Bunte Mauerreste werden zum Lebensort. Das Gleichnis vom Senfkorn erzählt von der Welt Gottes, in der es keine Grenzen und Mauern geben soll. Das geteilte Brot erzählt vom erfüllten Leben aller. (Foto: Dani Schranz – avenue.ch)

„Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt!“

19 Kinder aus Buchs und Aarau Rohr feierten bunt und lebendig ihre Kommunion

Es ist mucksmäuschenstill. Aus einer kleinen Spieluhr mit Handkurbel klingen leise Töne in den Kirchenraum: „2 x 3 macht 4 Widdewiddewitt – und Drei macht Neune!
Ich mach’ mir die Welt – Widdewidde wie sie mir gefällt…» Die Kommunionkinder erkennen das Lied von Pippi Langstrumpf. Ihr 1×1 hätte Jesus gefallen, meint Pfarrer Peter Bernd. Eines, bei dem alles für möglich gehalten wird, alles Schräge, Bunte und Vielfältige des Lebens. Ein junger Mann vor 2000 Jahren und ein rebellisches Mädchen aus einer wundervollen Geschichte, die beide nicht beigebracht kriegen wollen, was alles nicht geht. Jede/r kann dieses andere 1×1 lernen. Und in der letzten Strophe heißt es nicht mehr nur ‚ich’, sondern: „Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt. Wer will’s von uns lernen.“
Was das mit Jesus zu tun hat? Der war auch einer, der sich die Welt ganz anders dachte und dies Reich Gottes nannte. Einer, der sich mit vielen Menschen ins Gras setzte und zum Teilen anstiftete. Zum Ideen-Ausdenken und zum Träume-Schmieden. Und der Geschichten erzählte.

Wie das Gleichnis vom Senfkorn, das zu einem grossen Gewächs werde, in dem die freien Vögel des Himmels ihre Nester bauen. Beim Kommunionfest wird die wunderschöne Variante der Niederländer Karel Eykman und Bert Bouman vorgelesen: Die Welt, wie sie Gott gefällt, sagt Jesus, ist wie das Einnisten der Senfpflänzchen in den Mauerritzen der Kasernen, der Mauern, die die Mächtigen und Reichen hochziehen. Die kleinen Pflanzen bringen die Mauern zum Einstürzen. Überall wird es bunt und kommt das gute Leben zum Vorschein. Ganz so haben Eltern und Kinder die Überbleibsel einer Mauer farbenfroh gestaltet.
Das 1×1 des Reiches Gottes, der Welt, wie sie Gott gefällt, wie er sie durch Menschen machen will, wird erlebbar im Brechen des Brotes, von dem alle essen, die an die Welt Gottes glauben, in der alle Platz haben für ein erfülltes Leben.

Das Zeichen des geteilten Brotes und Bechers ist ein rebellisches und aufständisches Zeichen. Es ist das stärkste Symbol für das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit für diese Erde. Hier, am „Tisch Gottes“ wird das 1×1 der Kommunion gelernt: Volles und erfülltes Leben, alles für alle und nicht nur wenige. Das bedeutet Kommunion. Gemeinschaft und Leben aus Gott, wenn es die Grenzen nicht mehr gibt, wenn die kalte Logik von Ausbeutung und Grenzziehung, von Aufrüstung und Gewalt aus den Köpfen der Menschen verschwunden ist.

Die Kinder sagen es dann mit ihren Worten. Sie machen sich die Welt, wie es ihnen gefällt. Und alle haben das Kommunionfest gefeiert, Lieder gesungen und vom gebrochenen Brot gegessen. 19 Kinder sind es dieses Jahr gewesen: Mögen sie zu mutigen Menschen heranwachsen – rebellisch für eine andere Welt.
An dieser Stelle ein grosses Merci von allen Seiten der Katechese für das engagierte Begleiten der Kinder, die vielen Vorbereitungen, den Eltern, den Musikern und allen, die das Fest “auf und hinter der Bühne” mitgetragen haben!

Peter Bernd

Schalomkreis vor dem Teilen von Brot und Wein. (Foto: Dani Schranz)

Der Harmoniemusik lauschen: Das Fest geht fröhlich weiter. (Foto: Dani Schranz)

19 Kinder haben ihr Kommunionfest gefeiert. (Foto: Dani Schranz)

Aufmerksam – dabei sein. Andere Ansichten. (Foto: Dani Schranz)