kapiteln 10 bis 12 des dritten Buches des MN der Frage, welche Arten von Übeln es gibt:
Als Erstes führt Maimonides das metaphysische Übel an. Es besteht im Tod und ist mit der natürlichen Begrenztheit der menschlichen Natur verknüpft. Mit dem natürlichen Degenerationsprozess gibt Maimonides die aristotelische Sicht wieder. Zahlenmässig ist diese Form des Bösen die seltenste.
Die zweite Art von Übeln ist das soziale Übel. Krieg ist hier als ein Beispiel zu nennen. Es sind Übel, die Menschen gegenseitig aneinander verüben. Dieses Übel ist verbreiteter als das metaphysische. Dennoch kommt Maimonides zum Schluss, dass es immer noch relativ begrenzt ist in seinem Ausmass. Angesichts der modernen Kriegsmaschinerie würde er dies aus heutiger Sicht wohl anders beurteilen.
Die dritte und letzte Form des Bösen macht Maimonides im individuellen Übel aus. Hier ist die Person selbst in der Verantwortung, indem sie z. B. Masslosigkeit übt. In die dritte Kategorie des Bösen fallen für Maimonides körperliche und psychische Leiden. Hier wird das Böse als Abwesenheit eines Guten (z. B. der Gesundheit) sehr deutlich sichtbar. Diese dritte Form gibt somit die neuplatonische Sicht wieder.
In seiner Arzttätigkeit war er v. a. mit dieser dritten Form des Bösen konfrontiert, sodass er das individuelle Übel als die am weitesten verbreitete Form herausstreicht. Es mutet modern an, dass Maimonides nicht nur körperliche Krankheiten, sondern auch psychisches Leiden anspricht. Für Maimonides ist es unleugbar, dass Körper und Geist aufeinander einwirken, dass also eine psycho-somatische Verbindung besteht. Er ist überzeugt, dass nicht nur die Krankheit als solche zu behandeln ist, sondern der betroffene Mensch, indem er seine Wünsche zu lenken lernt und so zu einem gesunden Mass-Halten findet.
Dies gibt nur eine Seite der körperlich-seelischen Leiden wieder. Aus heutiger Sicht muss gesagt werden, dass ein grosser Teil durch soziales Übel verschuldet ist, sei es durch Krieg oder durch Menschen gemachte Umweltverschmutzung, Klimaerwärmung, etc. Nicht die Verursacher selbst haben die entsprechenden Konsequenzen zu tragen, sondern die Leidtragenden sind Menschen an ganz anderen Orten der Welt (und auch zu anderen Zeiten).
Was auffällig ist: Maimonides hat eine anthropozentrische Fokussierung. Das Böse wird nur mit Blick auf den Menschen thematisiert. Es gibt keine allgemeinen Ausführungen, die auch auf Tiere oder die Umwelt zu übertragen sind. Dabei sind das zweite und das dritte Übel komplett der Verantwortung des Menschen unterworfen. Er hätte es in der Hand, diese beiden Übel komplett auszumerzen. Das metaphysische Übel dagegen könnte nur ausgeschlossen werden, würde Gott auf die Erschaffung von Materie verzichten. Der Mensch müsste also seine eigene Existenz verneinen, um dieses Übel verhindern zu können. Der Überlebenstrieb ist jedoch bekanntlich unser stärkster Motor. So könnte es gemäß Maimonides auch nicht in unserem Sinne sein, dass wir gar nicht erst existieren würden, nur um den Tod nicht erleiden zu müssen.
Nachdem Maimonides’ Gedanken bekannt sind, stellt sich die Frage, wie Leibniz die vorgefundene Dreiteilung adaptiert hat.
Das Böse bei Leibniz
Grundsätzlich betont Leibniz, dass es keine Welt ohne Übel geben kann. Denn Gott hat die beste aller möglichen Welten erschaffen. Im Rahmen einer Güterabwägung hat Gott sich für die Welt entschieden, in der eine möglichst grosse Zahl an Gütern bei gleichzeitig möglichst geringer Zahl an Übeln vorherrscht – diejenige aller theoretisch möglichen Welten also, die den grösstmöglichen positiven Gesamtwert in der Abrechnung von Gütern und Übeln aufweist. Alleine die Tatsache, dass Gott die tatsächlich vorliegende Welt erschaffen hat, ist für Leibniz Grund dafür, dass diese auch tatsächlich die beste aller möglichen Welten ist. Es handelt sich hier also um einen Zirkelschluss. Er hält es für unmöglich, dass alle möglichen Güter zugleich nebeneinander bestehen können, sondern sich nur ein gewisser Teil auch wirklich miteinander verträgt. Mit dem vorgehenden Willen will Gott einzig das Gute. Mit seinem nachfolgenden Willen dagegen will er das Beste bzw. das Bestmögliche. Dieses kann auch Böses miteinschliessen. Mit dem Entschluss zur Schöpfung der bestmöglichen aller Welten ist also automatisch auch die Faktizität von Übeln gegeben.
Auch Leibniz nennt in direkter Linie zu Maimonides das metaphysische Übel und definiert es als notwendig zur Beschaffenheit des Geschaffenen gehörig. Nur Gott ist vollkommen. Alles Geschaffene dagegen ist unvollkommen. Als Beispiel für diese Form des Bösen ist auch bei Leibniz der Tod zu sehen. Doch stellt es für ihn im Gegensatz zu Maimonides das häufigste aller Übel dar. Das metaphysische Böse ist damit unausweichlich.
Bevor die zweite Form des Bösen thematisiert wird, sprechen wir die dritte Form an: das moralische Übel. Hier kommt das Subjekt als Täter in den Blick. Es entspricht damit dem sozialen Übel bei Maimonides. Dieses Böse müsste es nicht geben. Es ist absolut kontingent. Gott trägt keinerlei Verantwortung dafür. Es ist der Mensch selbst, der mit seinem freien Willen dafür verantwortlich ist und sich in Freiheit dazu entscheidet. Gott lässt es lediglich zu, indem er dem Menschen die Freiheit gegeben hat und diese sodann auch gewährt – denn nur dann ist es tatsächliche Freiheit. Ein entscheidendes Moment des Willens, nämlich der Verstand, ist beim Menschen jedoch unvollkommen. Und genau hier kann es zu Bösem kommen. Durch ein Defizit im Erkennen entscheidet sich jemand für das vermeintlich Beste, das in Tat und Wahrheit aber ein Übel ist (vgl. das gnoseologische Übel bei Descartes). Es lässt sich damit kritisch hinterfragen, inwiefern hier dann noch von einer Verantwortung des Menschen gesprochen werden kann. Denn auch diesem Übel liegt letztlich die natürliche Beschaffenheit des Menschen zugrunde. Zwar ist damit noch nicht gesagt, dass, wann und wie jemand sündigt. Doch die prinzipielle Möglichkeit für das malum morale ist zugleich mit der Erschaffung des mit einem freien Willen ausgestatteten Menschen gegeben.
Als weitere Form des Bösen nennt Leibniz das physische Übel. Im Gegensatz zum metaphysischen Übel steht es in keinem notwendigen Kausalzusammenhang mit der Verfasstheit des Geschaffenen. Denn nicht alle sind tatsächlich von dieser Form des Bösen betroffen. Es ist kontingent, da nicht vorhersehbar ist, wen und wann es jemanden trifft. Als Beispiele dieser Form des Bösen verweist Leibniz auf Krankheiten und körperliche Missbildungen. Diese Form des Bösen will Gott als Mittel, so Leibniz. Denn es sind Strafen, die den Menschen aufgrund von Sünde treffen. Es ist also nicht wie bei Maimonides die eigene Masslosigkeit, welche in direktem kausalem Zusammenhang ein entsprechendes physisches Übel verursacht.
Hat Maimonides alle Formen des Bösen mit Blick auf den Menschen thematisiert, richtet Leibniz den Blick ganz auf Gott: Im Fokus steht die Frage, warum Gott diese drei Formen des Bösen jeweils zulässt oder inwiefern er für diese verantwortlich zu nennen ist. Die grösste Übereinstimmung besteht in der Bestimmung des metaphysischen Übels. Hier übersteigt Leibniz durch die jüdische Quelle die traditionelle christliche Sichtweise, welche den Tod als Strafe für die Erbsünde unter die moralischen Übel zählt.
18. Februar 2026 | Viktoria Vonarburg
Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Philosophieblog praefaktisch.de
Christliche Pilgererfahrung eines Muslims
von Viktoria Vonarburg
Christliche Pilgererfahrung eines Muslims
von Viktoria Vonarburg, Pfarreileiterin in Schöftland

Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, 1971 in Beirut geboren und aufgewachsen in Saudi-Arabien, studierte Islamische Theologie und Soziologie in Beirut und Wien. Seit 2010 ist er Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Münster und dort heute auch Leiter des Zentrums für Islamische Theologie. Foto: ZIT/Peter Grewer
Heute am Aschermittwoch beginnt die vierzigtägige Fastenzeit. Es ist eine Zeit, in der wir dazu ermutigt werden, unser Leben bewusst in den Blick zu nehmen: Was ist mir wirklich wichtig? Gebe ich manchen Dingen vielleicht eine Bedeutung, die sie eigentlich gar nicht haben? In der Fastenzeit bewusst auf gewisse Dinge zu verzichten – seien es z.B. Süssigkeiten, Chips oder die Nutzung von Social Media –, lässt eingeschliffene Gewohnheiten neu überdenken. Von manchem erkennen wir den Wert dadurch wieder, dass es seine Selbstverständlichkeit verliert, und geniessen es wieder voller Dankbarkeit. Bei anderem wird uns vielleicht bewusst, dass es uns gar nicht so viel gibt, sondern eher ein Zeit- und Energiefresser ist. Plötzlich haben wir Zeit für anderes, das viel besser tut. Auch innerlich, spirituell kann eine Veränderung stattfinden, indem wir spüren, wohin uns unsere Sehnsucht zieht, wenn wir nicht durch Alltägliches abgelenkt sind.
Nicht nur in der Fastenzeit sind uns solche Momente der bewussten Neufindung geschenkt. Es gibt viele verschiedene Instrumente dafür. Ein Beispiel ist das Pilgern. Auch hier sind wir unterwegs, um das Gewohnte hinter uns zu lassen und uns neu auszurichten. Pilgererfahrungen sind dabei so unterschiedlich wie die Menschen, die sich dazu auf den Weg begeben.
Mouhanad Khorchide (Bild) wollte als Muslim wissen, was christliches Pilgern bedeutet. Dem Hype folgend wollte er nach Santiago de Compostela. Ganz unvorbereitet flog er dorthin. Er dachte, dass es wohl so ähnlich sein wird wie das, was er von Mekka her kannte: In Santiago de Compostela angekommen würde man vermutlich am Grab des Hl. Jakobus bestimmte vorgegebene religiöse Rituale durchführen. Das wäre dann die Pilgererfahrung. So kannte er es. Es wunderte ihn, warum dort angekommen alle in Wanderschuhen rumliefen. Er musste feststellen, dass seine Annahmen komplett falsch waren. So nahm er sich vor, in die umgekehrte Richtung zu pilgern, um zu erleben, was christliches Pilgern ist.
Auf dem Weg begegneten ihm viele Menschen, mit denen er ins Gespräch kam: Warum machten sie sich auf den Pilgerweg? Und gab es religiöse Rituale, die sie dabei vollzogen? Erstaunt und irritiert stellte er fest, dass viele nicht aus einem religiösen Impuls heraus den Weg unter die Füsse nahmen. Dennoch konnten religiös-spirituelle Erfahrungen im weiteren Sinn gemacht werden.
Khorchide stellte fest, dass die Stille, die ihn umgab, sehr laut war: Die grossen Fragen des Lebens nach dem Sinn seiner Existenz, etc. drängten sich ihm ins Bewusstsein – eine Erfahrung, die er in Mekka nie gemacht hatte. Zu viel Trubel herrschte dort, als dass die Stille ihre Wirkung hätte entfalten können.
Interessant ist Khorchides Fazit: Der Jakobsweg hat ihn näher zu sich selbst gebracht. Mekka dagegen hat ihn näher zu Gott gebracht. Der Weg ist das Ziel (Jakobsweg) vs. Gott ist der Weg (Mekka), so seine Kurzzusammenfassung der Gegenüberstellung seiner beiden Pilgererfahrungen: «Auf dem Jakobsweg droht die Wallfahrt sich in eine Art psychologische Therapiewanderung zu verwandeln. In Mekka kann sie zu einer ritualisierten, aber auch rein spirituellen Reise werden. Können nicht beide Aspekte irgendwie zusammenkommen?»
Mouhanad Khorchide hat seine Erfahrungen im Buch «Ein Muslim auf dem Jokobsweg» veröffentlicht. Es ist 2024 im Verlag Herder erschienen.
18. Februar 2026 | Viktoria Vonarburg
Der Mond bittet um Asyl ...
Gedanken zum Vollmond von Burghard Förster
Der Mond bittet um Asyl …
Gedanken zum Vollmond von Burghard Förster

Neulich traute ich meinen Augen nicht. Vor unserer Kirchentür stand Luna/Mond. Die Augen etwas gerötet. Wahrscheinlich, so dacht ich bei mir selbst, waren Tränen der Grund. Vielleicht auch eine allergische Reaktion auf die ganzen atmosphärischen Störungen zurzeit sowohl auf als auch über der Erde im Weltraum. Nicht zuletzt die vielen Satelliten, der Weltraumschrott, der um die Erde kreist und vermutlich nicht gerade förderlich ist für unseren Trabanten in der Nachbarschaft.
Ich war gerade die Türen am schliessen, als das sanfte Leuchten vom Mond im Rahmen erschien. Was er wünschte, fragte ich. «Asyl», kam ohne Zögern die Antwort.
Asyl? – ich schaute etwas verdutzt. Kirchenasyl war im Mittelalter ein Recht der Kirche, den Verfolgten Schutz zu bieten. Aber heute – 2026?
«Ok», meinte ich, «Asyl. Und was bewog Sie dazu?» Mond/Luna: «Nun, die Atmosphäre» (wie ich es mir dachte) «ist nicht gerade förderlich für ein Gebiet mit einer derart strategischen Bedeutung. Denken Sie nur mal an die Reise zum Mars. Da liege ich als Mond voll auf dem Weg.» Apropos voll, kam mir der Gedanke, «was ist mit Ihrem Vollsein eigentlich, wenn Sie hier in der Kirche sitzen, statt am Himmel zu scheinen?»
«Ist ein Problem, zugegeben», erwiderte der Mond. «Vielleicht gönnen Sie mir eine Mondphase Ruhe, damit ich weiss, wie weiter.»
«Natürlich. Ruhe, eine offene Kirche, ein Offenes Pfarrhaus und ein offenes Ohr biete ich Ihnen gerne an», so meine Worte. «Manches löst sich, wenn man/frau oder Mond sich das Ganze mal setzen lässt. Nun», sagte ich weiter, «dann kommen Sie rein, vielleicht finden Sie auch im Austausch mit anderen, ähnlich Betroffenen neue Stärke, Mut und Hoffnung. Dort drüben sitzen bereits die Ukraine, Grönland und Venezuela und, nicht zu vergessen der Sudan, Palästina und einige andre Länder, die gerade wie Sie Schutz brauchen, weil irgendwelche Geschöpfe sich ihrer bemächtigen wollen … aus welchen Gründen auch immer.»
Kurz vor Vollmond nun verliess Luna/Mond unsere Kirche wieder. Etwas von seinem Schimmer hängt immer noch in unseren Räumen. Unser freundlicher Trabant kehrte gestärkt und ermutigt zurück zu seinem Platz. Die kurzfristige Mondfinsternis – eigentlich, Abwesenheit – fiel niemanden wirklich auf. Eines war aber geklärt – so klar, dass der Vollmond am Nachthimmel am 1. Februar 2026 besonders hell leuchtete.
Gemeinsam mit den anderen wurde ihm bewusst, welche Bedeutung sie als Geschöpfe hatten. Denn irgendwo stand es geschrieben. Neben jedem einzelnen Menschen waren auch Erde und Himmel, Gestirne, Länder und Naturräume, Pflanzen und Tiere von göttlichem Hauch erfüllt. Es galt, sie zu schützen und zu achten, weil sie als Gotteszeichen die Schönheit und Würde des Lebens repräsentieren und bewahren.
2. Februar 2026 | Burghard Förster
Tiere in der Bibel
Samstag, 9. Mai 2026
Tiere in der Bibel
Samstag, 9. Mai 2026, Zoo Zürich

Während dem Besuch im Zoo Zürich schauen die Teilnehmer*innen genauer auf die Bedeutung von Tieren in der Bibel. Tiere wie Löwen, Lämmer, Tauben und Kamele, die in der Bibel erwähnt werden, können im Zoo beobachtet werden. So lernen die Teilnehmer*innen mehr über das Verhalten und die Eigenschaften dieser Tiere. Das Ziel ist, besser zu verstehen, was Tiere in der Bibel bedeuten und wie Natur und Glaube zusammenhängen.
Treffpunkt Samstag, 9. Mai 2026, 8.30 Uhr, Bahnhof Aarau, unter der Bahnhofsuhr
Programm
- 8.45 Uhr Abfahrt mit Zug und Tram zum Zoo Zürich
- Rätseltour durch den Zoo
- Mittagsverpflegung aus dem Rucksack
- 16.08 Uhr Abfahrt ab Zoo Zürich
- 17.05 Uhr Ankunft in Aarau
Teilnehmer Jugendliche ab der 6. Klasse
Leitung Yvonne Zwyssig
Kosten kostenlos
Anmeldung bis Mittwoch, 6. Mai 2026
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«Entscheidend ist ein offenes Herz»
Gespräch mit Brigitte Lindt-Plüss
«Entscheidend ist ein offenes Herz»
Brigitte Lindt-Plüss übernimmt die Leitung der Vermittlungsstelle der Wegbegleitung Region Aarau.

In der Kirche in Schöftland übergibt Andrea Müller (links) die Leitung der Vermittlungsstelle der Wegbegleitung an Brigitte Lindt-Plüss (rechts).
Freiwillige begleiten bei der «Wegbegleitung» Menschen in einer herausfordernden Lebensphase. Seit Januar 2026 wird die Vermittlungsstelle Region Aarau von Brigitte Lindt (rechts im Bild) geleitet. Sie löst Andrea Müller (links) ab, die ihr Amt niederlegte, als sich abzeichnete, dass das Pensum von 50 auf 30 Stellenprozente reduziert wird. Die Reduktion ist eine Folge davon, dass zwei Kirchgemeinden ihre Beiträge an die Wegbegleitung sistiert haben.
Dani Schranz: Was ist der Kern der Wegbegleitung, und was macht dieses Angebot für Menschen in herausfordernden Lebenssituationen so wertvoll?
Brigitte Lindt-Plüss: Der Kern der Wegbegleitung besteht darin, dass jemand unkompliziert mit dir unterwegs ist. Es ist keine Fachstelle, bei der man aufpassen muss, was man sagt, aus Angst vor finanziellen Konsequenzen. Es ist ein Angebot auf Augenhöhe. Die Begleitungen sind nicht auf ein eng definiertes Problemfeld beschränkt. Wir stecken einen Rahmen ab, formulieren ein Ziel und definieren Die Dauer. Das «Kerngeschäft» ist schlicht, mit Menschen unterwegs zu sein und sie wertschätzend und respektvoll zu begleiten mit der Grundhaltung: Es ist in Ordnung, dass du Hilfe beanspruchst.
Das Pensum der Vermittlungsstellenleiterin wurde von 50 auf 30 Stellenprozente reduziert. Wie wirkt sich diese Reduktion auf deine Arbeit aus?
Wir sind geografisch in einem sehr grossen Gebiet tätig und müssen unsere Möglichkeiten realistisch einschätzen. Ich möchte Menschen aus jenen Dörfern priorisieren, deren Kirchgemeinden die Wegbegleitung weiterhin unterstützen. Aber auch mit weniger finanziellen Mitteln ist noch sehr viel möglich.
Was hat dich motiviert, die Leitung unter diesen Rahmenbedingungen zu übernehmen?
Nebst meiner Arbeit als Leiterin der Vermittlungsstelle der Region Zofingen war ich bereits Stellvertreterin von Andrea Müller. Dadurch kannte ich die Wegbegleitung der Region Aarau und den Arbeitsalltag gut. Ich habe gesehen, dass auch mit einem Pensum von 20 Prozent vieles möglich ist. Zudem kenne ich die Freiwilligen. Das ist ein grosser Vorteil. Nun hoffe ich einfach, dass das Pensum stabil bleibt und wir das Angebot weiterhin verlässlich weiterführen können.
Was braucht es dafür langfristig?
In erster Linie genügend freiwillige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter. Es ist entscheidend, dass wir Menschen finden, die motiviert mitarbeiten und ein Herz für diese Aufgabe haben. Die Freiwilligen, die bereits dabei sind, leisten sehr wertvolle Arbeit.
Wir haben die Möglichkeit, hier einen Aufruf zu platzieren, um weitere Freiwillige zu gewinnen. Wie sollte dieser formuliert sein, damit wir die richtigen Menschen erreichen?
Wir suchen Personen mit einem offenen Herzen für Menschen in Krisensituationen. Krisen können klein oder gross sein. Wichtig sind Empathie, die Bereitschaft, mit jemandem unterwegs zu sein, und die Fähigkeit, sich auf unterschiedliche Situationen einzulassen. Wir suchen Menschen mit Lebenserfahrung und Zeit, die sie verschenken möchten.
Mit welchem zeitlichen Engagement muss ich als Wegbegleiterin oder Wegbegleiter rechnen?
In der Regel findet ein Treffen pro Woche statt, meistens von rund zwei Stunden Dauer. Die Begleitungen dauern häufig etwa sechs Monate. Die konkrete Dauer wird jedoch immer gemeinsam vereinbart. Wenn ich beispielsweise weiss, dass jemand im Sommer mehrere Monate nicht verfügbar ist, organisiere ich entsprechend kürzere Begleitungen. Wichtig ist, dass wir laufend im Gespräch bleiben. Gerade bei neuen Freiwilligen beginne ich oft mit einer dreimonatigen Begleitung. Danach schauen wir gemeinsam, ob und wie es weitergeht. Als Freiwillige oder Freiwilliger hat man also viel Mitspracherecht. Entscheidend ist die Bereitschaft und ein offenes Herz – alles Weitere organisieren wir gemeinsam.
Könnten Sie sich vorstellen, Wegbegleiterin oder Wegbegleiter zu werden?
Wenden Sie sich direkt an Brigitte Lindt-Plüss, per E-Mail oder telefonisch unter 079 684 96 51
16. Januar 2026 | Dani Schranz
Nationaler Trauertag
Kirchenglocken läuten am Freitag, 9. Januar 2026
Nationaler Trauertag
Kirchenglocken läuten am Freitag, 9. Januar 2026, um 14 Uhr

Der Bundesrat hat in Zusammenarbeit mit den drei anerkannten christlichen Kirchen in der Schweiz den 9. Januar 2026 zum nationalen Trauertag erklärt. Die Schweizer Bischofskonferenz, der Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz und die Christkatholischen Kirchen der Schweiz rufen zu einem nationalen Glockengeläut auf. Die Pfarreien des Pastoralraums Region Aarau schliessen sich dem Aufruf an.
Am 9. Januar 2026, dem nationalen Trauertag nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana, werden um 14 Uhr schweizweit die Kirchenglocken läuten.
Während des Glockengeläuts sind die Menschen eingeladen zum stillen Gebet, zum Gedenken an die Verstorbenen, zur Verbundenheit mit den Verletzten und ihren Angehörigen.
Es ist auch ein Zeichen des Dankes an alle, die mit unermüdlichem Einsatz dafür sorgen, dass die Krise bewältigt werden kann. Dies gilt insbesondere für die Rettungskräfte, die Menschen im medizinischen, psychologischen und seelsorglichen Dienst, aber auch die politischen Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger.
6. Januar 2026 | Dani Schranz
Lesenswertes
Drei Bücher zur Zeit «zwischen den Jahren»
Lesenswertes
Drei Bücher zur Zeit «zwischen den Jahren» und danach

Wie können Christinnen und Christen ihren Glauben in der säkularisierten westlichen Welt des 21. Jahrhundert leben?
Zur Zeit «zwischen den Jahren» und danach empfehle ich Ihnen drei Bücher von zwei Autoren und einer Autorin, die auf sehr unterschiedliche Weise nach dem Ort und dem Wert des christlichen Glaubens in der Gegenwart fragen: von Johannes Hartl, einem derzeit medial stark präsenten deutschen Philosophen und römisch-katholischen Theologen, von Tobias Haberl, Journalist beim Magazin der Süddeutschen Zeitung, der mit einem persönlichen Essay über seinen Glauben ein breites Echo ausgelöst hat, sowie von Giannina Wedde, die in ihrem Werk hundert «Segensworte für die Lebensreise» verfasst hat.
Aus verschiedenen Perspektiven geben die drei Antworten auf die Frage, wie Christinnen und Christen in der säkularisierten westlichen Welt des 21. Jahrhunderts ihren Glauben im Alltag leben können. Die Bücher laden dazu ein, die eigenen Überzeugungen und Glaubensbilder mit den vorgestellten Positionen zu reflektieren.
Die Kraft eines fokussierten Lebens
Johannes Hartl (* 17. Januar 1979 in Metten) deutscher Philosoph, römisch-katholischer Theologe, Gründer des Gebetshauses Augsburg
Wir leben in einem Zeitalter der Ablenkung. Tausend Stimmen und Meinungen prasseln auf uns ein. Wie schaffen wir es, in einer Zeit wie unserer fokussiert zu leben? Johannes Hartl zeigt, warum in kleinen Schritten grosse Kraft steckt und wie jeder von uns die Kunst eines fokussierten Lebens erlernen kann. Inspiration hierzu findet Hartl sowohl in der modernen Psychologie als auch in den uralten Weisheitstexten der Bibel Doch Hartl geht es nicht nur um Disziplin und Techniken. Er ist überzeugt: Langfristig wirklich verändern wird sich unser Leben nur mit einer Lebensvision, die wirklich trägt. Denn eine Vision ist das grosse Leitbild, Fokus liefert die Kraft, sie durch kleine Schritte zu verwirklichen. Ein Buch, das inspiriert, das Leben neu auszurichten und von Grund auf zu verändern.
«Fokussiertes Leben bedeutet, für das zu leben, was wirklich wichtig ist. Orientiert an den höchsten Werten. Der Mensch, der so lebt, hat Feuer in seinem Herzen.» (Zitat aus dem Buch)
Jesus sagt in seiner Bergpredigt: «Das Auge gibt dem Körper Licht. Wenn dein Auge gesund ist, dann wird dein Körper hell sein» (Mt 6,22) «Etwas frei könnte man übersetzen: Das, worauf Du blickst, prägt Dich. Worauf Dein Fokus gerichtet ist, wird Dein ganzes Leben (sogar Deinen Körper) prägen.» (Zitat aus dem Buch)
Unter Heiden – warum ich trotzdem Christ bleibe
Was kann das 21. Jahrhundert von gläubigen Menschen lernen? Von der Schönheit und vom Trost des Glaubens
Tobias Haberl (* 1975 im Bayerischen Wald) ist Journalist beim Magazin der «Süddeutschen Zeitung», Kolumnist und Sachbuchautor
Ich bin gläubiger Christ, ich bin katholisch. Früher war das eine Selbstverständlichkeit, heute muss ich mich dafür rechtfertigen: Wie kann man im 21. Jahrhundert noch an Gott glauben? Und wie kann man immer noch in der Kirche sein – nach allem, was ans Licht gekommen ist?
Tatsächlich ist es so, dass ich in meinem Viertel (gentrifiziert), meiner Branche (Medien) und meinem Job (linksliberale Zeitung) von Menschen umringt bin, die, wenn es um den Glauben geht, oft nur noch an Missbrauch und Vertuschung denken. Auch wissen viele nicht mehr, wofür Christen eigentlich beten und worauf sie hoffen. Sie reduzieren die Kirche auf den Missbrauchsskandal und lassen die strahlende Seite des Glaubens, die Schönheit, den Trost, die Hoffnung, unter den Tisch fallen.
Heute wird ständig darüber diskutiert, wie sich die Kirche verändern muss, um im 21. Jahrhundert anzukommen. Ich drehe die Frage um: Was kann das 21. Jahrhundert von gläubigen Menschen lernen? Wie kann der Glaube eine verunsicherte Gesellschaft von ihrer Angst und Stemlosigkeit befreien? Und was kann uns in einer digital optimierten, aber seelisch oft verkümmerten Gegenwart noch Hoffnung geben?
In deiner Weite lass mich Atem holen
Giannina Wedde (* 1974), Buchautorin, Geisteswissenschaftlerin und Künstlerin
Den Segen über jemanden oder etwas zu sprechen, ist nicht nur im kirchlichen Raum möglich. Jeder Mensch kann seine Verbundenheit mit dem Lebensquell, unsere Liebe zum Leben und sein wohlwollendes, mitfühlendes Empfinden in Segenswünsche fliessen lassen, die wir einander mit auf den Weg geben.
Giannina Wedde hat in diesem Buch 100 zeitgemässe Segenstexte zu Themen verfasst, die unseren Alltag bestimmen und in denen wir uns Segen wünschen oder Segen zusprechen möchten.
Kennen Sie weitere lesenwerte Bücher, die Ihnen am Herzen liegen? Erzählen Sie uns davon! Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Empfehlungen.
24. Dezember 2025 | Dani Schranz
Das Leben in Fülle haben.
Auch mit halbleerem Glas (?)
Dr. Samuel Behloul
Dr. Samuel Behloul
Das Leben in Fülle haben. Auch mit halbleerem Glas (?)
von Dr. Samuel Behloul

«Das Nah bei den Menschen darf nicht ausgeblendet werden.» Samuel Behloul
Bei einem Jahresrückblick schaut man naturgemäss auf das zurück, was in den vergangenen Monaten war. Zugleich richtet sich der Blick nach vorne, auf das, was zu erwarten ist. In meiner Funktion als Pastoralraum-Leiter war ich in diesem Jahr bei zahlreichen Sitzungen, Workshops und Tagungen unterwegs. Der Hauptfokus und der Sorgenbarometer sind nach wie vor dieselben: Die Zukunft der Kirche Schweiz im Allgemeinen und die Entwicklung unseres Pastoralraumes im Besonderen. Gleich bleiben auch die zwei Blickrichtungen, die seit Jahren die Diskussionen um die Zukunftsaussichten unserer Kirche dominieren: die Glas-Halbleer- und die Glas-Halbvoll-Blickrichtung. Für die einen ist das Glas bereits halbleer, für die anderen immer noch halbvoll. Sich nur für die eine oder andere Perspektive zu entscheiden, ist nicht zielführend. Denn das würde bedeuten, dass man sich nur mit halber Sache abfindet. Beide Blickrichtungen stimmen. Sie ermahnen uns zu einem realistischen Blick auf unsere Kirche: einerseits auf das, was tatsächlich nicht mehr da ist, und andererseits auf das, was sich der Kontinuität erfreut und den Raum für weiteres «Befüllen» des schon oder noch Halbvollen eröffnet. Auch Jesus ermahnt uns dazu, sich nicht mit halber Sache zufriedenzugeben: «Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben», lesen wir in Johannes 10,10.
Am Ende des Jahres blicke ich nun zurück auf ein pastorales Leben in Fülle in den fünf Pfarreien unseres Pastoralraumes Region Aarau. Bereits die sehr informativ und anschaulich gestalteten Websites einzelner Pfarreien geben Zeugnis von einem kirchlichen Leben, das auch in diesem Jahr aus dem Vollen gestaltet wurde. Diese Fülle an kirchlich-pastoralem Leben möchte ich zusammenfassend mit zwei Stichworten beschreiben: Gelebte Synodalität und gelebte Katholizität. Durch die generationenübergreifende Einbindung von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund und mit verschiedenen kirchenkulturellen Prägungen in das pfarreiliche Leben wurden Teilhabe und Mitsprache von Jung und Alt bei der Organisation und konkreten Gestaltung des kirchlichen Lebens vor Ort ermöglicht. Mit solcherart gemeinsamem Gehen geben wir nicht nur der Katholizität (d.h. Vielfalt und Universalität) und der angestrebten Synodalität unserer Kirche einen lebendigen Ausdruck. Unsere Pfarreien erfüllen damit vor Ort auch eine essenziell wichtige gesellschaftliche Rolle in einer Welt, welche zunehmend von sozialer Ungleichheit, ausgrenzenden Ideologien und der Angst sowie dem Misstrauen gegenüber «Anderen» geprägt ist. Vielfältig, lebendig, generationenübergreifend, innovativ, sozial-sensibel und nachhaltig, aber auch mit nötiger Sensibilität für Vertrautes und Traditionelles – darin bestand auch in diesem Jahr die Fülle des kirchlichen Lebens in unserem Pastoralraum. Und dies ganz im Sinne des Leitsatzes unseres Pastoralraumes: Nah bei Menschen.
Und von diesem Leitsatz ausgehend richtet sich mein Blick auch nach vorne. Bei aller Notwendigkeit teilweiser organisatorischer Neueingriffe in die pastoralen Strukturen – egal ob sie sich aus der Glas-Halbleer- oder aus der Glas-Halbvoll-Blickrichtung speisen – darf jenes Nah bei Menschen nicht ausgeblendet werden. Das organisatorisch-strategische Ziel bei der Zukunftsplanung kann nicht darin liegen, das perfekte und effizienteste Organisationsgebilde für die nächsten Jahrzehnte zu kreieren. Denn, erstens, können wir das gar nicht in Anbetracht der grossen Veränderungsdynamiken unserer Gesellschaft und der Kirche selbst. Und zweitens bergen die besonders in der Glas-Halbleer-Blickrichtung bevorzugten zentralistischen und grossräumigen Organisationsmodelle die Gefahr in sich, die Distanz zur Kirche nur noch zu erhöhen und letztendlich auch das zu ersticken, was aus der Glas-Halbvoll-Perspektive vor Ort tatsächlich noch gut funktioniert. Nah bei Menschen gestaltet sich in den einzelnen Pfarreien und nicht in grossen Zentren. Das lehrt uns auch eine organisatorische Erfindung der katholischen Kirche: das Subsidiaritätsprinzip.
Egal, welche Perspektive man annimmt: In beiden gibt es freien Raum, um neu befüllt zu werden. Und so wünsche ich uns allen, dass wir auch im neuen pastoralen Jahr aus dem Vollen schöpfen und das kirchliche Leben in Fülle gestalten mögen.
15. Dezember 2025 | Samuel Behloul
Alle Anträge werden genehmigt.
Bericht zur Jahresversammlung der Kreiskirchgemeinde Aarau
Jahresversammlung der Kreiskirchgemeinde Aarau genehmigt alle Anträge

85 Stimmberechtigte folgten der Einladung zur Jahresversammlung in der Kirche St. Martin in Oberentfelden.
Die Jahresversammlung der Kreiskirchgemeinde Aarau fand am Dienstag, 25. November 2025, erstmals unter der Leitung des neuen Präsidenten der Kreiskirchenpflege, Stefan Pöder, statt. 85 stimmberechtigte Mitglieder folgten der Einladung in die Kirche St. Martin in Oberentfelden und hiessen sämtliche Anträge gut. Umstrittene Geschäfte standen keine an.
Die Jahresrechnung 2024 schliesst mit einem Ertragsüberschuss von rund 65’000 Franken. Massgeblich beigetragen habe die Auflösung des Pastorationsfonds Erlinsbach, erklärte Finanzverantwortlicher Andreas Pechlaner. Zudem hätten ein Investitionsstopp und eine strikte Budgetdisziplin in allen Pfarreien das Ergebnis positiv beeinflusst.
Auch für das Jahr 2026 präsentierte Pechlaner ein ausgeglichenes Budget. Er rechnet mit einem kleinen Ertragsüberschuss von rund 16’000 Franken bei erwarteten Steuereinnahmen von 8,088 Millionen Franken.
Für die Jahre 2027 bis 2030 stellt die Kreiskirchenpflege jedoch einen weiteren Rückgang der Steuereinnahmen um rund zehn Prozent in Aussicht – das entspricht jährlichen Mindereinnahmen von etwa 200’000 Franken. Um dieser Entwicklung zu begegnen, sei es zentral, bauliche Investitionen zu priorisieren und das Notwendige vom Wünschbaren zu unterscheiden. Auch mögliche Umnutzungen kirchlicher Gebäude müssten diskutiert werden dürfen. Liegenschaftsverantwortlicher Werner Ryter betonte, es sei sorgfältig zu prüfen, welche Gebäude langfristig benötigt würden. Eine Umnutzung sei allenfalls nur auf weite Sicht vorstellbar und würde nur im Einvernehmen mit den Betroffenen erfolgen. Zudem befänden sich viele Gebäude in Zonen für öffentliche Bauten und Anlagen, was kommerzielle Nutzungen stark einschränke.
Trotz sinkender Einnahmen geht die Kreiskirchenpflege davon aus, weiterhin mit den vorhandenen Mitteln auszukommen. Voraussetzung dafür sei eine enge Zusammenarbeit der fünf Pfarreien sowie ein sorgfältiger Umgang mit personellen Ressourcen.
Genehmigt wurden auch die Kreditabrechnungen zur Modernisierung und Erneuerung der Kirche in Schöftland sowie zum Einbau einer In-Dach-Solaranlage. Während die Modernisierung aufgrund hoher Energiepreise und gestiegener Materialkosten den Budgetrahmen um knapp zwölf Prozent überschritt, konnte die Solaranlage rund sechs Prozent günstiger als geplant realisiert werden.
Im anschliessenden Informationsteil berichtete Antonio Mazzei über die personellen Entwicklungen in der Kreiskirchgemeinde Aarau. Aktuell arbeiten in den fünf Pfarreien und der Verwaltung 76 Personen; diese Zahl soll 2026 unverändert bleiben. Das Total der Stellenprozente steigt leicht von 3239 auf 3279. Sämtliche offenen Stellen konnten qualifiziert besetzt werden. Besonders erfreut zeigte sich die Kirchenpflege darüber, dass mit Peter Bernd und Viktoria Vonarburg die Pfarreileitungen in Buchs-Rohr und Schöftland nahtlos weitergeführt werden können.
Gastreferent Emil Inauen, Co-Leiter der Caritas Aargau, stellte die Arbeit der Kirchlich Regionalen Sozialdienste Aarau (KRSD) vor. Die Kreiskirchgemeinde ist Mitträgerin der KRSD und ermöglicht dank finanzieller und ideeller Unterstützung, dass die Sozialdienste einen wichtigen diakonischen Beitrag für die Gesellschaft leisten können.
Zum Abschluss gab Pastoralraum-Leiter Samuel Behoul Einblick in das Leben der fünf Pfarreien, die «nah bei den Menschen» arbeiten und mit einem lebendigen Pfarreialltag dazu beitragen, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft, jeden Alters und verschiedener religiöser Prägung in den Pfarreien Zugehörigkeit finden.
Beschlüsse nach Traktanden
- Das Protokoll der Kreiskirchgemeindeversammlung vom 26. November 2024 in Aarau wird genehmigt.
- Die Jahresrechnung 2024 wird mit einer Gegenstimme genehmigt.
- Das Budget 2026 mit einem Steuerfuss von 19% wird mit einzelnen Gegenstimmen genehmigt.
- Der Finanz- und Investitionsplan 2027–2030 wird zur Kenntnis genommen.
- Die Kreditabrechnung «Modernisierung und Erneuerung Kirche Schöftland» wird genehmigt.
- Die Kreditabrechnung «EInbau In-Dach-Solaranlage Kirche Schöftland» wird grossmehrheitlich genehmigt.
Gemäss Artikel 32 des Organisationsstatuts der Römisch-Katholischen Landeskirche des Kantons Aarau sind positive und negative Beschlüsse der Kreiskirchgemeindeversammlung der Urnenabstimmung zu unterstellen, wenn dies von einem Fünftel aller oder mindestens 300 Stimmberechtigten innert 30 Tagen, von der Veröffentlichung an gerechnet, schriftlich verlangt wird.
Beschlüsse sind rechtskräftig
Niemand hat von dem Recht Gebrauch gemacht, die Beschlüsse der Versammlung der Kreiskirchgemeinde Aarau vom 25. November 2025 in Entfelden einer Urnenabstimmung zu unterstellen. Somit sind sie nach Ablauf der Referendumsfrist von 30 Tagen in Rechtskraft erwachsen.
26. November 2025 | Dani Schranz
«Gut, hast du es endlich gemerkt.»
Gespräch mit Viktoria Vonarburg

«Ich wollte zuerst Lebenserfahrung sammeln, um den Menschen möglichst viel geben und sie gut begleiten zu können.»
«Gut, hast du es endlich gemerkt.»
Seit einigen Wochen leitet Viktoria Vonarburg die Pfarrei Heilige Familie in Schöftland. Im Gespräch erzählt sie, wie sie ihren Weg in die Theologie gefunden hat und was sie heute antreibt.
Dani Schranz: In welchem Alter hat sich dein Wunsch entwickelt, Theologie zu studieren?
Viktoria Vonarburg: So richtig mit 18½, gerade als ich die Matura gemacht hatte, aber eigentlich geht der Wunsch viel weiter zurück. Der Glaube war immer ein wichtiger und selbstverständlicher Teil meines Lebens. Aber wegen blöder, despektierlicher Sprüche von Mitschülern sagte ich stets: auf keinen Fall Theologie. Ich wollte Pädagogik und Psychologie studieren. Als es dann auf die Matura zuging, wollte ich mich bereits an der Uni Zürich einschreiben, aber ich habe einfach nie auf «Absenden» gedrückt. Irgendetwas sträubte sich in mir. Ich habe gemerkt: Es würde mir nicht genügen, den Menschen nur für sich allein anzuschauen, ohne auch seine Beziehung zu Gott mitzudenken. So habe ich mich in den Sommerferien fürs Theologiestudium angemeldet und mich gefragt, wie ich das nun meinen Kolleginnen mitteilen will. Es war dann lustig, wie sie reagiert haben. Alle sagten: «Gut, hast du es endlich gemerkt.» Ihnen war immer klar, dass Theologie das Richtige für mich ist.
Man findet von dir im Internet die Aussage: «Gott nimmt unser Leben mit all seinen Höhen und Tiefen an. Er liebt uns mit allem, was uns gelingt, aber auch in unserem Scheitern bleibt er bei uns.» Welche Rolle spielt in deiner Tätigkeit dein persönlicher Glaube?
Eine sehr wichtige. Der Glaube ist das, was mich trägt und mir Kraft gibt. Ich kann nicht über den Glauben reden, wenn ich ihn selbst nicht habe. Ich kann Menschen nicht auf diesem Weg begleiten, wenn ich nicht selbst vom Glauben ergriffen bin. Und dazu gehört, dass es ein gereifter Glaube ist, der selbst durch Tiefen, Zweifel und Herausforderungen gegangen ist. Nur so kann ich Menschen verstehen. Es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen, wenn man glaubt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Leute froh sind, wenn sie in einer Predigt oder im persönlichen Gespräch erfahren, dass ich als Theologin auch Momente kenne, die anspruchsvoll sind, in denen ich an Gott zweifle. Das hilft ihnen, zu akzeptieren, dass Zweifel Teil unseres Glaubens, unserer Beziehung mit Gott sind – wir müssen diese nicht verleugnen. Und es macht ihnen Mut, belastende Situationen und schwierige Themen anzusprechen.
Gibt es theologische Themen, die dich besonders faszinieren oder herausfordern?
Ja, viele Themen faszinieren mich. Aber das herausforderndste Thema ist die Frage, die sich wohl alle Menschen schon gestellt haben und über die ich auch meine Doktorarbeit verfasst habe: Woher kommt das Böse? Warum gibt es das Böse, wenn wir an einen allgütigen Gott glauben, der Liebe ist und die Welt gut erschaffen hat?
Diese Arbeit wurde 2017 zur besten Dissertation der Theologischen Fakultät erklärt und mit dem Dissertationspreis der Universität Luzern ausgezeichnet. Beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche akademische Laufbahn. Nun hast du dich entschieden, die Pfarreileitung in Schöftland zu übernehmen. Was hat dich zu diesem Richtungswechsel bewogen?
Ich habe das Studium mit dem Ziel begonnen, einmal in einer Pfarrei zu arbeiten. Nach dem Studium, mit 24, war ich noch nicht bereit für die Pfarreiarbeit. Ich wollte zuerst Lebenserfahrung sammeln, um den Menschen möglichst viel geben und sie gut begleiten zu können – auf ihrem Weg in der Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen. So bin ich an der Uni «hängen geblieben» und habe nebst der Dissertation auch noch eine Habilitation begonnen, die schon sehr weit fortgeschritten war.
2019, als ich für einen Forschungsaufenthalt längere Zeit in Israel war, habe ich gemerkt: Ich bin an der Uni nicht mehr am richtigen Ort. Zehn Jahre zuvor war ich auf dem Jakobsweg. Damals hatte ich mich gefragt: Wo will ich in zehn Jahren sein? Ich setzte mir damals das Ziel, in einer Pfarrei zu arbeiten – aber man gewöhnt sich an den Uni-Alltag in Forschung und Lehre. Er ist schön, er ist spannend, man kann viel lernen und sein Wissen vertiefen. Doch ich habe mein ursprüngliches Ziel aus den Augen verloren.
Dann habe ich mir gesagt: Eigentlich habe ich jetzt genau jene Lebenserfahrung, die ich mir damals im Studium vorgestellt hatte. Das war der ausschlaggebende Punkt. So habe ich mich entschieden, die Habilitation nicht abzuschliessen und nicht in der wissenschaftlichen Laufbahn zu bleiben. Im Sommer 2020 habe ich in zwei Pfarreien in Bern angefangen zu arbeiten. Einige Zeit nach der Berufseinführung merkte ich, dass ich bereit bin, eine Leitungsfunktion zu übernehmen und herauszufinden, ob mir diese Aufgabe zusagt – auch im Hinblick darauf, ob später vielleicht auch eine Pastoralraum-Leitung etwas für mich sein könnte. So habe ich die Chance wahrgenommen, in Schöftland tätig zu sein, in einer Pfarrei mit einer Ausrichtung, die mir sehr entspricht.
Wenn du in die Zukunft der Pfarrei blickst: Was sind deine Wünsche für die Pfarrei, aber auch für dich persönlich?
Ich möchte herausfinden, wie wir Glauben und Kirche heute leben können. Ich möchte, dass das, was wir leben und verkünden, relevant ist und auch als relevant wahrgenommen wird – und den Menschen etwas gibt. Das ist herausfordernd, aber auch faszinierend. Die Volkskirche ist ja schon lange keine Realität mehr, aber in den Strukturen lebt sie weiter. Wir müssen uns auf die Suche machen nach der Form, wie wir heute Gemeinschaft und Kirche miteinander leben können. Wir haben viele Möglichkeiten, Neues auszuprobieren, Neues zu denken und mit Versuch und Irrtum herauszufinden, was uns heute trägt. Wir können mit den Leuten im Gespräch sein, synodal unterwegs sein und hören, welche Bedürfnisse sie haben – und so ein Miteinander gestalten.
Welche Stimme sollte die Kirche deiner Meinung nach sein, besonders für die jüngere Generation?
Mir ist es wichtig, dass wir eine Stimme der Hoffnung sind. Gerade die junge Generation ist mit vielen Ängsten und Herausforderungen konfrontiert. Während der Corona-Zeit ging eine Schockwelle durchs Land. Viele junge Menschen haben psychisch darunter gelitten. Das zeigt, wie wichtig es ist, eine Stimme der Hoffnung zu sein, die Trost und Halt anbietet in einer Zeit, in der vieles unsicher ist, in der Künstliche Intelligenz oder Roboter Arbeitsplätze bedrohen und Kriege um sich greifen.
Ich finde es wichtig, dass wir eine Stimme sind, die bei schwierigen Themen auch eine Gegenstimme zum Mainstream sein kann – die sich traut, kritische Fragen zu stellen und Dinge zu benennen, die dem Wohl der Allgemeinheit nicht förderlich sind. Schwache Gruppen werden übersehen, fallen durch die Maschen oder werden ausgeschlossen. Es ist mir wichtig, die Aufmerksamkeit wieder auf diese Menschen zu richten, damit sie wieder in unserem Blickfeld sind, gesehen und gehört werden und ihren Platz in der Gesellschaft finden. In meinen Predigten ist es mir stets ein Anliegen, Hoffnung in den Alltag zu geben – eine Hoffnung, die einen stärkt und mit Zuversicht weitergehen lässt.
Viele Menschen stehen der Kirche heute distanziert gegenüber. Wie findest du einen Zugang zu Menschen, die mit dem Glauben wenig anfangen können?
Eigentlich ganz natürlich. Viele meiner Freunde sind nicht kirchlich eingebunden, sind Atheisten. Mit diesen Menschen finden oft die spannendsten Gespräche statt. Ich habe festgestellt, dass gerade überzeugte Atheisten sich stark mit Religion auseinandergesetzt haben und kritische Fragen stellen. Das hilft mir immer wieder, meine eigene Sicht zu überdenken, klarer zu sehen und herauszufinden, wo ich genau stehe, und warum ich glaube, was ich glaube. Das finde ich sehr anregend und sehe das als Chance, daran zu wachsen und in meinem Glauben klarer zu werden.
Gibt es Menschen, die dich auf deinem Weg besonders inspiriert oder geprägt haben?
Ja, natürlich: meine Familie, Grosseltern und Eltern, die ganz selbstverständlich den Glauben vorgelebt und mir mitgegeben haben.
Was machst du, wenn du nach der Arbeit den Kopf leeren und abschalten möchtest?
Ich lese gern, ich stricke gern, ich wandere gern, treffe mich gern mit Freunden oder verbringe Zeit mit meiner Familie. Auch das Musizieren ist ein schöner Ausgleich. Im Kindergarten habe ich angefangen, Geige zu spielen. Ich nehme die Geige immer mal wieder hervor, aber nicht so oft. Während des Theologiestudiums habe ich im Nebenfach Kirchenmusik belegt und mit Orgelspielen begonnen. Während des Studiums war ich als Zweitorganistin und später als Aushilfe tätig. Heute muss ich mir die Zeit immer erst suchen, um hinzusitzen und Musik zu machen. Musizieren gehört zu den Dingen, die mich erden, weil ich mich ganz auf ein Musikstück konzentrieren muss. Da gibt es keine Möglichkeit, dass die Gedanken irgendwohin abschweifen.
24. November 2025 | Dani Schranz
Projektchor
Projektchor

Der Projektchor wird vom Kantor Roman Stahl geleitet und bildet sich für jedes Projekt neu. Viele bekannte Gesichter schliessen sich ihm immer wieder an, neue kommen dazu, sodass wir pro Projekt zwischen 30 und 110 Sängerinnen und Sänger sind.
Im ersten Halbjahr tritt der Projektchor in der Regel am Ostersonntag und am Patrozinium Peter und Paul auf und im zweiten Halbjahr stehen die Mendelssohntage und die Weihnachtsmesse in der Katholischen Kirche Aarau auf dem Programm.
Die Proben finden normalerweise am Mittwoch von 19.30-21.30 Uhr im Kirchensaal statt (Poststrasse 15). Sie sind jederzeit herzlich willkommen, bei uns mitzusingen!
Chorleiter
Roman Stahl, E-Mail
Einladung zur Versammlung
von Stefan Pöder
Einladung zur Versammlung der Kreiskirchgemeinde Aarau
Dienstag, 25. November 2025, 19.30 Uhr, Kirche St. Martin Entfelden

Stefan Pöder, Präsident der Römisch-Katholischen Kreiskirchenpflege Aarau
Die Jahresversammlung der Kreiskirchgemeinde Aarau findet dieses Jahr am Dienstag, 25. November, um 19.30 Uhr in der Kirche St. Martin Entfelden statt.
Liebe Pfarreiangehörige der Pfarreien Peter und Paul Aarau, St. Johannes Evangelist Buchs-Rohr, St. Martin Entfelden, Heilige Familie Schöftland und Heilig Geist Suhr-Gränichen des Pastoralraums Region Aarau,
Als Pfarreimitglied sind Sie von Kindestagen an, als jugendliche oder erwachsene Person, als alte weise Frau oder als alter weiser Mann eingeladen, das Pfarreileben mitzugestalten und mitzutragen, und sei es nur im Gebet für die Menschen, die in den Pfarreien und im Pastoralraum so wertvolle Arbeit für die Pfarreien leisten – bezahlt oder ehrenamtlich.
Als Mitglied der Kreiskirchgemeinde Aarau sind Sie mit dem Erreichen des 16. Lebensjahres wahl- und stimmberechtigt und damit eingeladen, sich in der Kirchgemeinde zu engagieren, zum Beispiel, indem Sie für das Amt einer Kirchenpflegerin, für das Amt eines Mitglieds der Finanzkommission oder eines Stimmenzählers kandidieren.
Und einmal im Jahr findet die Versammlung der Mitglieder der Kreiskirchgemeinde statt, zu der ich Sie hiermit im Namen der Kreiskirchenpflege gerne einlade. Sie sind eingeladen, sich über die traktandierten Geschäfte zu informieren, eingeladen, an der Versammlung zu den traktandierten Geschäften Fragen zu stellen, eingeladen, an der Versammlung mit Ihrer Stimme mitzuentscheiden.
Herzlich,
Stefan Pöder
E-Mail
Diakonie im Wandel
Perspektiven und Herausforderungen
Diakonie im Wandel
Perspektiven und Herausforderungen

Kirche mit Schiff und Turm oder ein grosser Torbogen: Mitarbeitende aus den fünf Pfarreien des Pastoralraums bauen ihre Kirche.
Zu Beginn der diesjährigen Pastoralraumkonferenz in Suhr standen die 23 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor einer kreativen Aufgabe: Mit grossen Legosteinen bauten sie Modelle ihrer Kirche. Die entstandenen Objekte reichten von klassischen Kirchenbauten mit Schiff und Turm bis hin zu Brücken und offenen Strukturen. Schnell wurde klar: «Kirche» lebt von Kreativität, Offenheit und dem Mut, Neues auszuprobieren. Nach diesem Einstieg schlugen die Teilnehmenden eine Brücke zum Thema des Tages: Die Vielfalt und die Sichtbarkeit der Diakonie in einer Kirche im Wandel.
Diakonisches Handeln gehört zu den Kernaufgaben der Kirche. In der katholischen Tradition bedeutet Diakonie, sich den Bedürfnissen der Menschen zuzuwenden, Gemeinschaft zu stiften und glaubwürdig christliche Nächstenliebe zu leben. Gerade in Zeiten des Umbruchs ist Diakonie zentral für die Zukunftsfähigkeit und die Glaubwürdigkeit der Kirche.
In seinem Referat blickte Detlef Hecking, Pastoralverantwortlicher im Bistum Basel, auf die Entwicklung seit 2006 zurück. Damals wurden auf Basis des pastoralen Entwicklungsplans erste Konzepte entwickelt und Strukturen geschaffen, um dem Kulturwandel in der Kirche und in der Gesellschaft Rechnung zu tragen. Die Entwicklung sei nicht abgeschlossen, sondern befinde sich mitten im Wandel. Die Wegweiser des Bistums für die Entwicklung in Pfarreien und Pastoralräumen seien deshalb als offener Ideenpool zu verstehen, der stetig weiterentwickelt werden müsse. Gefragt sei der Mut, sich mit den veränderten Situationen auseinanderzusetzen.
Hecking betonte, dass die Kirche ihre Relevanz in der Gesellschaft nur bewahren könne, wenn sie Glaubenstradition, engagierte Gläubige, professionelle Angestellte und ein zeitgemässes Freiwilligenmanagement vereine. Es brauche neue Netzwerke, eine Stärkung der Strukturen, Offenheit für interkulturelle Veränderungen und die Bereitschaft, sich den Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen. Entscheidend sei vor allem der Wille zu einer echten Haltungsänderung, wie sie auch Bischof Felix einfordert: Gegenseitiges Vertrauen, partizipative Entscheidungswege und der Abschied von einer kleinteiligen, uniformen Pfarreikultur seien notwendig. Statt einheitlicher Lösungen brauche es flexible, lokal angepasste Strukturen. «Synodalität gehört zur DNA der Kirche», so Hecking, «Vielfalt ist als Reichtum zu begreifen».
In den anschliessenden Gruppenarbeiten wurde das Thema der Vielfalt diakonischen Handelns und seiner Sichtbarkeit vertieft.
Die Gruppe Katechese diskutierte, wie man angesichts knapper Ressourcen und geringer Resonanz bei Jugendlichen neue Zugänge schaffen und Glaubensinhalte glaubwürdig vorleben kann. Die Gruppe Gemeinschaftsbildung berichtete von der Bedeutung offener Räume und gemeinschaftsstiftender Aktivitäten, die Bindung und Teilhabe fördern, aber auch viel Engagement von Mitarbeitenden verlangen. Wichtig sei es, engagierte Freiwillige zu gewinnen und einzubinden. Im Fokus der Gruppe Diakonie stand die Sichtbarkeit der geleisteten Arbeit: Diakonie sei zentraler Bestandteil der Kirche und verdiene Wertschätzung. Es gelte, nach innen wie aussen professionell zu kommunizieren, Vorurteilen zu begegnen und darzulegen, warum diese Arbeit wichtig sei. Die Gruppe Seelsorge und Verkündigung betonte die Bedeutung der Kirche als eine der wenigen analogen Begegnungsstätten in einer digitalen Welt. Gerade hier könne die Kirche der zunehmenden Vereinsamung entgegenwirken und gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen – auch als diakonischer Auftrag. Im Pastoralraum sollen in Zukunft öffentlich und medial sichtbare Projekte diakonischen Charakters realisiert werden.
Zusammenfassend zeigt sich: Die Kirche lebt vom Wandel, von Vielfalt und einer Diakonie, die sich mit ihren Angeboten auch gegenüber nichtkirchlichen Akteuren und Adressaten öffnen muss. So kann sie ihre Sichtbarkeit stärken und ihre gesellschaftliche Relevanz unterstreichen.
24. Oktober 2025 | Dani Schranz
Zur Vertiefung: Broschüre «PEP to go» – Arbeitsinstrument für den Kulturwandel, Bistum Basel
Jahresbericht Entfelden 2025
Pfarrei – ein Stück Heimat
Auch im zu Ende gehenden Jahr waren unsere Kirche St. Martin und die Pfarreiräume mit viel Leben, wohltuendem Duft und herzerwärmendem Klang und Gesang gefüllt. Die Schönheit unserer Traditionen, die Reichhaltigkeit des Christentums, die identitätsstiftende Kraft pfarreilicher Gemeinschaft und die Kreativität des Seelsorgeteams sowie das Engagement der über 150 freiwillig Engagierten haben die Pfarrei St. Martin zu dem gemacht, was sie für Ober- und Unterentfelden ist: ein Stück Heimat. Sie gehört einfach zu unseren zwei Dörfern.
Ökumenische Suppentopffeier im Pfarreizentrum
In verschiedenen Pfarreigruppierungen gestalteten die alteingesessenen Entfelder genauso wie Familien mit Kindern und Jugendlichen, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, gene-rationenübergreifend das Pfarreileben. Neben den bereits gut etablierten, traditionellen und kreativ-spielerischen Formaten wie verschiedenen Gottesdienstfeiern, Meditationsabenden, Adventsbasteln mit Samichlaus, St.-Martins-Spiel am Patrozinium, Krippenspiel, Kinderchor, Ministrantenreisen, Musik- und Vortragsabenden sowie Freiwilligenfeiern und diakonischen Diensten wurden im laufenden Jahr neue Projekte mit grosser Ausstrahlungskraft realisiert – sei es auf pfarreiinterner, ökumenischer oder interkultureller Ebene.
Über 100 Kinder und Dutzende Freiwilliger beteiligten sich an der ökumenischen Zirkuswoche in Entfelden.
Besonders erwähnt seien hier: die Vortragsabende mit dem internationalen SRF-Korrespondenten Sebastian Ramspeck zur aktuellen Weltlage oder der Vortrag zum Phänomen Bitcoin, die ökumenische Zirkuswoche mit über 100 Kindern, der Schulabschluss- und der Schulanfangsgottesdienst mit der Syr.-Orth. Gemeinde bzw. mit der kath. Mission der Kroaten, das ökumenische Familien-Kinoprojekt im Pfarreizentrum, die Gründung der Jugendgruppe St. Martin mit der Neugestaltung des Jugendraumes zusammen mit Jugendlichen.
Ökumenischer Gottesdienst am Eidg. Dank-, Buss- und Bettag 2025
Und ja, die Minis-Schar ist erneut gewachsen. Mit 12 neuen Mädchen und Buben zählt sie jetzt 51 Minis. Das alles macht uns zu einer lebendigen Pfarreigemeinschaft, mit dem klaren Auftrag, Gott und Menschen zu dienen.
Mini-Aufnahme 2025
10. Oktober 2025 | Dr. Samuel Behloul, Pfarreileiter
Jahresbericht Buchs-Rohr 2025
Reich Gottes, Vielfalt und gemeinsame Verantwortung
Ist, was ein Pastoralraum oder eine Pfarrei tun bzw. Gruppen und Menschen anbieten, vorstellen, praktizieren, entwickeln, als Leitbild entwerfen, «Reich-Gottes-verträglich» oder nicht? Diese Frage stellte und stellt der Schweizer Theologe Urs Eigenmann anlässlich jeder von ihm begleiteten Revue von dem, was ist, und dem, was sein könnte – z.B. in einem Pastoralraum. Es ist ein wichtiges theologisch-praktisches Kriterium, um zu gemeinsamen Entscheidungen zu finden über das, was weitergeführt, beendet oder ganz neu initiiert wird. Dieses Kriterium ist ein theologisches und zugleich politisches und säkulares, wie es das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit als entscheidende Grösse jesuanischer Praxis waren und sind.
Bei der Einschreibefeier für die jugendlichen Firmand:innen wurde «Eucharistie-anders», getragen von einer Gemeinschaft von Jung und Alt um den Tisch, praktiziert. Die kritisch befreiende Wiederentdeckung des Sonntages und seiner subversiven Kraft wird nur als Projekt des Pastoralraumes gelingen können. (Foto: Pfarrei Buchs-Rohr)
Papst Leo schreibt in seiner gerade erschienenen Exhortation «Dilexi te»: «Die Lebenssituation der Armen ist ein Schrei, der in der Geschichte der Menschheit unser eigenes Leben, unsere Gesellschaften, die politischen und wirtschaftlichen Systeme und nicht zuletzt auch die Kirche beständig hinterfragt» (Nr. 9). Was heisst das nun ganz konkret für die Kirche vor Ort? Wäre die entscheidende Frage. Wie nimmt das Gestalt an in der Bildung, in der Katechese, in der Liturgie, in politisch-gesellschaftlicher Praxis, in der Offenheit unserer Räume, in der Bereitschaft, komplett «über die Bücher» zu gehen?
Der jährliche mehrtägige Ferienplausch für Kinder ist ökumenisches Projekt, das Familien eine «Auszeit» gewährt und darum grossen Zuspruch erlebt. (Foto: Pfarrei Buchs-Rohr)
In der kleinsten Pfarrei des Pastoralraumes beginnt das Bewusstsein Fuss zu fassen, dass wir uns nur gemeinsam mit anderen dem werden stellen können. Wichtig ist, dabei auch vor Ort anzufangen, das eine zu verabschieden, um «Reich-Gottes-verträglich» Kirche anders aufzubauen. Es gibt diverse ermutigende Ansätze, grosses persönliches Engagement von Freiwilligen und angestellten Mitarbeiter:innen: Bewährtes und Neues. Es gibt nach wie vor ein breites ökumenisch getragenes Angebot für Ältere und Junge, Gottesdienste für Ungläubige, Zweifler und andere gute Christinnen, Ansätze zu integralen Feiern mit Projektsingen und zur Bildung im Rahmen befreiender Theologien theologisch-praktische Aktionen für Hand und Herz, erste Ideen zu neuen Formen von Gemeinschaft und Öffnung, pfarreiübergreifende Zusammenarbeit und auch hier weiterführendes Zusammenstecken kreativer Köpfe.
Das Pfarreiteam hatte Ende 2024 zwar eine kritische Teamgrösse unterschritten, denkt aber mit Fantasie und Offenheit – wie ausgeführt – weiter. Aufgrund diverser Verschiebungen auch nach dem Heimgang von Ruedi Rieder, dessen Andenken viele Menschen bewegt, konnte ab 2026 eine 50-Prozent-Stelle im pastoralen Bereich ermöglicht werden. Dabei sind alle Teammitglieder bereit, über Pfarreigrenzen hinauszudenken – und nicht nur zu denken, wie gesagt.
10. Oktober 2025 | Peter Bernd
Personelles 2025
Personelles
Das vergangene Jahr war für die Kreiskirchgemeinde Aarau in personeller Hinsicht ein Jahr der Veränderungen und Übergänge.
Mehrere langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter traten ihren wohlverdienten Ruhestand an. Mit ihnen verabschieden wir nicht nur geschätzte Kolleginnen und Kollegen, sondern auch Menschen, die unsere Gemeinden über Jahre hinweg mit Engagement, Herzblut und Fachkompetenz geprägt haben. Wir danken ihnen herzlich für ihren wertvollen Einsatz und wünschen ihnen für den neuen Lebensabschnitt alles Gute und Gottes Segen.

Erfreulicherweise konnten zwei Pfarreileitungen, in Buchs-Rohr und Schöftland, neu besetzt werden. Mit grosser Dankbarkeit begrüssen wir die neuen Leitungspersonen, Peter Bernd und Viktoria Vonarburg, die mit frischen Ideen und grosser Motivation ihre Aufgabe aufgenommen haben. Ihre Berufung ist ein wichtiges Zeichen der Kontinuität und Erneuerung in unserer kirchlichen Arbeit.
Leider mussten wir im vergangenen Jahr auch Abschied nehmen von Rudolf Rieder, dem langjährigen, engagierten Seelsorger und ehemaligen Pfarreileiter der Pfarrei Peter und Paul Aarau. Sein plötzlicher, unerwarteter Tod hat uns tief bewegt. Wir erinnern uns in Dankbarkeit an sein Wirken in unserer Gemeinschaft und bewahren ihn in ehrendem Gedenken.

Insgesamt blicken wir auf ein Jahr zurück, das sowohl von Abschieden als auch von neuen Aufbrüchen geprägt war. Wir danken allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – ob neu dazugekommen oder langjährig verbunden – für ihren täglichen Einsatz für unsere Gemeinden und für das lebendige Miteinander, das sie ermöglichen.

Mutationen Dezember 2024 bis November 2025, chronologisch
Verstorben
- Rudolf Rieder, Seelsorger, Pastoralraum
Pensionierungen
- Frank Krause, Jugendarbeiter, Pastoralraum
- Carmen Kronenberg, Leiterin Geschäftsstelle, Kreiskirchgemeinde
- Marlene Müller, Pfarreisekretärin, Buchs-Rohr
- Robert Probst, Sakristan/Hauswart, Buchs-Rohr
- Cecile Wendling, Religionspädagogin, Schöftland
- Beat Niederberger, Pfarreileiter, Schöftland
Ausgetreten und weitergegangen sind folgende Mitarbeitende
- Jeannine Fankhauser, Pfarreisekretärin Aarau
- Raffaela Santoro, Katechetin, Entfelden
- Manuela Klee, Katechetin, Suhr-Gränichen (Ausbildungsende)
- Florian Grimm, Praktikant Soziale Arbeit, Aarau (Praktikumsende)
- Herbert Marty, Sakristan, Aarau
- Kurt Meier, Religionspädagoge, Entfelden
Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pastoralraum
- Peter Bernd, Pfarreileiter, Buchs-Rohr
- Florian Grimm, Praktikant Soziale Arbeit, Aarau
- Brigitte Lindt, Stv. Leitung Vermittlungsstelle Wegbegleitung, Pastoralraum
- Andrea Bruzzone, Pfarreisekretärin, Aarau
- Ingrid Andenmatten, Sozialarbeiterin, Schöftland
- Christine Knüsel, Pfarreisekretärin, Buchs-Rohr
- Claudia Schläfle, Religionspädagogin, Entfelden
- Viktoria Vonarburg, Pfarreileiterin, Schöftland
Allen nochmals ein herzliches Willkommen und viel Freude und Befriedigung bei ihrer Arbeit.
13. Oktober 2025 | Antonio Mazzei
Erläuterungen zum Budget 2026
KKGV 2025
Erläuterungen zum Budget 2026
Versammlung der Kreiskirchgemeinde Aarau vom 25. November 2025
Allgemein
Der Steuerertrag basiert zum einen auf dem durchschnittlichen Pro-Kopf-Steuerertrag der letzten drei Jahre und zum anderen auf der Anzahl Katholiken per Ende 2026. Für das Budget 2026 gehen wir davon aus, dass der durchschnittliche Pro-Kopf-Steuerertrag wie in den Vorjahren leicht wachsen wird (1 %). Die Anzahl Katholiken dürfte analog den Vorjahren weiter abnehmen und Ende 2026 rund 16’900 betragen. Das Steuerertragsbudget 2026 beruht weiter auf einem Steuerfuss von 19 %.
Für das Budgetjahr 2026 wird mit einem Brutto-Steuerertrag von knapp CHF 8.1 Mio. gerechnet. Somit liegt der Steuerertrag trotz der Steuererhöhung rund CHF 220’000 unter dem Vorjahresbudget und knapp CHF 50’000 über den Einnahmen im Jahr 2024. Wie erwartet gewinnen wir mit der vollzogenen Erhöhung des Steuerfusses etwas Zeit, um uns auf die weiter sinkenden Steuererträge (als Folge der abnehmenden Anzahl Mitglieder) in den Folgejahren vorzubereiten.
Bei der Planung der Kosten 2026 flossen Sparmassnahmen ein, insbesondere auf Stufe Pastoralraum und Verwaltung. Dabei wurden unter anderem personelle Abgänge nicht oder nur teilweise ersetzt.
Insgesamt rechnen wir im Budget 2026 mit einem leicht positiven Ergebnis von CHF 16’218.
1. Legislative/Exekutive
Das Budget 2026 liegt wegen folgender Gründe deutlich über dem Budget 2025 und auch über dem Rechnungsabschluss 2024
- Wahlen im November 2026 (CHF 15’000)
- Honorare für externe Beratung und Unterstützung nach erfolgtem Personalabbau auf der Geschäftsstelle (CHF 32’000)
- Entschädigung der Behörden nach Besetzung der Vakanzen (CHF 19’000) und
- Erhöhung Kompetenzsumme der Behörden (CHF 11’000)
Insgesamt verzeichnet der Bereich Legislative/Exekutive eine Erhöhung gegenüber dem Budget 2025 um knapp CHF 78’000.
2. Allgemeine Dienste
Die Aufwendungen für die zentralen Dienste sind rund CHF 126’000 tiefer als im Budget 2025. Wesentliche Veränderungen ergaben sich bei den übrigen Erträgen (CHF 83’000) und geringeren Lohnkosten in Folge der nur teilweisen Besetzungen der Abgänge (CHF 75’000). Weiter wurde ein Betrag von CHF 30’000 für individuelle Lohnerhöhungen eingestellt. Die übrigen Positionen sind im Rahmen des Budget 2025.
3. Verwaltungsliegenschaften
Das Budget 2026 für die Verwaltungsliegenschaften beläuft sich auf rund CHF 1.2 Mio. und liegt damit im Rahmen des Vorjahres.
4. Seelsorge, Pfarrei
Die Kosten für die Seelsorgetätigkeit liegen im Budget 2026 bei rund CHF 3.77 Mio. und sind damit leicht unter dem Budget 2025 (rund CHF 26’000). Die Aufwendungen für das Pfarrblatt Lichtblick sind wegen der abnehmenden Anzahl Katholiken im Budget 2026 rund CHF 23’000 tiefer als im Budget 2025.
5. Kirchliche Institutionen
Sowohl die Beiträge für die Freiwilligenarbeit wie auch für Aktivitäten von Pfarreigruppierungen wurden gegenüber dem Budget 2025 um rund CHF 16’000 auf CHF 131’500 gekürzt.
6. Beiträge und Zuwendungen
Für Zuwendungen und Beiträge sind im Budget 2026 insgesamt CHF 175’000 eingestellt (Budget 2025 CHF 216’764). Die Kürzungen betreffen insbesondere die Ehe- und Paarberatung, die nicht mehr länger von der Kreiskirchgemeinde Aarau mitgetragen wird.
7. Allgemeine Steuern
Die aufgrund der eingangs beschriebener Methode berechneten Brutto-Steuererträge belaufen sich auf CHF 8.079 Mio., rund CHF 220’000 weniger als im Budget 2025 und rund CHF 50’000 mehr als in der Rechnung 2024.
8. Finanz- und Lastenausgleich
Die Kosten für die Abgaben an die Römisch-Katholische Landeskirche Aargau (Zentralkassenbeitrag und Finanzausgleich) werden jeweils aufgrund der Steuererträge früherer Jahre kalkuliert. Für das Budgetjahr 2026 belaufen sich diese auf rund CHF 1.25 Mio. und liegen damit rund CHF 80’000 unter dem Vorjahresbudget. Im Rahmen der Auswärtspastoration sind Abgaben von rund CHF 399’000 budgetiert, deutlich weniger als in der Rechnung 2024, aber mehr als im Budget 2025.
9. Vermögens- und Schuldenverwaltung
Das Ergebnis im Bereich Vermögens- und Schuldenverwaltung liegt mit CHF 9’000 leicht positiv und rund CHF 45’000 über Budget 2025. Auf die Budgetierung von ausserordentlichem Unterhaltsaufwand wurde verzichtet (2025 CHF 46’000).
10. Abschreibungen
Die planmässigen Abschreibungen ergeben sich aufgrund des Anlagespiegels und werden jeweils aufgrund der Vorgaben der Landeskirche berechnet. Es sind insgesamt CHF 350’000 eingestellt.
10. Oktober 2025 | Andreas Pechlaner, Monika Wäny
Erläuterungen zur Bilanz 2024
KKGV 2025
Erläuterungen zur Bilanz 2024
Versammlung der Kreiskirchgemeinde Aarau vom 25. November 2025
Aktiven
1. Finanzvermögen
Das Finanzvermögen hat sich im Rechnungsjahr um rund CHF 200’000 verringert. Dies vor allem, weil die aktive Rechnungsabgrenzung um rund CHF 600’000 abnahm und die Steuerausstände der Gemeinden rund CHF 95’000 geringer sind als gegenüber dem Vorjahr. Die liquiden Mittel nahmen um rund CHF 217’000, die Erbschaftsfonds um rund CHF 280’000 zu (Erbschaften Wullschleger und Hochstrasser).
2. Verwaltungsvermögen
Die Liegenschaftswerte werden durch die Abschreibungen jährlich reduziert. An der Kreiskirchgemeindeversammlung 2024 wurden die Kreditabrechnungen Pfarrhaus Aarau und Pfarrhaus Entfelden verabschiedet. Dadurch konnten diese Investitionen aktiviert werden und führten zu einer Verschiebung innerhalb des Verwaltungsvermögens von den Verpflichtungskrediten zu den Liegenschaften.
3. Fremdkapital
Die Abnahme des Fremdkapitals um rund CHF 270’000 resultiert vor allem durch den um rund CHF 250’000 tieferen Kreditorenbestand und die um rund CHF 20’000 geringeren passiven Rechnungsabgrenzungen.
4. Eigenkapital
Die Abnahme des Eigenkapitals ist durch Reduktion der zweckgebundenen Zuwendungen aufgrund der Auflösung des Pastorationsfonds Erlinsbach entstanden.
10. Oktober 2025 | Andreas Pechlaner, Monika Wäny
Erläuterungen zur Rechnung 2024
KKGV 2025
Erläuterungen zur Rechnung 2024
Versammlung der Kreiskirchgemeinde Aarau vom 25. November 2025
1. Legislative/Exekutive
Wegen der geringeren Honorare für externe Spezialisten und Berater fiel der Aufwand für die Legislative um rund CHF 8’000 tiefer aus als budgetiert. Die Aufwendungen für die Exekutive waren um CHF 28’454 tiefer als budgetiert, weil die budgetierten Beträge durchwegs nicht ausgeschöpft wurden.
2. Allgemeine Dienste
Die Aufwendungen für die zentralen Dienste sind rund CHF 104’000 tiefer als im Budget 2024. Wesentliche Veränderungen ergaben sich bei den übrigen Erträgen (CHF 82’000), bei den ausserordentlichen Erträgen (CHF 10’000) und bei den Entschädigungen für den Steuerbezug (CHF 11’000).
3. Liegenschaften des Verwaltungsvermögen
Die Aufwendungen für die Verwaltungsliegenschaften belaufen sich auf CHF 1.129 Mio. und sind damit CHF 189’829 tiefer als budgetiert. Die positive Abweichung ist insbesondere auf den geringeren baulichen Unterhalt (rund CHF 93’000) und die geringeren Betriebskosten (rund CHF 74’000) zurückzuführen.
4. Seelsorge, Pfarrei
Die Aufwendungen für die Seelsorgetätigkeit lagen 2024 bei rund CHF 3.829 Mio. und sind damit leicht unter dem Budget (rund CHF 180’000). Die Budgetunterschreitung ist insbesondere auf geringere Lohnaufwendungen (rund CHF 150’000) und geringere Kosten bei der Weiterbildung und beim Pfarrblatt Lichtblick (je rund CHF 15’000) zurückzuführen. Die übrigen Positionen bewegten sich im Rahmen der budgetierten Beträge.
5. Kirchliche Institutionen
Die Beiträge an kirchliche Institutionen beliefen sich auf rund CHF 106’000 und waren damit rund CHF 36’000 tiefer als budgetiert. Dabei waren insbesondere die Ausgaben für Pfarreigruppierungen rund CHF 30’000 geringer als budgetiert.
6. Beiträge und Zuwendungen
Die Aufwendungen für Zuwendungen und Beiträge betrugen im Jahr 2024 rund CHF 405’000 und lagen mit CHF 154’000 deutlich über dem Budget. Diese Budgetabweichung ist insbesondere auf die Auflösung und teilweise Auszahlung des Pastorationsfonds Erlinsbach (CHF 173’000) und die geringeren Aufwendungen für die Ehe- und Paarberatungsstelle (CHF 15’000) zurückzuführen.
7. Allgemeine Steuern
Der Steuerertrag betrug CHF 8.029 Mio. und war damit rund CHF 548’000 tiefer als budgetiert. Die Steuererträge waren in den meisten Gemeinden tiefer als erwartet. Der deutliche Fehlbetrag konnte durch diverse Sparmassnahmen, tiefere Abschreibungen sowie die Auflösung des Pastorationsfonds Erlinsbach zu einem grossen Teil kompensiert werden.
8. Finanz- und Lastenausgleich
Die Kosten für die Abgabe an die Römisch-Katholische Landeskirche Aargau (Zentralkassenbeitrag und Finanzausgleich) sowie die Auswärtspastoration betrugen CHF 1.788 Mio. und lagen damit leicht über Budget (rund CHF 37’000). Die Steuererträge der Auswärtspastorationsgemeinden waren höher als budgetiert. In der Folge waren die abzugebenden Beträge ebenfalls höher.
9. Vermögens- und Schuldenverwaltung
Die Aufwendungen für die Vermögens- und Schuldenverwaltung lagen mit rund CHF 358’000 deutlich über Budget. Die Budgetüberschreitung ist ausschliesslich auf die Auflösung des Pastorationsfonds Erlinsbach zurückzuführen.
10. Abschreibungen
Die Abschreibungen betrugen im Berichtsjahr rund CHF 224’000. Die planmässigen Abschreibungen ergeben sich aufgrund des Anlagespiegels und werden jeweils aufgrund der Vorgaben der Landeskirche berechnet. Im Jahr 2024 wurden zusätzlich CHF 30’000 abgeschrieben.
11. Ertragsüberschuss
Die oben erwähnten Punkte führten dazu, dass das Ergebnis erfreulicherweise einen Ertragsüberschuss von rund CHF 65’000 aufweist (Budget CHF 428). Es wird beantragt, diesen dem Eigenkapital zuzuweisen.
10. Oktober 2025 | Andreas Pechlaner, Monika Wäny
Jahresbericht Suhr-Gränichen 2025
Lebendige Kirche bei uns in Heilig Geist

Freiwilligenfest im August 2025
Gerade in dieser Zeit, wo oft darüber berichtet wird, dass die Kirche ihre Relevanz für die Gesellschaft verloren habe, freut es mich, darüber erzählen zu dürfen, wo überall die Heilige Geistkraft sichtbar wirkt.
Als Erstes gilt es festzuhalten, dass ich mir natürlich darüber bewusst bin, dass ich dazu keinen Überblick habe! Der Heilige Geist wirkt, wo er will, und hält sich nicht an unsere Pfarrei- oder Kirchengrenzen. Da und dort darf ich es aber ganz deutlich mitbekommen, und darüber möchte ich gerne erzählen.
Von einer unserer Minileiterinnen wussten wir, dass sie uns demnächst wegen ihres bald beginnenden Studiums verlassen wird. Ja, so ist das halt, dachten wir und begannen schon zu überlegen, was das bedeuten würde. Nun hat sie sich aber anders entschieden! Aufgrund ihrer Arbeit mit den Minis, ihres selbstständigen Planen- und Organisierendürfens hat sie entdeckt, dass ihr die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen grosse Freude macht. Nun studiert sie an der PH und bleibt bei «ihren» Minis.

Ministrant:innenaufnahme im August 2025
Unsere Ministrant:innenschar ist ein Ort, wo sich Kinder und Jugendliche miteinander unterhalten, bevor ein Gottesdienst beginnt. Sie lachen und überlegen sich nochmal, wer wann wo welche Aufgabe übernimmt. Sie unterstützen sich gegenseitig. Im ersten Jahr haben alle neuen Minis eine besondere Begleitung an der Seite, damit sie sich leicht in ihrem Dienst zurechtfinden können. Nach dem Gottesdienst machen sie immer einen kleinen Rückblick: Was ist gelungen? Wo gab es Fehler? Das machen sie selber und immer in einem wohlwollenen und ermutigenden Ton. Dabei sind Kinder aus der vierten Klasse mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Gespräch.

Apéro am Ministrant:innenfest im August 2025
Taufen und kirchliche Trauungen gehen zurück. Oder sie verändern sich. Die Geburt eines Kindes ist ein heiliger Moment im Leben von Neueltern. Manche wünschen sich eine Taufe, andere wünschen sich eine Segensfeier. Alle Eltern wünschen sich für ihre Kinder eine gelingende und glückliche Zukunft. Und sie spüren, dass Gott in ihrem Leben irgendwie eine Rolle spielt. Auch wenn sie nicht immer in den Gottesdiensten sind. Manchmal suchen wir dann gemeinsam danach, wie das genau aussieht und wie eine Taufe oder eine Segensfeier für sie stimmig sein kann. Oft sind ja auch nichtchristliche Menschen oder weit distanzierte Menschen an solchen Feiern dabei. Dann ist es mein Anliegen, Zeichen und Sprache zu finden, die verstanden werden kann und die Menschen nicht ausschliesst, weil unsere Kirchensprache für immer weniger Menschen verständlich ist. In diesem Jahr durfte ich auch eine Segensfeier mit einem Paar gestalten, das zwar keine sakramentale Eheschliessung wollte, aber eben doch einen Segen für ihren gemeinsamen Weg.
Oder bei einer Abschiedsfeier von einem ausgetretenen Mitglied: Ja, das muss angesprochen werden, auch wenn ich mich den katholischen Angehörigen selbstverständlich verpflichtet fühle. Auch da lassen sich Möglichkeiten finden. In diesem Fall wird eines unserer Projekte finanziell mit einem Dauerauftrag unterstützt.
Es freut mich, dass wir auch Kircheneintritte haben. Das sind immer feine und ermutigende Gespräche und Begleitungen. Ich höre dabei: Katholische Kirchen haben halt eine Ausstrahlung. Sie sind Orte, wo man sich einen Moment zurückziehen kann, um aufzutanken und sich spirituell zu verorten. Da möchte man dann auch dazu gehören.
2025 findet in unserer Pfarrei keine eigene Firmung statt, schlicht weil es irgendwie traurig ist, mit drei bis fünf jungen Menschen eine Firmung zu feiern. Darum feiern wir 2026 zusammen mit den Firmand:innen aus Aarau und Buchs-Rohr in Suhr wieder eine Firmung. Nun haben wir für das kommenden Jahr 46 Anmeldungen! In diesen Tagen finden die ersten Firmgespräche statt.
Es könnte sein, dass man uns bald auch auf Tiktok finden kann, weil sich eine junge Frau damit auskennt und sich gerne darüber Gedanken machen möchte, wie das aussehen könnte.
Unser Jugendtreff wächst. Am Anfang kamen rund zehn Jugendliche, dann fiel die Zahl hinunter auf vier bis fünf, und im Moment kommen zwischen zwanzig und knapp dreissig Jugendliche.
Das waren nur ein paar Aspekte. Ich könnte weitererzählen. Dass das so ist, ist Grund zur Freude. Die Heilige Geistkraft wirkt!
10. Oktober 2025 | Brigitta Minich, Pfarreileiterin Heilig Geist, Suhr-Gränichen
Jahresbericht Schöftland 2025
«Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.»
(Hermann Hesse)
In unserer Pfarrei standen in diesem Jahr einige personelle Wechsel an: Nachdem Beat Niederberger, bis September 2025 Pfarreileiter, das Gesicht der Pfarrei viele Jahre geprägt hat, hat er sich in den (Un-)Ruhestand verabschiedet. Bei seiner Verabschiedung wurden die unterschiedlichsten Menschen, mit denen er in den fast 25 Jahren seines Wirkens hier und im Pastoralraum in Kontakt gekommen ist, zusammengeführt. Zu Beats Ehren hat das Pfarreiteam ein liebevolles, augenzwinkerndes Lied geschrieben. Wir danken Beat auch an dieser Stelle herzlich für alles, was er in diesen Jahren getan hat und wünschen ihm weiterhin Gottes Segen.
Auch wenn sich Beat oft als Dinosaurier bezeichnet hat, so ist es doch nicht wie beim Meteoriten-Einschlag, der die Dinosaurier dahingerafft hat: Was Beat aufgebaut und geprägt hat, wird nicht spurlos verschwinden. Denn auch wenn sich vieles verändert – so wie es der Lauf der Zeit ist –, wird auch vieles bleiben, das zeitlos währt. Hierzu zählen die diakonische Ausrichtung der Pfarrei und des Pastoralraums, die gastfreundliche Haltung mit den vielen Apéros, der Einsatz für die Natur – gerade auch mit dem Grünen Güggel.
Seine Nachfolgerin Viktoria Vonarburg ist seit Anfang September daran, alles langsam kennenzulernen und in die Fussabdrücke, die ihr Vorgänger hinterlassen hat, hineinzuwachsen. Es ist noch nie ein reifer Apfel vom Baum gefallen, so etwas braucht Zeit: vom Ausspriessen über die Blüte bis hin zum Wachsen und Reifen.
Auch im Bereich Diakonie ist ein Wechsel im Gange: Bernadette Bernasconi bereitet sich auf ihre Pensionierung Ende Jahr vor und ist dabei, ihre Nachfolgerin Ingrid Andenmatten einzuarbeiten. Diese ist mit viel Freude und Engagement dabei, hat sich schon fleissig im neuen Aufgabenfeld weitergebildet und begegnet den Menschen mit einer Herzlichkeit und Offenheit, welche viel Gutes für die Zukunft erahnen lässt. Wir bleiben weiterhin engagiert im Bereich Palliativecare und dem Thema Demenz.
Die Pfarrei ist weiterhin geprägt von einem lebendigen Miteinander-unterwegs-Sein. Der Frauenbund Schöftland durfte Anfang 2025 sein 70-Jahr-Jubiläum feiern. Dieses Ereignis war eine grosse Freude. Und wir hoffen, dass sich auch für die Zukunft engagierte Vorstandsmitglieder finden, damit wir auch künftig solche Jubiläen gemeinsam feiern können.
Zwei weitere Highlights im Winter waren das Weihnachtsoratorium unter der Leitung von René Dublanc, welches am Patrozinium Anfang Januar nochmals aufgeführt wurde, sowie die Aktion «Eine Million Sterne» mit dem Abholen des Friedenslichts. Das Lichtermeer beeindruckt und berührt jedes Jahr wieder von Neuem.
Im Sommer fand zum wiederholten Mal das Tageslager in der ersten Ferienwoche Anfang Juli statt. Es war ein voller Erfolg. Diesmal nahmen 40 Kinder teil. Dazu kamen noch die vielen Jugendlichen und weiteren Freiwilligen, welche u.a. beim Kochen, etc. geholfen haben. Mit der Zeitmaschine wurde ein Sprung zurück in die Steinzeit gemacht. Der Höhlentag war interessant, gleichzeitig war es ausgerechnet der kälteste und nässeste Tag der Woche. So galt es, viele Socken zu trocknen und diese wieder den dazugehörigen Kindern zuzuordnen. Weiter ging es zu den Ägyptern und Römern. Danach war das Mittelalter inkl. Ritterleben an der Reihe. Die letzte Station der Zeitreise führte die Kinder in die Zukunft.
Die Mini-Gruppe freute sich, Anfang September am Schweizer Mini-Fest in St. Gallen teilnehmen zu können. Andere Minis treffen, miteinander spielen, sich austauschen und lachen – gelungener hätte der Tag nicht verlaufen können. Die Gruppe der Minis ist ausserdem um drei neue Kinder gewachsen, auch das ein Grund zur Freude.
Auch die Jugendlichen nehmen die Wahlangebote mit grossem Einsatz wahr. Sie sind da, wenn es etwas anzupacken und mitzuhelfen gibt, z.B. beim Crêpes-Stand, Eier-Färben, etc.
Unsere Räume vermieten wir auch extern, z.B. fürs Yoga oder Tanzen. Manchmal ergeben sich daraus unerwartete, bereichernde Gespräche. Der Pfarreibus führt weiterhin die Katechese-Kinder aus den verschiedenen Dörfern zum Religionsunterricht zusammen. Gerne wird er auch von anderen ausgeliehen. Die Kinder der ersten und zweiten Klasse dürfen noch in den Dörfern bleiben. Dies dank vieler engagierter freiwilliger Eltern, die Heimgruppenunterricht erteilen.
Als Fazit lässt sich sagen: Gross und Klein kommen bei uns zusammen, wir essen und trinken, reden und lachen miteinander. Möge dieser Zauber segensvoll weitergehen. So schauen wir hoffnungsvoll in die Zukunft, die weiterhin viele Begegnungen bereithält.
8. Oktober 2025 | Viktoria Vonarburg
Jahresbericht Aarau 2025
Stimmen von Freiwilligen aus der Kirche und aus dem Offenen Pfarrhaus der Pfarrei Peter und Paul
Lektorin
«Die offene Spiritualität und die stimmigen Gottesdienste bei der Pfarrei Peter und Paul sprechen mich sehr an. Hier bekomme ich gute Anregungen, um eigene Antworten auf die schwierigen Fragen zu finden.»
Firmbegleiterin
«Ich freue mich, dass ich mithelfen kann. Beim Dankesessen für Freiwillige lerne ich jeweils viele Menschen kennen, die sich bei der Pfarrei Peter und Paul engagieren. Ich staune über die Vielfalt von Menschen Aufgaben und andere Projekte – das Kirchenleben bei der Pfarrei Peter und Paul bedeutet viel mehr als nur die Gottesdienste.»
Freiwilliger im Café Paula und Garten
«Vor einem Jahr waren meine Familie und ich in einer Notsituation. Wir kamen zum Offenen Pfarrhaus. Seitdem komme ich immer wieder gerne hierher, treffe Menschen, helfe aus. Hier habe ich Menschlichkeit gefunden. Manchmal helfe ich im Pfarreigarten aus. Hier kann ich Menschen helfen, ihnen zuhören, ihre Probleme besprechen. Das tut mir gut, um mich in der Schweiz zu integrieren.»
Malprojekt
«Meine Kollegin, die ukrainische Profimalerin und ich hatten die Idee, ein Kunstprojekt für geflüchtete ukrainische Kinder zu lancieren. Die Pfarrei, in der wir den Freitagstreff für Geflüchtete besuchten, hat unser Vorhaben unterstützt. Zu Beginn waren es ausschliesslich ukrainische Kinder, momentan haben wir aber mehr Kinder aus Sri Lanka im Projekt.
Ich erlebe positive und energievolle Kinder. Sie bringen uns Deutsch bei, wir lehren sie zu malen. Was man in die Welt hinausschickt, bekommt man zurück.
Wir wollen den Kindern etwas Gutes weitergeben. In der für uns heute schwierigen Lage als Geflüchtete brauchen wir gute Emotionen, gute Gedanken. Durch unser Arbeit tragen wir ein klein wenig dazu bei, dass die Welt um uns herum besser wird.»
8. Oktober 2025 | Burghard Förster
Einladung zur Jahresversammlung 2025
Versammlung der Kreiskirchgemeinde Aarau 2025
Dienstag, 25. November 2025, 19.30 Uhr in der Kirche St. Martin Entfelden
Türöffnung und Aushändigung des Stimmrechtsausweises an die Mitglieder ab 19.00 Uhr.
Traktanden
- Protokoll der Kreiskirchgemeindeversammlung vom 26. November 2024 in Aarau
- Jahresrechnung 2024: Erfolgsrechnung, Anhang zur Jahresrechnung und Bilanz
- Budget 2026
- Finanz- und Investitionsplan 2027–2030 zur Kenntnisnahme
- Kreditabrechnung: Modernisierung und Erneuerung Kirche Schöftland
- Kreditabrechnung: Einbau In-Dach-Solaranlage Kirche Schöftland
- Personalinformationen aus der Kreiskirchgemeinde Aarau
- Informationen zum Kirchlichen Regionalen Sozialdienst Aarau (KRSD)
- Informationen aus dem Pastoralraum Region Aarau
- Verschiedenes und Umfrage
Beschlüsse sind rechtskräftig
Niemand hat von dem Recht Gebrauch gemacht, die Beschlüsse der Versammlung der Kreiskirchgemeinde Aarau vom 25. November 2025 in Entfelden einer Urnenabstimmung zu unterstellen. Somit sind sie nach Ablauf der Referendumsfrist von 30 Tagen in Rechtskraft erwachsen.
1. Protokoll der Kreiskirchgemeindeversammlung vom 26. November 2024 in Aarau
Antrag
Das Protokoll der Kreiskirchgemeindeversammlung vom 26. November 2024 sei zu genehmigen.
2. Jahresrechnung 2024
Die Jahresrechnung 2024 der Römisch-Katholischen Kreiskirchgemeinde Aarau schliesst bei einem Steuerfuss von 18 % mit einem Ertragsüberschuss von CHF 65’063.97 ab.
Der Ertragsüberschuss ist das Ergebnis der Auflösung des Pastorationsfonds Erlinsbach, des im Frühjahr 2024 beschlossenen Investitionsstopps und der hohen Kosten- und Budgetdisziplin während des ganzen Jahres.
Es ist vorgesehen, den Ertragsüberschuss dem Eigenkapital gutzuschreiben.
Antrag
Die Jahresrechnung 2024, bestehend aus Erfolgsrechnung, Anhang zur Jahresrechnung und Bilanz, und die Zuweisung des Ertragsüberschusses von CHF 65’063.97 ins Eigenkapital seien zu genehmigen, und die Verantwortlichen seien zu entlasten.
3. Budget 2026
Aufgrund der weiterhin sinkenden Mitgliederzahlen ist trotz der Steuererhöhung im Budgetjahr 2025 zukünftig mit rückläufigen Steuererträgen zu rechnen, und Anpassungen in allen Bereichen sind zwingend.
Der Steuerertrag wird mit rund CHF 8 Mio. veranschlagt und liegt damit unter dem Budget 2025, aber über den Steuereinnahmen 2024. Der Steuerfuss bleibt unverändert bei 19 %. Anpassungen beim Personalaufwand sowie Sparmassnahmen bei sämtlichen Kostenstellen ergeben ein positiv geplantes Jahresergebnis von CHF 16’218.–.
Antrag
Das Budget 2026 mit einem Steuerfuss von 19 % und einem Ertragsüberschuss von CHF 16’218.00 sei zu genehmigen.
5. Kreditabrechnung: Modernisierung und Erneuerung Kirche Schöftland
Nach Abschluss der Planungsphase bewilligte die Kreiskirchgemeindeversammlung am 23. November 2021 den Verpflichtungskredit von CHF 1,60 Mio. für die Modernisierung und Erneuerung der Kirche Hl. Familie in Schöftland. Im Zentrum stand die energetische Ertüchtigung mit neuer Wärmeerzeugung, insbesondere der Ersatz der bestehenden Öl-Heizung (der letzten fossilen Heizung im Pastoralraum) durch eine Luft-Wasserwärmepumpe.

Es wurden folgende weitere Arbeiten ausgeführt: Montagebau in Holz, Fenster- und Türmontagen, Spengler- und Bedachungsarbeiten, Aussenwärmedämmung, Malerarbeiten aussen, Sonnenschutz, Elektroanlagen, Photovoltaikanlage, Heizungsanlagen, Sanitär- und Lüftungsanlagen, Bodenbeläge und Malerarbeiten innen.
Verschiedene bauliche Massnahmen wurden aus Kostengründen nicht ausgeführt, beispielsweise Umgebungsarbeiten, Parketterneuerung im Saal 2, Ersatz der WC-Anlagen im Untergeschoss, Sonnenschutz im Eingangsbereich, Wärmerückgewinnung usw.
Nach der öffentlichen Auflage des Baugesuchs vom 25. März bis am 27. April 2022 (ohne Einwendung) begannen die Bauarbeiten im Frühjahr 2022. Gegen Ende 2023 konnten sie abgeschlossen werden.
Trotz aller Spar- und Optimierungsbemühungen des Architekten und der Baukommission konnte der bewilligte Verpflichtungskredit nicht eingehalten werden. Die Bauabrechnung zeigt mit CHF 1’788’013.35 eine Kostenüberschreitung von 11.75 %. Die Gründe sind primär auf die höheren Material- und Energiekosten während der Bauphase zurückzuführen. Die Beiträge Dritter betrugen CHF 103’235.00.
Antrag
Die Kreditabrechnung für die Modernisierung und die Erneuerung der Kirche Hl. Familie Schöftland von CHF 1’788’013.35 sei zu genehmigen.
6. Kreditabrechnung: Einbau In-Dach-Solaranlage Kirche Schöftland
Am 23. November 2021 bewilligte die Kreiskirchgemeindeversammlung einen Verpflichtungskredit von CHF 150’000 für den Einbau einer In-Dach-Solaranlage. Wäre keine In-Dach-Solaranlage auf der Südseite (ca. 370 m2) eingebaut worden, so hätte auch auf dieser Seite die bestehende Enternitschiefereindeckung ersetzt werden müssen. Die Bauarbeiten wurden gleichzeitig mit der Modernisierung und Erneuerung der Kirche Hl. Familie ausgeführt.

Aufgrund günstiger Vergaben und rationeller Bauausführung konnte der bewilligte Verpflichtungskredit von CHF 150’000 um CHF 8’790.30 oder 5,86 % unterschritten werden. Der Anteil der Beiträge Dritter beträgt CHF 23’627.90.
Antrag
Die Kreditabrechnung für den Einbau der In-Dach-Solaranlage von CHF 141’209.70 sei zu genehmigen.
8. Informationen zum Kirchlichen Regionalen Sozialdienst Aarau (KRSD)
Emil Inauen, Co-Leiter der Caritas Aargau und Co-Leiter des KRSD, informiert über die aktuellen Entwicklungen des Kirchlichen Regionalen Sozialdienstes Aarau.
9. Informationen aus dem Pastoralraum Region Aarau
Pfarreien des Pastoralraums
Pfarrei Peter und Paul Aarau
Stimmen von Freiwilligen aus Peter und Paul
Pfarrei St. Johannes Buchs-Rohr
Reich Gottes, Vielfalt und Verantwortung
Pfarrei St. Martin Entfelden
Pfarrei – ein Stück Heimat
Pfarrei Heilige Familie Schöftland
«Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …»
Pfarrei Heilig Geist Suhr-Gränichen
Lebendige Kirche
Fachstellen des Pastoralraums
Wegbegleitung Aargau
Jugendarbeit
Website
Jugendarbeit ›
10. Verschiedenes und Umfrage
Was kann Katechese 2026 bedeuten?
Gedanken von Nicole Gabler
Was kann Katechese 2026 bedeuten?

Nicole Gabler ist Leiterin Katechese der Pfarrei Heilig Geist Suhr-Gränichen.
Katechese im Jahr 2026: Ja, ganz so weit sind wir noch nicht. Doch in der Katechese im Pastoralraum möchten wir weiterdenken, uns weiterentwickeln. Doch was heisst Katechese überhaupt? Die Künstliche Intelligenz sagt über Katechese folgendes: «Katechese ist ein umfassender Ansatz, der Menschen durch die Vermittlung des Glaubens auf ihrem Weg begleitet und sie befähigt, ihren Glauben lebendig zu leben und in der Gemeinschaft der Kirche zu verwurzeln.»
Ok. Gibt es das auch in konkret? Katechese bedeutet, dass wir den Auftrag haben, religiöse Bildung und Beheimatung zu ermöglichen. Dass wir die Frohe Botschaft, das Leben Jesu und die Suche nach Gott in unserem Leben teilen, hören und erleben. Dass wir versuchen, das Reich Gottes, das angebrochen und noch nicht vollendet ist, erfahrbar zu machen. Gemeinsam zu feiern im Jetzt. Im Vertrauen darauf, dass wir unser gemeinsames Tun feiern dürfen im Glauben daran, dass es heilig, heilbringend sein kann.
Auch diese Worte lesen sich noch etwas sperrig, sie entsprechen nicht unserer Sprache, wie wir sie im Alltag nutzen. Es gibt eine Spannung zwischen jahrtausendealten Glaubensgeschichten und unserem Leben als digital natives. Es ist auch für uns ein tägliches Üben und Lernen, die Balance zu finden, um lebensnah zu verkünden, ohne banal zu sein. Im Religionsunterricht gelingt das gut. Wir sind mit Kindern und Jugendlichen auf Augenhöhe unterwegs. In Einzelgesprächen bei der Firmvorbereitung ermöglichen wir Jugendlichen einen neuen Zugang, eine neue Sprache, um ihre Glaubenserfahrungen in Worte zu fassen. Im Kontakt mit Erwachsenen zeigen wir auf, dass Gott schon da ist und benannt werden darf.
2025 verkünden wir die Frohe Botschaft nicht mehr nur im Religionsunterricht und in der Sakramentenvorbereitung. Die Pfarreien finden verschiedene Wege, um nahe in unserer Zeit zu sein. Katechetinnen gestalten lebendige FaSa (Familiensamstag-Segensfeiern) und stehen Liturgien vor (Fiire mit Familie/Fiire mit de Chliine, ökumenische Gottesdienste). Firmvorbereitung ermöglicht einen Einblick ins Regenbogenhaus in Zürich oder ermutigt, feministisch weiterzugehen und zu wachsen. Erwachsenenbildung findet im Rahmen von generationenübergreifenden Anlässen, Podcasts und Gesprächsrunden statt. Die zentralsten Feiern des Kirchenjahres wie Ostern, Weihnachten und Pfingsten versuchen wir immer wieder neu begreifbar zu machen. Pfarreispezifisch bedeutet Katechese auch, dass das Patrozinium – der «Geburtstag» der jeweiligen Kirche – einen festen Platz hat und im Religionsunterricht vorbereitet werden kann.
Katechese heute, in einer Zeit nach der Volkskirche, darf erklärt, darf neu gefüllt werden. Die Mehrzahl unserer Familien ist nicht im klassischen Sinn «kirchlich sozialisiert». Glaubensleben und religiöse Tradierung in der Familie, wie es volkskirchlich üblich war, gibt es kaum mehr. Das kann analysiert, in Studien zur Kirchenstatistik nachgelesen, zum Teil auch bedauert werden. Für uns ist es die Chance, gemeinsam im Glauben zu lernen und zu suchen, wie wir Kirche 2026 sein wollen.
Wir machen Pfarreimitglieder zu Beteiligten, stellen uns die Frage, wie Kirche sein soll und wo sie ihren Teil zur Gemeinschaft beitragen kann. So entwickelt sich Katechese weiter.
Katechetisch tätig zu sein in unserer Zeit erfordert Agilität, Flexibilität und Mut. Sie braucht psychologische Sicherheit, gute Teamkommunikation, fachliche Spezialisierung und Sensibilität. Wir müssen dringend noch lernen, sichtbarer zu werden, good news breit zu streuen – dieser Punkt gilt für die gesamte kirchliche Arbeit. Im steigenden Austausch mit Kolleginnen stärken wir uns gegenseitig, lernen voneinander, lassen uns herausfordern, das eigene Gottes- und Kirchenbild weiterzuentwickeln, in die Zukunft zu gehen – das Evangelium zu leben.
6. Oktober 2025 | Nicole Gabler
Da sein für Angehörige
von an Demenz erkrankten Menschen
Da sein für Angehörige

Für Menschen mit Demenz bleiben sinnliche Erfahrungen lange eine Quelle der Freude.
Demenz ist eine Erkrankung, von der wir uns am liebsten weit distanzieren würden.
Im Sinne von: keine Ahnung, noch nie gehört, das ist weit weg und geht mich nichts an. So sehr macht diese Diagnose Angst. Es sind die an Demenz erkrankten Menschen, die Störungen ihrer kognitiven Fähigkeiten hinnehmen müssen. Ebenso betroffen sind ihre Angehörigen, denn eine Demenzerkrankung stellt das bisherige Leben auf den Kopf.
Im Moment leben und sich nicht vorstellen, was alles noch Schlimmes kommt.
Wer den Angehörigen zuhört, erfährt neben dem Leiden am Krankheitsverlauf auch manche Überlebensstrategie: diesen gemütlichen Morgen geniessen, der erkrankte Partner ist mit einem Puzzle beschäftigt, und die Ehefrau kann einen Spaziergang mit dem Hund machen. Tiere sind oft eine grosse Stütze und geben Wärme und Liebe. Es braucht Mut, auch den eigenen Rhythmus zu leben und auszureizen, was geht, denn passieren könnte immer etwas. Plötzlich verlässt der Erkrankte das Haus, obwohl er das nie gemacht hat, und findet den Heimweg nicht mehr. Oder er richtet beim Versuch, eine Störung zu beheben, grösseren Schaden an und schneidet alle Kabel durch.
Unterstützungsangebote zu kennen, ist wichtig.
Die Angehörigen wissen nie, was sie erwartet, und leiden oft an einer Grunderschöpfung. Und doch ist es schwierig, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Erst wenn die Krankheit fortgeschritten ist und es nicht mehr anders geht, kann Hilfe einfacher angenommen werden. Natürlich ist es hilfreich, sich frühzeitig zu informieren. «Alzheimer Aargau» richtet sich mit ihren kostenlosen Angeboten an Menschen mit Demenz und an deren Angehörige. Neben weiteren wertvollen Unterstützungsangeboten gibt es die Gesprächsgruppen für Angehörige mit geschulten und erfahrenen Leiterinnen. Sich zu treffen, wird als stärkend und entlastend erlebt. Das versichern die Angehörigen, die sich seit drei Jahren im Pfarreizentrum Schöftland einmal monatlich treffen. Alle Geschichten und Emotionen haben Platz, und alle Teilnehmenden wissen, wovon gesprochen wird. Niemand muss ein Blatt vor den Mund nehmen. Was besprochen wird, bleibt vertraulich. Die Würde der Erkrankten und deren Nahestehenden ist zentral.
Für Aussenstehende ist es schwierig zu erfassen, wie stark der kognitive Abbau fortgeschritten ist.
Zur Krankheit gehört, dass sich Beziehungen verändern und betreuende Partner für den anderen entscheiden müssen. Das stösst oft auf Unverständnis. Manchmal sind sie müde zu erklären, dass etwas zu viel ist, dass der Erkrankte überfordert ist, mit emotionalen Ausbrüchen oder mit Bettnässen reagiert. Das Selbstwertgefühl von Betroffenen leidet. Umso wertvoller ist es, wenn sie kreativ wirken können, so wie es noch möglich ist und passt. Mandalas malen, im Garten werken oder stricken – es ist zum Staunen, was noch geht. Sinnliche Erfahrungen bleiben lange eine Quelle der Freude.
Gemeinsam statt einsam unterwegs.
In Schöftland haben sich engagierte Personen aus der Alterskommission, aus den Kirchen und der Heimleiter des Alterszentrums zur «Spurgruppe Demenz» zusammengefunden. Durch diese Zusammenarbeit kann die Bevölkerung zu unterschiedlichsten Anlässen eingeladen werden. Diese stossen auf grosses Interesse, weil viele auf irgendeine Weise mit dem Thema Demenz konfrontiert sind. Es tut gut, angesichts dieser Erkrankung nicht nur hilflos zu bleiben.
22. September 2025 | Bernadette Bernasconi, Seelsorgerin in Schöftland und Leiterin einer Gesprächsgruppe für Angehörige von Menschen mit Demenz.
Mehr als genug
Schöpfungszeit 2025
Mehr als genug – Schöpfungszeit 2025

Kirche hat eine politische Sendung: Grosse Klimademo im September 2023 in Bern (Foto: P. Bernd)
In eucharistischen Feiern im Pastoralraum der Region Aarau wird das Brechen und Austeilen des Brotes mit dem von Huub Oosterhuis inspirierten Wort eingeleitet: «Möge das Teilen des Brotes und des Bechers die Herzen stärken, dass wir voller Hoffnung an einer Welt mitwirken, anders als sie jetzt ist, wo nicht mehr zweierlei Menschen sind, wo aber Brot und Recht und Liebe ist – genug für alle.»
Mehr als genug
Die diesjährige Schöpfungszeit, die am 1. September begonnen hat und bis zum 4. Oktober dauert, lädt mit dem Slogan «Mehr als genug» eindringlich zu einem Nachdenken über das Genug an Nahrungsmitteln ein und betont dabei zwei Aspekte.
Der erste lenkt die Aufmerksamkeit auf die Überfülle an Essen, an Früchte- und Gemüsesorten, die wir das ganze Jahr über kaufen können, Fleisch in rauen Mengen, das einen miserablen ökologischen Fussabdruck hat, weggeworfene Lebensmittel.
Foodwaste: das grosse Thema. Zwischen Feld und Teller geht in der Schweiz ein Drittel der Lebensmittel verloren oder wird weggeworfen. Infos, Hintergründe, Tipps, wie es aussieht und wie anders gehen kann, finden sich auf oeku.ch.
Zur Überfülle gehören aber auch die Marktmacht der Lebensmittelkonzerne, die Spekulation mit Nahrungsmitteln, Menschenrechtsverletzungen im Zuge von deren Produktion und Beschaffung, die Interessen der Verpackungsindustrie und überhaupt der ungeheure Plunder, mit dem die reichen Länder Erde und Meere zumüllen – orchestriert durch eine ebenso skandalöse wie ideenlose Politik, die immerfort dieselben Interessen bedient und unsere Ohren mit ihren Lügen verstopft.
Der zweite Aspekt lautet lapidar: Es wäre tatsächlich genug für alle da. Das trifft auf Nahrung wie auch auf alles andere zu. Das unterstreicht den Skandal dessen, was theologisch als strukturelle Sünde bezeichnet wird, an deren Ursprung die diversen Eliten dieser Welt stehen.
Enzyklika «Laudento si’» – der politische Einspruch
Insofern war das Erscheinen der umweltpolitischen Enzyklika «Laudato si» von Papst Franziskus vor zehn Jahren ein Meilenstein, der auch ausserhalb der Kirche in den sozialen Bewegungen und NGOs als bahnbrechend erachtet wird. Sie thematisiert zugleich die grossen sozialen Verwerfungen und den skandalösen Reichtum als Teil des Problems. Ihre Rezeption in ein theologisch-politisches Handeln bis hinunter in die Pastoralräume und ein ganz neues Denken von Kirche und ihrer Sendung stehen noch an. Eine wichtige Herausforderung. Allein schon das Hinschauen und achtsames Wahrnehmen von Zusammenhängen ist wichtig. Papst Franziskus schreibt: «Ich möchte darauf hinweisen, dass man gewöhnlich keine klare Vorstellung von den Problemen hat, die besonders die Ausgeschlossenen heimsuchen. Sie sind der grösste Teil des Planeten, Milliarden von Menschen. Heute kommen sie in den internationalen politischen und wirtschaftlichen Debatten vor, doch oft scheint es, dass ihre Probleme gleichsam als ein Anhängsel angegangen werden, wie eine Frage, die man fast pflichtgemäss oder ganz am Rande anfügt, wenn man sie nicht als blossen Kollateralschaden betrachtet. […] Das ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass viele Akademiker, Meinungsmacher, Medien- und Machtzentren weit von ihnen entfernt angesiedelt sind, in abgeschlossenen Stadtbereichen, ohne in direkten Kontakt mit ihren Problemen zu kommen. Sie leben und denken von der Annehmlichkeit einer Entwicklungsstufe und einer Lebensqualität aus, die für die Mehrheit der Weltbevölkerung unerreichbar sind. […] Wir kommen jedoch heute nicht umhin anzuerkennen, dass ein wirklich ökologischer Ansatz sich immer in einen sozialen Ansatz verwandelt, der die Gerechtigkeit in die Umweltdiskussionen aufnehmen muss, um die Klage der Armen ebenso zu hören wie die Klage der Erde.» (LS 49).
Schöpfungszeit
Katechese, verschiedenste Orte von Lernen und Austausch, liturgische Feiern und Menschen mit ihren Ideen und ihrer Präsenz werden im Pastoralraum ein ermutigendes Licht auf das «Mehr-als-genug» der Schöpfungszeit 2025 werfen.
Zur Vertiefung: «Bausteine zur Enzyklika Laudato Si’»
4. September 2025 | Peter Bernd
Die Zukunft der Wegbegleitung.
ab 2026
Die Zukunft der Wegbegleitung
ab 2026

Die Fachstelle Wegbegleitung bietet Hilfe zur Selbsthilfe.
Seit einigen Jahren ist Wegbegleitung ein Angebot des Pastoralraums Region Aarau und zweier Reformierter Kirchgemeinden in der Region Aarau. Die Vermittlungsstelle wird aktuell mit einem 50-Prozent-Pensum von Andrea Müller geführt. Im Jahr 2024 sind über 100 Anfragen eingegangen, und es konnten mit 20 engagierten Freiwilligen 36 Wegbegleitungen durchgeführt werden. Das Angebot hat eine hohe Nachfrage und eine grosse Wirksamkeit.
Die Wegbegleitung verfolgt das Ziel, Menschen in schwierigen Lebenssituationen durch geschulte freiwillige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter zu unterstützen. Die Unterstützungen sind zeitlich begrenzt mit dem Ziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Wegbegleitung grenzt sich ab von Spitextätigkeiten, Entlastungs- oder Besuchsdiensten und gesetzlicher Sozialarbeit der politischen Gemeinden.
Menschen in einer Wegbegleitung verstärken ihr soziales Netz, sie erfahren konkrete Unterstützung bei der Lösung ihrer Probleme und erhalten Hilfe zur Selbsthilfe durch eine vorübergehende Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags. Sie lernen weitere mögliche Angebote zu ihrer Entlastung kennen und beurteilen das Eingehen auf ihre schwierige Lebenssituation als Gewinn von Lebensqualität.
Wegbegleitung ist also ein Angebot für Menschen in schwierigen Situationen, die wünschen, auf einem Stück Lebensweg begleitet zu werden. Es sind dies in der zehnjährigen Erfahrung Menschen in folgenden belastenden Lebensumständen: Armutsbetroffene, Arbeitslose, getrennt Lebende, sozial Isolierte, Migrantinnen und Migranten, Wohnungssuchende, physisch und psychisch Erkrankte, Jugendliche mit wenig Rückhalt.
Wegbegleitung ist ein sinnvolles Engagement von Freiwilligen. Die Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter erhalten die Möglichkeit eines inhaltlich und zeitlich auf sie zugeschnittenen sozialen Einsatzes und können ihre Sach- und Sozialkompetenz einbringen. Sie werden durch den Einführungskurs und die jährliche Weiterbildung geschult. Sie knüpfen durch den regelmässigen Erfahrungsaustausch Kontakte zu anderen Freiwilligen.
Im August 2024 hat die Kreiskirchenpflege Aarau beschlossen, die Wegbegleitung per 1. Januar 2025 einzustellen. Einem Rückkommensantrag der Pastoralraum-Leitung wurde im August 2024 zugestimmt mit dem Auftrag, die Wegbegleitung strukturell anderswo anzubinden, sodass die Wegbegleitung ab Januar 2026 nicht mehr als übergeordnete Stelle im Pastoralraum geführt und finanziert wird.
Eine Arbeitsgruppe hat drei Varianten eingehend geprüft. Die Pastoralraum-Leitung hat im März 2025 auf Empfehlung der Arbeitsgruppe entschieden: Die Wegbegleitung wird ab 1. Januar 2026 strukturell einer Ortskirchgemeinde bzw. einer Pfarrei angegliedert.
Vor den Sommerferien 2025 haben Gespräche stattgefunden mit den vier Ortskirchenpflegen Buchs, Entfelden, Schöftland und Suhr-Gränichen, um die zukünftige Struktur und Finanzierung zu klären. Konsens ist ein auf 30 Prozent reduziertes Stellenpensum.
In den nächsten Wochen werden die strukturellen Fragen geklärt, so dass Wegbegleitung auch ab 1. Januar 2026 als diakonisches Angebot weitergeführt werden kann.
1. September 2025 | Beat Niederberger
Der «Dinosaurier» tritt ab.
Beat Niederberger wird pensioniert.
Der «Dinosaurier» tritt ab.
Beat Niederberger wird pensioniert.

Ein Vierteljahrhundert Expertise: Beat Niederberger anlässlich des Abschiedsgottesdienstes vom 17. August 2025 in Schöftland.
Dinosaurier. So hat sich Beat Niederberger, seit 2001 Pfarreileiter in Schöftland, an zahllosen Sitzungen in fast ebenso vielen Gremien selbst bezeichnet. In Momenten, in denen sich die Sitzungsteilnehmerinnen und -teilnehmer zögerlich beratschlagten, wie ein Geschäft zu behandeln oder ein Problem zu lösen sei, ergriff dann stets Beat das Wort. Denn er wusste, wie «der Hase läuft». Wie man «den Laden schmeisst». Wie man es «richtig» macht. Fundiert, routiniert, mit scharfem Blick und legendärer Beat’scher Unnachgiebigkeit.
Sein Wort hatte Gewicht. Wenn Beat sprach, war das selten ein Vorschlag, sondern eher ein Richtwert für alle anderen. Seine Voten waren unmissverständlich. Deutungsspielraum? Fehlanzeige. Wer Beat etwas fragte, bekam keine warme Dusche, sondern die ungeschminkte Wahrheit. Und weil er in Bezug auf seinen Abschied betonte, er wolle keine Lobhudeleien hören, sei hier auch das klargestellt: Man konnte sich aufrichtig über Beat ärgern, denn die Direktheit und die Schnörkellosigkeit seines Ausdrucks konnten sensiblere Zeitgenossen manchmal vor den Kopf stossen. In solchen Momenten berief sich Beat stets – mit offensichtlichem Stolz – auf seine Nidwaldner-DNA. Auf die Kernigkeit seines Charakters.
Künftig werden die Mitglieder der kirchlichen Gremien ohne den Dinosaurier auskommen müssen. Einige werden erleichtert aufatmen, die meisten ihn jedoch vermissen.
Wir haben die Mitglieder der Kreiskirchenpflege Aarau, der Ortskirchenpflege Schöftland und der Pastoralraum-Leitung gefragt, was sie Beat zu seiner Pensionierung mitteilen möchten.
Samuel Behloul: «Ich danke Beat dafür, dass er ein Vierteljahrhundert in unserem Pastoralraum mit grosser Hingabe, Ideenreichtum und Kreativität unermüdlich gewirkt hat. Und ich wünsche Beat, dass er bei guter Gesundheit die für ihn neu anbrechende Zeit ‹uf em Bänkli vor em Huisli› geniessen kann.»
Andreas Pechlaner: «Wenn ich an Beat denke, dann kommt mir ein unermüdlicher Schaffer in den Sinn, der viel für die Kirche geleistet hat.»
Jolanda Fretz: «Ich danke Beat dafür, dass er eine sehr lange Zeit engagiert, gradlinig und umsichtig für die Pfarrei und deren Mitglieder gearbeitet hat.»
Brigitta Minich: «Ich vergesse nie, dass Beat mir zu meinem Amtsantritt ein schwarzes, gefilztes Schaf geschenkt hat. Seither steht es jedes Weihnachten in meiner Krippe und durch das Jahr hindurch, wenn die weissen Krippenschafe längst wieder sorgfältig versorgt sind, steht es so, dass ich es jeden Tag sehen kann.»
Peter Bernd: «Wenn ich an Beat denke, denke ich an den Einklang von Mensch und Natur. Ich kenne ihn noch nicht so lange, aber wenn ich an ihn denke, steht mir ein Mensch vor Augen, der leidenschaftlich und herzensoffen Theologe ist. Und das macht Mut.»
Erwin Koch: «Ohne Beat wäre es nicht möglich gewesen, dass wir beim ‹Grünen Güggel› so weit gekommen sind. Er hat schon Mitte der 2010er-Jahre davon gesprochen, dass die Pfarrei Schöftland die erste und nachhaltigste Kirchgemeinde vom Pastoralraum oder sogar vom Aargau werden soll. Seit wir im Jahr 2019 mit dem ‹Grünen Güggel› gestartet sind, hatte Beat immer die Vorreiterrolle und hat alle Pfarreigruppierungen unserer Pfarrei ermuntern können, beim ‹Grünen Güggel› mitzumachen, und das mit viel Erfolg bis heute.
Felix Rohner: «Wenn ich an Beat denke, dann erlebe ich Beat als Macher, der mit sehr viel Herzblut und Engagement seine Ziele verfolgt, zum Wohle aller und im Rahmen seiner Überzeugungen.»
Judith Gugelmann: «Ich wünsche Beat, dass er noch lange Freude daran hat, seine Hängebauchschweine zu streicheln und seinen kleinen Bauernhof mit Herzblut weiterzuführen.»
Stefan Pöder: «Ich wünsche Beat, dass er den Mut hat, alle Probleme loszulassen, von denen er glaubt, dass nur er die Lösung kennt.»
18. August 2025 | Dani Schranz
Regionales Jugendtreffen
Samstag, 2. Mai 2026, in Suhr
Regionales Jugendtreffen
Samstag, 2. Mai 2026, in Suhr

Ein Abend im Zeichen des Segens.
Pyramiden-Challenge, Games, Bräteln, Feuersegen und mehr stehen auf dem Programm des regionalen Jugendtreffens.
Für Jugendliche der Oberstufe
Ort Pfarreizentrum Suhr
Zeit 18.30–21.00 Uhr
Leitung Regio-Team
Kosten kostenlos
Keine Anmeldung erforderlich.
«Wieviele kommen noch bei Ihnen am Sonntag?»
Burghard Förster
«Wieviel kommen noch bei Ihnen am Sonntag?»
Burghard Förster, Pfarreileiter in Aarau

«Neben den traditionellen Eucharistiefeiern bietet der Pastoralraum eine Vielzahl wunderbar und menschennah gestalteter Feiern und Gottesdienste», schreibt Burghard Förster.
Ich wollte eigentlich einen Artikel schreiben, warum sich in den Gottesdiensten in unseren Kirchen, besonders in unserem Pastoralraum in den letzten Jahren einiges verändert hat. Stelle ich fest: Die Gottesdienstbesuche und Anfragen für sakramentale Feiern (Taufen, Abdankungen, Trauungen…) gehen spürbar und tatsächlich zurück, höre ich gleich wieder Stimmen, die dagegenhalten: Bei uns kommen sie, die traditionsbewussten Katholiken:innen. Aber ist das der Massstab? Sollen die Kirchen voll sein? Egal, was sonst in den Pfarreien passiert?
Mein Argument ist dann, wenn diskutiert wird, nicht selten folgendes: Vor gut 100 Jahren waren die Kirchen voll, 99 Prozent der Bevölkerung waren reformiert oder katholisch. Von Muslimen sprach niemand, und doch hatten wir zwei Weltkriege und die Shoa (den Holocaust), das ganze Leid, die Diktatur in Deutschland, und all die Folgen der Spaltung in ein westlich marktwirtschaftlich orientiertes Europa auf der einen und das kommunistische System auf der anderen Seite, mit all den bekannten Folgen von Unterdrückung und Freiheitsentzug im Osten, und den zunehmenden Materialismus und Traditionsverlust im Westen.
Die Kirchen werden sich nicht mehr füllen, wie es war, als wir am Sonntag in die Kirche gehen mussten, weil die Familie, die Tradition, die – im heutigen Deutsch: community – das eben forderte. Auch mit Notzeiten zu rechnen «wenn es den Menschen schlecht geht, kommen sie wieder in die Kirche» ist aus meiner Sicht zynisch. Ich möchte beides nicht, Leid oder Pflicht als Motor und Motivation, am Sonntag in die Kirche zu gehen.
Wo stehen wir heute? Zwei Aussagen in der vergangenen Woche zeigen ein wenig, wo. Als ich einem Herrn im Altersheim die Kommunion reichen wollte, fragte er, ob sie auch ohne vorgehende Beichte gültig wäre. Oder die Aussage von Taufeltern, dass sie schon glauben, aber nicht unbedingt an den Gott der Kirche, ob sie trotzdem taufen könnten, einfach es sollte nicht so «steif» und «katholisch» sein.
Unsere Pfarreien haben längst reagiert. Neben den traditionellen Eucharistiefeiern bietet unser Pastoralraum eine Vielzahl wunderbar und menschennah gestalteter Feiern und Gottesdienste, für Kinder, Jung und Alt, offen für neue Formen, ob an den Familiensamstagen in Aarau, den Feiern am Tisch oder generationsübergreifend in Suhr oder die vielseitige Gestaltung von Feiern an Weihnachten und Ostern in Schöftland, Entfelden, Buchs, Suhr und Aarau.
Vielleicht erreichen wir damit nicht mehr alle. Aber das ist sicher: Niemand kommt, weil er muss oder um nur für sich etwas «abzuholen». Gesellschaftliche und selbstkritische Fragen werden nicht ausgeklammert. Es wird das Evangelium in unsere ganz konkreten Leben hineingesprochen und gefeiert, so dass es nachhallt und im Alltag weiter-gelebt wird, weiter eben als nur bis zur Kirchentür.
Eine volle Kirche macht noch keine bessere Gesellschaft. Wenn die Feier zu Herzen geht, Menschen persönlich angesprochen und ermutigt werden, werden wir zu Verkünder:innen des Lebens, das uns in den Feiern durch Gebet, Brot, Gemeinschaft und Mitgefühl mit der Welt kraftvoll geschenkt wird.
Danke, wenn Sie bis hierhin den Gedanken gefolgt sind. Zum Ende eine Einladung: Wenn Ihnen die Kirche, die christlichen Werte wichtig sind, Sie einen Ort fürs Danken, Nach-Denken und gemeinschaftliches Feiern von Gottes Wort und Antwort suchen – nehmen Sie teil und bleiben Sie Teil, gestalten Sie mit. Kirche ist so gut und schlecht, wie es die Menschen sind, die mittragen, ob angestellt oder freiwillig, als Gast oder zahlendes Mitglied.
7. August 2025 | Burghard Förster
Buchs Firmweg 2026
Firmweg 2026
Liebe junge Erwachsene
Am Wochenende vom 13./14. Juni 2026 feiern wir die nächste Firmung. Bist du dabei?
In unserer Pfarrei erhalten junge Erwachsene ab dem 18. Altersjahr das Sakrament der Firmung. Mit der Firmung sagst du selbst «Ja» zum Glauben. Auf dem Firmweg setzen wir uns mit Fragen und Inhalten aus unserem Glauben und Leben auseinander. Ein gemeinsames Suchen nach Antworten steht im Vordergrund. Neu feiern wir die Firmung zusammen mit den Pfarreien Aarau und Suhr-Gränichen.
Informationsabend zur Firmung 2026
Dienstag, 2. September 2025, 19.00 bis 20.30 Uhr
In Aarau im Kirchensaal (unter der Kirche), Poststrasse 15, Aarau
Lageplan
Dienstag, 2.September 2025
Infoanlass, 19.30 Uhr in Aarau
Samstag, 17. Januar 2026
Einschreibe-Gottesdienst in Buchs, 17.00 Uhr
Samstag/Sonntag, 14./15. März 2026
Firm-Weekend in Buchs (Zeiten folgen)
Sonntag, 3. Mai 2026
Zusammen unterwegs sein
Donnerstag, 28. Mai 2026
Vorbereitung Firmung 19.00 Uhr in Suhr
Donnerstag, 11. Juni 2026
Hauptprobe,19.00 Uhr in Suhr
Samstag, 13. Juni 2026
Firmung (Zeiten folgen)
Bitte melde dich über das Formular unten bis am Freitag, 15. August an – auch wenn du keine Firmung möchtest. So bekommst du dann auch keine weitere Post von uns. Wir freuen uns, Dich zu treffen und noch mehr auf neue spannende Begegnungen und Erlebnisse auf dem Firmweg 2026.
Yvonne Zwyssig
Katechetin und Jugendarbeiterin
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Eine Reise durch die Zeit
Sommertageslager der Pfarrei Schöftland
Eine Reise durch die Zeit
Sommerlager der Pfarrei Schöftland
45 Kinder reisten von der Steinzeit zu Ägyptern und Römern, zu den mittelalterlichen Rittern und bis in die ferne Zukunft und erlebten dabei viele Abenteuer.
Vor 15 Jahren hat mich mal jemand gefragt, was die Pfarrei Schöftland offen anbiete für Kinder und Jugendliche ausserhalb der Katechese, der Ministrantenarbeit und der Verbandsarbeit. Also anders gesagt: Gibt es offene pfarreiliche Kinder- und Jungendarbeit? Ich habe dann etwas nüchtern geantwortet: Es gibt nichts, und ich wolle das jetzt nicht mal schönreden. Dann kam Corona, die Sommerferien 2020 waren in einer Ausnahmesituation. Auf Anregung eines Pfarreiangehörigen haben wir eine «Ferienwoche für Daheimgebliebene», ein Sommertageslager, ausgeschrieben. Und siehe: Es waren über 40 Kinder und Jugendliche mit dabei im Alter von 6 bis 14 Jahre. Und seither hält sich die Zahl der Teilnehmenden stabil, dieses Jahr bereits zum 6. Mal. Das Angebot ist für die Kinder gratis.
Getragen wird das Lager von einem Leitungsteam, zu dem Mitarbeitende aus dem Pfarreiteam, die Katechetinnen und auch freiwillig Engagierte gehören.

Methodisch hat der alte Pfadi in mir durchgedrückt: Wir bilden jeweils altersgemischte Gruppen, und die ältesten Teilnehmenden werden Gruppenleiter:innen. «Junge führen Junge!» Die Kinder und Jugendlichen sollen im Lager viel und spassvoll erleben und dabei auch wertvolle Primärerfahrungen machen können. Sie sollen ihre Kreativität entfalten, Gemeinschaft erleben, miteinander Konflikte austragen und Verantwortung übernehmen. So auch dieses Jahr am ersten Lagertag:

Bei heftigem Regen gings in die Höhle zu den Steinzeitmenschen. Pflotschnasse Kleider lassen sich trocknen während des Wurstbrätelns, wenn alle einander dabei helfen. Die Kleinen sind noch hilflos überfordert, bekommen aber Unterstützung von den Älteren und wieder trockene Kleider.
Die Kreativität der Kinder und Jugendlichen ist unerschöpflich, man muss sie nur machen lassen. Die Ägypter und Römer haben uns dieses Jahr angeregt, kreativ zu werden: Pyramidenbau, Brettspiele, Mosaike erzählen von dieser Kreativität. Und Kinder schlüpfen gerne in Rollen. Das Mittelalter und der Ausflug ins Schloss Lenzburg luden ideal dazu ein:

Die Kinder absolvierten ihre eigene Ritterausbildung, und alle wurden am Schluss zu Ritterinnen und Rittern geschlagen.
Mit viel Fantasie begaben sich die Kinder auch in die Zukunft. Wunderbare Zukunftswesen aus einfachsten Kartonschachteln hatten ihren Theaterauftritt vor den Eltern.

Wir freuen uns auf das Sommerlager 2026.
16. Juli 2025 | Beat Niederberger
Der KRSD schliesst Lücken
Rückblick Jahresbericht 2024
Der KRSD schliesst Lücken
Rückblick 2024 des Kirchlich Regionalen Sozialdienstes Region Aarau

Der KRSD Aarau unter der Leitung von Sarah Lohr (1. Reihe links) bietet als einzige Stelle im Raum Aarau umfassende Sozialberatung in mehreren Sprachen an.
Die Zahl der Menschen, die beim Kirchlichen Regionalen Sozialdienst Region Aarau Hilfe suchen, ist 2024 erneut gestiegen. Insgesamt 788 Beratungskontakte wurden gezählt. Das sind rund 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig werden die finanziellen Ressourcen knapper. Insgesamt wurden 321 Dossiers und 467 Kurzberatungen geführt. Die meisten Anfragen betrafen finanzielle Notlagen, rechtliche Fragen und Probleme im Zusammenhang mit der Sozialhilfe der Gemeinden.
Im Beratungsalltag zeigt sich, wie der KRSD Lücken im System schliesst. So wurde etwa ein Mann unterstützt, der – bedingt durch einen Wohnortswechsel – zwischen die sozialdienstlichen Zuständigkeiten fiel und zehn Tage mittellos blieb. Erst nach intensiver Intervention des KRSD übernahm die zuständige Gemeinde die Unterstützung. Auch junge Menschen können unverschuldet in Notsituationen gelangen. Eine 18-jährige Frau befand sich nach einer polizeilichen Ausweisung aus dem Elternhaus und Krankenkassenschulden in der Höhe von über 5000 Franken in einer Notlage. Der KRSD half bei der Sozialhilfe-Anmeldung, beantragte Stiftungsgelder und setzte sich bei der Gemeinde für eine Neubeurteilung des Unterstützungsanspruchs ein.
40 Prozent der Beratungskontakte fanden in einer anderen Sprache als Deutsch statt, hauptsächlich in Portugiesisch, Spanisch und Italienisch. Der KRSD ist die einzige Stelle im Raum Aarau, die umfassende Sozialberatung in mehreren Sprachen anbietet.
Ein Schwerpunkt 2024 war das Thema Wohnen. «Für Menschen mit tiefem Einkommen ist es mittlerweile nahezu unmöglich, eine bezahlbare Wohnung zu finden», heisst es im Bericht. Steigende Mietpreise und Nebenkosten, ungleiche Chancen auf dem Wohnungsmarkt und eine hohe Belastung durch Fixkosten führen dazu, dass immer mehr Menschen Unterstützung benötigen. Der KRSD informiert Betroffene über Mietrechte, hilft bei der Überprüfung der Mietnebenkosten und unterstützt Wohnungssuchende mit praktischen Mitteln wie Vorlagen und Merkblättern.
Eigene Projekte ergänzen die Beratungstätigkeit des KRSD. In den Nähateliers in Aarau, Baden und Wohlen fanden über 1200 Besuche statt. Die kostenlose «Administrative Unterstützung» bietet Unterstützung beim Verfassen von Briefen oder beim Ausfüllen amtlicher Formulare. Die Online-Börse ermöglicht eine karitative Weitergabe von Gebrauchsgegenständen an Bedürftige.
451700 Franken konnten 2024 an Hilfen eingeholt werden. «Man stelle sich vor, diese Hilfen wären nicht ergangen, dafür aber die individuelle Not und damit die Folgekosten für die Gesellschaft um 451700 Franken gewachsen!», schreibt die Standortleiterin Sarah Lohr im Editorial.
Der Bericht schliesst mit grossem Dank an Träger, Partner und Freiwillige. Ihre Unterstützung ermögliche es, «den diakonischen Grundauftrag umzusetzen und für Menschen in Not und am Rand unserer Gesellschaft da zu sein». Der Pastoralraum Region Aarau hat soeben mit dem KRSD die Leistungsvereinbarung über die Jahre 2026 bis 2029 ausgehandelt. Während der nächsten vier Jahre wird der Sozialdienst weiterhin mit gut 140000 Franken pro Jahr mitgetragen.
7. Juli 2025 | Dani Schranz
(Keine) Zeit für Urlaub?
Dr. Samuel Behloul
(Keine) Zeit für Urlaub?

Die Sommerferienzeit steht unmittelbar bevor. Vieles haben wir in den letzten Monaten geleistet, geschafft und erledigt oder in die Wege geleitet. Wir sind nun ferienreif und wollen für zwei oder drei Wochen all die E-Mails, Deadlines und To-dos vergessen, sie alle sozusagen in eine Zeitkapsel vorübergehend einsperren. Zeit für Urlaub?
Ja, gäbe es doch nicht jenes Phänomen, das mit dem Begriff Holiday guilt beschrieben wird. Damit ist jenes ungute Gefühl gemeint, das manche Menschen beschleicht, wenn sie in der verdienten und gesetzlich vorgeschriebenen Urlaubszeit von den beruflichen Verpflichtungen abschalten und die freie Zeit einfach geniessen wollen. Und mag die Feriendestination noch so weit entfernt sein, die Schuldgefühle ob des Abstandes vom Arbeitsplatz, des «Nichts-Tuns» und des «Nichts-Leistens» schaffen es immer wieder, sich in die Gedankenwelt vieler Menschen einzuschleichen. Und so landet man gedanklich wieder an jenem Ort, von dem man sich eigentlich für eine Weile distanzieren wollte: am Arbeitsplatz.
Die Gründe für dieses Urlaubs-Schuldgefühl können viele sein. Etwa ein falsches Verantwortungsbewusstsein, übertriebener Perfektionismus oder einfach die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen, weil man für eine bestimmte Zeit untätig, weg vom Fenster ist. Und hinzukommt noch, dass, wer einen übervollen Terminkalender hat und viele Überstunden macht, nicht selten als Arbeitstier, als besonders belastbar und generell als Workaholic bewundert wird oder sich als solcher bewundern lässt. Also doch keine Zeit für Urlaub?
In der Bibel kommt das Wort Urlaub zwar nicht ein einziges Mal vor. Die Bibel spricht aber über etwas, das sich zunächst mit einem Begriff aus der modernen Berufswelt umschreiben liesse: Zeitmanagement. Im Buch Prediger 3, 1-2 lesen wir nämlich: «Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreissen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit.»
Hier geht es aber nur auf den ersten Blick um das, was wir mit Zeitmanagement meinen. Denn im Unterschied zu unserem berufs- und leistungsbedingten Zeitverständnis, welches die Zeit als etwas von uns Unabhängiges in den Fokus stellt und entsprechend vom Zeitmangel, Zeitverlust oder Zeitgewinn spricht, stellt das biblische Zeitverständnis nicht die Zeit, sondern den Menschen in den Mittelpunkt. Es ist der Mensch, der sich die Zeit nehmen, sie sich zunutze machen soll. Es ist der Mensch, der bewusst einen bestimmten Zeitverlauf unterbricht, ja unterbrechen muss. Die Unterbrechung von anstrengenden Tätigkeiten und Arbeitsruhe gehören nämlich zu einem der ersten Schöpfungswerke Gottes:
«Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte», heisst es im biblischen Schöpfungsbericht im Buch Genesis 2,2. Und es ist nicht zuletzt auch Jesus selbst, der nach Ruhe und Erholung sucht: «Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus!», lesen wir in Markus 6, 31.
Zur Ruhe kommen, den Alltag unterbrechen, sich erholen – in der Bibel ist dies nicht bloss eine Empfehlung. Es ist ein Schöpfungswerk und letztendlich auch ein Gebot Gottes, sich die Zeit zu nehmen für alles, was man tut. Gott nimmt sich Zeit für das Erschaffen und für das Ausruhen. Er erschafft selbst die Zeit und schenkt sie uns. Das hat mit dem modernen Zeitmanagement, in dem uns die Zeit entweder ununterbrochen im Nacken sitzt oder davonrennt, nichts zu tun. Im biblischen Zeitverständnis steht der Mensch im Mittelpunkt. Ein Selbstmanagement anstelle eines Zeitmanagements.
Ja, es ist Zeit für den Urlaub. Wo und wie lange auch immer Sie ihn verbringen – nehmen Sie sich bewusst Zeit dafür.
Schöne und erholsame Ferientage!
Dr. Samuel Behloul
23. Juni 2025 | Dr. Samuel Behloul
Martha und Maria beim feministischen Streik
Peter Bernd
Martha und Maria beim feministischen Streik

Bild: © Feministischer Streik
Viele kennen noch die Geschichte der beiden Schwestern Martha und Maria im zweiten Testament. Und manche, vor allem Frauen, haben keine gute Erinnerung daran. Salopp gesagt: Entweder Martha, also Heimchen am Herd, oder Maria, also Klosterfrau – betend, betrachtend, dienend im viel bemühten Schoss der Mutter Kirche. Passt gut zum Patriarchat in Gesellschaft oder Kirche: Hausfrau, Kindermutter oder dem männlichen Klerus zudienende Nonne.
Wie die Geschichte oft gedeutet wird, so wird sie meistens zuvor in deutschen Übersetzungen des Lukasevangeliums erzählt: Jesus ist zu Gast bei den beiden Schwestern. Maria setzt sich zu den Füssen Jesu hin und hört ihm zu, während Martha viel zu schaffen hat, die Anwesenden bedient und schliesslich die Mithilfe Marias einfordert. Jesus aber weist ihr Ansinnen zurück: Sie mache sich zu viel Mühe. Maria habe den guten Teil erwählt, der ihr nicht genommen werden soll. – Zu guter Letzt auch noch eine Rangfolge von Frauenrollen im patriarchalen Gefüge?
Gerne frage ich bei Luzia Sutter Rehmann nach, Theologieprofessorin in Basel. Sie hat neulich eine andere und überzeugende Deutung des Bibeltextes gegeben, die die bekannten Muster von Rollenzuweisungen über den Haufen wirft.
Zunächst einmal ist bemerkenswert, dass an der Seite der beiden Frauen kein Mann genannt wird. Marthas Name bedeutet «Herrin». Und das ist sie. Sie entscheidet darüber, wer ins Haus kommt. Und es heisst: Sie «stellte sich hin». Sie steht für das, was sie denkt und sagt. Der Name ihrer Schwester Maria wiederum geht zurück auf die Prophetin Mirjam, der Schwester Moses und Aarons, in der Zeit der Befreiung aus der Sklaverei. Zur Zeit Jesu, der Zeit der römischen Besatzung, war der Name sehr, sehr häufig, denn mit ihm sollte Widerstand und Hoffnungskraft ausgedrückt werden. Ihrer beider Namen sagen: Es geht um selbstbestimmte Frauen. Damit schon ist eine frauengerechte Lektüre des Textes geboten. Und dieser Weise des Bibellesens fällt auf, wie zu übersetzen wäre: Statt «Martha machte sich viel zu schaffen, ihnen zu dienen» geht es bei der Frage Marthas um «den grossen Dienst». Das beschäftigt sie. Das ist etwas ganz anderes und führt geradewegs in die Herausforderung einer spannungsgeladenen Zeit. Beim «grossen Dienst» geht es um alles, was die Evangelien erzählen: heilen, solidarisch sein, sich für Gerechtigkeit einsetzen, Brot zu teilen, auf der Seite der Ausgebeuteten zu stehen. Also nicht Hausarbeit, Frauen, die bedienen, sondern solche, die heilen und lehren! Marthas Frage nach dem grossen Dienst schliesst sich an die des Schriftgelehrten an, der in der Szene vorher fragte: Wer ist mein Nächster? Und dem gesagt wird: Der verwundete, fliehende, fremde «Irgend-wer», der mir in den Blick kommt. Martha führt das rabbinische Lehrgespräch über das höchste Gebot weiter!
Und nicht unerwähnt bleiben soll ein zweiter Übersetzungsfehler, auf den Sutter Rehmann hinweist. Statt «meine Schwester lässt mich allein dienen» sollte formuliert werden: «Meine Schwester, sprich Maria, verlässt mich, um zu dienen.» Maria sucht im Hinblick auf den grossen Dienst ihren eigenen Ort und Weg, der sie aus dem Haus ihrer Schwester wegführen wird. Ein anderer Dienst in der gleichen Sache der Gemeinde. Ein Konflikt mag dahinterstehen und der Schmerz, dass sich etwas verändert, auch die familiären Bande. Das griechische Wort, das hier steht, wird auch gebraucht in dem Satz «Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen». Maria will quasi aus dem Team der beiden Schwestern aussteigen, ihren eigenen Teil am «grossen Dienst» finden. Trauer und Not Marthas stehen da, aber auch, dass sie das reflektiert. Sie fragt ernsthaft und theologisch als Toraschülerin: Wie gestalten wir Beziehungen, dass sie gut und gerecht werden?
Beide Frauen stellen sich der «Sache Jesu», der Tradition des Widerstandes für das Recht jedes Menschen, sind weder schimpfende Hausfrau noch angehende Klosternovizin. Aber in der Nachfolge des «grossen Dienstes» fänden wir beide, Martha und Maria, beim anstehenden feministischen Streik, Jesus vermutlich auch. Da, auf der Strasse, ist am 14. Juni viel Platz für «feminine, maskuline und queere» Christenmenschen. – In die Kirche geht’s dann tags drauf am Sonntag.
Frauenstreik Aarau
13.00 Uhr Kundgebung auf dem Bahnhofplatz Aarau (bewilligt), Moderation: Mia Jenni Reden: Lelia Hunziker, Elife Biçer, Meli Del Fabro Anschliessend gemeinsam nach Zürich 13:53 Uhr RE37 ab Aarau 14:22 Uhr Zürich HB an 15.00 Uhr Start Demo Zürich
Demo zum Feministischen Streik in Zürich
14.00 Uhr Besammlung an der Rudolf-Brun-Brücke
15.00 Uhr Demo-Start, danach Schlusskundgebung auf dem Ni Una Menos-Platz
3. Juni 2025 | Peter Bernd
Kirchenchor feiert 80. Geburtstag
Singen Sie mit!
Der Kirchenchor Suhr-Gränichen feiert seinen 80. Geburtstag

Wir freuen uns, auf eine so lange Chortradition zurückblicken zu dürfen. Die Zuverlässigkeit und Treue der Sängerinnen und Sänger und ihre Freude am gemeinsamen Musizieren bilden den Grundstein dafür.
Der Zusammenschluss mit anderen Chören hat ebenfalls viel zum Gelingen beigetragen. Von 2002 – 2017 sangen wir in einer Chorgemeinschaft mit dem reformierten Kirchenchor Staufberg, was für uns alle eine grosse Bereicherung war. Auch heute noch singen drei Staufer Frauen im Chor mit.
2021 durften wir acht Sängerinnen und Sänger des Kirchenchors Buchs begrüssen, was unserer sinkenden Mitgliederzahl einen entscheidenden Auftrieb gegeben hat. Die gute Zusammenarbeit und das gemeinsame Singen führten 2024 zu einem Zusammenschluss der beiden Chöre, sodass wir heute als Kirchenchor Suhr-Gränichen und Buchs-Rohr in den beiden benachbarten Kirchgemeinden in Gottesdiensten singen. Gerne laden wir auch in diesem Jahr wieder Gastsängerinnen und Gastsänger ein. Wir musizieren Die Messe in F-Dur von Valentin Rathgeber und das Cantate Domino von Giuseppe O. Pitoni.
Sie sind herzlich willkommen!
Singen Sie mit!
Aufführungen: in der kath. Kirche Suhr: Sonntag, 8. Juni, Gottesdienst um 10 Uhr und in der kath. Kirche Buchs: Sonntag, 24. August, Gottesdienst um 11:15 Uhr GD
Proben jeweils Dienstag, von 20 bis 21.30 Uhr, im Pfarreisaal Suhr; 22. April, 29. April, 6. Mai, 13. Mai, 20. Mai und 27. Mai
Hauptproben: 3. Juni, 20 bis 21.30 Uhr in der kath. Kirche Suhr und 19. August, 20 – 21.30 in der kath. Kirche Buchs
Auskunft, Anmeldung: Kirchenchor Suhr-Gränichen und Buchs-Rohr
E-Mail oder Telefon 076 501 70 50
Nähe und Distanz – Sensibilisierung mit System
Nähe und Distanz – Sensibilisierung mit System
Obligatorische Weiterbildung für Mitarbeitende des Pastoralraums Region Aarau

Sieglinde Kliemen ist Präventionsbeauftragte des Bistums Basel und führt eine Praxis für Systemische Beratung und Therapie in Bern.
Die Prävention von Übergriffen hat seit der Veröffentlichung der Vorstudie zu sexuellen Übergriffen in der katholischen Kirche vor eineinhalb Jahren zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Bereits seit den frühen 2000er-Jahren gibt es dazu verbindliche Richtlinien der Schweizerischen Bischofskonferenz. Wer in einer der fünf Pfarreien des Pastoralraums Region Aarau arbeitet, wird von der Kreiskirchgemeinde Aarau angestellt. Diese verlangt von allen neuen Mitarbeitenden neben einem Strafregisterauszug auch einen sogenannten Sonderprivatauszug. Dieser gibt Auskunft über Urteile, die ein Berufs-, Tätigkeits- oder Kontakt- und Rayonverbot enthalten – sofern dieses zum Schutz von Minderjährigen oder besonders schutzbedürftigen Personen erlassen wurde. Mit diesen Massnahmen will die Arbeitgeberin bereits zu Beginn einer Anstellung das Risiko eines Übergriffs möglichst ausschliessen bzw. auf ein Minimum reduzieren.
Alle Mitarbeitenden sowie die Mitglieder der Behörden sind verpflichtet, alle drei Jahre einen aktualisierten Sonderprivatauszug einzureichen und einen Kurs zu Nähe und Distanz zu absolvieren. In diesem Jahr finden diese Kurse unter der Leitung von Sieglinde Kliemen statt. Sie ist seit 2022 Präventionsbeauftragte des Bistums Basel und führt eine eigene Praxis für systemische Beratung und Organisationsentwicklung in Bern. In dem vierstündigen Seminar lernen die Teilnehmenden den professionellen Umgang mit Menschen, die sie im kirchlichen Umfeld begleiten. Ziel der Weiterbildung ist nebst der Prävention auch die Stärkung der persönlichen und beruflichen Kompetenz im kirchlichen Arbeitsfeld.
Zu Beginn thematisiert Sieglinde Kliemen das Spannungsdreieck der Prävention: Vernachlässigung – «Bei uns passiert schon nichts», Überforderung – «Eigentlich ist das nicht so schlimm», und Hypersensibilität – «Hinter jedem Busch lauert ein Täter». Ziel sei eine Haltung, so die Referentin, die grenzwahrend gelebt werde und eine gesunde Sensibilität im Umgang mit anderen ermögliche.
Ein weiteres Spannungsfeld betrifft das «Dilemma in Beziehungen». Hier prallen zwei Grundbedürfnisse aufeinander: Autonomie und Integrität auf der einen, Verbundenheit und Integration auf der anderen Seite. «Wenn wir mit unserem Denken, Fühlen und Handeln im Einklang sind, wahren wir unsere Integrität. Werden wir hingegen beeinflusst, handeln wir womöglich gegen unser Gefühl, um die Zugehörigkeit zu einer Gruppe nicht zu verlieren.»
Praktische Übungen sind ein zentraler Bestandteil der Weiterbildung. In Kleingruppen reflektieren die Teilnehmenden ihr Verhalten in konkreten, praxisnahen Situationen: Wie gehe ich mit dem Mangel um, wenn mein Bedürfnis nach Nähe nicht gestillt wird? Oder: Wie grenze ich mich gegenüber jemandem ab, der mir zu nahekommt? So gelingt eine Annäherung an das Kursthema aus Täter- und Opferperspektive.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Bewusstsein für die Asymmetrie von Beziehungen im kirchlichen Berufsalltag. «Wenn jemand bei einer Seelsorgerin Hilfe sucht, trägt sie die Verantwortung für die Grenzwahrung. Er denkt, da ist jemand, der ihm helfen kann – und schenkt ihr Vertrauen. In dieser Situation muss sich die Seelsorgerin als ‹Starke› bewusst sein, dass der ‹Schwache› womöglich nicht Nein sagen kann, wenn sie ihm zu nahekommt. Er ist befangen.»
Sieglinde Kliemen sensibilisiert auch dafür, dass kirchlich Mitarbeitende immer in einer Vorbildfunktion stehen – und unter Beobachtung: im ÖV, im Schwimmbad. «Der Herr Pfarrer geht einkaufen, nicht der Egon.» Welche Auswirkungen dieses Bewusstsein auf den Alltag haben kann, zeigen konkrete Beispiele: Schon ein politisches Statement im Instagram-Profilbild oder eine private Statusmeldung auf WhatsApp werden wahrgenommen – und können Druck auf andere Mitarbeitende oder Gruppenmitglieder ausüben.
Beeinflussung, Unterlassung, Macht, Abhängigkeiten: Das Beziehungsfeld kirchlicher Arbeit ist vielschichtig. Und es geht immer um Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Erwartungen. Diesen zu entsprechen, ist anspruchsvoll – umso wichtiger sind regelmässige Schulungen und Sensibilisierung. Das nächste Mal spätestens wieder in drei Jahren.
23. April 2025 | Dani Schranz
Pilgerwanderung «mit Anfängern»
Sonntag, 18. Mai 2025, von Aarau nach Stüsslingen

Illustration Camilla Widmer
Pilgerwanderung «mit Anfängern»
Sonntag, 18. Mai 2025, von Aarau nach Stüsslingen
Liebe Leserin, lieber Leser,
heute laden wir Sie zu einer besonderen Pilgerwanderung ein – einer Pilgerwanderung mit Anfängern. Wir, das sind Yvonne Zwyssig, Katechetin der Pfarrei Buchs-Rohr, und Dani Schranz, Kommunikationsbeauftragter des Pastoralraums Region Aarau. Unsere Wege haben sich vergangenen Sommer an einem unerwarteten Ort gekreuzt: in der Propstei Wislikofen, beim Ausbildungslehrgang «Eine Pilgergruppe leiten und begleiten». Während acht Ausbildungstagen wurden uns von Claudia Mennen und Bernhard Lindner die Grundlagen des Pilgerns vermittelt – praxisnah, inspirierend, mit viel Raum für eigene Erfahrungen.
Weil 2025 ein Heiliges Jahr unter dem Leitwort Pilger der Hoffnung ist, wurde unsere Klasse während eines Ausbildungstags vom katholischen Medienzentrum begleitet. Dabei entstand ein kurzer Film, den wir Ihnen zur Einstimmung empfehlen:

Illustration Camilla Widmer
Pilgerwanderung «mit Anfängern»
Sonntag, 18. Mai 2025, von Aarau nach Stüsslingen
Liebe Leserin, lieber Leser,
heute laden wir Sie zu einer besonderen Pilgerwanderung ein – einer Pilgerwanderung mit Anfängern. Wir, das sind Yvonne Zwyssig, Katechetin der Pfarrei Buchs-Rohr, und Dani Schranz, Kommunikationsbeauftragter des Pastoralraums Region Aarau. Unsere Wege haben sich vergangenen Sommer an einem unerwarteten Ort gekreuzt: in der Propstei Wislikofen, beim Ausbildungslehrgang «Eine Pilgergruppe leiten und begleiten». Während acht Ausbildungstagen wurden uns von Claudia Mennen und Bernhard Lindner die Grundlagen des Pilgerns vermittelt – praxisnah, inspirierend, mit viel Raum für eigene Erfahrungen.
Weil 2025 ein Heiliges Jahr unter dem Leitwort Pilger der Hoffnung ist, wurde unsere Klasse während eines Ausbildungstags vom katholischen Medienzentrum begleitet. Dabei entstand ein kurzer Film, den wir Ihnen zur Einstimmung empfehlen.
Zum Abschluss des Lehrgangs gehört ein eigenes Pilgerangebot – et voilà: unsere Pilgerwanderung. Sie ist unser Praxisprojekt und trägt deshalb den augenzwinkernden Titel «mit Anfängern». Wir möchten niemanden belehren oder mit religiösen Inhalten überfrachten. Vielmehr laden wir ein, miteinander unterwegs zu sein – im Gespräch, im Schweigen, im gemeinsamen Gehen.
Am Sonntag, 18. Mai, um 9 Uhr starten wir auf dem Platz vor der Katholischen Kirche Peter und Paul in Aarau. Von dort führt unser Weg über Erlinsbach und die Kantonsgrenze nach Stüsslingen. Rund elf Kilometer legen wir zurück, mit etwa drei Stunden reiner Gehzeit ist zu rechnen. Die Route ist auch für weniger geübte Wanderer gut machbar. Rund 300 Höhenmeter sorgen für etwas Bewegung – ohne zu überfordern.

© SchweizMobil
Was die Wanderung zur Pilgerwanderung macht, sind kurze Impulse unterwegs. An ausgewählten Orten halten wir inne – mit einem Gedanken, einem Text oder einer Anregung, die zur Reflexion oder zum Nachdenken einladen. Keine Predigten, keine langen Ausführungen. Vielleicht entdecken Sie unterwegs etwas, das Sie berührt – in der Landschaft, in einem Wort, in sich selbst. Vielleicht auch nicht – dann wird das schlichte Unterwegssein zum Geschenk.
Unser Ziel ist die kleine Friedhofskapelle in Stüsslingen – ein stiller, geschichtsträchtiger Ort. Dort lassen wir den Vormittag mit einem gemeinsamen Picknick ausklingen. Jeder bringt seine Verpflegung selbst mit. Gleich neben der Kapelle befindet sich die Bushaltestelle – von dort geht es via Erlinsbach zurück nach Aarau.
Wir freuen uns auf Menschen, die neugierig sind: aufs Pilgern, aufs Gehen, aufs Leben. Sie brauchen keine Vorkenntnisse, keine besondere Ausrüstung – nur die Bereitschaft, sich auf das einzulassen, was kommen mag. Und wer weiss: Vielleicht wächst dabei die Lust auf eine grössere Pilgerreise.
Die Teilnahme ist selbstverständlich kostenlos. Für unsere Planung bitten wir um Ihre Anmeldung bis spätestens 10. Mai.
Herzlich willkommen – wir freuen uns auf Sie!
Infos
- Treffpunkt Sonntag, 18. Mai 2025, 9.00 Uhr auf dem Kirchenplatz bei der Katholischen Kirche Peter und Paul, Poststrasse 15, Aarau
- Wegstrecke der Pilgerwanderung rund 10,6 km
- Aufstieg 297 m, Abstieg 235 m
- Wanderzeit rund 2 Stunden 50 Minuten
Haben Sie Fragen zur Pilgerwanderung?
Wir sind für Sie da: Yvonne Zwissig, per E-Mail oder unter 062 824 32 53, Dani Schranz, per E-Mail oder unter 079 765 65 30.
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Abschied von Ruedi Rieder
Abschied von Ruedi Rieder

Ruedi Rieder anlässlich einer Erstkommunion-Feier in der Kirche Heilig Geist in Suhr, 2021
Am 12. März 2025 versammelte sich in der Kirche Peter und Paul in Aarau eine grosse Gemeinde zur Auferstehungsfeier von Ruedi Rieder. Er wirkte 59 Jahre lang im Dienst der Römisch-Katholischen Kirche, von 1966 bis 1997 in Aarau – zunächst als Vikar, später als Pfarrer. Und bis an sein Lebensende als Priester in den Pfarreien des Pastoralraums Region Aarau. Er starb überraschend am 24. Februar 2025, kurz vor seinem 84. Geburtstag.
In einer frei vorgetragenen Predigt erinnerte Burghard Förster, Pfarreileiter und Diakon in Aarau, an die Zeit von Rieders Priesterweihe – ein Jahr nach dem Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils. Eines der wichtigsten Dokumente dieses Konzils, «Gaudium et Spes», betont die Solidarität der Kirche mit der gesamten Menschheit und ruft dazu auf, den christlichen Glauben aktiv in der Welt zu leben. Es hebt die Würde des Menschen, soziale Gerechtigkeit und die Verantwortung der Christen für die Welt hervor.
Papst Johannes XXIII. sagte bei der Eröffnung des Konzils: «Öffnet Türen und Fenster, damit der Heilige Geist hereinkommen kann.» Diese Haltung prägte Ruedi Rieder zeitlebens. 1985 verlegte er den Haupteingang der Kirche Peter und Paul von den Seiten des Kirchenschiffs in den Emporenraum und schuf so aus dem ehemaligen, privat genutzten Garten des Pfarrhauses einen Platz der Begegnung. Diese bauliche Öffnung ging mit einer neuen Leitungskultur einher: Entscheidungen wurden fortan im Leitungskollegium getroffen. Gemeinsam mit Moritz Bühlmann und Guido Büchi begründete Rieder einen partizipativen Führungsstil, der bis heute die Pfarrei prägt. Alle Mitarbeitenden werden in Entscheidungsprozesse einbezogen.
Unter Ruedi Rieder öffnete sich das Pfarrhaus für die Menschen am Ort. Liturgie, Diakonie, Verkündigung und Gemeinschaft waren für ihn zentrale Werte, die er mit seinen Kolleginnen und Kollegen lebte.
In seiner Ansprache schlug Burghard Förster eine Brücke zur «Verklärung Jesu», die in den Evangelien von Matthäus, Markus und Lukas beschrieben wird. Auf einem hohen Berg offenbart sich Jesus drei Jüngern als Sohn Gottes – begleitet von Mose, der für das Gesetz steht, und Elia, der die Propheten repräsentiert. Diese Szene, so Förster, zeigt Jesus nicht als Herrscher, sondern als durchscheinende Gestalt, ähnlich einem Ikonenbild: Der goldene Hintergrund scheint durch ihn hindurch. «Nicht die Person ist der entscheidende Inhalt des Bildes, sondern die Durchlässigkeit für das Göttliche.» Die Frage sei, ob jemand im kirchlichen Dienst diese Durchlässigkeit zulasse oder mit seiner Person das Göttliche verdecke. «Ruedi Rieder war ein Mensch, durch den das Göttliche hindurchscheinen konnte. Diese Kraft begeisterte seine Pfarrei.» Doch entscheidend, so Förster, sei nicht nur die Verklärung auf dem Berg, sondern der Abstieg – dorthin, wo die Menschen sind. Genau das habe Rieder getan.
Ein besonderes Anliegen war ihm die Unterstützung von Menschen am Rand der Gesellschaft. Bereits in den späten 1970er-Jahren öffnete er das Foyer des Pfarrhauses. Später entstand unter Mitwirkung des damaligen Sozialarbeiters und heutigen Grossrats Andre Rotzetter die Stollenwerkstatt (heute Trinamo AG), eine Tagesstruktur für Menschen mit Suchtproblemen.
Bis heute setzt die Pfarrei das fort, was unter Rieders Leitung begann: Das Offene Pfarrhaus bleibt ein starkes Zeichen der gelebten Annahme und Offenheit für alle Menschen vor Ort.
20. März 2025 | Dani Schranz
Für Wunder muss man beten, ...
für Veränderungen aber arbeiten.
Für Wunder muss man beten – für Veränderungen aber arbeiten

«Menschen stehen plötzlich vor der Situation, dass sie den nächsten Monat nicht mehr finanzieren können.» Sarah Lohr, Standortleiterin des Kirchlich Regionalen Sozialdiensts in Aarau
Diese Aussage des Dominikanermönchs Thomas von Aquin aus dem 13. Jahrhundert steht im Vorwort des Jahresberichts 2024 des Kirchlich Regionalen Sozialdienstes Aarau (KRSD). Sarah Lohr, Standortleiterin das KRSD in Aarau, beschreibt darin die wichtige Rolle des Dienstes, der vom Pastoralraum Region Aarau, der Römisch-Katholischen Landeskirche und der Caritas finanziert wird. Er bietet Unterstützung für Menschen, die an den Anforderungen der Selbstverantwortung scheitern. «So entstehen Räume, in denen Diakonie auf soziale Arbeit, Professionalität auf Menschlichkeit und Engagement auf soziokulturelle Bedarfe trifft», schreibt Lohr im Bericht.
Diese Räume können jedoch nur mit ausreichenden finanziellen Mitteln erhalten bleiben, denn der Bedarf steigt stetig. Allein in Aarau verzeichnete der KRSD im vergangenen Jahr 788 Beratungskontakte – ein Anstieg von 12 Prozent gegenüber 2023. Im gesamten Kanton nahmen 3568 Menschen die Dienste in Anspruch. Die niederschwellige Ausgestaltung des Hilfsangebots ermöglicht es, Notlagen rechtzeitig abzuwenden und präventiv zu handeln. Ohne diese Direkthilfe wären der Gesellschaft Kosten von über 450000 Franken entstanden, rechnet Sarah Lohr vor.
Besonders häufig suchen Menschen den KRSD auf, die an der Armutsgrenze leben, jedoch noch keinen Anspruch auf staatliche Sozialleistungen haben. Gleichzeitig belastet die allgemeine Teuerung besonders jene, die ohnehin schon wirtschaftlich gefährdet sind. Laut Caritas Schweiz sind mehr als 1,3 Millionen Menschen hierzulande von Armut betroffen oder bedroht. Besonders alarmierend: Rund 100000 von ihnen sind Kinder und Jugendliche.
Ein zentraler Grund für die steigende Nachfrage beim KRSD ist die prekäre Lage auf dem Wohnungsmarkt. «Die Sozialämter berechnen Wohnkosten oft noch nach veralteten Richtlinien, während die Mietpreise stetig steigen. Hinzu kommen explodierende Nebenkosten aufgrund hoher Energiepreise. Bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper und ist härter umkämpft», erklärt Lohr. Besonders betroffen seien zunehmend auch Familien der unteren Mittelschicht.
Darüber hinaus geraten Menschen durch Schicksalsschläge plötzlich in Armut. «Eine prekäre finanzielle Lage beginnt nicht erst, wenn staatliche Leistungen greifen», so Lohr. Im Kanton Aargau erhalten nur jene Personen Sozialhilfe, deren Einkommen unter dem Existenzminimum liegt und deren Vermögen 1500 Franken nicht übersteigt. «Man muss sich das vorstellen: Menschen stehen plötzlich vor der Situation, dass sie den nächsten Monat nicht mehr finanzieren können. Sie kommen mit 3000 Franken Einkommen und 4500 Franken Fixkosten zu uns. Das verursacht enormen Stress.»
Zusätzlich gibt es Klientinnen und Klienten, die zwar Anspruch auf Sozialhilfe hätten, aber Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit den Behörden haben. In solchen Fällen vermittelt der KRSD. Laut Lohr nehmen ein Viertel der Berechtigten keine Sozialleistungen in Anspruch – meist aus Angst vor Stigmatisierung oder aus Scham. Besonders in kleineren Gemeinden spielt das soziale Umfeld eine Rolle: «Wenn die Sozialvorsteherin die Mutter eines Schulfreundes meines Kindes ist oder der Sozialamtsmitarbeiter mit meinem Mann in der Feuerwehr dient, wird es schwierig», veranschaulicht Lohr.
Trotz der Herausforderungen sieht die Leiterin des KRSD Aarau Sinn in ihrer Arbeit. Sie kann auf ein engagiertes Team zählen, das mit hoher intrinsischer Motivation tätig ist. Damit diese wertvolle Arbeit fortgeführt werden kann, dürfen die finanziellen Mittel jedoch nicht weiter sinken.
Die Leitung des Pastoralraums Region Aarau setzt sich dafür ein, dass es nicht so weit kommt.
Auf der Website des KRSD Aarau können auch Sie den Kirchlichen Sozialdienst mit einer Spende unterstützen.
28. Februar 2025 | Dani Schranz
Weltgebetstag 2025
Cook-Inseln
Weltgebetstag 2025 – Cook-Inseln

Für Festzeiten stellen Frauen der Cook-Inseln farbenfrohe Blumenkränze aus frischen Blüten her.
Haben Sie gewusst, dass die gesamte Landfläche der Erde im Pazifischen Ozean Platz hätte? Und mitten in diesem riesigen Ozean, ganz klein auf der Landkarte, liegt das Weltgebetstags-Land 2025: Die Cook-Inseln, benannt nach dem britischen Seefahrer James Cook, der im 18. Jahrhundert einige dieser Inseln entdeckte. Insgesamt sind es 15 Inseln mit einer Landfläche von nur 237 Quadratkilometern. 13000 bis 15000 Einwohnerinnen und Einwohner leben auf den Cook-Inseln, etwa 10000 auf der Hauptinsel Rarotonga, die Hälfte davon in der Hauptstadt Avarua, die übrigen auf den weiteren bewohnten Inseln. Auf der Insel Palmerston leben nur gerade 25 Personen, drei der Inseln sind unbewohnt. Würde man diejenigen «Cookianerinnen» und «Cookianer» mitzählen, die im Ausland leben – vorwiegend in Neuseeland und Australien – käme man allerdings auf über 100000 Einwohnerinnen und Einwohner. Wegen der mangelnden Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten ziehen sie weg, kommen dann aber im Pensionsalter zurück. So leben auf den Cookinseln vor allem Kinder mit ihren Grosseltern.
Zählt man die Fläche des Ozeans mit – sie gehört zu den Ausmassen des Landes dazu – sind die Cook-Inseln trotz allem ziemlich gross, nämlich ungefähr fünfmal so gross wie die Bundesrepublik Deutschland. So ist eine Flugstunde von einer Insel zur anderen eine entsprechend kurze Reise. Eine längere Reise zwischen zwei Cook-Inseln beträgt ungefähr vier Flugstunden – dies sind Dimensionen, die wir uns in der Schweiz fast nicht vorstellen können. Früher wurde alles per Schiff gemacht; die Bewohnerinnen und Bewohner der Cook-Inseln waren daher gute Seeleute.
Die Inseln standen und stehen trotz der Distanzen immer in Verbindung untereinander. Überhaupt wissen auf den Cook-Inseln so ziemlich alle Leute alles voneinander. Auch ist es für alle normal, dass es in den Häusern keine Türen gibt, nicht einmal zu den Toiletten, Bade- und Schlafzimmern.
Das Neuste wird stets in den Gottesdiensten ausgetauscht. Diese dauern mehrere Stunden, während der ein ständige Kommen und Gehen und sich Begrüssen stattfindet. Wer nebenher mitbekommen will, was gepredigt wird, setzt sich mit Vorteil nach vorne. Gesellschaftlich wichtig sind auch die gemeinsamen Mahlzeiten im Anschluss an die Gottesdienste. Um ihnen fernzubleiben, braucht es gute Gründe.
Das Christentum, dem heute die meisten Einwohnerinnen und Einwohner in verschiedenen Kirchen angehören, hat sich problemlos in die angestammte Religion eingefügt. Auch die Ahnen haben eine wichtige und tragende Funktion. Damit sie über den Tod hinaus präsent bleiben, werden sie auf dem eigenen Grundstück bestattet. Auf einzelnen Inseln hat es Berge, ursprüngliche Vulkane. Sie sind der Wohnsitz von Göttern und werden darum nicht bestiegen.
Landschaftlich gesehen sind die Cook-Inseln ein grünes, noch weitgehend unberührtes Paradies mitten im Ozean. Leider ist dieses aber in Gefahr. Der Meeresgrund birgt viele Rohstoffe wie Kobalt, Nickel, Mangan, Kupfer und seltene Erden. Bereits bestehen Pläne, diese im grossen Stil abzubauen. Die Folgen für das ökologische Gleichgewicht im Pazifischen Ozean wären unabsehbar und könnten verheerend sein.
Das diesjährige Weltgebetstags-Land ist lebendig und bunt. So dürfen wir uns auf Gottesdienste freuen, welche die Buntheit und die Naturverbundenheit der Menschen auf den Cook-Inseln widerspiegelt. Der Weltgebetstag wird am ersten Freitag im März rund um die Welt mit den Worten und der Musik der Frauen von den Cook-Inseln gefeiert.
17. Februar 2025 | Katharina Zellweger, ökumenisches Weltgebetstags-Team Suhr-Gränichen, Ref. Pfarrerin in Gränichen
«Es ist munter.»
Erste Erfahrungen mit dem «Café Paula»
«Es ist munter.»
Erste Erfahrungen mit dem «Café Paula»

Burghard Förster: «Wir verwenden keinen Franken aus der Kirchensteuer fürs Café.»
Vor rund drei Monaten wurde das «Café Paula» im Offenen Pfarrhaus in Aarau eröffnet. Zeit für eine erste Zwischenbilanz. Wir erreichen Burghard Förster, den Leiter der Pfarrei Peter und Paul, am Freitagmittag am Handy im Pausenraum des Gastro-Bildungs-Zentrums in Lenzburg, wo er sich «in meiner Freizeit!» auf die Wirtefachprüfung vorbreitet. Wenn ein Betrieb «gewerbsmässig Speisen und Getränken vor Ort verkauft», verlangt der Gesetzgeber im Kanton Aargau ein Wirtepatent. Das ist im Café Paula der Fall.
Es ist immer am Donnerstag- und Freitagnachmittag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Gleich nach dem Mittag kämen oft von Armut betroffene Gäste oder Menschen mit Migrationserfahrung ins Café, später dann Familien. Noch gelte es, das Café bei der Bevölkerung bekannter zu machen, aber während der Wintermonate sei häufig kaum ein Platz unbesetzt geblieben, «da war es oft sehr umtriebig».
Das Angebot ist schlicht gehalten. Es gibt Kaffee, Tee, Chai, Sirup und ein Tagesgebäck in drei Preiskategorien: ein offizieller Preis, ein verminderter und ein «Danke!»-Preis, der eine Art Kollekte miteinschliesst. Da kein Konsumzwang besteht, ist das Café nicht selbsttragend. Der Betrieb wird ausschliesslich durch Spenden und durch Zuwendungen von Stiftungen ermöglicht. «Es ist wichtig zu wissen, dass das Budget der Pfarrei nicht tangiert wird. Wir verwenden keinen Franken aus der Kirchensteuer fürs Café», betont Förster. Er lenkt das Gespräch auf die zahlreichen Freiwilligen, die unentgeltlich mitarbeiten und betont den Wert der Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Asyl sowie der Kirchlich Regionalen Sozialdienste, die in den Räumen des Offenen Pfarrhauses unterstützungsbedürftige Menschen begleiten. Allgemein sei das Interesse am diakonischen Angebot der Pfarrei gross. «Heute war eine Schulklasse zu Besuch, es gehen Leute von der Caritas ein und aus, und auch die ‹aufsuchende Asylarbeit› nutzt die Räume des Offenen Pfarrhauses für ihre Tätigkeit.» Auch ausserhalb der Öffnungszeiten des Cafés halten sich viele Menschen in der Pfarrei auf. Schüler machen Hausaufgaben, Geflüchtete lassen sich beraten, Armutsbetroffene treffen sich zum Austausch. Grundsätzlich kann sich Burghard Förster vorstellen, die Öffnungszeiten des Cafés auszubauen, damit Interessierte weniger an feste Zeiten gebunden sind. Und es gibt auch Überlegungen, das Café mit einem Mittagstisch zu verbinden.
Schon nach drei Monaten hat die Pfarrei einige der gesetzten Ziele erreicht. «Wir mussten die ‹Kunden› ja nicht suchen, die Menschen waren so oder so da. Wir haben mit dem Café Paula nun eine Struktur erschaffen, in welcher einerseits viele Menschen mitarbeiten können – das war ein hohes Ziel, und es funktioniert vorzüglich – andererseits ist das Haus gastfreundlicher geworden, und die Durchmischung der Menschen gelingt besser. Es entsteht ein gutes Miteinander. Insofern kommt es zu einer Sinnerweiterung. Es entstehen mehr Kontakte unter den Menschen, und man lernt sie auf eine persönlichere Weise kennen.» Insgesamt herrsche ein respektvoller Umgang zwischen Mitarbeitenden und Gästen, und die Qualität der Begegnungen komme dank der gastro-sozialen Komponente des Cafés voll zur Geltung. «Es gibt einen grossen Unterschied zwischen einem Raum mit einem Kaffeeautomaten und dem Café Paula.» Ausserdem führe die Kombination der Angebote – Eltern lernen Deutsch, während Kinder betreut werden – zu einer Erweiterung und Verknüpfung der Dienstleistungen des Offenen Pfarrhauses. «So ist immer viel los, aber es ist munter, und es ist lebendig.»
Burghard Förster muss gleich weiter, zurück ins Schulzimmer. Strebt er als künftiger Gastwirt bereits dem ersten Michelin-Stern entgegen? «Warum nicht? Vielleicht gibt es ja so eine Art gastro-soziale Michelin-Sterne. Einen solchen hätte ich schon gern.»
10. Februar 2025 | Dani Schranz
Schneetag in Engelberg
Sonntag, 18. Januar 2026
Schneetag in Engelberg
Sonntag, 18. Januar 2026

Ein perfekter Tag im Schnee, mit Skifahren, Boarden oder Schlitteln.
Wir fahren gemeinsam mit dem Car nach Engelberg. Dort verbringen wir einen ganzen Tag im Schnee (kein Ski-Kurs). Inklusive Mittagessen und Tageskarte.
Das ist inbegriffen
- Busfahrt nach Engelberg und zurück
- Tageskarte
- Schlittenmiete
- Spaghetti-Plausch
Programm
- 7.00 Uhr: Abfahrt ab Aarau, Feerstrasse 4, auf Höhe der Katholischen Kirche, Lageplan ›
- 7.15 Uhr: Abfahrt ab Schöftland bei der Katholischen Kirche, Lageplan ›
- 8.45 Uhr: Ankunft in Engelberg
- 8.45–12.00 Uhr: Skifahren, Snowboarden, Schlitteln oder Funpark
- 12.00–13.00 Uhr: Spaghetti-Plausch
- 13.00–16.15 Uhr: Skifahren, Snowboarden, Schlitteln oder Funpark
- 16.30 Uhr: Abfahrt ab Engelberg
- ca. 18.00 Uhr: Ankunft in Schöftland
- ca. 18.15 Uhr: Ankunft in Aarau
Teilnehmer Jugendliche der 6. bis 9. Klasse und junge Erwachsene
Leitung Yvonne Zwyssig und weitere erwachsene Begleitpersonen
Ort Engelberg
Kosten CHF 50.–, der Rest wird aus dem Jugendfonds bezahlt
Anmeldung bis Mittwoch, 14. Januar 2026
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Von der Volkskirche zur Kirche der Völker
Gedanken zum Jahreswechsel von Samuel Behloul
Von der Volkskirche zur Kirche der Völker
Gedanken zum Jahreswechsel von Dr. Samuel Behloul, Leiter des Pastoralraums Region Aarau

Dr. Samuel Behloul: «Es braucht Bewusstseinsstürmer.»
In weniger als zwei Wochen werden wir dem noch laufenden Jahr definitiv Adieu sagen. Aus kirchlicher Perspektive geht ein Jahr zu Ende, das erneut von defizitorientierten Narrativen und Diskussionen geprägt wurde.
Sowohl in den kirchlichen wie auch den nichtkirchlichen Medien wurde mit fleissiger Regelmässigkeit über die immer neuen Rekordzahlen bei den Kirchenaustritten berichtet, die Auflösung kirchlicher Milieus beklagt und das Narrativ vom Verschwinden der Volkskirche immer wieder aufs Neue bemüht.
Worüber wir aber wenig bis kaum etwas hören oder lesen konnten – auch in den kirchlichen Medien nicht –, ist die Antwort auf die Frage, ob und was Neues aus all diesen dynamischen Prozesses hervorgeht. All die innerkirchlichen Klagelieder übertönen nämlich die wichtige Tatsache, dass wirklich etwas Neues entsteht bzw. inzwischen bereits da ist: Aus der traditionellen und milieugeprägten Volkskirche ist eine Kirche der Völker hervorgegangen. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes «katholisch» geworden.
Unter «katholisch» verstehe ich das, was «katholisch» ursprünglich bedeutete: die Universalität und die kulturelle Vielfalt der Kirche. Diese Vielfalt markierte auch die Anfänge der Kirche, und sie gehörte einst zum Wesensmerkmal der Ur-Kirche. Und 2000 Jahre danach sind wir nun, migrationsbedingt, von dieser Ur-Katholizität der Kirche auch in der Schweiz eingeholt worden. Die Katholische Kirche in der Schweiz war in kultureller Hinsicht noch nie so lebendig und vielfältig, wie sie es heute ist. Wir haben heute nicht nur grosse Ähnlichkeiten mit der Ur-Kirche, sondern können von ihr auch lernen, wie mit dieser nicht selten herausfordernden Vielfalt umzugehen ist. Auch in der Ur-Kirche musste man dieses «Katholisch-Sein» erlernen. Wie gelang dieser Lernprozess damals?
Drei Voraussetzung waren dafür nötig: erstens ein spezifisches sozial-diakonisches Engagement, welches sich nicht bloss als ein humanitärer Akt unter vielen verstand, sondern im Vermächtnis Jesu von der Einheit des Gottes- und Menschendienstes begründet war; zweitens eine Dialog-Kultur, die die Menschen in der Vielfalt ihrer nicht nur materiellen, sondern auch spirituellen, liturgischen, rituellen und kulturbedingten Bedürfnissen ernst nahm; und drittens eine Verkündigung, die sich als Gegenerzählung zur allgemeinen Resignation, als Hoffnung gegen alle Hoffnungslosigkeit verstand.
Diese drei Dimensionen, die Einheit von Gottes- und Menschen-Dienst, der Dialog und die Verkündigung, haben der Ur-Kirche unter den damals äusserst widrigen sozio-politischen Bedingungen nicht nur das Überleben gesichert. Davon hing auch ihre Glaubwürdigkeit ab. Und davon hängt auch die Glaubwürdigkeit und die Zukunft unserer Kirche heute ab. Um das Bewusstsein dafür zu schärfen, brauchen wir in unserer Kirche der Völker heute weder Untergangspropheten noch Strukturstürmer. Es braucht vielmehr Bewusstseinsstürmer. Denn im Dickicht von defizitorientierten Narrativen und Diskussionen auf der einen und vorauseilenden Anpassungs- und Umstrukturierungszwängen auf der anderen Seite geht zunehmend vergessen, wer wir als Kirche sind, was unser Auftrag ist, worin sich dieser Auftrag von anderen Dienstleistungsanbietern unterscheidet und was ihn einzigartig macht.
Das müssen wir uns gerade in Zeiten der definitiv schwindenden Selbstverständlichkeiten traditioneller Volkskirchlichkeit verstärkt ins Bewusstsein rufen. Und das wünsche ich uns allen im neuen und in den kommenden Jahren.
16. Dezember 2024 | Dr. Samuel Behloul
Besuch im Haus der Religionen
Samstag, 13. Dezember 2025, Bern
Besuch im Haus der Religionen
Samstag, 13. Dezember 2025

Im Haus der Religionen wird etwas Einzigartiges probiert: Menschen aus acht Religionsgemeinschaften kommen dort zum Beten und Feiern zusammen. In deren verschiedenartigen und teils farbenfrohen Tempeln und Räumen lernen wir ihre Religionen und Bräuche kennen.
Ein Tag in Bern Reise mit dem Zug nach Bern, Besuch und Führung im Haus der Religionen, Gemeinsames Essen, Besuch des Berner Münsters mit Turmbesteigung, Freie Zeit in Bern
Treffpunkt Samstag, 13. Dezember, um 8.30 Uhr unter der Bahnhofsuhr am Bahnhof Aarau
Abfahrt Richtung Bern um 8.46 Uhr
Workshop im Haus der Religionen um 10 Uhr zu «Rassismus und Religionen» (90 Minuten), Mittagessen, Besuch des Berner Münsters mit Turmbesteigung, freie Zeit in Bern
Rückfahrt Richtung Aarau um 15.33 Uhr / 16.33 Uhr
Ankunft in Aarau um 16.11 Uhr / 17.11 Uhr
Teilnehmer Jugendliche der 6. bis 9. Klasse
Leitung Nicole Gabler
Kosten Der Ausflug ist für die Jugendlichen gratis. Die Kosten trägt der Jugendfonds des Pastoralraums Region Aarau.
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Dankesessen
Entfelden 2026
Liebe freiwillig Engagierte
Der Freitag, 5. Dezember 2025, ist der UNO-Tag der Freiwilligen.
Ohne den Einsatz vieler freiwillig helfender Hände wäre so vieles in unserer Pfarrei und in unserer Welt nicht möglich. Deshalb ist es uns wichtig, jedes Jahr von neuem am 5. Dezember an die Arbeit der freiwillig Engagierten zu denken und dafür zu danken.
Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass wir in unserer Pfarrei so viele freiwillig Engagierte haben, sei es in Vereinen und Gruppierungen oder als Einzelpersonen. Nur durch ein aktives Wirken der Freiwilligen ist ein pfarreiliches Miteinander und Füreinander möglich. Über 150 Personen leisten in verschiedenster Art für unsere Pfarrei Freiwilligenarbeit. Diese ehrenamtliche Arbeit ist Gold wert!
Für alle diese helfenden Hände und die gelebte Nächstenliebe danken wir von Herzen und laden Euch zum Dankesessen für freiwillig Engagierte und Mitarbeitende am Samstag, 17. Januar 2026, ein.
Wir beginnen mit dem Gottesdienst um 18.00 Uhr, der vom Kirchenchor musikalisch und gesanglich gestaltet wird, anschliessend gemeinsames Nachtessen im Pfarreizentrum mit Unterhaltung.
Wir freuen uns auf Euer Kommen und wünschen Euch gute Gesundheit, besinnliche Adventszeit, frohe Festtage und für das neue Jahr den Segen Gottes.
Herzliche und dankbare Grüsse.
Im Namen des Pfarreiteams und der Kirchenpflege,
Dr. Samuel Behloul und Stafan Pöder
Anmeldung
Dezember 2025 | Samuel Behloul
Samuel Behloul
zum Pastoralraum ›
Bericht aus dem Pastoralraum Region Aarau
Abschrift des Vortrags von Samuel Behloul, gehalten an der Versammlung der Kreiskirchgemeinde Aarau vom 26. November 2024

Samuel Behloul ist Pfarreileiter in der Pfarrei St. Martin in Entfelden und seit 1. November 2023 Leiter des Pastoralraum Region Aarau.
Geschätzte Mitglieder der Kreiskirchgemeinde, verehrte Damen und Herren
Ich freue mich, dass ich Ihnen aus dem kirchlichen Leben unseres Pastoralraumes berichten darf. Lassen Sie mich mit einer Bemerkung beginnen. Wir haben im Verlaufe des Abends über ganze 10 Traktanden hinweg viel über Strukturen, Zahlen, Statistiken etc. gehört. Das alles ist kein Selbstzweck. Das alles, vom ersten bis zum letzten Buchstaben, von der ersten bis zur letzten Zahl – das alles dient einem einzigen Zweck: der Ermöglichung der kirchlichen, der pfarreilichen Arbeit in ihrer gesamten Vielfalt und Fülle.
Wir sind nicht einfach eine Firma, ein x-beliebiger Betrieb. Wir sind Kirche und als solche erbringen wir Gottes- und Menschen-Dienst-Leistungen (der Akzent liegt auf Dienst) in der Gesellschaft und für die Gesellschaft, oft auch in den Bereichen, in denen andere nichtkirchliche Leistungserbringer nicht gehen können oder wollen, je nachdem. Kurzum: Wir dienen Gott und den Menschen.
Meinen Informationsbericht aus dem Pastoralraum Region Aarau habe ich in zwei Teile gegliedert: Als Erstes folgt ein Blick auf die pastorale Situation im Pastoralraum, und als Zweites mache ich einen Ausblick unter Berücksichtigung der aktuellen Situation in unserer Kirche. Der Pastoralraum Region Aarau besteht aus fünf selbständigen Pfarreien mit fünf Pfarreileitung und Pastoralraumstellen.
1. Werfen wir zunächst einen Blick auf das Pfarreileben.
Im laufenden Jahr waren die 5 Pfarreien auf unterschiedlichen Pfaden des Gott- und Menschen-Dienens unterwegs. In den Pfarreien ist die ganze Gesellschaft generationenübergreifend zu Hause; es geht nicht ausschliesslich um eine bestimmte Altersgruppe, um eine bestimmte Interessengemeinschaft, Sozialschicht oder Lobby-Gruppe – pfarreiliche Arbeit adressiert die Gesellschaft als Ganzes; in der Pfarrei sollen alle eine Beheimatung finden. Das ist unser Anspruch, und das ist uns auch im laufenden Jahr gut gelungen.
2024 ist in den Pfarreien Neues entstanden, aber auch Bewährtes erfolgreich gepflegt worden. Wir befanden uns zwischen Neuerung und Kontinuitätswahrung. Hier eine Auswahl aus einzelnen Pfarreien:
Aarau
Zu dem seit längerem bestehenden Standbein der Pfarrei, dem Offenen Pfarrhaus, ist im laufenden Jahr ein neues sozial-diakonisch ausgerichtetes Projekt hinzugekommen: Café Paula. Café Paula versteht sich als ein niederschwelliges Angebot, das Menschen Begegnung, Vernetzung und nicht zuletzt auch Begleitung ermöglicht.
Suhr-Gränichen
Neue Gottesdienstformate sind entstanden, «Fiire mit Familie» und «Fiire am Tisch», die entweder in der Kirche oder im Pfarreizentrum kreativ und interaktiv gefeiert werden. Hier geht es um Erprobung von neuen Formen der Glaubenskommunikation.
Buchs-Rohr
Im laufenden Jahr rückten die Pfarreien Buchs-Rohr und Suhr-Gränichen näher zusammen. Im Juli hat man die Liturgiepläne aneinander angepasst. Konkret heisst dies, dass Gottesdienste an den Wochenenden im Wechsel in den jeweiligen Pfarreien gefeiert werden. An hohen Feiertagen wie Ostern, Weihnachten oder auch an Patrozinien werden weiterhin separate Gottesdienste in jeder Pfarrei stattfinden. Das Zusammenrücken der beiden Pfarreien soll in Zukunft noch vertieft werden.
Am 27. Oktober wurde der langjährige Pfarreileiter Diakon Marco Heinzer verabschiedet. Seit dem 1. November hat die Pfarrei eine neue Leitung, Peter Bernd. Er ist zugleich Leitender Priester im Pastoralraum Region Aarau.
Schöftland
In Schöftland wurde vor allem in Nachhaltigkeit investiert, sei es im Umgang mit Energie oder in der Pflege der Umgebung. Gemäss dem schwergewichtig diakonischen Profil der Pfarrei war man auch im laufenden Jahr engagiert in den Bereichen Wegbegleitung und in der Alzheimervereinigung. Letzteres ermöglichte einen wichtigen Gesprächs- und Erfahrungsraum für Angehörige von Menschen mit Demenz. Generell lässt sich sagen: Viele Träume wurden realisiert.
Entfelden
Im laufenden Jahr war man in Entfelden mit dem Ziel unterwegs, die Vernetzung von jungen Familien und von verschiedenen Altersgruppen durch generationenübergreifende Angebote zu stärken. In die Mini-Schar wurden 15 neue Buben und Mädchen aufgenommen. Insgesamt sind jetzt knapp 50 in der Minischar. Der Kinderchor «St. Martins Singspatzen» hatte seinen ersten Auftritt mit dem Kirchenchor am Patrozinium. Ein Auftritt ist auch nächstes Jahr wieder geplant. In der Ökumene sind wir neue Wege gegangen. So haben der ref. Gospelchor bei der Firmfeier und die Syrisch-Orthodoxe Gemeinschaft beim Schulabschluss-Gottesdienst mitgewirkt. Und Entfelden ist eine Pfarrei der «Mantel-Teilung» (St. Martin). Solidarisches Wirken ist ein Teil der pfarreilichen DNA. Auch in diesem Bereich waren wir vor Ort mit konkreten Hilfeleistungen und viele Hausbesuchen sozial-diakonisch aktiv.
Zusammenfassend: Das kirchliche Leben in den 5 Pfarreien ist vielfältig, lebendig, generationenübergreifend, innovativ, sozial und nachhaltig.
Fachstellen im Pastoralraum
Wenn es um die Fachstellen geht, so gibt es für das laufende Jahr Gemischtes und zum Teil wenig Erfreuliches zu berichten. Die von der Kreiskirchenpflege verordnete Sparmassnahme von 5 % auch im Pastoralraum-Budget infolge des gemeldeten Liquiditätsproblems führte dazu, dass einzelne Fachstellen infrage gestellt wurden.
Wegbegleitung
Mit der Fachstelle Wegbegleitung bietet der Pastoralraum Region Aarau Menschen konkrete Hilfe im Alltag an – bei der Suche nach Arbeit oder einer Wohnung, beim Gang auf ein Amt, beim Ausfüllen von Formularen etc. Die Fachstelle Wegbegleitung richtet sich an Menschen, die während einer gewissen Zeit auf Unterstützung in der Bewältigung ihres Alltags angewiesen sind. Diese Unterstützung wird von Freiwilligen erbracht.
Im Juni dieses Jahres entschied die Kreiskirchenpflege, diese Fachstelle auf Ende 2024 einzusparen – was auch eine Kündigung für die Stelleninhaberin bedeutet hätte. Das Argument war, die Wegbegleitung sei eine Verdoppelung der Arbeit des Kirchlich Regionalen Sozialdienstes (KRSD). Vom Pastoralraum-Leitungsteam wurde darauf aufmerksam gemacht, dass dies nicht der Fall ist: Die Wegbegleitung betreut Menschen fallübergreifend, sie übernimmt Fälle von anderen Sozialdiensten wie der Caritas, Pro Senectute, der Lungen- oder Krebsliga oder eben auch vom KRSD, wenn dieser mit einzelnen Fällen nicht weiterkommt. Und besonders wichtig bei der Wegbegleitung ist: Sie ist physisch näher bei den Menschen, dank Freiwilligen, die sich bei der Wegbegleitung engagieren. Sie gehen zu ihren Klienten nach Hause.
Die Wegbegleitung ist vor allem für die «versteckte» Armut wichtig, das heisst bei verschiedenen Formen der Verwahrlosung bei Jung und Alt. Es geht gar nicht um materielle Hilfe. Und die Wegbegleitung wirkt präventiv: Klienten werden begleitet bzw. aufgefangen, bevor sie in die Sozialhilfe abrutschen. Daraus ergibt sich auch der gesamtökonomischer Wert der Wegbegleitung: Prävention spart Geld.
Mit diesen Argumenten hat das Pastoralraum-Leitungsteam dann einen Rückkommensantrag an die Kreiskirchenpflege gestellt für die Beibehaltung der Wegbegleitung. Die Kreiskirchenpflege hat im August der pastoralen Seite den Auftrag erteilt, eine Arbeitsgruppe zu bilden, welche einzelne Varianten für eine zukünftige Verortung der Wegbegleitung im Pastoralraum erarbeiten und bis Mai 2025 der Kreiskirchenpflege vorlegen soll. Konkret sollen folgende Varianten geprüft werden:
- eine Integration in den KRSD
- eine Beheimatung in einer Pfarrei oder
- eine Eingliederung in der Landeskirche.
Die Arbeitsgruppe ist bereits formiert worden und arbeitet an einem neuen Konzept.
Regionale Jugendarbeit
Die regionale Zusammenarbeit in der Jugendarbeit bietet Jugendlichen eine Chance, mit Gleichgesinnten aus anderen Pfarreien in Kontakt zu treten. Sie ermöglicht die Durchführung von Anlässen, die für eine einzelne Pfarrei nicht möglich wären: eine Jugendreise, ein Skitag, Ausflüge etc.
Der aktuelle Stellenleiter Frank Krause wird per Ende Januar 2025 pensioniert. Die Kreiskirchenpflege hat entschieden, diese Stelle aus Spargründen nicht neu zu besetzten. Die pastorale Seite hat auch auf diese Massnahme mit einem Rückkommensantrag reagiert. In diesem Fall ohne Erfolg. Aber immerhin behält die regionale Jugendarbeit ihre Projektgelder in Höhe von 10’000 Franken pro Jahr, um einzelne Anlässe oder neue Formate auf pfarreiübergreifender Ebene organisieren und realisieren zu können.
Kirchlicher Regionaler Sozialdienst
Der Kirchliche Regionale Sozialdienst (KRSD) setzt sich gemeinsam mit den Pfarreien des Pastoralraums Region Aarau für verbesserte Lebenssituationen von Menschen der Region ein.
Einige Fakten zum laufenden Jahr (von Sarah Lohr, Stellenleiterin):
- Per 31.10.2024 führte der KRSD Region Aarau 695 Beratungskontakte. Davon waren 60% Kurzberatungen (das heisst Beratungen bis zu einer Stunde) und 40% Dossier-Beratungen (das heisst Beratung bis zu 20 Stunden). Aufgerechnet ist bis Ende Jahr mit 800 Beratungskontakten zu rechnen.
- Geht man bei den Dossier-Beratungen von durchschnittlich 10 Beratungsstunden aus und bewertet man diese mit Fr. 50.00, so wurde allein für diese Gruppe Beratungsarbeit im Wert von Fr. 139’000.00 geleistet.
- Geht man bei den Kurzberatungen von einem Durchschnitt von 30 Minuten à Fr. 25.00 aus, kommen nochmals Leistungen im Wert von Fr. 10’425.00 dazu.
- Allein mit der Beratung zahlt sich das Angebot für die Kirchgemeinden daher bereits per 31.10.2024 aus.
- Der KRSD Region Aarau hat im Jahr 2024 bislang 23 Jugendberatungen geführt. Dieses Angebot wird in Anbetracht der bereits getroffenen Sparmassnahmen bei der regionalen Jugendarbeit noch wichtiger.
- Die meisten Anfragen kamen aus Suhr (83), gefolgt von Aarau (77) und Oberentfelden (63). Aus Buchs hatten wir 32 Anfragen. Dies zeigt, dass wir von Personen aus dem ganzen Pastoralraum wahrgenommen und aufgesucht werden.
- Mit der Online-Börse macht der KRSD nachhaltige und karitative Unterstützung für armutserfahrene Menschen möglich und ist damit in den öffentlichen Verwaltungen und bei Drittstellen sichtbar.
- Es findet aktive Vernetzung mit den Fachstellen im Raum Aarau statt, womit die Kirche und deren Engagement noch sichtbarer wird.
2. Ausblick
Am vergangenen Sonntag hat die Kirche das Christkönig-Fest gefeiert. Das alte Kirchenjahr geht in wenigen Tagen zu Ende, und ein neues beginnt am Sonntag. Wir können uns also am Sonntag alles Gute für das neue Kirchenjahr wünschen. In etwa 5 Wochen werden wir auch dem kalendarischen Jahr adieu sagen.
Egal, ob man sich am Kirchenjahr oder am kalendarischen Jahr orientiert: Aus kirchlicher Perspektive geht eine Zeit zu Ende, die erneut von defizitorientierten Debatten geprägt war. Sowohl in den kirchlichen wie auch nichtkirchlichen Medien wurde mit fleissiger Regelmässigkeit über immer neue Rekordzahlen bei den Kirchenaustritten berichtet, die Auflösung kirchlicher Milieus wurde beklagt und das Verschwinden der Volkskirche immer wieder bemüht.
Wenn aber das eine oder das andere offenbar definitiv verschwindet oder sich auflöst, was bleibt dann bzw. was entsteht daraus? Darüber hören wir kaum etwas – auch in den kirchlichen Medien nicht. Und die Vorschläge, die kommen, sind nicht unbedingt ermutigend: Sie bewegen sich zwischen Strukturerstürmung auf der einen und Insolvenzvorschlägen auf der anderen Seite.
All die innerkirchlichen Klagelieder übertönen aber die wichtige Tatsache, dass tatsächlich etwas Neues entsteht bzw. bereits da ist: Aus der Volkskirche wurde eine Kirche der Völker. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes «katholisch» geworden.
Mit katholisch meine ich hier nicht eine kirchenjuristische Bezeichnung im Sinne der Abgrenzung gegenüber anderen Konfessionen. Mit katholisch meine ich das, was «katholisch» ursprünglich bedeutet: die Universalität und die kulturelle Vielfalt unserer Kirche. Das war ein Wesensmerkmal der Urkirche, und das hat der Urkirche das Überleben in einer damals an und für sich aussichtslosen Situation gesichert.
Und wir sind nun, migrationsbedingt, von dieser Urkatholizität auch in der Schweiz eingeholt worden. Die katholische Kirche in der Schweiz war in kultureller Hinsicht noch nie so lebendig und vielfältig, wie sie es heute ist. Schon ein flüchtiger Blick auf das Pfarreileben unserer fünf Pfarreien im Pastoralraum genügt. Und glauben Sie mir: Um diese Vielfalt und die Inklusionsfähigkeit unserer Kirche werden wir von anderen christlichen Gemeinschaften beneidet.
Wir haben heute nicht nur grosse Ähnlichkeiten mit der Urkirche. Wir können von ihr auch viel lernen, wie mit dieser – nicht selten herausfordernder – Vielfalt umzugehen ist. Auch in der Urkirche musste man dieses «Katholisch-Sein» neu lernen. Wie gelang dieser Prozess damals? Auf einen Satz gebracht: Man hatte das ganzheitliche Wohl des Menschen im Blick. Drei Voraussetzung mussten dafür erfüllt werden:
1. Gottes- und Menschen-Dienst
Im Leben der Urkirche war der Dienst am Nächsten kein Selbstzweck, kein humanitärer Akt unter vielen, kein Akt aus einem vorübergehenden Mitleidgefühl oder aus irgendeinem Selbstverwirklichungsdrang. «Man kann Brot auch ohne Liebe geben; aber wenn man Liebe gibt, wird man immer auch Brot geben», so hat es Tolstoi einmal treffend formuliert. Und Jesus bringt das Programm des Gott- und Menschen-Dienens auf zwei Sätze: «Tut dies zu meinem Gedächtnis». «Und was ihr dem Geringsten unter Euch getan haben, das habt Ihr mir getan.» Das ist das eigentliche Programm des Gottes- und Menschen-Dienstes. Das urchristliche Teilen und Dienen geschahen zum Gedächtnis der eigentlichen Mitte einer vielfältigen Gemeinschaft; und diese Mitte war der auferstandene Christus. Sein Auftrag war: «Tut das alles zu meinem Gedächtnis.» Aufgrund dieser Verschränkung von Gottes-Dienst und Menschen-Dienst, von Liturgie/Eucharistie und Diakonie strahlten christliche Gemeinden in der Antike hohe Anziehungskraft auf ihre Umwelt aus. Miteinander ein Mahl feiern, teilen und einander dienen, Gott und den Menschen dienen – dies waren die ersten Voraussetzungen für die christliche Perspektive eines ganzheitlichen Wohls der Menschen.
2. Dialog-Kultur
Zum ganzheitlichen Wohl der Menschen in der Kirche gehört auch, dass man Menschen ernstnimmt, in der Vielfalt ihrer nicht nur materiellen, sondern auch spirituellen, liturgischen, rituellen und kulturbedingten Bedürfnisse. Dialog ist die zweite Voraussetzung für eine ganzheitlich dienende Perspektive auf den Menschen. Innerhalb der Kirche wird zwar viel und zum Teil sehr heftig diskutiert, Dialoge bleiben aber oft aus. Diskussionen folgen oft dem Gesetz des Stärkeren; der oder die Lauteste setzt sich durch, hält sich für unfehlbar; bei solchen Diskussionen wird immer jemand ausgeschlossen, übertönt und nicht gehört; Dialoge hingegen sind inklusiv. Und ein innerkirchlicher Dialog ist heute ein Gebot der Stunde. Tut not.
3. Gutes erzählen
Auf die Menschen mit einem guten Wort, mit Erfreulichem und Mutmachendem zuzugehen; ihnen gute Nachricht überbringen, eine Gegenerzählung zu den allgemeinen Resignations- und Negativschlagzeilen entwickeln. Gegen alle Hoffnungslosigkeit von der Hoffnung erzählen. Das ist die christliche Verkündigung, das Bezeugen des Wortes Gottes als dritte Voraussetzung für das ganzheitliche Wohl der Menschen in der Kirche. Diese drei Dimensionen – Gottes- und Menschen-Dienst, Dialog und Verkündigung – sind miteinander systemisch verschränkt, man darf und kann sie nicht gegeneinander ausspielen.
Das hat auch der Urkirche das Überleben gesichert. Und davon hängt auch die Glaubwürdigkeit und die Zukunft unserer Kirche heute ab.
Das Bewusstsein dafür zu schärfen, brauchen wir in unserer Kirche heute mehr denn je. Wir brauchen keine Strukturstürmer, sondern Bewusstseinstürmer. Denn wir vergessen immer wieder, wer wir sind und was unser Auftrag ist, worin sich dieser Auftrag unterscheidet von anderen Dienstleistungsanbietern, was diesen Auftrag einzigartig macht. Das sollen wir uns immer wieder ins Bewusstsein rufen. Und das wünsche ich uns allen im neuen Kirchen- und im neuen kalendarischen Jahr.
Abschliessend möchte ich einen herzlichen Dank aussprechen: allen Haupt- und Nebenamtlichen sowie freiwillig tätigen Personen, die sich in den Pfarreiteams, in den Ortskirchenpflegen und in der Kreiskirchenpflege engagieren und das kirchliche Leben in seinen vielfältigen Bezügen ermöglichen.
28. November 2024 | Samuel Behloul
Kirchensteuer steigt auf 19 Prozent
Bericht der Jahresversammlung der Kreiskirchgemeinde Aarau 2024
Kirchensteuer steigt auf 19 Prozent
Jahresversammlung der Kreiskirchgemeinde Aarau vom 26. November 2024 in Aarau

149 Stimmberechtigte nahmen an der Jahresversammlung in der Kirche Peter und Paul in Aarau teil.
Die Mitglieder der Römisch-Katholischen Kreiskirchgemeinde Aarau stimmten gestern Abend an ihrer Jahresversammlung in Aarau einer Anhebung der Kirchensteuer auf 19 Prozent zu. Die Erhöhung um einen Prozentpunkt sei angesichts sinkender Mitgliederzahlen und rückläufiger Steuereinnahmen unvermeidbar, erklärte Andreas Pechlaner, Ressortleiter Finanzen der Kreiskirchenpflege. Trotz des neuen Steuerfusses müssten die Ortskirchgemeinden Aarau, Buchs-Rohr, Entfelden, Schöftland und Suhr-Gränichen künftig mit geringeren Mitteln auskommen. Für 2025 sind die Steuereinnahmen mit knapp 8,3 Millionen Franken rund 280’000 Franken tiefer budgetiert als für 2024. Geplante Renovationsarbeiten an kirchlichen Gebäuden würden um zwei Jahre verschoben. Bei der Budgetierung seien zudem sämtliche Sparmassnahmen berücksichtigt worden, die den Grundauftrag der Kirche nicht massgeblich tangierten, so Pechlaner weiter. Für das kommende Jahr rechnet er mit einem ausgeglichenen Budget.
Die Jahresrechnung 2023 wurde von den 149 anwesenden Mitgliedern ohne Gegenstimme genehmigt. Sie schliesst mit einem Aufwandüberschuss von rund 132’000 Franken. Ebenfalls gutgeheissen wurden die Kreditabrechnungen für die Sanierungsarbeiten an den Pfarrhäusern in Aarau und Entfelden, wobei beide Verpflichtungskredite unterschritten wurden.
Für Markus Greiner, Präsident der Kreiskirchenpflege, war die gestrige Versammlung seine letzte. Er tritt per Ende Jahr zurück und beendet damit nach mehr als 16 Jahren seine Behördentätigkeit in der Katholischen Kirche. In seinem Ausblick zur strategischen Entwicklung hob er die Bedeutung hervor, sich den Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft zu stellen. Die Migration habe die Kirchgemeinde Aarau nachhaltig geprägt: Ab den 1950er-Jahren stiegen die Mitgliederzahlen kontinuierlich, und 1972 wurde die Kreiskirchgemeinde mit fünf eigenständigen Ortskirchgemeinden gegründet. Damals seien vor allem Menschen katholischen Glaubens zugezogen, während sich heute eine gegenläufige Tendenz abzeichne. Viele Neuzuzüger hätten keinen Bezug mehr zur Kirche oder gehörten anderen Glaubensgemeinschaften an. Diese Entwicklung sei für die strategische Ausrichtung der Kirche entscheidend. «Vor 60 Jahren sind wir gewachsen, heute schrumpfen wir», resümierte Greiner. Er stellt die derzeitige Struktur der Kreiskirchgemeinde infrage. Langfristig werde sich das Modell mit fünf selbständigen Pfarreien kaum halten lassen. «Der Kreis wird sich schliessen, und wir werden dahin zurückgehen, wo wir hergekommen sind», so der scheidende Präsident.
Zum Abschluss wählten die Stimmberechtigten Fabrizio Collesano aus Suhr-Gränichen und Patrick Herzog aus Entfelden in die fünfköpfige Finanzkommission der Kreiskirchgemeinde Aarau.
Beschlüsse nach Traktanden
- Das Protokoll der Kreiskirchgemeindeversammlung vom 28. November 2023 in Buchs wird genehmigt.
- Die Anpassung der Kirchgemeindeordnung wird einstimmig genehmigt.
- Die Kreditabrechnung «Sanierung und Erneuerung Pfarrhaus Aarau» wird grossmehrheitlich genehmigt.
- Die Kreditabrechnung «Sanierung und Erneuerung Flachdach Pfarrhaus Entfelden» wird ohne Gegenstimme genehmigt.
- Die Jahresrechnung 2023 wird ohne Gegenstimme genehmigt.
- Die Informationen zum Strategieprozess werden zur Kenntnis genommen.
- Das Budget 2025 mit einem Steuerfuss von 19% wird grossmehrheitlich genehmigt.
- Der Finanz- und Investitionsplan 2026–2029 wird zur Kenntnis genommen
- Fabrizio Collesano, Suhr-Gränichen, wird grossmehrheitlich, Patrick Herzog, Entfelden, ohne Gegenstimme in die Finanzkommission der Kreiskirchgemeinde Aarau gewählt.
Gemäss Artikel 32 des Organisationsstatuts der Römisch-Katholischen Landeskirche des Kantons Aarau sind positive und negative Beschlüsse der Kreiskirchgemeindeversammlung der Urnenabstimmung zu unterstellen, wenn dies von einem Fünftel aller oder mindestens 300 Stimmberechtigten innert 30 Tagen, von der Veröffentlichung an gerechnet, schriftlich verlangt wird.
Unter Traktandum 11 berichtete der Leiter des Pastoralraums, Samuel Behloul, aus dem pastoralen Leben in den fünf Pfarreien und den Fachstellen im Pastoralraum.
27. November 2024 | Dani Schranz
«Es braucht ein gegenseitiges Zusammentun.»
Gespräch mit Peter Bernd.

Peter Bernd, Leiter der Pfarrei St. Johannes Buchs-Rohr: «Kreativität sollte immer von der biblischen Vision ausgehen.»
«Es braucht ein gegenseitiges Zusammentun.»
Am 8. Dezember findet in Buchs-Rohr die Einsetzung des neuen Pfarreileiters Peter Bernd statt. Nebst seiner Tätigkeit in der Pfarrei wird er Leitender Priester des Pastoralraums.
Dani Schranz: Bis vor wenigen Wochen warst du Pfarreileiter in Biel, davor in Frenkendorf-Füllinsdorf im Kanton Basel Landschaft. Welche weiteren Stationen in deiner Laufbahn haben dich geprägt?
Peter Bernd: Ganz klar die mehr als zwanzigjährige Ordensmitgliedschaft bei den Pallottinern von 1984 bis 2007. Dazu gehört auch die erste pastorale Zeit in Augsburg, zuerst als Diakon und dann als Kaplan. 1992 wurde ich ordiniert und kam 1996 in die Schweiz nach Fribourg. Da habe ich Philosophie studiert, was einen erheblichen Perspektivenwechsel gezeitigt hat – es eröffnete sich mir beispielsweise eine völlig andere Sicht auf das Mittelalter, eine Relativierung von Thomas von Aquin und damit verbunden eine Relativierung der vermeintlich «unabänderlichen» Theologie.
Was hat dich bewogen, in den Orden der Pallottiner ein- und dann wieder auszutreten?
Ich gehöre zu einer Generation, die stark kirchlich sozialisiert wurde. Mit Beendigung der Schule spürte ich einen starken jugendlichen Idealismus in mir. Ich wollte etwas für Menschen tun und für sie da sein. Und ich hatte eine Faszination dafür, wie man Kirche erleben kann. In der Nähe meines Wohnorts machte ich dann Bekanntschaft mit den Pallottinern und bin in den Orden eingetreten. Anlass für den Wiederaustritt war eine negative Erfahrung mit dem damaligen Provinzial. Der Orden mit seiner eigenen Struktur innerhalb der allgemeinen kirchlichen Struktur wurde mir angesichts meiner eigenen, kritischen Entwicklung zusehends zu eng.
Nun kommst du in einen grossen Pastoralraum mit fünf Pfarreien und einem heterogenen Angebot. Wo möchtest du in deiner Pfarrei Schwerpunkte legen?
Das ist momentan noch schwierig zu sagen. Es gibt ein Zitat von Hilde Domin, das ich gern verwende: «Ich setzte den Fuss in die Luft, und sie trug.» In Buchs wurde ich gleich zu Beginn mit der Tatsache von Sparmassnahmen und Stellenkürzungen konfrontiert. Das ist eine anspruchsvolle Situation, denn das Team mit drei pastoralen Mitarbeitenden ist klein. Also braucht es eine dauerhafte Entwicklung und eine Zusammenarbeit innerhalb des ganzen Pastoralraums.
Geringe finanzielle Mittel erfordern – oder fördern – ein hohes Mass an Kreativität in der Verkündigung.
Ich werde das, was mich beschäftigt, nach aussen bringen. Dazu gehört Grundsätzliches wie eine Website mit den wichtigsten Grundaussage zur Kirche vor Ort. Und dann werde ich sorgfältig sein in der Verkündigung beziehungsweise in der Vielfältigkeit der so genannt befreienden und emanzipatorischen Theologie. Das darzustellen ist herausfordernd. Man kann damit auf Resonanz stossen oder anecken.
Was ist mit Befreiungstheologie gemeint?
Die Befreiungstheologie entwickelte sich ursprünglich aus der Situation der armen Bevölkerung in Lateinamerika beziehungsweise aus der Auseinandersetzung der Kirche mit dieser Armut. Interessant ist, dass sich die Befreiungstheologie im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil entwickelt hat, welches als erstes aller ökumenischen Konzile die eigentliche, zentrale Botschaft des Evangeliums behandelte, nämlich die Rede vom Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit. Es geht dabei um die Entwicklung einer Gesellschaft, in der alle Menschen als gleichwertig angesehen werden. Das bedeutet, dass eine solche Theologie die Zeichen der Zeit im Lichte des Evangeliums deutet. In diesem einen Satz steckt im Grunde schon die Programmatik, die dann als vorrangige biblische Option zugunsten der Armen und Benachteiligten entwickelt wurde. Das ist eine ständige Herausforderung mit der eigenen Gesellschaft. Der Zustand unserer Gesellschaft ist alles andere als paradiesisch und kann nicht endgültig sein. Wie kaum je zuvor leben die Menschen in Angst, dass die Lebensgrundlagen weltweit bedroht sind. Da muss sich die Kirche als verbindende Stimme hörbar machen und sich vernetzen.
Nebst dem Amt als Pfarreileiter wirst du ebenfalls Leitender Priester im Pastoralraum. Welche Aufgaben kommen da auf dich zu?
Es ist vereinbart, dass die Rolle des Leitenden Priesters in den fünf Pfarreien sichtbar wird und ich in Kontakt trete mit den Menschen durch die «Feier des subversiven Sonntags». So wird die Eucharistiefeier gelegentlich befreiungstheologisch als Symbolhandlung definiert – gewissermassen als Gegenbild dazu, wie die Gesellschaft funktioniert. Damit ist mein Pensum schon fast aufgebraucht. Aber ich glaube, dass der gesamte Pastoralraum in Entwicklung ist und sich damit auch die Rollen und Aufgaben im gegenseitigen Einvernehmen verändern dürfen.
Wie kann sich der Pastoralraum entwickeln, damit er deinen Vorstellungen entspricht?
Ich finde es interessant, an verschiedenen Orten zu arbeiten, aber ich finde das Setzen von thematischen Schwerpunkten wichtig. Die Menschen vor Ort haben unterschiedlichste Begabungen. Die Pfarrei in Aarau beispielsweise ist gross genug, um vor Ort vieles zu entwickeln. Das gelingt in den kleineren Pfarreien weniger gut. Hier braucht es ein gegenseitiges Zusammentun und Zusammendenken. Sonst läuft man Gefahr, in immer gleichen kleinräumigen Abläufen steckenzubleiben und keine neuen inhaltlichen Akzente zu setzen. Es wäre meiner Meinung nach wichtig, dass man dies vermeidet. Das bedeutet auch: Im Reden übers Sparen allein liegt schon die Gefahr, eine Abwärtsspirale in Gang zu setzen. Da braucht es Kreativität. Und die sollte immer von der biblischen Vision ausgehen, aus der sich mutige Perspektiven finden lassen.
22. November 2024 | Dani Schranz
Regionales Jugendtreffen
Freitag, 21. November, in Buchs
Regionales Jugendtreffen
Freitag, 21. November, in Buchs

Thema: Advent
Für Jugendliche der Oberstufe
Ort Pfarreizentrum Buchs
Zeit 18.30–21.00 Uhr
Leitung Regio-Team
Kosten kostenlos
Keine Anmeldung erforderlich.
Weihnachtsoratorium
Uraufführung am 15. Dezember

Weihnachtsoratorium von Jutta und René Dublanc – Uraufführung
Der Kirchenmusiker René Dublanc hat zu Texten seiner Frau Jutta ein Weihnachtsoratorium komponiert, das am 15. Dezember in der Ref. Kirche Schöftland uraufgeführt wird. An Weihnachten und am 12. Januar folgend weitere Aufführungen in der Kath. Kirche in Schöftland.
Dani Schranz: Für alle, die im Musikunterricht nicht so gut aufgepasst haben: Was ist ein Oratorium?
René Dublanc: Ein Oratorium ist eine musikalische Form eines Gebets, bei dem man sich in einen religiösen Inhalt vertieft. Bei einem Weihnachtsoratorium ist es das weihnächtliche Geschehen, das in der Musik betrachtet und dargestellt wird.
Es gibt bereits unzählige klassische Meisterwerke. Was hat euch motiviert, ein Oratorium zu schreiben?
Jutta C. Dublanc: Das Weihnachtsoratorium hat den Ursprung im «Oratorium zu Tod und Auferstehung, das 2020 während Corona entstanden ist. Nun haben wir gedacht: Wenn wir schon ein Osteroratorium geschrieben haben, warum schreiben wir nicht eins zu Weihnachten?
Welche Botschaft wollt ihr vermitteln?
Jutta: Die zentrale Botschaft ist, ganz kurz zusammengefasst, «Immanuel, Gott ist mit uns».
Zuerst entstand der Text, dann die Musik. Ist es einfacher, Musik zu einem bestehenden Text zu komponieren als «auf der grünen Wiese» zu beginnen?
René: Ja, ganz klar, es ist für mich der natürlichere Weg. Als Musiker brauche ich eine Inspiration, eine Thematik, die ich darstellen kann. So fangen Klänge und Bilder in mir an zu wachsen. Die Texte von Jutta lehnen sich an die weihnächtliche Geschichte an und holen sie in die heutige Zeit hinein. Maria ist eine vitale, offene und selbstbewusste Frau. Jutta fragt, was uns die Weihnachtsgeschichte heute sagen kann. So entsteht eine Botschaft, welche von der Solistin in Gestalt als Maria oder als Erzengel Gabriel überbracht wird und vom Chor als «Leute von heute» aufgenommen und verinnerlicht wird.
Wie kam es zur Besetzung mit Sologesang, Chor, Oboe, Violine, Violoncello und Klavier?
René: Oboe und Violine verbinden sich klanglich ideal mit chorisch oder solistisch besetzten Vokalstimmen. In Vor-, Zwischen- und Nachspielen ergänzen und intensivieren sie die Botschaften stimmungsvoll. Klavier und Chor prägen mit ihren Harmonien die vielfältigen Stimmungen des Werks, während das Cello das tragende Fundament darunterlegt.
Das Weihnachtsoratorium ist euer Abschiedsgeschenk an die Pfarrei Schöftland.
René: Ja, das kann man so sagen. Nächstes Jahr sind es 50 Jahre, dass ich als Kirchenmusiker arbeite. Im Juni gehe ich in Pension. Das Oratorium wird nun zu meiner letzten Weihnacht in Schöftland uraufgeführt.
Aufführungen
- Sonntag, 15. Dezember, 17.30 Uhr, Ref. Kirche Schöftland, Bahnhofstrasse 1, Uraufführung
- Weihnachten, 25. Dezember, 10 Uhr, Katholische Kirche Schöftland, Birkenweg 8
- Sonntag, 12. Januar 2025, 10 Uhr, Katholische Kirche Schöftland, Birkenweg 8
Eintritt frei, Kollekte.
Mehr adventliche Musik
Zu Ehren des 100-Jahr-Kompositions-Jubiläums bringt die Aargauer Kantorei das Werk «Le Laudi» des Aargauer Komponisten Hermann Suter (1870–1926) zur Aufführung. Stadtkirche Aarau, Donnerstag und Freitag, 12. und 13. Dezember, 19.30 Uhr, Vorverkauf via Aargauer Kantorei
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Versammlung der Kreiskirchgemeinde 2024
Versammlung der Kreiskirchgemeinde Aarau 2024
Dienstag, 26. November 2024, 19.30 Uhr in der Kirche Peter und Paul, Aarau
Traktanden
- Protokoll der Kreiskirchgemeindeversammlung vom 28. November 2023 in Buchs
- Anpassung Kirchgemeindeordnung
- Kreditabrechnung: Sanierung und Erneuerung Pfarrhaus Aarau
- Kreditabrechnung: Sanierung und Erneuerung Flachdach Pfarrhaus Entfelden
- Jahresrechnung 2023: Erfolgsrechnung, Anhang zur Jahresrechnung und Bilanz
- Strategieprozess – Informationen
- Budget 2025
- Finanz- und Investitionsplan 2026–2029 zur Kenntnisnahme
- Wahl neuer Mitglieder der Finanzkommission der Pfarreien Suhr-Gränichen und Entfelden
- Informationen aus der Kreiskirche Aarau
- Informationen aus dem Pastoralraum Region Aarau
- Verschiedenes und Umfrage
Beschlüsse sind rechtskräftig
Niemand hat von dem Recht Gebrauch gemacht, die Beschlüsse der Versammlung der Kreiskirchgemeinde Aarau vom 26. November 2024 in Aarau einer Urnenabstimmung zu unterstellen. Somit sind sie nach Ablauf der Referendumsfrist von 30 Tagen in Rechtskraft erwachsen.
1. Protokoll der Kreiskirchgemeindeversammlung vom 28. November 2023 in Buchs
Antrag
Das Protokoll der Kreiskirchgemeindeversammlung vom 28. November 2023 sei zu genehmigen.
2. Anpassung Kirchgemeindeordnung
Die aktuelle Kirchgemeindeordnung der Kreiskirchgemeinde Aarau sieht vor, das das Präsidium einer Ortskirchenpflege (OKP) von Amtes wegen auch Mitglied der Kreiskirchenpflege (KKP) ist. Um die Arbeitslast besser zu verteilen, soll neu jedes Mitglied einer OKP von der OKP an der konstituierenden Sitzung für die Dauer einer Amtsperiode zum Mitglied der KKP gewählt werden können. Im Falle eines Rücktritts eines Mitglieds aus der KKP während der Amtsperiode wählt die OKP das neue Mitglied der KKP bis zum Ende der laufenden Amtsperiode.
Die Änderungen der Kirchgemeindeordnung im Detail:
B. Organisation und Zuständigkeit der Kreiskirchgemeinde
§ 2 Organisation
(bisher)
2 — Die Kreiskirchenpflege besteht aus
a) den fünf Präsidentinnen oder Präsidenten der Ortskirchenpflegen;
b) der Pastoralraumleiterin oder dem Pastoralraumleiter;
c) einer Pfarreileiterin oder einem Pfarreileiter der fünf angeschlossenen Pfarreien, wobei die Pfarreileiterinnen und Pfarreileiter diese Person selber bestimmen.
(neu)
2 — Die Kreiskirchenpflege besteht aus
a) den fünf von den jeweiligen Ortskirchenpflegen aus der eigenen Mitte gewählten Mitgliedern;
b) der Pastoralraumleiterin oder dem Pastoralraumleiter;
c) einer Pfarreileiterin oder einem Pfarreileiter der fünf angeschlossenen Pfarreien, wobei die Pfarreileiterinnen und Pfarreileiter diese Person selber bestimmen.
Antrag
Die Änderung der Kirchgemeindeordnung sei zu genehmigen.
3. Kreditabrechnung: Sanierung und Erneuerung Pfarrhaus Aarau
Im Jahr 2020 konnte die einjährige Planungsphase für die Sanierung und Erneuerung des Pfarrhauses Aarau (Baujahr 1797) abgeschlossen werden. Die Kreiskirchgemeindeversammlung beschloss am 24. November 2020 einen Verpflichtungskredit von CHF 903’000 für die Sanierung und Erneuerung des Pfarrhauses.
Im Frühjahr 2021 konnte mit den nicht baubewilligungspflichtigen Bauarbeiten begonnen werden. Aufgrund des längeren Baubewilligungsverfahrens – obwohl keine Einwendungen eingingen – begannen die Bauarbeiten erst im Herbst 2021. Sie konnten im Herbst 2023 abgeschlossen werden. Es wurden hauptsächlich folgende Bauarbeiten ausgeführt: Ersatz der Fenster im 2. Obergeschoss, Isolation des Dachbodens, Malerarbeiten, Empfangsbereich und Einbau von neuen WC-Anlagen im Westtrakt, neues Schliesssystem und Kellerbelüftung.
Die Kreditunterschreitung von CHF 105’799.06 bzw. 11,72% ist auf günstigere Vergaben in allen Sparten zurückzuführen. Die Reserven mussten nicht beansprucht werden. Auch war die Bauteuerung für diese Arbeiten nur moderat. Zudem beteiligte sich die kantonale Denkmalpflege mit CHF 39’524.00 an den Umbauarbeiten.
Antrag
Die Kreditabrechnung für die Sanierung und die Erneuerung des Pfarrhauses Aarau von CHF 797’200.94 sei zu genehmigen.
4. Kreditabrechnung: Sanierung und Erneuerung Flachdach Pfarrhaus Entfelden
Das bekieste Flachdach des Pfarrhauses in Oberentfelden neben der Kirche St. Martin hat seine Lebensdauer erreicht und ist undicht geworden. Dies zeigten die durchgeführten Sondierungsarbeiten. Die Kreiskirchgemeindeversammlung (KKGV) bewilligte am 23. November 2021 einen Verpflichtungskredit von brutto CHF 100’000 (inkl. MWST.), zuzüglich allfälliger Teuerung. Ein an der KKGV gestellter Antrag, das Flachdach des Pfarrhauses sei zusätzlich mit einer Photovoltaikanlage zu versehen, lehnte die Versammlung wegen nicht eingestelltem Kredit ab. Der Ressortvorsteher versicherte, dass soweit möglich Vorbereitungsarbeiten für die spätere Installation einer Photovoltaikanlage gemacht würden. Es sprachen lediglich finanzielle Gründe gegen diesen Antrag. Sachlich war er unbestritten.
Im Jahr 2022 wurde die Dachhaut ersetzt und wieder bekiest. Gleichzeitig wurde das Dach isoliert. Es wurden hauptsächlich folgende Arbeiten ausgeführt: Baustelleninstallation (Gerüste, Aufzugseinrichtungen, Geländer), Entfernen der Kiesschichten, der Betonplatten und der Dachfolie, Isolation, Verlegen der neuen Dachhaut und der Randbleche, Absturzsicherungen für Kontroll- und Unterhaltsarbeiten, Anpassungen der Fassade usw.
Mit dem baulichen Unterhalt für das Jahr 2023 wurde ein Zahlungskredit von CHF 20’000 für eine Photovoltaikanlage für das Dach des Pfarrhauses eingestellt. Die Anlage wurde im Jahr 2023 installiert und in Betrieb genommen.
Die geringe Kreditunterschreitung von CHF 2’621.65 oder 2.62 % ist vor allem auf die effiziente Bauausführung und auf eine kostengünstige Arbeitsvergabe zurückzuführen.
Antrag
Die Kreditabrechnung für die Sanierung und die Erneuerung des Daches des Pfarrhauses Entfelden von CHF 97’378.35 sei zu genehmigen.
5. Jahresrechnung 2023
Die Jahresrechnung 2023 der Römisch-Katholischen Kreiskirchgemeinde Aarau schliesst bei einem Steuerfuss von 18 % mit einem Aufwandüberschuss von CHF 131’890.32 ab. Hauptsächlicher Grund für das negative Ergebnis sind die CHF 622’000 (rund 7 %) unter dem Budget liegenden Steuererträge. Dank tieferer Kosten in praktisch allen Funktionen und reduzierter Abschreibungen konnte der Fehlbetrag zu rund 80 % aufgefangen werden.
Der Jahresverlust wird dem Eigenkapital belastet.
Antrag
Die Jahresrechnung 2023, bestehend aus Erfolgsrechnung, Anhang zur Jahresrechnung und Bilanz, und die Zuweisung des Aufwandüberschusses auf das Konto Eigenkapital seien zu genehmigen und die Verantwortlichen seien zu entlasten.
6. Strategieprozess – Informationen
Der Präsident, Markus Greiner, informiert über den durchgeführten Strategieprozess der Kreiskirchenpflege.
7. Budget 2025
Aufgrund der Ergebnisse aus den Rechnungsjahren 2022 und 2023 ist mit einem weiteren Rückgang der Steuererträge zu rechnen. Trotz der 2024 eingeleiteten Sparmassnahmen sieht sich die Kreiskirchenpflege für das Budgetjahr 2025 leider gezwungen, den Steuersatz von 18% auf 19% zu erhöhen. Nur so kann sie weiterhin das seelsorgerische Angebot auf dem heutigen Niveau aufrechterhalten.
Der Steuerertrag von knapp CHF 8,3 Millionen berücksichtigt zwar diese Erhöhung, ständig sinkende Mitgliederzahlen beeinflussen diesen jedoch nachteilig. Ein leicht tieferer Personalaufwand sowie strikte Sparmassnahmen bei sämtlichen Kostenstellen ergeben ein leicht positives Jahresergebnis von CHF 1343.–.
Antrag
Das Budget 2025 sei mit einem Steuerfuss von 19 % zu genehmigen.
8. Finanz- und Investitionsplan 2026–2029 zur Kenntnisnahme
Die Sicherung der Liquidität und die Vermeidung weiterer Kreditaufnahmen haben oberste Priorität. Weiterhin rückläufige Steuereinnahmen machen die Erhöhung des Steuerfusses von 18% auf 19% unumgänglich, bis die notwendigen strukturellen Massnahmen greifen. Ebenso muss dem weiterhin stetigen Rückgang der Mitgliederzahlen hohe Beachtung geschenkt werden.
Der Personalaufwand wurde durch natürliche Fluktuation – namentlich Pensionierungen – stetig reduziert. Beim Sachaufwand sind für die Folgejahre konsequent Einsparungen von 1% und Jahr vorgesehen.
Die Renovations- und Instandhaltungsarbeiten in der Kirche Peter und Paul in Aarau und im Töndler in Gränichen, die durch die Kreditvergabe an der KKGV 2023 genehmigt worden sind, werden erst ab dem Jahr 2027 ausgeführt.
Die hohe Abschreibung im Budget 2025 ist auf die Entnahme aus dem Renovationsfonds (Sanierung Kirche Schöftland) aufgrund der Aktivierung des Kredits zurückzuführen.
9. Wahl neuer Mitglieder der Finanzkommission der Pfarreien Suhr-Gränichen und Entfelden
In der fünfköpfigen Finanzkommission der Kreiskirchgemeinde Aarau nimmt eine von der Kreiskirchgemeindeversammlung gewählte Person pro Pfarrei Einsitz. In zwei Ortskirchgemeinden ist der Sitz in der Finanzkommission gegenwärtig vakant.
Anlässlich der Gesamterneuerungswahlen im November 2022 blieb der Sitz für die Pfarrei Suhr-Gränichen unbesetzt. Mit Fabrizio Collesano konnte nun ein Nachfolger für Herbert Waser, welcher die Pfarrei Suhr-Gränichen bis Ende 2022 in der Finanzkommission vertreten hatte, gefunden werden.
Für die Pfarrei Entfelden wurde 2022 Simone Kräuchi als Nachfolgerin von Martha Werthmüller in die Finanzkommission gewählt. Durch ihren Stellenantritt als Sekretärin auf dem Pfarramt in Entfelden musste sie anfangs 2024 von Amtes wegen aus der Finanzkommission ausscheiden. Als Nachfolger stellt sich Patrick Herzog zur Wahl.

Fabrizio Collesano, Suhr-Gränichen (neu)

Patrick Herzog, Entfelden (neu)
10. Informationen aus der Kreiskirche Aarau
Bericht des Präsidenten
Ressort Personal
11. Informationen aus dem Pastoralraum Region Aarau
Ressorts und Fachstellen des Pastoralraums
Wegbegleitung
Jugendarbeit
Website
Jugendarbeit ›
Externe Fachstellen
Jahresbericht der Kirchlichen Regionalen Sozialdienste KRSD Region Aarau 2023
Pfarreien des Pastoralraums
Pfarrei Peter und Paul Aarau
Vorher – nachher
Pfarrei St. Johannes Buchs-Rohr
Gemeinschaft stärken
Pfarrei St. Martin Entfelden
Generationenverbindend
Pfarrei Heilige Familie Schöftland
Wir bleiben Träumende
Pfarrei Heilig Geist Suhr-Gränichen
Gott mag es bunt.
12. Verschiedenes und Umfrage
Bericht des Präsidenten
Bericht des Präsidenten
Liebe Mitglieder im Pastoralraum Region Aarau,
als Präsident der Kreiskirchenpflege Aarau darf ich Sie herzlich einladen zur Versammlung der Kreiskirchgemeinde Aarau vom Dienstag, 26. November 2024, 19.30 Uhr in der Katholischen Kirche Peter und Paul in Aarau. Wir freuen uns auf Ihr Mitmachen, Mitdenken, Mitdiskutieren und Mitentscheiden.

Markus Greiner, Präsident der Kreiskirchgemeinde Aarau
Gegenwärtig leben rund 18 300 Mitglieder in den fünf Pfarreien unseres Pastoralraums. 79 Mitarbeitende in Aarau, Buchs-Rohr, Entfelden, Schöftland und Suhr-Gränichen arbeiten für das Grundangebot des christlichen Lebens: den Dienst am Mitmenschen, die Verkündigung der Frohen Botschaft, die Liturgie und das gemeinschaftliche Unterwegssein. An dieser Stelle möchte ich zuerst Ihnen, liebe Mitglieder, für Ihre Unterstützung danken und ebenfalls all unseren Mitarbeitenden für ihren tatkräftigen Einsatz.
Rückblick
Wenn Sie diesen Bericht lesen, fällt ihn wahrscheinlich unser neues Logo gar nicht auf. Unser Kommunikationsbeauftrage hat das Erscheinungsbild feinfühlig modernisiert, entrümpelt, den Schriftzügen eine einfache Klarheit verschafft und gleichwohl die Identität gestärkt. Und dass sich das Logo nicht in den Vordergrund drängt, ist beabsichtigt und schafft doch mehr Einheitlichkeit unter der Ortskirchen. Obendrein spart es noch Druckfarbe, weil die neue Farbgebung bewusst so gewählt wurde.
Für die Kreiskirchenpflege hat das Jahr 2024 mit der Erkenntnis begonnen, dass die Steuereinnahmen 2023 deutlich unter dem Budgetwert lagen, und zum ersten Mal mussten wir im April ein neues, um 5 Prozent gestrafftes Budget unter Jahr erstellen. Dies ist dank der guten Vorarbeit der Geschäftsstelle und den Anstrengungen aller Ortskirchenpflegen gelungen. Leider mussten infolgedessen geplante Bauvorhaben aufgeschoben werden.
Anfang 2024 wurde unser Fond-Reglement nach Hinweisen der Revision überarbeitet und von der Kreiskirchenpflege verabschiedet. Das Reglement beschreibt die Verantwortlichkeiten und Abläufe im Umgang mit unseren Fonds, welche übrigens in der Bilanz jeweils ersichtlich sind.
Ebenfalls begannen wir im Frühjahr damit, unsere Strategie für die nächsten fünf bis zehn Jahre zu erarbeiten. Der Prozess wurde durch eine externe Moderation unterstützt. Zwei Themen sind zentral: der stetige Rückgang der Mitglieder und der daraus resultierende sinkende Steuerertrag sowie der sich abzeichnende, drastische Mangel an Personal für kirchliche Stellen. Wir können dies als äusseren Zwang, als Last und Problem auffassen. Wir können dies aber auch als spannende Aufgabe betrachten, wir können neue Schwerpunkte setzen, wir können Altgedientes frisch hinterfragen und gegebenenfalls würdevoll abschliessen. So kann Neues gedeihen.
Das Tempo, mit dem wir diese Veränderungen vorantreiben, hat in der Kreiskirchenpflege zu grossen Diskussionen geführt. Während einige Mitglieder ungeduldig wurden, wiesen andere darauf hin, dass wir hier «viele Menschen mitnehmen müssen».
Ausblick
Von 2022 auf 2023 ist unsere Mitgliederzahl um 3 Prozent geschrumpft, und die Steuererträge sinken mittelfristig auf unter 8 Millionen. Das bedeutet: In den nächsten fünf bis zehn Jahre wird sich das Angebot in den Pfarreien verändern. Vielleicht werden wir die Anzahl Gottesdienste reduzieren oder über neue Nutzungen unserer Gebäude nachdenken müssen. Eventuell ergeben sich neue Formen der Seelsorge und der Gemeindeleitung.
Anpassung des Steuerfusses
Vor etlichen Jahren wurde unter dem damaligen Kreiskirchenpflegepräsidenten René Spielmann und dem Leiter der Finanzen, Stefan Elmiger, der Steuerfuss von 19% auf 18% reduziert mit der Aussicht, ihn gegebenenfalls wieder zu erhöhen, sollte dies erforderlich sein. 2025 ist dieser Zeitpunkt gekommen. Die Kreiskirchenpflege beantragt, den Steuerfuss um 1% von 18% auf 19% zu erhöhen, um die Steuereinnahmen 2025 auf dem Niveau von 2024 zu halten. Die Erhöhung muss selbstverständlich einhergehen mit der Zusage der Kreiskirchenpflege, mit diesen Mitteln äusserst haushälterisch umzugehen und den Weg in die Zukunft aufzuzeigen.
Aber ich möchte keineswegs ein düsteres Bild malen. Schon heute werden in all unseren fünf Pfarreien auf je eigene Art mit neuen Formen experimentiert, was mich sehr zuversichtlich stimmt. Um ein Bild von Brigitta Minich heranzuziehen: Betrachten wir uns als ein Zukunftslabor, in dem wir uns mutig getrauen, Altes loszulassen und mit neuen Formen des Gemeindelebens und der Spiritualität kreativ zu experimentieren. Die Fähigkeiten hierzu steckt in uns allen.
Denn wie schon letztes Jahr an dieser Stelle geschrieben: Die wichtige Arbeit findet nicht in Sitzungen statt, sondern vor Ort in den Pfarreien. Wenn unsere Gemeindemitglieder dort fruchtbare Begegnung und gemeinsames Teilen erleben, wenn erzählt wird, und wenn Gespräche heilen können – dann hat die Kreiskirchenpflege ihre Arbeit im Hintergrund geleistet.
Ein Wort in eigener Sache
Ich werde mich, wie bereits kommuniziert, auf Ende 2024 nach über 16 Jahren in verschiedenen Aufgaben der Orts- und Kreiskirchenpflege von diesen Ämtern verabschieden. Ich habe viele inspirierende Menschen kennenlernen und spannende Diskussionen führen dürfen, und ich danke allen für Ihre Gedanken und unsere Gespräche.
25. Oktober 2024 | Markus Greiner
Strategieprozess 2024
Strategieprozess
An der Kreiskirchgemeindeversammlung 2023 haben wir – auch auf Hinweis der Finanzkommission – zugesagt, eine Strategie für unsere Kreiskirchgemeinde zu erarbeiten. Wo sehen wir uns in fünf bis zehn Jahren? Und wie kommen wir dorthin? Das fängt mit einer gemeinsamen Vision an, so etwas wie der Stern von Bethlehem, auf den sich die Heiligen Drei Könige auf unwegsamen Wegen hinbewegt haben.
Unterstützt von einem externen Moderator und zusätzlich ergänzt durch eine weitere erfahrene Person hat die Kreiskirchenpflege diesen Prozess im April 2024 gestartet. Fünf Gruppen (Pastoral, Personal, Liegenschaften, Finanzen, Verwaltung) haben zusammen mit Vertretern aus den Ortskirchen Vorschläge erarbeitet, die wir gemeinsam an einer Retraite im Mai zusammengeführt haben.
Unsere Vision kann so formuliert werden:
Vision
Der Pastoralraum Region Aarau ist ein lebendiger und vielfältiger Raum, der sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert und ihnen auf flexible, mobile und innovative Weise begegnet. Wir streben an, eine wandernde Kirche zu sein, die sowohl spirituelle, seelsorgerische und liturgische als auch diakonische Angebote bereitstellt und dabei eine Atmosphäre der Geborgenheit und Beheimatung schafft. Unsere Organisation ist agil und wird unterstützt durch viele Freiwillige. Wir zelebrieren die Vielfalt und orientieren uns an den sich wandelnden Bedürfnissen der Menschen.
Wege
Es gibt viele Wege dorthin. Wir begeben uns auf diese Reise mit einem vollen Rucksack, gefüllt mit unseren Ressourcen. Aber es gibt auch Stolpersteine, finanzielle Rahmenbedingungen, und sicher müssen wir unterwegs auch Ballast zurücklassen, um leichter zu wandern. Diesen Weg und seine Umgebung haben wir skizziert.
Szenarien
Bei einem Blick in die Zukunft hilft es, in Szenarien zu denken: Wie stellen wir uns die Zukunft vor, a) wenn wir nichts tun? b) bestenfalls? c) schlimmstenfalls?
Bei allen Differenzen und Diskussionen ist sämtlichen Teilnehmern der Retraite ein Punkt schnell klargeworden: Noch haben wir Spielraum, unsere Zukunft selbst zu gestalten und nicht von finanziellen Zwängen Getriebene zu sein. Aber Handeln ist dringend notwendig.
Handeln
Wie sehen die konkreten Schritte aus, die wir näher untersuchen?
- Gemeinsamer Einkauf von Verbrauchsmitteln, Putzmitteln, Papier usw.
- «Pools» von Mitarbeitenden mit ähnlichen Aufgaben bilden (Musik, Sekretariate), die sich ortskirchenübergreifend aushelfen
- Prioritäten setzen beim Liegenschaftsportfolio – von Umnutzung bis zu Verkauf müssen alle Optionen in Betracht gezogen werden
- Angebote der Pfarreien konzentrieren und entrümpeln, um Platz für Neues zu schaffen
Zufrieden?
Bin ich als Präsident mit dem Erreichten zufrieden? Nicht ganz.
Einerseits entstehen in den Pfarreien tolle neue Angebote, wie das wunderbar spontane, kreative «Minich und du», oder die erfolgreichen Vollmondnächte in Aarau und neue Formen der Gottesdienste in Entfelden.
Für mich geht unser Strategieprozess aber zu langsam. Ich musste lernen, dass es – wie in der Musik – verschiedene Tempi gibt. Denn: Wir wollen alle Menschen abholen und mitnehmen auf unseren Weg zur Vision.
25. Oktober 2024 | Markus Greiner
Jahresbericht Aarau 2024
Vorher – nachher
Als ich vor über 25 Jahren in der Schweiz anfing, war das Schema in der Pfarrei ungefähr so: Jedes Jahr fanden die gleichen Pfarreianlässe statt, und dazwischen gab es ein bis zwei Jubiläen oder andere Ausnahmeereignisse. Ansonsten wechselte man einfach die Daten im «Pfarrblatt» und zog die To-Do-Liste des Vorjahres heraus.
Auch bei den Stellenbesetzungen sprach man von Vorgänger*in und Nachfolger*in. Angestellt wurde fast immer «tüpfli-glich», also auf Punkt und Komma gleich. Das heisst: Die bewährten Prozente in Seelsorge und Liturgie, Katechese und Sekretariat, Hausdienst und Kirchenmusik blieben gleich in Inhalt und Umfang, nur die Namen der Mitarbeitenden wechselten alle paar Jahre.
Betrachte ich nun die vergangenen Jahre in der Pfarrei Peter und Paul, dann ist zu sehen, dass es nicht nur im sichtbaren Bereich wie dem Umbau des Foyers im Offenen Pfarrhaus, der Eröffnung des Café Paula, der Umgestaltung der Aarestube zur Feerstube (Eröffnung Ende November) oder in der neuen und sich immer erweiternden Umgestaltung des Aussenraumes hin zu mehr Biodiversität Veränderungen gibt. Sondern auch in den Schwerpunktsetzungen der Arbeitsbereiche werden wir immer dynamischer und passen uns den verändernden Bedürfnissen der Menschen und der Pfarrei an. Aber erfreulicherweise bleiben die Mitarbeitenden dieselben. Seit vielen Jahren hatten wir im Sommer 2024 erstmals keine Personalwechsel. Das Team ist – wie auch die 250 Freiwilligen – motiviert und engagiert. Sie sind die Basis unseres vielfältigen Angebotes. Ein Blick auf unser Schaufenster oder die Website zeigt das. Und die nächsten Jahre werden wir uns weiter in diese Richtung bewegen.
Es stellt sich stets die Frage: Was ist unser Grundangebot? Wo können und müssen wir uns neu orientieren? Welche Angebote werden mehr, welche weniger genutzt? Und was sind die Gründe? Damit das Sichtbare auch hier sichtbar wird, hier einige Vorher-nachher-Fotos des Jahres 2024:
10. Oktober 2024 | Burghard Förster
Personelles 2024
Personelles
Stellenbesetzung
Auch im Jahr 2024 konnten wir die vakanten Stellen mit neuen, motivierten Mitarbeitenden besetzen. Der Pastoralraum Aarau ist als vielseitiger, spannender und interessanter Arbeitgeber in der Region bekannt. Auf grosse Aufmerksamkeit stiess vor allem die Neubesetzung der Leitung in Buchs-Rohr. Diakon und Pfarreileiter Marco Heinzer hat sich nach 11 Jahren im Amt entschieden, nochmals einen Neuanfang zu wagen. In Zusammenarbeit mit dem Bistum konnten wir einen Nachfolger gewinnen, der zusätzlich die Aufgabe des Pastoralraumpriesters übernehmen wird. Ebenfalls in Buchs-Rohr mussten wir im Sommer 2024 Elisabeth Zürcher Heil als Seelsorgerin verabschieden. Letztes Jahr konnten wir ihr noch zur erfolgreich abgeschlossenen Berufseinführung gratulieren.
Der Stellenmarkt ist im Bereich pastoraler Berufe nach wie vor ausgetrocknet. Wir sind deshalb froh, dass wir einige Abgänge durch interne Lösungen in einer guten Qualität kompensieren konnten und sich die Mitarbeitenden pflichtbewusst ortskirchenübergreifend organisieren.
Personalstruktur
Im Zuge des Strategieprozess haben wir uns eingehend mit der Personalstruktur auseinandergesetzt. Eine besorgniserregende Erkenntnis ist die Altersstruktur der Mitarbeitenden. Das Durchschnittsalter liegt bei 52 Jahren, eine Lücke besteht bei den 30- bis 50-Jährigen. Wir müssen weiterhin daran arbeiten, für diese Altergruppe attraktive Arbeitsplätze mit guten Sozialleistungen anzubieten. Grosszügige Kinderzulagen werden bereits heute entrichtet.
Alle Pfarreileitenden im Pastoralraum erreichen in fünf bis sieben Jahren das Pensionsalter. Es wird anspruchsvoll werden, geeignete Nachfolgerinnen und Nachfolger zu finden. Hier sind neue Ansätze gefragt.
Ebenfalls wurden neue Ideen angedacht, wie sich der Personaleinsatz optimieren lässt. So ist die Idee eines Musikerpools entstanden. Sie wird zurzeit umgesetzt. Ähnliche Modelle lassen sich auch für andere Berufsgruppen erarbeiten. Regelmässige Treffen, um Erfahrungen auszutauschen, finden bereits unter den Pfarreisekretärinnen, den Hauswarten und den Sakristeien statt.
Angesichts der finanziellen Situation können leider 2025 die Saläre nicht erhöht werden. Aber wir unterstützen die Mitarbeitenden weiterhin mit den über den Empfehlungen der Landeskirche liegenden Ansätzen der Pensionskassenbeiträge, Krankentaggeldversicherung und den oben erwähnten Kinderzulagen.
Mutationen (Dezember 2023 bis November 2024)
Pensionierungen
- Rita Brunner, Pfarreisekretärin, Schöftland
Ausgetreten und weitergegangen sind folgende Mitarbeitende
- Martha Lüscher, Pfarreisekretärin, Entfelden
- Lukas Sehr, Chorleiter, Entfelden
- Susanne Nuttli, Organistin, Buchs-Rohr
- Grimoaldo Macchia, Organist, Suhr-Gränichen
- Camille Thérèse Marie Thoorens, Chororganistin, Entfelden
- Albert Jakaj, Priesterlicher Mitarbeiter, Aarau
- Elisabeth Myriam Zürcher Heil, Pfarreiselsorgerin, Buchs-Rohr
- Victoria Dvorak, Sakristanin, Aarau
- Marco Heinzer, Pfarreileiter, Buchs-Rohr
- Michael Jehle, Praktikant Soziale Arbeit, Aarau
Ihnen allen ein herzliches Dankeschön und Gottes Segen auf ihrem weiteren Weg.
Neue Mitarbeitende im Pastoralraum
- Simone Kräuchi. Pfarreisekretärin, Entfelden
- Mirko Richard Gerd Rechnitzer, Chorleiter, Entfelden
- Michael Jehle, Praktikant Soziale Arbeit, Aarau
- Mirjam Dörfer, Religionspädagogin, Schöftland
- Halldór Bjarki Arnarson, Organist, Suhr-Gränichen
Den neuen Mitarbeitenden ein herzliches Willkommen! Viel Freude und Befriedigung bei ihrer Arbeit.
Ich freue mich sehr über die erfolgreiche Besetzung aller Stellen und möchte meinen aufrichtigen Dank an die Gemeindeleitenden und Pfarrei Teams aussprechen. Es ist grossartig zu sehen, wie der Teamgeist die Kreativität die Fröhlichkeit, die Spiritualität und die harte Arbeit zusammen kommen.
25. Oktober 2024 | Antonio Mazzei
Jahresbericht Suhr-Gränichen 2024
Gott mag es bunt.
«Zäme mit Mönsche öppis bewege» – mit diesem Motto sind wir seit Pfingsten 2024 unterwegs, und es bewegt uns wirklich.
Auf dem Weg habe ich eine deutsche Theologin entdeckt. Aus dem Buch von Annette Jantzen, «coffee to go mit Gott» aus dem Echter Verlag, zitiere ich:
«Dann erzähl ich wieder von dir», sag ich. «Über Bilder von dir und so.»
«Oho», sagt Gott.
«Gefällt dir das?», frag ich. «Gibt’s irgendwas, worauf ich besonders achten soll?»
«Ihr braucht Bilder», sagt Gott.
«Ja», sag ich.
«Machs bunt», sagt Gott. «Ich mag es bunt.»
«Ja», sag ich. « Ich werde mich bemühen.»
«Das ist schon mal gut», sagt Gott.
«Aber ich weiss echt wenig von dir, ehrlich gesagt», sag ich.
«Das stimmt», sagt Gott. «Das ist normal bei Menschen. Besonders bei erwachsenen Menschen.»
«Manchmal spüren wir dich», sag ich.
Gott lächelt.
«Ich hab so meine Mittel und Wege», sagt Gott.
«Die nicht unsere Wege sind», sag ich.
«So ist es», sagt Gott.
«Und du liebst diese Welt», sag ich. «Steht auch in der Bibel.»
Das Gespräch geht so weiter bis Gott lacht und sagt: «Und übrigens, meine Bilder von mir finde ich sogar sehr gelungen.»
Ich gucke fragend.
«Euch finde ich sehr gelungen.»

Am Sommerfest 2024
In jeder Pfarreiteamsitzung fragen wir uns, wie wir heute von Gott reden können. Welche Bilder verständlich sind und den Raum für Glaubenskommunikation öffnen. Glaubenskommunikation ist heute, in einer nachvolkskirchlichen Zeit, ein weites Feld.
Gottesdienste als ein Ort von Möglichkeit zur Begegnung mit Gott brauchen darum unterschiedliche Formen. So haben wir uns im Frühjahr auf den Weg gemacht, um herauszufinden, wie wir nebst unseren vertrauten Gottesdiensten mit Eucharistie- oder Kommunionfeier noch andere Gottesdienstformen finden können, die eben Räume für Glaubenserfahrung und Glaubenskommunikation öffnen.
Das war ein äusserst spannender Prozess, der alle ihren eigenen, lebendigen Glauben spüren liess. So sind bei uns neue Gottesdienste entstanden: «Fiire mit Familie» und «Fiire am Tisch». Die «Fiire mit de Chline» gibt es ja schon lange. Sie sind vertraut.
Zu allen Gottesdiensten sind immer alle Menschen eingeladen, Erwachsene, Jugendliche und Kinder, die sich angesprochen fühlen oder neugierig sind. Es sollen also keine ausschliessenden Gottesdienste sein, nur Gottesdienste mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Die «Fiire mit Familie» sind Gottesdienste, die in der Kirche oder im Töndler gefeiert werden. Ministrant:innen sind im Gewand dabei und übernehmen Aufgaben. Die Feiern finden im Stuhlkreis statt und verwenden eine Sprache, die auch kindgerecht ist. Biblische Geschichten werden interaktiv oder gestalterisch erzählt, Gottesdienstteile und Gebete werden erklärt. Alle Mitfeiernden, die mögen, werden involviert.

Fiire mit Familie
Die «Fiire am Tisch» finden im Pfarreisaal in Suhr oder im anders gestalteten Töndler tatsächlich an Tischen, statt. Auch hier sind die Ministrant:innen dabei, aber in ihren eigenen Mini-T-Shirts. Auch hier haben sie Aufgaben, die sie mitentwickelt haben. So begrüssen sie die Mitfeiernden zum Beispiel an der Türe, in der Hand eine Schale mit Weihwasser. Wie die ersten Christ:innen erinnern wir uns an die Frohe Botschaft, schauen hin, wo wir uns die Nähe von Gott in diese Welt hinein ersehnen, essen miteinander, beten und danken für die Gemeinschaft. Unser Organist ist jeweils dabei und begleitet die Lieder, die wir singen.

Fiire am Tisch
Das ist nur ein kleiner, aber kostbarer Ausschnitt aus dem Leben in der Pfarrei Heilig Geist, Suhr-Gränichen. Wir trauen uns «zäme mit Mönsche öpis bewege» ernst zu nehmen, weil wir daran glauben, dass es zuerst die Heilige Geistkraft selber ist, die zusammen mit Menschen etwas bewegen will.
Mit Annette Jantzen:
«Manchmal spüren wir dich», sag ich.
Gott lächelt.»
Gott mag es bunt. Und wir Menschen sind das gelungene Bild.
Danke für diesen Gedanken, Annette Jantzen.
17. Oktober 2024 | Brigitta Minich
Jahresbericht Schöftland 2024
Wir bleiben Träumende
«Wenn einer allein träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, ist es der Anfang einer neuen Wirklichkeit.»
(Dom Hélder Pessoa Camara)
Es grünt der Grüne Güggel
Vor einem Jahr konnten wir die Sanierung des Pfarreizentrums Schöftland abschliessen. Dabei erlebten wir eine europäische Premiere mit der Absturzsicherung mit Luftkissen. Für einige Wochen war unsere Kirche ein Gumpischloss. Die neue Solaranlage produziert wacker vor sich hin, die neuen Wärmepumpen funktionieren und sparen massiv Energie ein, und an der Fassade haben wir eine scheussliche Sicherheitsleiter. Die technische Steuerung ist derart ausgeklügelt, dass niemand, wirklich niemand wusste, wie man im Saal die Storen rauf- und runterlässt. Das haben wir nachgebessert. Es gibt jetzt wieder steinzeitliche analoge Knöpfe, und siehe: Es funktioniert.
Die Umgebung haben wir an zwei Pflanztagen mit Freiwilligen mitgestaltet, und sie spriesst und sprosst vielfältig und zieht Würmer, Schnecken, Eidechsen und gar bedrohliche Schlangen an. Dieser heiligen Vielfalt sagten wir Danke mit einem Konzert an die Blumen.

Abschied und Neubeginn
«Ewiges ist nicht auf Erden als der Wandel, als die Flucht.» (Hermann Hesse)
Personelle Wechsel sind auch bei uns eine aktuelle Herausforderung. Wir haben im Sommer die Pfarreisekretärin Rita Brunner und die Religionspädagogin Cecile Wendling verabschiedet. Wir konnten beide Stellen wieder besetzen, das Sekretariat mit Carmen Freiburghaus, und als Religionspädagogin wirkt neu Mirjam Dörfer. Zugleich kommt die Pensionierung des Pfarreileiters näher, die Stelle ist ausgeschrieben, und wir sind parat, den grossen Ansturm an Bewerbungen zu bewältigen.
Auch in den Pfarreigruppierungen gibt es Aufbrüche. Ein neuer Vorstand des Frauenbundes bringt Schwung ins Frauenbundleben. Neue Freiwillige in verschiedensten Einsatzgebieten geben neue Impulse. Die Pfarrei lebt vom grossen Engagement der vielen Freiwilligen. Besonders der Pfarreirat ist wesentlich verantwortlich für ein vielfältiges Pfarreileben mit neuen Aufbrüchen.
Diakonie
Die Pfarrei hat ein diakonisches Profil. Wir engagieren uns in der Wegbegleitung und in der Alzheimervereinigung Aargau mit einer Gesprächsgruppe für Angehörige von Menschen mit Demenz. Im September war das Hirntheater bei uns zu Gast und im Oktober fand ein Informationsseminar für Angehörige von Menschen mit Demenz bei uns statt. Weitere Freiwillige engagieren sich mit viel Energie in der Palliative-Care Gruppe, in einer Besuchsdienstgruppe und anderes mehr.
Gemeinschaft
Generationenübergreifend färben Jung und Alt vor Ostern bunte Eier, wir gestalten ein frohes Singen im Sommer und lassen die Seifenblasen am Pfarreifest auch im Regen farbig schillern. Viele kleine Gruppen treffen sich zu verschiedenen Aktivitäten. Da wird gesungen, gejasst, gespielt, deutsch gelernt, gebetet, gejodelt, gereist, gegessen. An vielen kleinen Orten lebt die Kirche.
Gottesdienste
Die Ministrantenschar hat einigen Zuwachs und fasst wieder Boden. Kirchenchöre, Musiker:innen und Frauen am Altar gestalten ein tragendes liturgisches Angebot für eine beachtliche Gruppe von Pfarreiangehörigen. Im Dezember 2024 können wir die Uraufführung des Weihnachtsoratoriums von Jutta und René Dublanc erleben. Ein musikalischer Leckerbissen.
Es braucht viele, die träumen, dann können neue Wirklichkeiten beginnen. Wir bleiben Träumende.
17. Oktober 2024 | Beat Niederberger ›
«Sei ein Hörender.»
Marco Heinzer nimmt eine neue Aufgabe an.

Marco Heinzer: «Nun durfte ich mehr als zehn Jahre in meiner Wunschpfarrei tätig sein.»
«Sei ein Hörender.»
Nach gut elf Jahren in Buchs-Rohr ist es für Pfarreileiter und Diakon Marco Heinzer Zeit, noch einmal eine neue Aufgabe anzunehmen. Er wird Leiter der Pfarrei Bruder Klaus in Meisterschwanden, Fahrwangen und Seengen. Was bewegt ihn zu diesem Schritt?
Dani Schranz: Am 27. Oktober feierst du in Buchs deinen Abschlussgottesdienst. Ist der Predigttext schon im Kasten?
Marco Heinzer Dieses Wochenende halte ich eine Predigt mit anschliessender Taufe, und ich habe noch einige Zwischenzeugnisse zu schreiben. Der Abschlussgottesdienst ist erst in zwei Wochen. Ich habe also noch Zeit.
Was bewegt dich dazu, noch einmal eine neue Pfarreileitung zu übernehmen?
Es ist üblich, dass man nach zehn bis zwölf Jahren in einer Leitungsfunktion innehalten und schauen soll, wo man steht, wie es einem geht, was man braucht und wie der Weg weitergehen könnte. Mir bleiben noch sechseinhalb Jahre bis zu meinem «Referenzalter», wie man dem Pensionsalter heute so schön sagt. Das bietet mir die Möglichkeit, noch einmal etwas Neues anzufangen.
Buchs war immer meine Wunschpfarrei. Bereits als Kind kam ich hier in den Gottesdienst, noch bevor ich in Aarau begonnen habe, zu ministrieren und Jugendarbeit zu machen. Meine Tante und mein Onkel waren hier als Lektoren tätig. Deshalb hatte ich immer einen besonderen Bezug zu Buchs. Nun durfte ich mehr als zehn Jahre in meiner Wunschpfarrei tätig sein, in der Pfarrei, zu der es mich stets hingezogen hat.
Und jetzt zieht es dich an den Hallwilersee. Was zieht dich nach Meisterschwanden?
Ich bin traditionell vorgegangen. Meisterschwanden wurde mir vom Bistum vorgeschlagen. So habe ich die Website angeschaut, bin hingegangen und habe mir ein Bild gemacht. Was läuft in der Pfarrei? Was wird miteinander gelebt? Ich habe mir den Gottesdienstraum angeschaut und mich gefragt, ob ich mich dort wohlfühlen werde und ob ich mir vorstellen kann, mit den Menschen vor Ort unterwegs zu sein. Sagt mein Bauch dann ja, dann gehe ich. So bin ich in Meisterschwanden gelandet. Das Gespräch mit dem Personal hat mir sehr entsprochen, und der Austausch mit der Behörde war sehr offen und kommunikativ. Sie ist jung und bringt viel Elan mit. Ich sehe Potenzial und Möglichkeiten, in den nächsten Jahren etwas zu bewirken und zu bewegen.
Neuanfänge wecken stets Erwartungen. Auf was dürfen sich die Pfarreiangehörigen in Meisterschwanden mit deiner Wahl freuen?
Sie dürfen sich freuen auf jemanden, der humorvoll ist, der versucht, hinzuhören und die Menschen zu verstehen, der mit ihnen unterwegs sein wird und von dem sie erwarten dürfen, Hilfe zur Selbsthilfe zu erhalten.
In Buchs wird demnächst eine neue Pfarreileitung gewählt. Welchen Rat gibst du deinem designierten Nachfolger mit auf den Weg?
Den Rat, den ich mir stets auch selbst gebe: Du kommst nicht in ein Vakuum. Es gibt da Menschen, die ihren Glauben leben. Der Raum, den du betrittst, ist nicht leer. Du wirst Teil einer Gemeinschaft, die das Christentum auf ihre Weise, in ihren Farben lebt. Lerne dies erst kennen. In der Gemeinschaft, in der du dich bewegen wirst, bist am Anfang du der Fremde. Du musst dich in dieser Gemeinschaft einfinden. Das bedeutet in erster Linie: zuhören, zuhören, zuhören, zuschauen und offen sein für das, was an dich herangetragen wird. Prüfe, was du hörst, und setze dann Akzente gemeinsam mit den Menschen, die hier zuhause sind. Sei offen, präsent, hab die Menschen gern, geh auf sie zu und sei ein Hörender.
14. Oktober 2024 | Dani Schranz
Jahresbericht Entfelden 2024
Generationenübergreifend und generationenverbindend
Die Pfarrei als eine Gemeinschaft, in der für Jung und Alt die Beheimatung im christlichen Glauben erlebbar wird und in der Menschen in ihrer Beziehung zu Gott und zu einander unterstützt werden.
Mit dieser Zielsetzung war das Pfarreiteam von St. Martin Entfelden zusammen mit vielen freiwillig engagierten Pfarreiangehörigen auch in diesem Jahr sehr erfolgreich unterwegs. Die Vernetzung von jungen Familien und von verschiedenen Altersgruppen haben wir durch eine Vielfalt an generationenübergreifenden und verbindenden Angeboten gefördert. Sowohl traditionelle als auch kreativ-spielerische Formate fanden darin Platz: verschiedene Formen von Gottesdienstfeiern, Meditationsabende, Adventsbasteln mit Samichlaus, St. Martins-Spiel, Krippenspiel, Ausflüge, Musik- und Vortragsabende, Freiwilligenfeiern, Ministrantentreffen und manch anderes mehr.
Der inzwischen auf 21 Kinder angewachsene Kinderchor St. Martins Singspatzen hatte am Patrozinium seinen ersten gemeinsamen Auftritt mit dem St. Martin Kirchenchor. In die Minischar durften wir dieses Jahr sogar 15 Mädchen und Buben aufnehmen. Die Minischar zählt aktuell 47 Minis. Und bei der ohnehin sehr gut laufenden Ökumene haben wir neue Akzente gesetzt. Der Gospelchor der ref. Kirchgemeinde Unterentfelden sang im Firmgottesdienst. Und beim Schulabschlussgottesdienst, an dem auch Vertreter der Schulbehörde und der politischen Gemeinde teilnahmen, wirkte zum ersten Mal auch die syrisch-orthodoxe Gemeinschaft mit.
Aber auch in belastenden und schwierigen Momenten des Lebens waren wir für unsere hilfesuchenden Pfarreiangehörigen da, sei es mit materieller Soforthilfe oder sei es durch intensive Individualseelsorge.
3. Oktober 2024 | Samuel Behloul ›
Markus Greiner tritt zurück

Markus Greiner: «Ich glaube, dass wir in zehn Jahren vielleicht noch drei Pfarreien sein werden.»
Markus Greiner tritt zurück
17 Jahre war Markus Greiner Mitglied der Ortskirchenpflege Aarau. Seit zwei Jahren präsidiert er die Kreiskirchenpflege Aarau. Nun beendet er seine Engagements per Ende Jahr.
Dani Schranz: Man soll bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist. Ist jetzt, nach 17 Jahren, der ideale Zeitpunkt für deinen Rücktritt als Präsident der Orts- und der Kreiskirchenpflege Aarau?
Markus Greiner: Jetzt ist sicher ein guter Zeitpunkt. Als ich Präsident Biden eine Treppe hinaufstolpern sah, dachte ich: Er hat den richtigen Zeitpunkt offensichtlich verpasst. Das soll mir nicht passieren. Es ist alles in guten Händen. Wir haben kompetente Mitglieder in der Ortskirchenpflege und in der Kreiskirchenpflege, und ich habe meinen Beitrag geleistet. Mir ist gestern Abend ein Bild eingefallen. Ich habe daheim viele Bücherregale. Und wenn ich nicht jedes Jahr ein neues Regal kaufen möchte, muss ich einmal jährlich Bücher ins Brocki bringen, um Platz zu schaffen für neue.
Was bedeutet das in Bezug auf deine Behördentätigkeit? Was gehört ins Brocki?
Dinge, bei welchen wir als Kirche Anschubhilfe geleistet haben und die zu Selbstläufern geworden sind. Die Ehe- und Paarberatung beispielsweise, oder das Gemeinschaftszentrum Telli in Aarau. Da müssen wir uns nicht mehr beteiligen. Das sind Kinder, die erwachsen geworden sind und man loslassen kann.
Gibt es neue Projekte, bei welchen Anschubhilfe geleistet wird?
Das Öku-Label «Grüner Güggel» beispielsweise. Oder – gerade aktuell – das Café Paula in Aarau.
Das Offene Pfarrhaus in Aarau wird gemeinhin als Leuchtturm bezeichnet. Mit dem Café Paula leuchtet er noch ein wenig heller. Täuscht der Eindruck, oder verlagert sich das kirchliche Engagement in Aarau hin zu mehr Dienst an hilfsbedürftigen Menschen oder zu kulturellen Angeboten wie der «Vollmondnacht»?
Verkündigung, Gottesdienst, Diakonie und Gemeinschaft sind die vier tragenden Säulen der Katholischen Kirche. Alle sind wichtig, aber jede Pfarrei setzt Schwerpunkte. Die Vollmondnacht zählt zu Gemeinschaft, die Unterstützung des Kirchlich Regionalen Sozialdienstes zur Diakonie, und das Offene Pfarrhaus ist eine Mischung aus beidem.
Anfang Jahr wurde gesagt, dass die Kreiskirche sparen müsse. Welche Massnahmen wurden ergriffen, und wie wirken sich diese aus?
Wir sparen bei Sachausgaben – vom Apéro-Wein bis zu Reinigungsmitteln. Bei den Gebäuden gibt es dieses und nächstes Jahr einen Investitionsstopp. Beim Personal wird es durch natürliche Abgänge Stellen geben, die nicht mehr eins zu eins besetzt werden. Was bedeuten wird, dass die fünf Pfarreien enger zusammenarbeiten werden.
Bedeutet das auch, dass sich die Stuktur der Kreiskirchgemeinde Aarau längerfristig verändern wird?
Ich glaube, dass wir in zehn Jahren vielleicht noch drei Pfarreien sein werden, statt der heutigen fünf. Ich kann mir vorstellen, dass es dahin zurückgehen wird, von wo wir herkommen.
Wärst du Politiker, würde ich dich nach dem grössten Leistungsausweis nach 17 Jahren im Amt fragen.
Ich bin nicht Politiker und muss nicht wiedergewählt werden. Stolz bin ich in Aarau darauf, dass das Offene Pfarrhaus gut aufgestellt ist, dass wir den Grünen Güggel erfolgreich umgesetzt haben und soeben das Café Paula eröffnen konnten.
Jetzt hättest du Zeit für eine politische Karriere.
Um Gottes Willen, nein!
30. September 2024 | Dani Schranz
Die Kirche in Regenbogenfarben
Solidaritätsbekundung der Pfarrei Peter und Paul

Die Flagge in Regenbogenfarben gilt bei Menschen der LGBTQIA+Bewegung als Symbol sexueller Vielfalt.
Die Katholische Kirche Aarau in Regenbogenfarben
Am 7. September fand in Aarau die erste «Pride» statt. Und auf der Katholischen Kirche wehte eine Regenbogenfahne. Was bezweckt die Pfarrei damit? Wir haben nachgefragt.
Das Akronym LGBTQIA+ steht für lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, queere, intersexuelle und asexuelle Menschen. Mit dem Regenbogen haben sie sich das Versöhnungszeichen Gottes gegenüber dem Menschen angeeignet. Es gibt Leute, die allein schon dies als Blasphemie empfinden. Nun weht ausgerechnet eine solche Regenbogenfahne auf der Kirche Peter und Paul. Warum?
Burghard Förster, Pfarreileiter: Weil wir damit unsere Solidarität zeigen mit Menschen, die in der Gesellschaft noch immer an den Rand gedrängt und diskriminiert werden, und weil wir stolz darauf sind, nah bei den Menschen zu sein, wenn an diesem Samstag in Aarau eine «Pride» stattfindet. Wir wollen ihnen zeigen, dass sie für uns nicht aus dem Schöpfungsbild und dem Menschenbild herausfallen. Und dass die vielfältigen sexuellen Orientierungen Gottesgaben sind. Wir wollen ihnen sagen: «Ihr seid genauso wie alle anderen Menschen geliebte Kinder Gottes».
Die Katholische Kirche solidarisiert sich öffentlich mit sexueller Vielfalt.
Leider nicht alle Menschen oder Verantwortlichen in der Katholischen Kirche, aber unsere Pfarrei und unser Team. Aber die Kirche hat sich auch verändert und weiterentwickelt in Bezug auf die Pastoral und die Seelsorge gegenüber Menschen, die eine gleichgeschlechtliche Liebe leben, so sind zum Beispiel Segnungen vom Papst erlaubt.
Zwischen dem Missbilligen von Homosexualität und dem Hissen einer Fahne liegt ein weiter Raum.
Ja, es ist ein mutiges Zeichen, uns so zu zeigen und uns stark zu machen für jene, die wirklich innerhalb der Gesellschaft eine Lobby brauchen. Es ist für mich ein Ausdruck von christlicher Nächstenliebe. Nicht ein politisches Zeichen, sondern ein menschliches.
Eine Fahne ist eine Markierung der Zugehörigkeit von Gemeinschaften. Ist es angemessen, die Zugehörigkeit der Pfarrei zu Menschen mit besonderen sexuellen Ausrichtungen in dieser starken Form zu manifestieren?
Von Zugehörigkeit würde ich nicht sprechen, der Ausdruck ist mir zu stark, sondern von einer Solidaritätsbekundung. Wir wollen eintreten für Vielfalt, für Freiheit und für Selbstbestimmung in der Gesellschaft – alles Werte, die wir auch teilen. Es ist ein Zeichen für Integration und gegen Ausgrenzung. Innerhalb der Römisch-Katholischen Kirche ist Homosexualität aus zwei Gründen ein Thema. Einerseits wird zu häufig um das 6. Gebot – «Du sollst nicht ehebrechen» – herumargumentiert, und andere Themen werden dadurch vernachlässigt, andererseits weiss man, dass in der Kirche viele Menschen aufgrund ihrer homophilen oder homosexuellen Neigungen in innere Konflikte geraten, da sie ihre Homosexualität nicht leben können. So gesehen ist unsere Aktion nicht nur gegen aussen, sondern auch gegen innen ein Zeichen.
Welche Reaktionen gibt es seitens der Bevölkerung oder der Mitglieder der Pfarrei?
Es gab einen kritischen, aber konstruktiven, höflichen Anruf und eine sehr heftige Reaktion per E-Mail, die ich beantwortet habe. Ansonsten erhalte ich im persönlichen Kontakt positive Reaktionen. Und die Organisatoren der «Pride» haben sich über unsere Solidarität sehr gefreut.
9. September 2024 | Dani Schranz
«Lichtblicke» im Alltag
Fachstelle Wegbegleitung

Andrea Müller, Leiterin der Vermittlungsstelle der Wegbegleitung für die Region Aarau
«Lichtblicke» im Alltag
Die Fachstelle «Wegbegleitung» richtet sich an Menschen, die während einer gewissen Zeit auf Unterstützung in der Bewältigung ihres Alltags angewiesen sind. Diese wird von Freiwilligen erbracht. Andrea Müller leitet seit einem Jahr die Vermittlungsstelle in Aarau. Zeit für eine Zwischenbilanz.
Die Wegbegleitung ist ein wertvolles Angebot, welches Menschen in Krisen Freiwillige vermittelt und somit für «Lichtblicke» sorgt. Als Leiterin der Vermittlungsstelle nehme ich vielseitige Anfragen von Menschen in anspruchsvollen Lebenssituationen entgegen und führe die betroffenen Personen mit Freiwilligen zusammen. Die unterschiedlichen Fähigkeiten und das Potenzial der Freiwilligen ist dabei besonders wertvoll. Ich schätze diese Vielfalt an Talenten. Sie ermöglichen das zielgerichtete Zusammenbringen von Freiwilligen und Unterstützungsbedürftigen. Das ist oft einfach, manchmal herausfordernd, in Einzelfällen nicht realistisch. Das Ziel einer Wegbegleitung ist immer die Hilfe zur Selbsthilfe.
Neulich benötigte beispielsweise eine alleinerziehende Mutter Unterstützung im Umgang mit digitalen Geräten. Während dreier Monate konnten ihre Kenntnisse im Umgang mit dem Handy, mit E-Mails oder ihrem PC verbessert werden. Eine weitere Begleitung kam durch eine Anfrage eines über 90-jährigen Mannes zustande. Er benötigte Unterstützung im Ordnen seiner Dokumente, und er wollte seiner Einsamkeit entfliehen. Während eines halben Jahres besuchte ihn eine pensionierte Freiwillige, und gemeinsam konnte sein Chaos geordnet werden. Die Selbstbestimmung aller Klientinnen und Klienten ist zentral. Deshalb sind einfühlsame Gespräche und Empathie der Begleiterinnen und Begleiter von grosser Bedeutung.
Bei der Suche von Freiwilligen orientiere ich mich an einem strukturierten Schema. Ich führe Gespräche, dokumentiere diese und berücksichtige dabei auch rechtliche oder sicherheitsrelevante Aspekte, denn ich stehe in einer Fürsorgepflicht gegenüber den Freiwilligen. Kommt eine Zusammenarbeit zustande, werden die freiwilligen Wegbegleitenden mit Einführungskursen, mit laufendem Erfahrungsaustausch und mit Weiterbildungen unterstützt.
Wenn Sie über Lebenserfahrung verfügen, sich für Ihre Mitmenschen in Freiwilligenarbeit engagieren wollen, mit ihnen etwas bewegen und für Lichtblicke sorgen möchten, dann freue ich mich auf eine Nachricht von Ihnen oder auf Ihren Anruf unter 079 684 96 51. Vielleicht geht es Ihnen aber auch gerade nicht gut und Sie stecken in einer Krise. Dann melden Sie sich bei mir oder besuchen Sie unsere Website.
Zu guter Letzt bedanke ich mich von Herzen bei den Pastoralraum-Leitungen für die Unterstützung, den finanziellen und ideellen Rückhalt sowie den Fachstellen für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Es ist mir eine Ehre und Freude, die vielseitigen Aufgaben ausführen zu dürfen.
19. August 2024 | Andrea Müller und Dani Schranz
Einladung zum Abendgebet
des Benediktinerklosters Disentis

Die Komplet, das Abendgebet, feiern die Benediktinermönche in der Marienkirche des Klosters Disentis.
Einladung zum Abendgebet
Das Benediktinerkloster Disentis überträgt jeden Tag um 20 Uhr das Abendgebet der Mönche auf Youtube. Alle, die sich dafür interessieren, können am PC oder auf dem Handy dabei sein, wenn sich die klösterliche Gemeinschaft vor der Nachtruhe zum letzten Mal trifft.
Schon dreimal verbrachte ich eine Auszeit im Kloster Disentis. Im November werde ich eine weitere Woche bei den Benediktinern sein. Als Gast zwar, aber doch – so nehme ich es wahr – nicht als Fremder, sondern als jemand, dem man ein schönes Zimmer herrichtet und einen Platz im Refektorium zuweist, der an der Tischgemeinschaft teilhaben darf und dem eine Serviette mit seinem Namen neben das Gedeck gelegt wird. Das ist klösterliche Gastfreundschaft.
Schauen Sie sich einmal das Abendgebet, die Komplet, auf Youtube an. Lassen Sie sich ein auf die vielleicht zu Beginn etwas fremd anmutenden Gesänge. Lauschen Sie einfach den jahrhundertealten Melodien und folgen Sie den Texten, die gelesen werden. Es kann sein, dass Sie in eine grosse Ruhe, in eine tiefe Entspannung eintauchen. Ohne etwas dafür zu tun.
Die Orgel zieht bei der Komplet nicht alle Register, sie begleitet nur sanft den Männergesang. Die Psalmen klingen so, wie sie seit jeher in benediktinischen Gemeinschaften erklingen. Urspünglich, ehrlich, ohne Effekthascherei. Der Gesang während der Stundengebete ist ein ganz selbstverständlicher Teil im klösterlichen Tagesablauf.
Das Leben der Mönche mag uns vielleicht ungewohnt vorkommen – ein Leben wie aus der Zeit gefallen. Aber gerade heute sind wir aufgerufen, toleranter denn je zu sein: gegenüber Menschen, die eine unkonventionelle Lebensform wählen, gegenüber Menschen, die politisch anders denken, gegenüber Menschen, die sich mit einer fremden Sozialisierung bei uns niederlassen. Oder gegenüber Menschen, die ihre Spiritualität ins Zentrum des Lebens stellen. Sie alle beanspruchen für sich, als Teil der Gesellschaft gleichberechtigt anerkannt zu werden. So können wir uns vorstellen, dass es auch im 21. Jahrhundert Menschen gibt, die sich für ein klösterliches Leben entscheiden. Menschen, die um 5 Uhr morgens aufstehen, um sich um 5.30 Uhr zum Stundengebet von Virgil und Laudes zu treffen. Die anschliessend, jeder für sich und schweigend, frühstücken. Und sich um halb acht in der Kirche zur Heiligen Messe versammeln.
Der Alltag der Benediktiner orientiert sich am Rhythmus der Gebetszeiten. Ora et labora. Dieser Wechsel von Aktivität und Ruhe schafft eine besondere Form von Zentrierung und Ausgeglichenheit. Als Gast taucht man in diese Ordnung ein, passt sich dem klösterlichen Alltag an und erfährt so eine Entschleunigung, die im Alltag oft zu kurz kommt. In der Stille des Klosters wird der Geist frei, Gedanken kommen zur Ruhe, und ein Gefühl tiefer Verbundenheit mit sich selbst und der Umgebung entsteht.
Während meiner Aufenthalte im Kloster habe ich den Wert dieses geordneten Tagesablaufs schätzen gelernt – die Konzentration auf das Wesentliche, die bewusste Reduktion auf das, was wirklich wichtig ist. Ich habe erfahren, wie wertvoll es sein kann, sich auf das Sein im Hier und Jetzt zu konzentrieren und sich nicht von äusseren Einflüssen ablenken zu lassen.
In der Komplet bildet die sogenannte Marianische Antiphon den Abschluss der Feier und des Tages. Es ist laut der Website des Klosters «ein Gruss an die Gottesmutter Maria, in dem sich die Mönche in Gottes liebende Arme bergen, um darin Ruhe und Schutz zu finden». Nach dem Abendgebet gilt im Kloster bis zum nächsten Morgen das nächtliche Stillschweigen – die Zeit der inneren Sammlung und Reflexion.
Die Übertragungen auf Youtube sind eine Möglichkeit, einen Moment lang am klösterlichen Leben teilzuhaben. Es ist eine Einladung, innezuhalten und in Distanz zum Alltag zu gehen, egal, wo man sich befindet. Denn auch wenn wir uns nicht gleich für ein Leben im Kloster entscheiden, so können wir es uns zur Gewohnheit machen, uns eine halbe Stunde lang von der benediktinischen Lebensart berühren zu lassen.
Link zum Kanal des Benediktinerklosters Disentis
5. August 2024 | Dani Schranz
«Das ‹Hauptgeschäft› ist das kirchliche Angebot.»
Die Kreiskirchenpflege im Strategieprozess

Andreas Dvorak begleitet die Kreiskirchenpflege Aarau im Strategieprozess
«Das ‹Hauptgeschäft› ist das kirchliche Angebot.»
Rückläufige Mitgliederzahlen und geringere finanzielle Mittel bedingen eine strategische Neuausrichtung der Kreiskirchgemeinde Aarau. Für diesen Prozess hat sich die Kreiskirchenpflege mit Andreas Dvorak, Mitinhaber des Beratungsunternehmens socialdesign in Bern, professionelle Unterstützung geholt. Wir haben uns mit ihm nach einer Retraite unterhalten.
Herr Dvorak, vor zwei Jahren wurde die Kreiskirchenpflege Aarau um mehr als die Hälfte verkleinert. Den Stimmberechtigten wurde gesagt, eine schlanke Behörde könne effizient und agil handeln. Nun ist sie auf Ihre Unterstützung in der Entwicklung ihrer Strategie angewiesen. War die Reduktion von 16 auf 7 Mitglieder ein Fehler?
Nein. Man hat oft das Gefühl, durch eine Verkleinerung werde alles kurzfristig einfacher. Aber das ist oft nicht so schnell möglich, insbesondere dann nicht, wenn es eine so grosse Themenvielfalt gibt wie bei der Kirche.
Welche Aufgaben umfasst Ihr Mandat?
Ich bin dafür mandatiert, die Strategie anzugehen und herauszufinden, in welche Richtung sich die Kreiskirche weiterentwickeln soll.
Haben Sie bereits eine Vorstellung davon?
Als öffentlich-rechtliche Institution seid ihr angehalten, euer Geschäft richtig zu führen und mögliche Risiken zu beachten. Als Nonprofitorganisation und Arbeitgeberin seid ihr ähnlich unterwegs wie ein KMU und steht unter öffentlicher Beobachtung. Hier eine Vision zu entwickeln, ist nicht trivial, denn einerseits müsst ihr euer Angebot auf die Menschen ausrichten, die in der Kirche ganz unterschiedliche Themen suchen, andererseits müssen diese vielfältigen Dienstleistungen alle erbracht und verwaltet werden.
Aus pastoraler Sicht kann die Liturgie oder das diakonische Wirken von strategischer Bedeutung sein, aus Behördensicht der Erhalt der kirchlichen Gebäude oder ein ausgeglichenes Budget. Wie kann da ein Konsens gefunden werden?
Mit einer Strategie geht es nicht darum, nur in eine Richtung zu steuern. Es stellt sich vielmehr die Frage: Wie geht man gemeinsam auf die vereinbarte Vision zu? Wie wollen wir das steuern? Wo legen wir zu welchem Zeitpunkt das Fortschreiten fest? Wir sind verpflichtet, mit Menschen in Kommunikation zu sein und ihre Bedürfnisse abzuklären. Die Dienstleistungen, die in den verschiedenen Pfarreien erbracht werden, unterscheiden sich, weil sie in unterschiedlichen Strukturen von unterschiedlichen Menschen entwickelt wurden und unterschiedlich gewachsen sind. Diese Pluralität muss sich unter einen Hut bringen lassen. Und man muss sich die Frage stellen, wie diese Pluralität künftig abgesichert und finanziert werden kann. Da sind unterschiedliche Kräfte am Werk. Es benötigt den Aushandlungsprozess.
Es sollte also ein Gleichgewicht der Interessen entstehen.
Ich weiss nicht, ob das gelingt. Auf der einen Seite haben wir alles Pastorale, Liturgische, auf der anderen Seite brauchen wir eine Serviceleistung, da wir sonst die pastoralen Dienstleistungen nicht erbringen können. Das «Hauptgeschäft» ist das kirchliche Angebot. Die Situation ist vergleichbar mit einem Hilfswerk. Nicht das Geld ist das Hauptthema, sondern der Wunsch, Bedürftigen zu helfen. Wenn der Finanzverwalter anfängt, mein Geschäft zu beeinflussen, entsteht ein Konflikt.
Die fünf Pfarreien im Pastoralraum sind selbständig, das Budget wird aber übergeordnet von der Kreiskirchenpflege erarbeitet. Ein anspruchsvolles Gefüge.
Ja, das macht die Sache nicht einfach, aber spannend. Die Situation lässt sich mit politischen Gemeinden und Kantonen vergleichen. Die unterscheiden sich auch. Jede Gemeinde hat ähnliche Aufgaben, welche sie jedoch wegen ihrer Struktur anders lösen muss, aber im Grossen und Ganzen ist man trotzdem gewillt, einen Zusammenhalt, eine Kohäsion im Land zu erhalten. In dieser Weise muss man in die Zukunft gehen. Wir können nicht einfach militärisch verordnen: Ihr seid nun alle gleich und richtet euch alle gleich aus. Das würde nicht funktionieren. Das Sinnvolle an einer gemeinsamen Strategie wäre, dass ein so hohes Vertrauen zueinander besteht, dass man zwar zuerst bei sich selbst ist, aber davon ausgeht, dass die anderen mitdenken und sich auf dieselbe Vision ausrichten, damit man gemeinsam Lösungen findet. Strategie tönt ein wenig militärisch, deshalb gefallen mir die neuen Begriffe wie Vision oder Mission oder ein purpose, also eine Zweckbestimmung, besser. Es geht darum, gemeinsam einen Zweck zu erkennen und dafür zu brennen. Und auch zuzulassen, dass jemand mal etwas Neues ausprobieren will. Das sollte Platz haben. Wenn das einander nicht zugestanden wird, gibt es keine Weiterentwicklung. Hat jemand eine Idee, kann man versuchen, sie zu verhindern, man kann aber auch sagen, das ist spannend, da probiert jemand etwas aus. Es gibt dazu ein schönes Bild: Stellen Sie sich zwei Menschen auf Schlittschuhen vor. Ich kann mit meinem Arm den anderen nach vorne schleudern, und der gewinnt so an Tempo, dass er mich wiederum auf der anderen Seite mitzieht. So kann man gemeinsam übers Eis rasen und sich gegenseitig Kraft geben. Das ist für mich eine Wirkung von Strategie.

«Die Leute müssen sich gehört fühlen, und man muss Schritt für Schritt aufeinander zugehen und gegenseitiges Vertrauen finden. Das ist einer der wichtigsten Prozesse.» Andreas Dvorak mit Mitgliedern der Steuergruppe der Kreiskirchenpflege Aarau an ihrer Strategie-Retraite
Das setzt voraus, dass entsprechende Mittel vorhanden sind, die gerecht verteilt werden. Die einen möchten möglichst viel Autonomie in den Pfarreien, die anderen wollen Synergien nutzen, sei es beim Personal oder bei der Infrastruktur. Wie lassen sich diese unterschiedlichen Bedürfnisse unter einen Hut bringen?
Auf den ersten Blick passt das überhaupt nicht zusammen. Es muss ein gegenseitiges Vertrauen vorhanden sein. Ich muss dem anderen zuzugestehen können, dass das, was er macht, im Sinn dessen ist, was ich selbst auch anstrebe. So kann ich sagen: Ok, vielleicht muss ich vorübergehend mit einem etwas kleineren Budget auskommen, weil eine andere Pfarrei während einer gewissen Zeit ein paar Franken mehr benötigt. Ich muss mich aber darauf verlassen können, dass es in ein, zwei Jahren wieder zu einem Ausgleich kommt. In der Strategie oder der Vision, die wir am Erarbeiten sind, geht es genau um das.
Wie gehen Sie methodisch vor?
Ich versuche, den Prozess pluralistisch anzugehen. Wenn ich etwas gelernt habe in meinem Leben, dann dies: Wenn ich versuche, etwas durchzudrücken in Zeiten, in denen die Leute selbst mitdenken und partizipieren, dann scheitere ich. Die Leute müssen sich gehört fühlen, und man muss Schritt für Schritt aufeinander zugehen und gegenseitiges Vertrauen finden. Das ist einer der wichtigsten Prozesse. So entsteht ein Ausgleich, ein Teilen von Argumenten. Wenn ich mich in diesem Prozess sicher fühle, kann ich Lösungen entwickeln. Dann kann es gelingen, «eine Kirche für alle» zu werden. Es stellen sich nun zwei Fragen: Welche Leistungen will ich erbringen, um eine Kirche für alle zu sein? Und wie viele Mittel kann ich dafür aufwenden? Ich arbeite dabei mit einem so genannten Game-Plan, das ist eine Alternative zu einer Stärken-Schwächen-Analyse. Sie bildet den Prozess ab, wie man ans Ziel kommt. Es gibt Dinge, die uns aufhalten und stören, aber es besteht auch viel Potenzial, das Rückenwind gibt. So kommen man Schritt um Schritt zum Ziel. Das klingt ein wenig nach Wischiwaschi. Aber wenn wir schauen, welche Strategien heute erfolgreich sind, sind es immer öfter solche, die auf agilen Methoden basieren.
Es geht also darum, die vorhandenen Stärken und Talente zu bündeln und zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen.
Darin sehe ich grosses Potenzial. Aus dem Wilden, das ich nicht fassen kann, kann ich lernen. Es ist eine Stärke, voneinander lernen zu können. Ganz wichtig ist, dass wir das, was wir tun, gerne tun. In diesem Zusammenhang gefällt mir der Ausdruck, «verliebt in das Gelingen» zu sein.
Wie sollte die Kreiskirchenpflege aufgestellt sind, damit Sie Ihr Mandat mit gutem Gefühl beenden können?
Sie sollte so unterwegs sein, dass sie ihre Strategie jährlich mit Freude überprüft und dort Anpassungen vornimmt, wo diese nötig sind. Eine Strategie, aber auch eine Vision, ist nichts Statisches, und wir werden in einem Jahr an einem anderen Ort stehen als heute. Wir brauchen Vertrauen in das gemeinsame Unterwegssein. Das ist das Wichtigste. Zudem müssen wir uns auf einen Konnex einigen, damit wir wissen, wie wir gemeinsam weitergehen wollen. So festigen wir unsere Vision. Die Strategie ist das Gefährt, mit dem ich mich aufmache, meine Vision zu erreichen. Wenn wir die Richtung kennen, können wir vereinbaren, wer was dazu beiträgt, um an diesen Ort zu gelangen. Nicht jeder muss dasselbe dazu beitragen. Eine Schildkröte bewegt sich anders als ein Vogel. Aber beide gehen den Weg ans Wasser, weil sie dieses brauchen. Wir sind unterschiedlich, aber wir können eine gemeinsame Ausrichtung entwickeln – im Verliebtsein in das Gelingen und mit Freude, das Ziel zu erreichen.
10. Juni 2024 | Das Interview führte Dani Schranz ›
Jugendreise nach Taizé
29. Mai bis 1. Juni 2025
Jugendreise nach Taizé
Donnerstag, 29. Mai bis Sonntag, 1. Juni 2025

Im Burgund in Frankreich liegt ein kleines Dorf mit einer grossen Ausstrahlung in die Welt: Taizé. Hier befindet sich eine Bruderschaft, deren Spiritualität Jugendliche und Erwachsene gleichermassen anzieht. Gemeinsam wird gebetet, gesungen und über Gott und die Welt diskutiert. Dank der Reise des Pastoralraums Region Aarau nach Taizé erhältst du als Jugendliche oder Jugendlicher Einblick in eine besondere Form des Glaubens.
Reisedaten
Donnerstag, 29. Mai bis Sonntag, 1. Juni 2025
An- und Rückreise
Details folgen
Kosten
150.– Franken pro Person. Darin inbegriffen sind die Reise, die Übernachtungen und die Verpflegung. Bei Abmeldungen nach dem Anmeldeschluss ist – ausser im Krankheitsfall – der ganze Betrag von 150.– Franken zu bezahlen. Nachmeldungen sind im Einzelfall bis 14 Tage vor der Reise möglich.
Teilnehmerinnen/Teilnehmer
Die Reise richtet sich an Jugendliche ab 15 Jahren.
Leitung
Beat Niederberger, Pfarreileiter in Schöftland, und weitere erwachsene Begleitpersonen
Übernachten
Du kannst entweder im Mehrbettzimmer oder im Zelt übernachten. Zelte stehen vor Ort zur Verfügung (jeweils mit rund 15 Schlafplätzen), es empfiehlt sich aber, ein eigenes Zelt mitzubringen. Wenn du im Zelt übernachtest, solltest du daran denken, ein Mätteli zum Schlafen und einen Schlafsack mitnehmen.
Kleider
Im Mai kann es im Burgund bereits sehr warm, aber auch noch empfindlich kalt sein. Nimm bitte geeigente Kleider mit.
Anmeldung
Bis Sonntag, 4. Mai 2025. Deine Eltern müssen mit deiner Teilnahme an der Reise nach Taizé einverstanden sein.
Tagesablauf in Taizé
Am Morgen, am Mittag und am Abend treffen wir uns jeweils zum Gebet. Die Mahlzeiten nehmen wir gemeinsam ein. Zwischen den Mahlzeiten kannst du dich mit anderen Jugendlichen in Gesprächsgruppen treffen. Daneben bleibt dir viel Zeit zur freien Gestaltung. Ein Verlassen des Geländes ist von der Bruderschaft in Taizé nicht erwünscht.
Die Bruderschaft
Viel Wissenswertes über die Bruderschaft in Taizé erfähst du auf dieser Website
Anmeldung zur Jugendreise nach Taizé
Gemeinsamer Liturgieplan
für Suhr-Gränichen und Buchs-Rohr

Die Kirchen von Suhr und Buchs sind zu Fuss in weniger als 20 Minuten erreichbar.
Pfarreien Suhr-Gränichen und Buchs-Rohr wachsen näher zusammen
Ab den Sommerferien harmonisieren die Pfarreien Heilig Geist und St. Johannes Evangelist ihr liturgisches Angebot. An den Wochenenden findet in beiden Pfarreien künftig je ein Gottesdienst statt.
Die augenfälligste Gemeinsamkeit der Pfarrei St. Johannes Evangelist in Buchs-Rohr mit der Pfarrei Heilig Geist in Suhr-Gränichen ist der Stil ihrer Kirchen. Beide wurden in den 1960er-Jahren von Hanns Anton Brütsch geplant. Die Kirche in Suhr wurde 1961, jene in Buchs 1967 fertiggestellt. Beide stehen unter kantonalem Denkmalschutz. Reto Nussbaumer, kantonaler Denkmalpfleger, gab jüngst anlässlich eines «Dorfspaziergangs» einen ebenso lehrreichen wie interessanten Einblick in den architektonischen Wert von Brütschs Sakralbauten. Ein Video seines Vortrags ist auf der Website der Pfarrei Suhr-Gränichen publiziert. Hanns A. Brütsch (1916–1997) war ein bedeutender Zuger Architekt, der in den Räumen seiner Kirchen die Gemeinschaft von «Priester und Volk» wegweisend ins Zentrum rückte – schon bevor das Zweite Vatikanische Konzil Beschlüsse fasste, die diese Entwicklung beförderten. Die Kirchen von Suhr und Buchs liegen gerade mal 1,3 Kilometer auseinander und sind zu Fuss in wenigen als 20 Minuten erreichbar.
Beide wurden in einer Zeit erbaut, in der die Anzahl Katholiken in der Region als Folge intensiver Bautätigkeit und Migration im Steigen begriffen war. Mit entsprechend grosszügig bemessenen Ellen wurden sie erstellt. Heute, zwei Generationen später, nimmt die Anzahl der Mitfeiernden in den Gottesdiensten kontinuierlich ab. So liegt es auf der Hand, sich Gedanken zu machen, wie und in welcher Form die Gemeinschaft unter den Katholikinnen und Katholiken gefördert werden kann. Diese Überlegungen haben die Leiterin der Pfarrei Heilig Geist in Suhr-Gränichen, Brigitta Minich, und der Leiter der Pfarrei St. Johannes in Buchs-Rohr, Marco Heinzer, zum Entscheid gebracht, das liturgische Angebot, also die Gottesdienste in ihren Pfarreien, zu harmonisieren. Es liegt in ihrem gemeinsamen Interesse, sich die geografische Nähe zu Nutzen zu machen und das nachbarschaftliche Verhältnis zu vertiefen. Der Entscheid wird von den Mitgliedern der Pfarreiräte und Ortskirchenpflegen mitgetragen. Beide Pfarreien gehören zum Pastoralraum Region Aarau.
Ab Anfang Juli 2024 finden die Gottesdienste von Samstagabend und Sonntagvormittag künftig in je einer Pfarrei statt – ein Wochenende am Samstag in Buchs und am Sonntag in Suhr, ein Wochenende am Samstag im Töndler in Gränichen, am Sonntag in Buchs. An den hohen kirchlichen Feiertagen wie Ostern, Pfingsten oder Weihnacht werden nach wie vor in jeder Pfarrei Gottesdienste gefeiert. Mit diesem Zusammenrücken wollen die Pfarreileitenden «die Weichen stellen, um die Pfarreien in eine gute Bahn zu lenken», wie Marco Heinzer betont. «Wichtig ist, dass an jedem Wochenende in jeder der Pfarreien weiterhin ein Gottesdienst stattfindet». Das ist mit dem neuen Liturgieplan garantiert. Für Brigitta Minich ist die Harmonisierung der Gottesdienste mit der Pfarrei in Buchs-Rohr Teil eines Wandels, den sie mit den Mitarbeitenden in ihrer Pfarrei in Suhr-Gränichen gegenwärtig vollzieht. «Wir suchen neue Gottesdienstformen. Nebst ‹Fiire mit de Chline› planen wir neue Formate wie ‹Fiire mit Familie› oder ‹Fiire am Tisch›. Mit diesen neuen Formaten wollen wir mehr Menschen erreichen und die Gemeinschaft unter den Mitfeiernden fördern.» Das Feiern von Gottesdiensten (Liturgie) ist wie der Dienst am Mitmenschen (Diakonie), die Verkündigung der Frohen Botschaft und die gelebte Gemeinschaft (Koinonia) eine der vier Grundfunktionen der Katholischen Kirche.
Auch hinsichtlich der gelebten Gemeinschaft rücken die beiden Pfarreien näher zueinander. So beschlossen die Kirchenchöre von Suhr-Gränichen und Buchs-Rohr bereits im November 2021 eine Zusammenarbeit. Sie blieben zwar als zwei Vereine organisiert, bilden seither aber eine Chorgemeinschaft. Da sich diese Zusammenarbeit bewährte, stimmten die beiden Chorvereine im letzten November einer Fusion zu. Lisbeth Meyer, die Aktuarin des neuen Vereins, freut sich «über die gelungene Zusammenführung der zwei Chöre zu einem hochmotivierten Kirchenchor», wie sie mitteilt. Einzig der Name «Kirchenchor Heilig Geist Suhr-Gränichen Johannes Evangelist Buchs-Rohr» komme ihr noch etwas sperrig vor. Nicht davon abschrecken lassen sich die gegenwärtig 31 Mitglieder, welche dieses Jahr bereits dreimal aufgetreten sind. Die Einsätze sind – über das Jahr verteilt – zu zwei Dritteln in Suhr-Gränichen, zu einem Drittel in Buchs-Rohr geplant.
27. Mai 2024 | Dani Schranz ›
«Würde ist ein gegenseitiger Prozess.»
Sarah Lohr über die Kirchlich Regionalen Sozialdienste

Sarah Lohr ist Standortleiterin der Kirchlich Regionalen Sozialdienste in Aarau
«Würde ist ein gegenseitiger Prozess.»
«Vor meiner Anstellung habe ich mir die Frage gestellt, wer auf eine solche Beratungsstelle kommt. Nebst Sozialdienst, SVA, Ehe-, Schulden- oder Suchtberatung. Es erstaunt mich immer wieder, wie viele Menschen genau auf ein Angebot wie jenes der Kirchlich Regionalen Sozialdienste (KRSD) angewiesen sind. Sie fallen trotz des gut ausgebauten Sozialstaats mit seinem breiten Leistungsangebot schlicht und ergreifend durch die Maschen.» Das sagt Sarah Lohr, Standortleiterin des KRSD der Region Aarau.
Die kirchlich regionalen Sozialdienste fangen jene Menschen auf, die aufgrund schlechter Vorerfahrungen, Ängsten, fehlender Information oder mangelnder Sprachkenntnisse sonst nirgends Anschluss finden. Im letzten Jahr waren es mehr als 700, Tendenz steigend. «Viele Menschen leben in unserer Gesellschaft in prekären Situationen, da sie – unter Umständen politisch gewollt – keine staatlichen Leistungen beantragen können. Beispielsweise Menschen, die lange für sich selbst sorgen konnten und plötzlich in Not geraten. Sie sind es nicht gewohnt, Hilfeleistungen in Anspruch zu nehmen und haben oft Hemmungen, am Wohnort eine Hilfeleistung zu beanspruchen und sich dadurch zu entblössen.» Da sei der KRSD ein niederschwelliger Ort, eine professionell geführte Stelle, die ausserhalb der staatlichen Angebote direkt helfen oder eine Brücke zu öffentlichen Stellen bauen könne.
Sarah Lohr schildert exemplarisch den Fall einer Frau im Asylverfahren. Kürzlich kamen ihre Kinder, die sie bei ihrer Flucht im Heimatland zurücklassen musste, zu ihr auf Besuch. Ihre jüngste Tochter wollte nicht mehr heimkehren. Die Behörde bestätigte zwar, dass die Tochter grundsätzlich bleiben dürfe, jedoch einen eigenen Asylantrag stellen müsse. Eine Zugfahrt zum nächstgelegenen Bundesasylzentrum in Zürich ist für Mutter und Tochter jedoch nicht finanzierbar. Der KRSD unterstützte die Frau einmalig mit 80 Franken. «Das ist eine vermeintlich kleine Sache mit einem grossen Effekt», so Sarah Lohr. «In solchen Momenten sage ich mir: Zum Glück gibt es den KRSD. Die Frau hätte sich mit ihrem Anliegen an keine andere Stelle wenden können.»
Es gebe zwar Möglichkeiten, einmalige staatliche Leistungen zu beantragen, die Bürokratie sei jedoch hoch, und viele Leute wollten dies nicht. «Sie kämpfen wie die Wilden, damit sie nicht in diese administrative Mühle hineingeraten.» Dies betreffe oft Menschen, die knapp über oder unter dem sozialhilferechtlichen Existenzminimum lebten, kein Anrecht auf staatliche Leistungen hätten, aber bei einer einmaligen Auslage in Not gerieten. Und zunehmend auch Leute, die unter den Auswirkungen der Teuerung litten, die Miete, die Nebenkosten oder eine medizinische Behandlung nicht mehr begleichen könnten.
Die KRSD werden durch Kirchgemeinden und die Landeskirche getragen. Die Mitarbeitenden sind von der Caritas angestellt und arbeiten in deren Räumlichkeiten. Kooperationspartnerinnen im Alltag sind Pfarreien, Seelsorgerinnen, Diakone, Katechetinnen. Die Religionszugehörigkeit der Klienten spielt jedoch keine Rolle, denn die Mitarbeitenden sind in erster Linie sozialarbeiterisch tätig.
Gegenwärtig befindet sich mit einer Onlinebörse ein neues diakonisches Projekt im Aufbau. Sie unterscheidet sich von anderen Onlinemarktplätzen darin, dass die Anbieterinnen und Anbieter von gebrauchten Gegenständen diese kostenlos an die Bedürftigen überbringen und dadurch Transportkosten entfallen. «Viele Leute tun gern etwas Karitatives und können so mit einer kleinen Handlung viel bewirken. Durch das persönliche Überbringen der Gegenstände werden wertvolle Begegnungen ermöglicht, und Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten treffen aufeinander. So wird ein Bewusstsein geschaffen und erfahrbar, wie Armut aussieht.»
Bei ihrer Arbeit in der Unterstützung von benachteiligten Menschen gehe es ihr persönlich nicht nur um Altruismus, betont Sarah Lohr. «Würde ist ein gegenseitiger Prozess. Indem ich anderen eine würdevolle Begegnung ermögliche, ermöglicht mir dies ein sinnstiftendes Berufsleben. Das hat einen hohen Wert.» Sie fände eine Gesellschaft erstrebenswert, in der die Dienste der KRSD überflüssig würden. «Wären die vorhandenen Mittel gerechteren verteilt, könnten alle Menschen in Würde leben.» Und durch eine grössere Niederschwelligkeit gewisser staatlicher Leistungen könnten Zugänge erleichtert werden, damit es den KRSD als Vermittlungsstelle weniger bräuchte und die Leute selbst den Weg zu den Behörden fänden.
Ohne zahlreiche Freiwillige wäre die Arbeit der KRSD nicht zu leisten. Sie unterstützen wöchentlich zu fixen Zeiten Klienten in administrativen Aufgaben wie dem Ausfüllen von Formularen für eine Wohnungsbewerbung oder dem Verfassen von Briefen.
Die KRSD können finanziell oder durch Freiwilligenarbeit unterstützt werden.
13. Mai 2024 | Dani Schranz ›
Erzählen, heilen, begegnen, teilen
Fragmente des pastoralen Handelns

Sarah Lohr vom Kirchlich Regionalen Sozialdienst Aarau, Gaby Zihlmann, Katechetin in Schöftland, und Michelle Oberle, soziokulturelle Mitarbeiterin in Aarau (von links), diskutieren über Gelingendes in ihrer Arbeit. Erfolgreiches kann als Basis für künftiges pastorales Handeln dienen.
Erzählen, heilen, begegnen, teilen
Wie kann pastorales Handeln gestaltet werden, damit die heutigen und künftigen Erwartungen der Mitglieder erfüllt werden? Mit dieser Frage haben sich Mitarbeitende der Seelsorge, der soziokulturellen Animation und der Katechese an der 30. Pastoralraumkonferenz auseinandergesetzt.
Die Konferenz findet seit der Gründung des Pastoralraums vor 15 Jahren zweimal jährlich statt und wird von den Angestellten der fünf Pfarreien partizipativ mitgestaltet. Beat Niederberger, Pfarreileiter in Schöftland, eröffnete die Konferenz mit einem Rückblick. Vor 15 Jahren habe sich die Kreiskirchgemeinde Aarau in einer schwierigen Situation befunden. «Es ging ihr finanziell schlecht, sie war hoch verschuldet. Die Suhrer liebäugelten mit einem neuen Pfarreizentrum, aber die Kreiskirchenpflege winkte wegen fehlender finanzieller Mittel ab und verhängte einen Planungsstopp. Sie forderte die fünf Pfarreileiter auf, der Behörde aufzuzeigen, welche Infrastruktur für ein zukunftstaugliches pastorales Handeln Voraussetzung ist.» Beat Niederberger erkennt Parallelen zur heutigen Situation. «Wie vor 15 Jahren sind auch heute die Gelder wieder knapper, und wir Pfarreileitenden müssen der Behörde sagen, welche Pastoral wir wollen. Was soll finanziert werden? Wo sehen wir ‹Ostern› im Pastoralraum? Wo erkennen wir zukunftsträchtige Aufbrüche?»
Um das zu erörtern, sollten die Teilnehmenden anhand einer «wertschätzenden Erkundung» herausfinden, wie sie von den Erfahrungen der anderen Pfarreien profitieren können. Die Methode zielt darauf ab, vorhandene Ressourcen für die Gestaltung und die strukturelle Entwicklung zu nutzen, bereits Gelingendes zu stärken und auf die eigene Situation «energieschöpfend zu adaptieren». In Kleingruppen orientierten sich die Teilnehmenden am Handeln Jesu, welches aus vier Themen bestand: mutmachende Hoffnungsgeschichten verbreiten, heilen und heilsame Wege finden, den Mitmenschen auf Augenhöhe begegnen und Tischgemeinschaften pflegen, sich solidarisch verhalten gegenüber Randständigen. Die Teilnehmenden der Kleingruppen haben ihre Anregungen zusammengetragen.
Erzählen
Jesus ist ein Geschichtenerzähler. Er erzählt den Menschen befreiende, aufrichtende Geschichten. Unsere mutmachende Hoffnungsgeschichten erzählen wir bei den vielfältigen Begegnungen innerhalb der Pfarrei, aber auch nach aussen in der Gesellschaft. Wir müssen dafür nahe bei den Menschen sein, in ihre Lebenswelten hineingehen, vorerst gut zuhören, achtsam und wertschätzend sein. Verständlich erzählen kann man nur in einer Sprache, die die Menschen auch verstehen. Wir erzählen Geschichten, die Mut machen.
Heilen
Jesus ist Heiler und Therapeut. Er begleitet die Menschen in ihrer konkreten Lebenssituation auf heilsame Wege. Befreiendes, heilendes Handeln in der Pastoral findet an vielen verschiedenen Orten statt. Erwähnt werden etwa Beerdigungen und Taufen oder die Begleitung bei Todesfällen. Auch das Teilen von Bibeltexten oder ganz individuelle Rituale, vor allem aber das gemeinsame Essen haben heilende Wirkung. Unsere Räumlichkeiten bieten wir an für Experimente, in denen Menschen heilende Freiräume und Selbstermächtigung erfahren dürfen. Und heilend sind auch die verschiedenen Gesprächsformen.
Begegnen
Jesus begegnet den Menschen auf Augenhöhe, isst und trinkt mit ihnen. Die Formen der Begegnung und gemeinsamen Essens sind sehr vielfältig und werden in der Sammlung weitaus am stärksten gewichtet. Die Tischgemeinschaften eignen sich besonders für verschiedene Formen generationsübergreifender Anlässe, vom Eltern-Kind-Tag über die Agape-Feier, Abschlussabende, Pfarreifeste, Familientische usw. Miteinander essen ist immer auch Selbstbemächtigung, Stärkung der eigenen Persönlichkeit und der Gemeinschaft. Tischgemeinschaft pflegen ist auch für Freiwillige ein beliebtes Feld des Engagements.
Teilen
Jesus ist solidarisch mit den Randständigen und Zukurzgekommenen. Solidarität wird professionell umgesetzt im Kirchlich Regionalen Sozialdienst und in der Wegbegleitung. Beide sind gemeinsame Stellen aller fünf Pfarreien. In Aarau findet auch eine Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Asyl statt. Mit Jugendlichen «lohnt» es sich besonders, eine solidarische Praxis einzuüben und ihnen befriedigende Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.
Das sind Gedankensplitter der Mitarbeitenden der fünf Pfarreien – weder vollständig noch abschliessend. Es waren zum Beispiel keine anderssprachigen Seelsorger da, ihr Blickwinkel fehlt. Ebenso wenig abgebildet ist der musikalische Bereich. Spannend und bereichernd wäre auch ein Blick auf die Pfarreigruppierungen, wie sie erzählend, heilend, essend und solidarisch unterwegs sind.
28. April 2024 | Beat Niederberger › und Dani Schranz ›
Die Bibel – ein Kochbuch?
Samstag, 26. April 2025, Buchs
Die Bibel – ein Kochbuch?
Samstag, 26. April 2025, Pfarreizentrum Buchs

Die Bibel, eine Bibliothek voller spannender Bücher.
Vom Krimi über Liebesgeschichten bis hin zum Rezeptbuch lässt sich allerhand Interessantes in der Bibel finden.
Wir werfen unser Augenmerk auf Pflanzen und Nahrungsmittel zu Jesu Zeiten. Und werden mit diesen dann gemeinsam planen, einkaufen und kochen.
Im Anschluss sind auch die Eltern eingeladen, mit uns die selbstgekochten Köstlichkeiten zu geniessen.
Teilnehmer Jugendliche der 6. bis 9. Klasse und junge Erwachsene
Leitung Yvonne Zwyssig und Frank Krause
Ort Pfarreizentrum Buchs
Kosten kostenlos
Anmeldung bis Samstag, 12. April 2025
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Die Zukunft nicht aus den Augen verlieren

Die Zukunft nicht aus den Augen verlieren
Im letzten Jahr haben in unserer Region so viele Mitglieder ihren Austritt aus der Katholischen Kirche gegeben wie nie zuvor. Die Institution «Kirche» hat durch die Aufdeckung der Missbrauchsfälle Schaden genommen. Das bringt zwar die Kirchen als Organisationen in Bedrängnis, aber gottseidank nicht das, worum es im Kern geht: den christlichen Glauben selbst. Doch spüren alle kirchlichen Institutionen die Folgen der Austritte: das Bistum Basel, die Landeskirche Aargau, erstaunlicherweise auch die Reformierte Landeskirche, und die Kreiskirchgemeinde Aarau sowie die ihr zugehörigen Ortskirchgemeinden. Sie alle müssen Dienstleistungen abbauen, wenn die Steuergelder der ausgetretenen Mitglieder wegfallen.
Wenn sich Christinnen und Christen aus der Kirche verabschieden, weil sie die Fehler und Versäumnisse von Leitungspersonen, die zum grossen Teil nicht mehr leben, nicht tolerieren wollen, ist das verständlich und nachvollziehbar. Was sie jedoch mit ihrem Austritt auch bewirken: Sie entziehen der jetzigen Generation von Menschen, die sich für die Kirche von heute und die Kirche der Zukunft einsetzen, jene finanziellen Mittel, die dafür verwendet würden, eine neue, zeitgemässe Kirche zu gestalten. Mittel, die benötigt würden, lebensnotwendige Dienstleistungen zu erbringen. Mittel, über die weder der Staat noch soziale Institutionen verfügen.
Es geht nicht in erster Linie um den Erhalt von Sakralbauten oder um die Lohnfortzahlung von kirchlichen Angestellten. Es geht darum, der jetzigen Generation und den künftigen Generationen auch in Zukunft Werte und Perspektiven zu vermitteln, welche die heutige Zivilgesellschaft der 2000-jährigen Geschichte des christlichen Glaubens zu verdanken hat: den Wert der Mitmenschlichkeit, den Wert der Fürsorge für Menschen, die Not leiden, den Wert der Hoffnung, dass der Mensch nicht in letzter Instanz auf sich selbst gestellt ist, sondern den göttlichen Beistand für sich beanspruchen kann.
Mit dem Austritt aus der Katholischen Kirche wird der Institution, die gewiss – wie jede andere von Menschen gestaltete Institution – nicht ohne Fehltritte ist, nachhaltig Schaden zugefügt. Und es ist fraglich, ob dies sinnvoll und ein guter Weg ist.
Die Resultate der Vorstudie zu den Missbrauchsfällen während der letzten 70 Jahre haben das Vertrauen in die Katholische Kirche in der Schweiz erschüttert und ihre Glaubwürdigkeit in Frage gestellt. Die historisch fundierte Aufarbeitung ist wichtig und richtig. Sie ist kein Trost für die von Gewalt und Missbrauch Betroffenen. Sie kann jedoch eine Art von Anerkennung und Genugtuung für das erlittene Leid ermöglichen. Aber der Blick in die Vergangenheit ist einseitig. Er dient lediglich der Bewältigung von Vergangenem und der möglichst gelingenden Wiedergutmachung des Geschehenen.
Sie, liebe Leserinnen und Leser, stehen nicht in der Verantwortung, zur Bewältigung der Vergangenheit der Katholischen Kirche in der Schweiz beizutragen. Im Gegenteil. Sie sind eingeladen, die Zukunft der Katholischen Kirche in Ihrer Pfarrei, in Ihrer Ortskirchgemeinde mitzugestalten.
Sie entscheiden mit Ihrer Mitgliedschaft, ob es weiterhin möglich sein wird, als Gemeinschaft Gottesdienste zu feiern und den Menschen katholischen Glaubens eine spirituelle Heimat zu schenken. Sie entscheiden mit Ihrer Mitgliedschaft, ob es weiterhin möglich sein wird, im diakonischen Dienst den Hilfsbedürftigen vor Ort zu helfen und so die Kirche für die sozial Ausgegrenzten zu einer glaubwürdigen Ansprechpartnerin zu machen. Sie entscheiden mit Ihrer Mitgliedschaft, ob Ihren Kindern und Enkelkindern, den Schülerinnen und Schülern in der Katechese und den Jugendlichen in der Jugendarbeit weiterhin jene Werte vermittelt werden sollen, die einerseits ein friedliches Miteinander in unserer kulturell immer pluraler werdenden Gesellschaft ermöglichen und die andererseits einen wesentlichen Teil unserer kulturellen Identität ausmachen.
Und Sie entscheiden letztlich darüber, ob viele Menschen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Pfarreileiterinnen, Priester, Diakone, Chorleiterinnen, Organisten, Katechetinnen, Sakristane, Ministranten und unzählige freiwillig Tätige sich aus innerer Überzeugung ihres Glaubens dafür einsetzen können, Gutes in Ihrer Pfarrei vor Ort zu bewirken. Es steht viel auf dem Spiel, wenn wir durch den Blick in die Vergangenheit die Zukunft der Kirche aus den Augen verlieren.
15. April 2024 | Dani Schranz ›
Den Stein ins Rollen bringen ...
Redewendungen biblischen Ursprungs

Illustration: Camilla Widmer, avenue.ch
Den Stein ins Rollen bringen …
Im täglichen Sprachgebrauch treffen wir auf Redewendungen, die teilweise jahrtausendealt sind. Gewisse gehen auf die griechische Mythologie zurück, andere auf Bibelstellen. Durch wen «der Stein ins Rollen gebracht» wurde, kann nicht mit letzter Gewissheit gesagt werden. Einer Deutung zufolge geht die Metapher auf die Auferstehungsgeschichte beim Evangelisten Markus zurück, als die drei Frauen nach Ostern am Grab Jesu die Frage stellten, «Wer wälzt uns den Stein von der Grabes Tür»? Andere verordnen den Ausdruck eher beim bedauernswürdigen Sisyphos. Eindeutig biblischen Ursprungs sind jedoch die folgenden Redensarten. Eine Auswahl.
Ein Buch mit sieben Siegeln (Offenbarung 5,1)
Diese Redewendung stammt aus der Offenbarung des Johannes. Ihm wird eine Vision eines Buchs beschrieben, das sieben Siegel trägt und in der rechten Hand Gottes gehalten wird. Es repräsentiert symbolisch Gottes Plan für die Zukunft und enthält Geheimnisse über kommende Ereignisse. Die Vorstellung eines Buches mit sieben Siegeln wird oft verwendet, um auf etwas zu verweisen, das kaum zu verstehen oder zu entschlüsseln ist.
Perlen vor die Säue werfen (Matthäus 7,6)
Jesus verwendete diese Metapher, um zu erklären, dass kostbare Dinge nicht denjenigen gegeben werden sollten, die sie nicht zu schätzen wissen. «Ihr sollt nicht das Heilige den Hunden geben und sollt eure Perlen nicht vor die Säue werfen, damit sie dieselben nicht zertreten mit ihren Füssen und sich umwenden und euch zerreissen.»
Das Licht unter den Scheffel stellen (Matthäus 5,15)
In der Bergpredigt lehrte Jesus, dass niemand eine Leuchte anzündet, um sie unter einen Scheffel zu stellen, sondern auf einen Leuchter, damit sie allen im Haus Licht gibt. Diese Metapher betont die Bedeutung, das Gute, das man hat, nicht zu verbergen, sondern es für andere sichtbar zu machen, um diese zu ermutigen und zu erleuchten.
Jemanden den Kopf kosten (Matthäus 14,8–11)
Diese Redewendung bezieht sich möglicherweise auf die Geschichte von Johannes dem Täufer, der auf Anweisung von Herodes enthauptet wurde. Herodes hatte einen Schwur abgelegt, der die Hinrichtung von Johannes zur Folge hatte, nachdem seine Nichte bei einem Fest tanzte und Herodes ihr versprach, ihr alles zu geben, was sie von ihm fordern würde.
Im Dunkeln tappen (Jesaja 59,9)
Diese Redewendung stammt aus dem Buch Jesaja und beschreibt den Zustand der Menschen, die im Dunkeln wandeln, ohne das Licht der Wahrheit zu sehen. «Wir harren auf Licht, siehe, so ist’s finster, auf Helligkeit, siehe, so wandeln wir im Dunkeln.»
Den Finger in die Wunde legen (Johannes 20,27)
Dieser Ausdruck geht auf die Begebenheit zurück, als Jesus nach seiner Auferstehung Thomas aufforderte, seine Hand an die Wundmale an seiner Seite zu legen, um seinen Glauben zu stärken. Es bedeutet, eine unbequeme Wahrheit anzusprechen oder eine empfindliche Stelle zu berühren, um eine dringende Angelegenheit anzugehen.
Die Spreu vom Weizen trennen (Matthäus 3,12)
Johannes der Täufer sprach diese Worte aus, um die Ankunft des Messias zu verkünden und die Vorstellung zu vermitteln, dass der Messias zwischen denen, die wahrhaftig bekehrt sind, und denen, die es nicht sind, unterscheiden wird. Diese Redewendung wird verwendet, um die Trennung von Gutem und Schlechtem oder von Wertvollem und Wertlosem zu beschreiben.
Sollten Sie der Ansicht sein, diese Auswahl sei nicht wirklich das «A und O» oder beim Lesen sogar gedacht haben, es gebe «nichts Neues unter der Sonne!», dann «prüfen» Sie doch Ihre persönlichen Redewendungen «auf Herz und Nieren». Welche biblischen Ausdrücke verwenden Sie regelmässig? Schreiben Sie sie unten ins Kommentarfeld. Die originellsten Beispiele publizieren wir zu einem späteren Zeitpunkt im Pfarrblatt «Horizonte».
25. März 2024 | Dani Schranz
Regionales Jugendtreffen
Samstag, 15. März 2025, in Entfelden
Regionales Jugendtreffen
Samstag, 15. März 2025, in Entfelden

Mit Spiel und Plausch kämpfen die Jugendlichen um das «goldene Pastoralraum-Bike» und weitere Preise.
Für Jugendliche der Oberstufe
Ort Pfarreizentrum Entfelden
Zeit 18.00–21.15 Uhr
Leitung Regio-Team
Kosten kostenlos
Keine Anmeldung erforderlich.
Ist Glaube Privatsache?
Oder wie viel geben wir preis?

Ist Glaube Privatsache?
Würden Sie auf die Frage, ob Sie an Gott glauben, mit «Ich glaube, dass es etwas Höheres gibt» antworten? Oder: «Ich glaube an eine universelle Kraft»? Glaube ist heutzutage in unseren Kreisen Privatsache. Wie die Frage nach dem Lohn. «Wie viel verdienst du?» wird in der Regel unverbindlich beantwortet mit «genug, um zu leben» oder «weniger als Elon Musk». Warum trauen wir uns nicht zu sagen: «Ja, ich glaube an Gott»? Ist daran etwas verwerflich? Warum weichen wir aus und sagen verklausuliert, dass wir «an etwas Höheres, an eine universelle Kraft, an XY» glauben? Schämen wir uns, diese Kraft mit «Gott» zu benennen?
Es gibt Gegenbeispiele. In gewissen kirchlichen Milieus ist es durchaus üblich, zu bezeugen: «Jesus ist mein bester Freund!» Oder: «Ich liebe Jesus!». Das ist sinngemäss die 2. Kommastelle zur Auskunft nach dem Lohn.
Es stellt sich die Frage, wie viel wir von unserem Glauben öffentlich preisgeben möchten. Was ist privat? Was dürfen Menschen in unserem Umfeld von unserem Glauben wissen? Ist unser Glaube Teil der Intimsphäre?
Was auf der einen Seite als zu viel empfunden werden kann, kann auf der anderen Seite fehlen. Wäre es nicht gerade in diesen Tagen, in einer Zeit, in der sich Kulturen, Mentalitäten und Sozialisierungen zunehmend vermengen, wichtig, einzustehen für das, was 2000 Jahre Christentum hervorgebracht haben? Was 2000 Jahre lang Bestand hatte? Wäre es nicht wichtig, einzustehen für die Errungenschaften unserer Zivilisation? Wäre es nicht wichtig, eine auf christlichen Werten beruhende Verfassung und eine rechtliche Grundordnung zu schätzen, welche Opfer schützt und Täter mit Augenmass behandelt? Einzustehen für die Grundlage einer Gesellschaft, die für die Stärkeren wie für die Schwächeren Lebensbedingungen erschafft, die Gemeinschaft ermöglichen?
Das Gutheissen und das selbstverständliche Übernehmen christlicher, sogenannt «zivilisierter» Werte ist das eine. Das andere ist, sich an den Urheber dieser Werte zu erinnern. Die zehn Gebote des alten und die Frohe Botschaft des neuen Testaments legen die Grundsteine für ein gewaltfreies Zusammenleben. Sie sind ein Appell, einander in Liebe und Friedfertigkeit zu begegnen. Kaum jemand wird diese Werte hinterfragen. Warum fällt es dann so schwer, den Schöpfer dieser Weisheiten und Botschaften zu benennen? Was passt daran nicht mehr in die heutige Zeit? Was widerspricht dem Zeitgeist?
Ich wünsche mir, dass wir als Christinnen und Christen wieder den Mut finden, uns zu zeigen. Nicht in frömmlerischem Lametta-Glitzer, sondern als aufgeschlossene Menschen, die hier und jetzt leben. Menschen des Jahres 2024. Menschen, die sich der eigenen Verantwortung und der eigenen Wirkungskraft bewusst sind und dennoch davon ausgehen, dass sie nicht die am höchsten entwickelte Spezies, die oberste Instanz oder die personifizierte Erkenntnis sind. Als Menschen, die sich ihrer eigenen Unzulänglichkeit und Unvollkommenheit bewusst sind und daran glauben, dass es eine Kraft gibt, die über uns Menschen steht. Ich wünsche mir zivilisierte, mündige, kompetente Menschen, die den Mut finden, sich einzugestehen, dass sie einer göttliche Kraft vertrauen, aus der sie für ihr Leben Zuversicht schöpfen – als Quelle ihres Wirkens und ihres Beitrags zum Guten in der Welt. Menschen, die ohne Scham und aus Überzeugung sagen: «Ja, selbstverständlich glaube ich an Gott». An Gott, und an das, was wir im Glaubensbekenntnis bezeugen.
19. Februar 2024 | Dani Schranz ›
Ver-rückte Welten
Gedanken zur Fasnacht von Samuel Behloul

Die für das Lötschental typischen, maskierten Fasnachtsgestalten, die sogenannten Tschäggättä, treten in der Zeit zwischen dem katholischen Feiertag «Maria Lichtmess» und dem «Gigiszischtag» (d.h. dem Dienstag vor dem Aschermittwoch) auf. Bild © Valais/Wallis Promotion
«Ver-rückte Welten»
Lautstark und mit grossem Getöse übernehmen die Fasnächtler und Fasnächtlerinnen jedes Jahr vor Beginn der Fastenzeit für wenige Tage das Zepter. Es werden Masken aufgesetzt, die keinem Schönheitsideal entsprechen und Kleider getragen, die weder modisch sind noch irgendwelchen Lifestyle-Konventionen folgen. Es werden aber nicht nur die Schönheitsvorstellungen und ästhetische Kriterien auf den Kopf gestellt. Es geht auch darum, die bestehenden Machtverhältnisse zu verrücken, d.h. komplett umzustellen. Die Herrschenden und Mächtigen werden gnadenlos lächerlich gemacht, neue Prinzessinnen und Könige installiert, die sog. «No-Names» dürfen auf einmal und für kurze Zeit die ganz Grossen sein, während die tatsächlichen Grössen der Politik und der Wirtschaft als Verlierer erscheinen. Eine ver-rückte Machtordnung entsteht.
In den Bräuchen, Bildern und Symbolen der Fasnacht treffen zwar unterschiedliche Kulturelemente und Motive aufeinander, die über das Mittelalter hinaus weit in die vorchristliche Zeit zurückreichen. Das «Ver-rückte» der Fasnacht ist aber auch ein zentrales Motiv der biblischen Werteordnung. Das klingt auf den ersten Blick verrückt, denn im biblischen Buch der Sprichwörter wird deutlich vor Narrheit gewarnt. Im 13. Kapitel des Buches lesen wir beispielsweise: «Wer mit Weisen unterwegs ist, wird weise, wer mit Toren verkehrt, dem geht es schlecht» (Sprüche 13,20). Und im Kapitel 24 des gleichen Buches heisst es: «Das Trachten des Toren ist Sünde, der Zuchtlose ist den Menschen ein Gräuel» (Sprüche 24,9).
Die Bibel ist aber nur oberflächlich betrachtet witzlos. Die eigentliche Pointe und der «Witz» der biblischen Botschaft besteht darin, dass sie die Menschen auffordert, das «Selbstverständliche», das «Schicksalhafte» oder das scheinbar «Gottgewollte» der herrschenden Machtstrukturen und Denkweisen zu hinterfragen und auf den Kopf zu stellen – zu verrücken also. Das Aha-Erlebnis, das wir beim Anblick mancher Masken und Spiele während der Fasnacht machen, ist auch ein wesentliches Element im Verstehensprozess biblischer Erzählungen. Alltagsgeschichten werden hergenommen, um darin das Nichtalltägliche aufleuchten zu lassen oder zumindest mitzuteilen, dass es auch anders sein könnte. Die biblischen Vorstellungen eines Kamels im Nadelöhr oder eines Balkens im Auge erscheinen allesamt schon ziemlich verrückt oder als witzige und krasse Karikaturen. Und ausserdem begegnen wir in der Bibel Geschichten, in denen die Wirklichkeit für manchen Beobachter närrisch auf den Kopf gestellt wird. In der Bergpredigt Jesu (Lk 6,20f) beispielsweise gehören ausgerechnet die Armen, Hungrigen und Weinenden zu den Erben des Reich Gottes. Und der christliche Glaube spricht angesichts des Kreuzes von der Auferstehung, angesichts des Todes am Grab vom Leben, angesichts der Ungerechtigkeit der Menschen von der Gerechtigkeit des Gottes Reiches und angesichts des Hasses und der «gerechten» Rache von der Nächsten- und Feindesliebe. Eine ver-rückte Weltordnung begegnet uns hier. Der Philosoph Friedrich Nietzsche hielt diese christliche Werteordnung einfach für verrückt und wiedernatürlich.
Auf die närrisch-verrückten Tage der Fasnacht folgt im Christentum die 40-tägige Fastenzeit. Sie beginnt am Aschermittwoch und dient zur Vorbereitung auf das Osterfest. Die Fastenzeit ist aber kein abruptes Ende der närrischen Ausgelassenheit der Fasnacht. Sie ist vielmehr eine Denkpause, in der der gläubige Christ und die gläubige Christin wach und sensibel dafür sein sollen, dass die Welt, in der wir leben, nicht im Vordergründigen aufgeht. Auch in der Fastenzeit begegnet uns nämlich eine ver-rückte Welt. Sie eröffnet dem Menschen einerseits den Raum, darüber nachzudenken, wie er es hält mit den scheinbaren Selbstverständlichkeiten seines Alltagslebens, seines Umgangs mit den Mitmenschen, seines Umgangs mit dem, was ihm heilig ist und mit dem, was dem anderen heilig ist. Und sie konfrontiert den Menschen andererseits mit der Frage, ob es nicht an der Zeit wäre, die Werteordnung mancher verrückten und närrischen Selbstverständlichkeiten einfach mal zu ver-rücken.
5. Februar 2024 | Samuel Behloul ›




































