Ein Ort mit offenen Türen?

Manche Ältere erzählen gerne davon, dass bei ihnen zu Hause auf dem Dorf oder im Wohnblock, die Haustüren nicht abgeschlossen waren. Man konnte anklopfen und eintreten, mensch vertraute sich, frau unterbrach gerne für die Nachbarin die Arbeit, an der sie gerade war. Aber selbst in Städten und heutzutage entdeckt man in alternativen Quartieren offene Haustüren, ein Kommen und Gehen, Plaudern und Leben im Vorgarten… oder den offenen Zugang zu autonomen Häusern.

Der Kirchenraum von St. Johannes in Buchs ist tagsüber auch geöffnet, damit Menschen eintreten und sich eine kleine Auszeit gönnen können. Beim Zentrum sieht es derzeit (noch) anders aus, obwohl dessen Räume auch mit Kirche identifiziert werden. Und das sollen sie, aber nicht als abgeschlossene. Der Workshop zu «Mensch & Raum» mit Jesús Turiño, der Projekte rund um Soziokultur, Sozialraum, Raum- und Stadtentwicklung begleitet, hat eine gute Zahl von Menschen zusammengebracht, um sich heranzuwagen an die Themen Öffnung des Zentrums, Nutzung und Gestaltung von Räumen, Niederschwelligkeit und Zugänglichkeit. Wichtig war der Input, nicht mit Hindernissen und Blockaden, sondern mit Visionen anzufangen. Oder sich von einem Ausspruch eines Kölner Pfarrers inspirieren zu lassen: «Wer etwas macht, hat die Macht und erhält einen Schlüssel.» Und die Tür ist am Tag offen. Das Haus gehört den Menschen. Anfang November ging es ans Weiterdenken zum Projekt «Offene Türen». Interessierte Menschen sind jederzeit willkommen.

Kostenlos und offen für alle: Die Pfarrei begeht neue Wege am Sommerfest.

Das Sommerfest im August ist als Experiment im selben Geist durchgeführt worden: als Fest ohne Preise und offen für alle Menschen. Es ist gelungen und war schön, denn Menschen über die Grenzen der Pfarrei hinaus kamen zusammen. Und das verdankt sich der Offenheit, dem Engagement und dem respektvollen Umgang von vielen Menschen. So soll es weitergehen.

Auch die Öffnung im Pastoralraum ist uns ein Anliegen. Ganz wichtig waren in den vergangenen Monaten die ersten Schritte zur Zusammenarbeit: Es gibt das Treffen «Fachkompetenz Katechese», bei dem inzwischen Katechet:innen aus vier Pfarreien ihre Köpfe zusammenstecken. Zum ersten Mal haben sich Jugendliche aus den Pfarreien Aarau, Suhr-Gränichen und Buchs-Rohr gemeinsam dem Firmkurs gestellt, der von einem Team aus den drei Pfarreien getragen war. So liessen sich im Juni fast 60 junge Erwachsene in Suhr firmen.

Und drei Kolleg:innen aus der Pastoralraumleitung organisieren für den ganzen Pastoralraum zweimal im Jahr Bildungsabende mit namhaften Theolog:innen. Den Beginn machte im Mai Dr. Urs Eigenmann mit einem Vortrag zur Eucharistie als subversiver Symbolhandlung und lieferte damit das Beispiel einer biblischen und befreienden Wiederentdeckung eines Sakramentes.

Schliesslich konnte in der Pfarrei Buchs-Rohr ab Anfang März das Team mit Claudia Christen als erfahrener pastoraler Mitarbeiterin komplettiert werden. Sie arbeitet in diversen Bereichen und hat begonnen, der Frauenarbeit durch Vernetzung und Angebote ein Gesicht zu geben. Es besteht bereits ein Kontakt zu frauenaargau und zum Aargauischen Katholischen Frauenbund. Im November ist ein Lektüreangebot zu einer «politisch-theologischen Spurensuche nach dem weiblichen Subjekt» gestartet mit einem Buch von Barbara Imholz und Julia Lis vom Institut für Theologie und Politik in Münster, zu dem Peter Bernd und Claudia Christen regen und stets anregenden Kontakt pflegen.

Das Team ist bereit, sich anstehenden Herausforderungen – über die Grenzen der Pfarrei hinaus – zu stellen und Menschen für manche neuen Schritte zu gewinnen.


12. Oktober 2026 | Peter Bernd