Mitgestalten statt zuschauen

Gesamterneuerungswahlen vom 29. November 2026

Stefan Pöder ist Präsident der Ortskirchenpflege in Entfelden und der Kreiskirchenpflege Aarau

Im November finden in allen Ortskirchgemeinden der Kreiskirchgemeinde Aarau Erneuerungswahlen statt. Am Abstimmungssonntag vom 29. November wählen Sie die Mitglieder der Ortskirchenpflegen und der Synode, dem Parlament der Landeskirche, und Sie bestätigen die Wiederwahl der fünf Pfarreileitungen im Pastoralraum. Die neu- oder wiedergewählten Behördenmitglieder werden für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt. Wenn Ihnen das kirchliche Wirken am Herzen liegt und Sie einen Teil Ihrer Freizeit für ein Amt in einer Behörde aufwenden möchten, bietet sich nun die Möglichkeit, sich für ein Engagement in Ihrer Ortskirchgemeinde zur Verfügung zu stellen.

Stefan Pöder kennt die behördliche Tätigkeit aus dem Effeff. Er präsidiert die Ortskirchenpflege in Entfelden und hat vor einem Jahr das Präsidium der Kreiskirchenpflege Aarau übernommen. Nach acht Jahren Behördentätigkeit stellt er sich nicht mehr zur Wiederwahl – «Sesselkleber» wolle er keiner werden, betont er im Gespräch, bei welchem er Einblick gibt in eine Tätigkeit, die weit mehr ist als ein blosses Ehrenamt.

Die Organisationsstruktur
Die Kirchgemeinde Aarau ist als Kreiskirchgemeinde organisiert – im Gegensatz zu Kirchgemeinden ähnlicher Grösse wie Brugg oder Lenzburg. Das bedeutet: Die Kreiskirchenpflege (KKP) übernimmt die leitende Funktion auf Ebene der Kreiskirchgemeinde Aarau, während die fünf dezentralen Ortskirchenpflegen (OKP) in Aarau, Buchs-Rohr, Entfelden, Schöftland und Suhr-Gränichen die lokalen Verwaltungsaufgaben wahrnehmen und ein eigenes Pauschalbudget verwalten. Jede OKP besteht aus fünf bis neun Mitgliedern. Eine Person aus jeder OKP wird zudem in die Kreiskirchenpflege entsandt.

Die KKP ist verantwortlich für die Geschäftsführung der Kreiskirchgemeinde insgesamt – von der Budget- und Finanzplanung über die Personaladministration bis hin zur Ressortverantwortung für Bereiche wie Liegenschaften, Aktuariat oder ICT. Stefan Pöder versteht seine Rolle dabei als Dienstleister. «Man ist ein bisschen wie ein Bibliothekar: Man sorgt dafür, dass alles, was die Bibliotheksbenutzenden brauchen, auch das ist, und bleibt dabei meist im Hintergrund.»

Was das Amt bedeutet
Ein Amt in der Kirchenpflege ist ein Nebenamt mit einem gewissen Zeitaufwand. Pöder empfiehlt, für ein Ressort in der Ortskirchenpflege monatlich rund fünf Stunden plus Sitzungszeit einzuplanen. Wenn zusätzlich ein Amt eines Ressortverantwortlichen der Kreiskirchenpflege übernommen wird, kann das insgesamt bis zu 20 Stunden pro Monat in Anspruch nehmen. Die Entschädigung als Mitglied einer Ortskirchenpflege beträgt pauschal 2000 Franken pro Jahr für ein Ressort, die zusätzliche Entschädigung als Mitglied der Kreiskirchenpflege beträgt pauschal 3000 Franken pro Jahr – Summen, die Stefan Pöder als «eher bescheiden», aber angesichts eines sorgfältigen Umgangs mit Steuergeldern als «angemessen» beurteilt.

Wichtig für einen guten Start ist laut Pöder vor allem Führungserfahrung. Wer sich in Dossiers einarbeiten, Entscheide nachvollziehen und Verantwortung übernehmen kann, bringt die besten Voraussetzungen mit. Genauso entscheidend sei die persönliche Motivation: «Man muss bereit sein, auch mit Widerständen umzugehen. Das gehört dazu.»

Herausforderungen
Pöder verhehlt nicht, dass die Tätigkeit auch anspruchsvolle Seiten hat. In einer Kreiskirchgemeinde mit fünf dezentralen Einheiten ist die Vereinheitlichung von Verwaltungspraktiken eine permanente Aufgabe. Wenn Abläufe strukturiert oder gesetzliche Vorgaben umgesetzt werden müssen – sei es beim Personalrecht, bei Finanzregeln oder bei Sicherheitsvorschriften –, stösst man nicht selten auf Skepsis oder gar Widerstand. Hinzu kommt das permanente Feilschen um Ressourcen und Budget, das in einer dezentral organisierten Struktur besonders zeitintensiv ist. «Man muss einen langen Atem haben», sagt Pöder. Doch genau das macht die Tätigkeit auch interessant: Sie verlangt strategisches Denken, Beharrlichkeit und die Fähigkeit, unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen.

Die schönen Seiten
Nebst den Herausforderungen betont Pöder auch das Positive: Die Arbeit in der Ortskirchenpflege erlebt er als sehr einvernehmlich. Hier steht die direkte Unterstützung des Pfarreilebens im Vordergrund – die Begleitung von ehrenamtlichen Einsätzen, die Nähe zur Gemeinschaft, das konkrete Wirken vor Ort. «Dort, wo man in direktem Kontakt mit den Menschen ist, macht dieses Amt am meisten Freude», sagt Pöder.

Ihr Engagement ist gefragt
Die Erneuerungswahlen im November sind eine Einladung, Verantwortung zu übernehmen und die Kirchgemeinde aktiv mitzugestalten. Ob in einer Ortskirchenpflege oder als Mitglied der Synode – es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich einzubringen, je nach verfügbarer Zeit und persönlichen Stärken. Wenn Sie Interesse haben oder mehr erfahren möchten, nehmen Sie Kontakt mit Ihrer Ortskirchenpflege auf. Die Kontakte finden Sie auf den Pfarrei-Seiten.


2. März 2026 | Dani Schranz