Hunderte Jugendliche haben durch die Jahre für Respekt unterschrieben. Besuch im Begegnungszentrum der katholischen hiv-aids-Seelsorge in Zürich. (Foto: P. Bernd)

Respekt ist konkret

Firmand:innen zu Gast im Begegnungszentrum der hiv-aids-Seelsorge Zürich

Die Firmand:innen der Pfarreien Aarau, Buchs-Rohr und Suhr-Gränichen lernen im Rahmen ihrer Vorbereitung auf die Firmung verschiedene Seiten von Kirche kennen – z.B. mit konkreten Einsätzen vor Ort. – Wichtig ist, dass Vielfalt kirchlichen Lebens und Engagements spürbar und sichtbar wird.
Dazu zählt alles, was zum Bereich Diakonie gehört, z.B. das Kennenlernen des Offenen Pfarrhauses Aarau und der Sozialarbeit dort. Oder auch das Erfahren der gesellschaftspolitischen Dimension biblischer Texte mit ihrer vorrangingen Option für die Armen und Bedrängten: Parteilichkeit des biblischen Gottes auf deren Seite.
Nun nahm eine kleine Gruppe der Jugendlichen Einblick in die Arbeit der hiv-aids-Seelsorge der katholischen Kirche in Zürich, die Bruno Willi seit vielen Jahren leitet. Sie ist ein echter Lernort für Respekt und die Überwindung von Vorteilen und Ausgrenzung. Das war sie von Anfang an, als sie noch AIDS-Pfarramt hiess und das Eintreten für von tödlicher Krankheit betroffener Menschen die Arbeit bestimmte: Da ging es um Würde und auch viel um Sachlichkeit und die Zurückweisung bürgerlicher Moral.
Inzwischen gibt es wirksame Medikamente. Aber das nach wie vor hohe Ausmass an Uninformiertheit macht deutlich, wie wichtig die Arbeit ist und auch eine solche Begegnung, wie sie die Gruppe aus der Region Aarau erleben durfte.
Lukas* berichtete von seinen schwierigen Erfahrungen seit dem Moment, an dem er von seiner HIV-Infektion erfuhr. Vor allem davon, wie sehr verbreitetes Nichtwissen dabei eine Rolle spiele. Dass heute niemand mehr sterben müsse, dass die Medikamente das Virus komplett im Blut etc. unterdrücken und keine Ansteckung mehr möglich ist.
Mit Simon* aus Burundi geriet eindrücklich die Thematik «Queer-Sein und Flucht» in den Fokus des Gespräches. Die Jugendlichen waren betroffen von der Realität in dessen Heimatland und den Hürden, die es im Rahmen eines Anerkennungsverfahrens in der Schweiz zu nehmen gilt. Simon* ist Aktivist und stellt sich auch für die Aufklärungsarbeit zur Verfügung. Inzwischen konnte er seinen Partner in die neue Heimat nachkommen lassen, die vor allem Freiheit, Atmen-Können und Engagement bedeutet.
Das Beispiel von Simon* zeigt, dass die hiv-aids-Seelsorge Zürich sich in zwischen breiter thematisch aufgestellt hat und das ganze Spektrum queeren Lebens in seinen Herausforderungen rund um Ausgrenzung, Flucht und Begleitung anvisiert.
Die Jugendlichen unterstützen sehr, dass der Besuch bei der hiv-aids-Seelsorge ins Programm des Firmkurses gehören sollte.

*Name geändert