«Entscheidend ist ein offenes Herz»

Brigitte Lindt-Plüss übernimmt die Leitung der Vermittlungsstelle der Wegbegleitung Region Aarau.

In der Kirche in Schöftland übergibt Andrea Müller (links) die Leitung der Vermittlungsstelle der Wegbegleitung an Brigitte Lindt-Plüss (rechts).

Freiwillige begleiten bei der «Wegbegleitung» Menschen in einer herausfordernden Lebensphase. Seit Januar 2026 wird die Vermittlungsstelle Region Aarau von Brigitte Lindt (rechts im Bild) geleitet. Sie löst Andrea Müller (links) ab, die ihr Amt niederlegte, als sich abzeichnete, dass das Pensum von 50 auf 30 Stellenprozente reduziert wird. Die Reduktion ist eine Folge davon, dass zwei Kirchgemeinden ihre Beiträge an die Wegbegleitung sistiert haben.

Dani Schranz: Was ist der Kern der Wegbegleitung, und was macht dieses Angebot für Menschen in herausfordernden Lebenssituationen so wertvoll?

Brigitte Lindt-Plüss: Der Kern der Wegbegleitung besteht darin, dass jemand unkompliziert mit dir unterwegs ist. Es ist keine Fachstelle, bei der man aufpassen muss, was man sagt, aus Angst vor finanziellen Konsequenzen. Es ist ein Angebot auf Augenhöhe. Die Begleitungen sind nicht auf ein eng definiertes Problemfeld beschränkt. Wir stecken einen Rahmen ab, formulieren ein Ziel und definieren Die Dauer. Das «Kerngeschäft» ist schlicht, mit Menschen unterwegs zu sein und sie wertschätzend und respektvoll zu begleiten mit der Grundhaltung: Es ist in Ordnung, dass du Hilfe beanspruchst.

Das Pensum der Vermittlungsstellenleiterin wurde von 50 auf 30 Stellenprozente reduziert. Wie wirkt sich diese Reduktion auf deine Arbeit aus?

Wir sind geografisch in einem sehr grossen Gebiet tätig und müssen unsere Möglichkeiten realistisch einschätzen. Ich möchte Menschen aus jenen Dörfern priorisieren, deren Kirchgemeinden die Wegbegleitung weiterhin unterstützen. Aber auch mit weniger finanziellen Mitteln ist noch sehr viel möglich.

Was hat dich motiviert, die Leitung unter diesen Rahmenbedingungen zu übernehmen?

Nebst meiner Arbeit als Leiterin der Vermittlungsstelle der Region Zofingen war ich bereits Stellvertreterin von Andrea Müller. Dadurch kannte ich die Wegbegleitung der Region Aarau und den Arbeitsalltag gut. Ich habe gesehen, dass auch mit einem Pensum von 20 Prozent vieles möglich ist. Zudem kenne ich die Freiwilligen. Das ist ein grosser Vorteil. Nun hoffe ich einfach, dass das Pensum stabil bleibt und wir das Angebot weiterhin verlässlich weiterführen können.

Was braucht es dafür langfristig?

In erster Linie genügend freiwillige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter. Es ist entscheidend, dass wir Menschen finden, die motiviert mitarbeiten und ein Herz für diese Aufgabe haben. Die Freiwilligen, die bereits dabei sind, leisten sehr wertvolle Arbeit.

Wir haben die Möglichkeit, hier einen Aufruf zu platzieren, um weitere Freiwillige zu gewinnen. Wie sollte dieser formuliert sein, damit wir die richtigen Menschen erreichen?

Wir suchen Personen mit einem offenen Herzen für Menschen in Krisensituationen. Krisen können klein oder gross sein. Wichtig sind Empathie, die Bereitschaft, mit jemandem unterwegs zu sein, und die Fähigkeit, sich auf unterschiedliche Situationen einzulassen. Wir suchen Menschen mit Lebenserfahrung und Zeit, die sie verschenken möchten.

Mit welchem zeitlichen Engagement muss ich als Wegbegleiterin oder Wegbegleiter rechnen?

In der Regel findet ein Treffen pro Woche statt, meistens von rund zwei Stunden Dauer. Die Begleitungen dauern häufig etwa sechs Monate. Die konkrete Dauer wird jedoch immer gemeinsam vereinbart. Wenn ich beispielsweise weiss, dass jemand im Sommer mehrere Monate nicht verfügbar ist, organisiere ich entsprechend kürzere Begleitungen. Wichtig ist, dass wir laufend im Gespräch bleiben. Gerade bei neuen Freiwilligen beginne ich oft mit einer dreimonatigen Begleitung. Danach schauen wir gemeinsam, ob und wie es weitergeht. Als Freiwillige oder Freiwilliger hat man also viel Mitspracherecht. Entscheidend ist die Bereitschaft und ein offenes Herz – alles Weitere organisieren wir gemeinsam.

Könnten Sie sich vorstellen, Wegbegleiterin oder Wegbegleiter zu werden?
Wenden Sie sich direkt an Brigitte Lindt-Plüss, per E-Mail oder telefonisch unter 079 684 96 51


16. Januar 2026 | Dani Schranz