Christus hat uns erlöst

Ein Themenabend mit dem Theologen Prof. em. Dr. Walter K. Kirchschläger

«Erlösung» ist ein Leitbegriff unseres Glaubens: Los-lösen von einer Last, einer Schuld, einer Verpflichtung – das haben viele mitgenommen: Es gehe um die Schuld des Menschen, um sein Versagen; dieses sei gegenüber Gott durch Jesus Christus bereinigt, eben ge«löst» worden. Der Lebensweg Jesu von Nazaret bietet eine Folie für dieses Verständnis: Das Böse, die Schuld des Menschen habe getilgt werden müssen, und deshalb sei Jesus am Kreuz gestorben. Durch sehr lange Zeit hat dies Leben und Glauben vieler Menschen mitbestimmt. – Aber ist das wirklich so, und warum?

Dass es Schuld und Versagen gibt, ist nicht zu leugnen. Die eigene Lebenserfahrung lässt erkennen, dass weder der Mensch selbst noch die ihn umgebende Welt vollkommen sind – auch wenn es zur Schöpfung in der Bibel heisst: «Gott sah alles an, was er gemacht hatte; und siehe: es war sehr gut» (Gen 1,31).

Schon sehr früh kommen die grossen Menschheitsfragen in den Blick: nach Leben und Tod, nach Sünde und Vergebung oder Vergeltung, und vor allem: Wenn alles gut war – wo ist der Ort des Bösen, wo sein Ursprung? Die Antwortversuche der Bibel spiegeln den jeweiligen Denk- und Verstehenshorizont: Paradies und Sündenfall, Brudermord und Tod. Da Judentum und Christentum von einem einzigen Gott sprechen, muss in diesem Gott auch das Negative seinen Platz haben: «Ich bin der Herr und sonst niemand: Der das Licht formt und das Dunkel erschafft, der das Heil macht und das Unheil erschafft» (Jes 45,6b–7 im 6. Jh. v. Chr.).

Vielfach und zurecht denken wir heute nicht so über unseren Gott. Aber Vorsicht: Nicht Gott ändert sich von Generation zu Generation! Es ist die menschliche Perspektive, die situationsbedingt ist; je nach Zeit, Schicksal und Lebenserfahrung rücken unterschiedliche Facetten der insgesamt unfassbaren Gotteswirklichkeit in das kollektive und/oder das eigene Bewusstsein.

So bleiben Fragen: Denn Gott ist grösser als das Verstehen des Menschen, intensiver als sein Fühlen, dynamischer als jedes andere Leben. «Gott hat niemand jemals gesehen» – schreibt einer der Evangelisten (Joh 1,18a), um sofort die einzige Ausnahme nachzutragen: Jesus von Nazaret, der gemäss biblischem Zeugnis in Leben, Tod und Auferstehung diesen Gott «auslegt», also inhaltlich erschliesst. Das letzte Konzil (1962–1965) hat über diese Zugänglichkeit Gottes nachgedacht: Aus freiem Entschluss habe sich Gott selbst den Menschen zugewandt, «redet die Menschen aus dem Überströmen seiner Liebe an wie Freunde …, um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen».

Beziehungen sind für Menschen eine Erfahrungswirklichkeit, die – positiv oder negativ – Verstehen ermöglicht. Dies gilt auch für den Weg des Glaubens, auf der Grundlage der Zuwendung Gottes, wie sie Jesus von Nazaret unermüdlich bezeugt hat.

Nicht alle angedeuteten Fragen sind damit beantwortet. Aber diese neue Sprache kann einen Zugang dafür erschliessen, sich nach und nach – und jetzt einmal einen Abend lang – damit auseinanderzusetzen.

Zu diesem Thema laden wir herzlich ein zum Themenabend mit dem Theologen Prof. em. Dr. Walter K. Kirchschläger:

Dienstag, 8. September 2026, 19.00 bis 21.30 Uhr
Pfarreizentrum Suhr, Tramstrasse 38
Eintritt frei, im Anschluss Apéro


28. August 2026 | Dr. Walter K. Kirchschläger, auf Einladung der Pastoralraum-Leitung